Wiener Polizei weltweit blamiert
Der Wiener Barkeeper Edin Mehic war von einem Polizisten zu € 70,- Strafe verdonnert worden, weil er - festhalten! - in der Öffentlichkeit nach Verzehr eines Döners gerülpst hatte. Das besonders Pikante an der Sache: Ort des Geschehens war ausgerechnet der Wiener Praterstern, wo die Polizei doch eigentlich anderes zu tun haben sollte. Entsprechend hämisch fielen damals die Artikel österreichischer Journalisten aus. (Herr Mehic selbst schildert sein unpackbares Erlebnis hier.)
Was ich erst jetzt erfahren habe: Edin Mehic wurde mit dieser Story zum derzeit bekanntesten Österreicher weltweit. Von China bis Kanada, von Kroatien bis Kalifornien berichteten die Zeitungen und Fernsehstationen über den bizarren Vorfall. Weil die Wiener Polizei den eigentlichen „Hauptdarsteller“ (den Polizisten) unter Verschluß hält, ist nur Polizeiopfer Edin Mehic zu sehen. Überall.
Krönung der Geschichte: Die türkische Döner-Kette Kasap Döner lud den 27jährigen Wiener zu einer Reise nach İstanbul ein. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde ihm dort ein Scheck über € 70,- Euro überreicht, der den durch das Fehlverhalten der Wiener Polizei erlittenen Schaden ausgleichen soll.
Unterm Strich: Edin Mehic ist berühmt, Kasap Döner hat eine tolle Werbeaktion gelandet und die ganze Welt hält sich den Bauch vor Lachen über die Dummheit der Wiener Polizei. Noch unbekannt ist, wie sich die „Aktion (mit alles und) scharf“ auf die Kriminalitätsrate am Praterstern ausgewirkt hat. :)
ESC 2016: Wettquoten!
Wochenlang durfte ich hier Tabellen veröffentlichen, die ausschließlich meinen eigenen Geschmack widerspiegeln. Nun ist es soweit, daß die Wettquoten langsam einen Bezug zur Realität entwickeln. (Bisher wurde gerade bei den Spitzenplätzen oft auf Länder gewettet, die ihre Songs noch gar nicht veröffentlicht hatten.)
Also - Trommelwirbel! - ein erster Blick auf die Listen der Buchmacher:
| Rang | Land | Song | ⇅ |
| Interpret | |||
| 1 | Schweden | If I Were Sorry | ↑ |
| Frans | |||
| (Egozentrischer Teenie-Herzschmerz. Professionell gemacht, läßt aber trotzdem kalt.) | |||
| 2 | Russland | You Are The Only One | ↑ |
| Sergey Lazarev | |||
| (Berechnend und professionell konstruiert. Gelungen.) | |||
| 3 | Kroatien | Lighthouse | ↑ |
| Nina Kraljić | |||
| (Plätschert angenehm und ist gleich wieder vergessen.) | |||
| 4 | Australien | Sound Of Silence | ↑ |
| Dami Im | |||
| (Man sehnt sich nach silence.) | |||
| 5 | Lettland | Heartbeat | ↑ |
| Just | |||
| (Just bekämpft einen Song, der vielleicht nicht übel wäre.) | |||
| 6 | Frankreich | J'ai Cherché | ↑ |
| Amir | |||
| (Juhu-uhuhu…) | |||
| 7 | Serbien | Goodbye (Shelter) | ↑ |
| ZAA | |||
| (Gut gemeint, fürchte ich. Man sollte sich beim ESC nicht als Clown maskieren und dann wichtig nehmen.) | |||
| 8 | Ukraine | 1944 | ↑ |
| Jamala | |||
| (Seltsam. Was ja nicht per se schlecht ist.) | |||
| 9 | Aserbaidschan | Miracle | ↑ |
| Samra | |||
| (Wohltuend: erkennbare Melodie.) | |||
| 10 | Zypern | Alter Ego | ↑ |
| Minus One | |||
| (Schönes von G:son) |
Rund die Hälfte der Buchmacher-Favoriten findet sich auch in meiner persönlichen Bestenliste. (Das ist die übliche Quote.) Bei den anderen Songs kann ich zumindest nachvollziehen, warum sie populär sind. Einzige Ausnahme ist das elendsfade Gsangl aus Australien. Hinter dem Titel „Sound of Silence“ stehen Anthony Egizii and David Musumeci, die mit ihrer Produktionsfirma DNA Songs eigentlich schon mal mehr zusammengebracht haben. Vielleicht sind solche teflonglatten, selbstverliebten Schlaflieder ja aber auch einfach für eine andere Generation gemacht. :)
Was sagen die Wettquoten Mitte März (bzw. meine persönliche Favoritenliste) über die tatsächlichen Siegeschancen aus? Ich hab mir die letzten paar Jahre angesehen:
Es ist gar nicht so selten, daß die Buchmacher so früh schon den Sieger korrekt vorhersagen können. 2012 war „Euphoria“ (von G:son) so ein klarer Fall, 2013 war es „Only Teardrops“ (von Lise Cabble, Julia Fabrin Jakobsen und Thomas Stengaard), 2015 lag „Heroes“ (von Anton Malmberg Hård af Segerstad, Joy Deb und Linnea Deb) schon im März auf dem ersten Platz bei den Wetten. Der einzige Ausreißer der letzten Jahre war „Rise Like a Phoenix“ (Alexander Zuckowski, Julian Maas, Robin Grubert): Der Song war im März 2014 noch nicht einmal in den Top 10 der Buchmacher angekommen. Er stieg erst wenige Tage vor dem Finale zu einem ernsthaften Anwärter auf den Sieg auf, als das wettfreudige Volk die Publikumsreaktionen bei Conchitas Auftritten in Anrufe umzurechnen begann.
Kann das auch für diese Tabelle gelten? Ist Schweden der Sieger 2016? Eine Besonderheit gilt es noch zu beachten: Der schwedische Sender SVT hat den nationalen Vorentscheid erst gestern Abend veranstaltet, die überwiegende Mehrheit der Wetten auf einen Sieg Schwedens wurde bereits in den Wochen zuvor abgeschlossen. Da kann sich also noch mehr bewegen als sonst um diese Zeit im Jahr. (Tatsächlich sind die Quoten für einen Sieg Schwedens gestern noch bei 1:2,25 gestanden. Jetzt, wo der kleine Frans mit „If I Were Sorry“ als Repräsentant des Landes feststeht, liegen sie bei 1:4,42. Russland könnte also durchaus schon bald den ersten Platz übernehmen.)
Gibt es eine zweite Faustregel, die man aus den Erfahrungen der Vergangenheit ableiten kann? Ja: Meine Favoriten gewinnen nie. Kein einziges Mal hat in den letzten Jahren der Song gewonnen, der mir am besten gefallen hat. :) Relativ häufig jedoch liegt das spätere Siegerlied in meiner Gunst so um den 5. Platz rum.
Ach ja, fast hätt ichs vergessen: Österreich liegt derzeit auf Platz 26 (von 43 teilnehmenden Rundfunkanstalten). Das ist grad so die Gegend, bei der man um einen Finaleinzug doch noch sehr zittern muß.


