Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Hardware und Software



İki bin on yedi und ich programmiere fürs Jolla

TurkishNumbers (Screenshot) Gleich zwei Sprachen gleichzeitig lernen (bzw.: wieder lernen), wo gibts denn sowas?

Wir schreiben das Jahr 2017 und zum ersten Mal seit November 2014 programmiere ich wieder für meine Sailfish-Geräte - inzwischen ja mehrere Telefone und Tablets. (Also: Was Richtiges programmieren, so mit grafischem User Interface und swipe und tap und bunt und so. Diverse Shell Scripts schreib ich ja zwischendurch immer wieder mal.)

Die Aufgabe des Programms ist denkbar einfach: Es hilft mir, türkische Zahlen zu üben. Wenn es on üç hinschreibt, muß ich „13“ eingeben. Schreibt es yirmi beş, erwartet es von mir ein „25“. Von der Programmlogik her klingt das trivial und ist es auch. Von der User Experience her klingt es tödlich langweilig … ja, und auch das trifft zu. Trotzdem besteht hier persönlicher Bedarf, obwohl oder gerade weil es so langweilig ist: Ich will einfach nicht jedes Mal ewig überlegen müssen, wenn es um Uhrzeiten, Jahreszahlen oder Altersangaben geht. Zack, zack muß das gehen und nur Übung macht hier den Meister.

Letzteres gilt natürlich auch für JavaScript, das ich in Verbindung mit dem QML-Framework und den darauf aufbauenden Silica-Elementen von Jolla für das Handy-Programm verwendet habe.

Im Vergleich zu 2014 war ich ziemlich schnell wieder drin. Eigentlich war das Programm an nicht einmal einem Nachmittag fertig - ohne Sailfish-Benutzeroberfläche, ohne QML-Spezifika. Weil mir von Beginn an klar war, daß die Programmlogik komplett in JavaScript abbildbar ist, hab ich mich einfach zum Wochenende an einen PC ohne Qt-Entwicklerumgebung gesetzt, im Texteditor eine rudimentäre HTML-Seite als User Interface gebaut und dann die JavaScript-Teile Funktion für Funktion dazugehängt.

Das externe JavaScript-File hab ich dann zuhause in den Qt-Creator importiert und eine QML-/Silica-Benutzeroberfläche drum herum geschrieben. So einfach geht das.

Oder: So einfach ginge das theoretisch. Denn: Kaum tut das Ding von den Funktionen her ungefähr das, was es soll (Bugs sind natürlich zu Beginn immer drin und werden der Reihe nach zerdrückt), kommt man bezüglich der Benutzeroberfläche ins Grübeln. Muß man hier wirklich zwei Menüpunkte einbauen? Reicht nicht eine Swipe-Geste zwischen zwei Seiten? Soll das Eingabefeld nach der Überprüfung des Ergebnisses editierbar bleiben? Wäre es nicht cool, wenn das Programm ein großes „I“ nicht zu einem kleinen „i“, sondern türkisch-korrekt zu einem kleinen „ı“ umwandelt vor dem String-Vergleich (was die Standardfunktion zunächst nicht tut)? Nur an solchem Unsinn arbeite ich jetzt seit zwei Wochenenden. Türkische Zahlen geübt hab ich natürlich kein bißchen in der Zeit. :)

Was ich 2014 gelernt habe: Kaum wird auch das User Interface halbwegs so tun, wie ich will, wird die Software einen leisen Tod sterben. Ein installierbares Paket zu schnüren und es im Jolla Store zu veröffentlichen ist mir dann 100%ig wieder zu viel unnötige Arbeit. Aber das macht ja auch nichts. Ich hatte ein paar Wochen lang Freude und weiß jetzt wieder: JavaScript ist 1000x leichter als Türkish. (Herr M. hat mir heute im Vorübergehen die vierte Vergangenheitsform eröffnet, in der man ein einfaches deutsches „Er hat gemacht“ ausdrücken kann: Neben „yaptı“, „yapıyordu“ und „yapmış“ gibts offenbar noch „yapardı“. Die Unterschiede, so mein Grammatikbuch, seien modal. Drauf gschissen. In JavaScript gibts weder Verben noch Zeitformen. *YSG*)


Kymijoki

Nach Kiiminkijoki kommt Kymijoki, die Version 2.1.3.7 von Jollas Sailfish-Betriebssystem. Daß die beiden Betriebssystemversionen so ähnlich klingen, mag eine bewußte Entscheidung gewesen sein (zumindest interpretiere ich das so):

Große Sprünge hat Sailfish in dem knappen Monat zwischen 2.1.2 und 2.1.3 nicht gemacht. Eher wurden die wenigen Unterschiede, die zwischen der Sony-Xperia-Version des Betriebssystems und allen anderen noch bestanden haben, eliminiert. Ebenso gab es beim Xperia noch einige Probleme mit der Abstimmung auf die Hardware auszubügeln. Im Vorbeigehen hat Jolla noch ein paar jüngst bekannt gewordene Sicherheitslücken beseitigt (WPA KRACK, Bluetooth Blueborne, … Ich frag mich gerade, wie viele andere Handys aus 2013 noch regelmäßig vom Hersteller mit Sicherheitsupdates versorgt werden.)

Neugierig machen einige populäre, Android-kompatible Programme, die im Changelog auftauchen, auf den Geräten dann aber nicht zu finden sind. Durchaus denkbar, daß hier die Kooperation mit Jala schon eine Rolle spielt und die lizenzpflichtige Software nur nach Bolivien ausgeliefert wird. Ich bin gespannt.

Ach ja: Natürlich ist Kymijoki ein Fluß in Finnland. Wo der aber genau ins Meer mündet und wie weit das von Helsinki weg ist, läßt sich schwer sagen: Er teilt sich nämlich vor der Mündung in fünf Arme auf. :)


Jala Accione: SailfishOS für Bolivien

Jala AccioneDas am MWC bereits angekündigte Sailfish-Smartphone Accione der bolivianischen Firma Jala ist nun zwei Smartphones:

Es gibt ein Accione und ein Accione P, die äußerlich gleich aussehen, sich aber in fast allen technischen Details (Prozessorleistung, RAM, Kamera, Bildschirmauflösung, …) unterscheiden. Diese Seite listet die Leistungsmerkmale der beiden Modelle im Überblick auf.

Jala will mit den Accione-Smartphones ein Bedürfnis befriedigen, das sie für ein typisch bolivianisches, wenn nicht typisch lateinamerikanisches halten: die Unabhängigkeit von den USA und ihren Konzernen.

Für Jolla ist das Accione die dritte erfolgreiche internationale Kooperation nach dem Intex Aqua Fish (Juli 2016, Indien) und dem Inoi R7 (Februar 2017, Russland). Mal sehen, wo die Finnen als nächstes zuschlagen.


Jolla: Sailfish am Sony Xperia X

Sailfish X Tatsächlich, jetzt ist sie da: Die als Sailfish X bezeichnete Variante des Betriebssystems SailfishOS, die am Sony Xperia X läuft. Und wer hats? Ich habs, ganz klar. ;)

Warum das so großartig ist? Erstens, weil ich endlich wieder von Android zurück auf SailfishOS wechseln kann. Zur Erinnerung: Mein Jolla Phone aus dem Jahr 2013 hat irgendwann im Juni so zu spinnen begonnen, daß ich mir ein neues Telefon anschaffen mußte. Weil zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt war, daß das Xperia X in den Genuß von SailfishOS kommen wird, hab ich mir gleich dieses Modell besorgt - mit dem Nebeneffekt, daß ich jetzt ca. drei Monate nur auf Android angewiesen war.

Zweitens, weil das Xperia X im Vergleich zum betagten Jolla Phone geschwindigkeitsmäßig schon ganz anders abgeht. Zum Vergleich das erste Jolla Phone, das Jolla C/Intex Aqua Fish und in der letzten Spalte das Xperia:

  Jolla Phone Jolla C Sony Xperia X
Displaygröße4,5"5"5"
Auflösung540 x 960720 x 12801080 × 1920
RAM1GB2GB3GB
CPU2x1,4GHz4x1,3GHz4x1,4GHz plus 2x1,8GHz
interner Massenspeicher16GB16GB32GB

Das ist zwar immer noch weit weg von aktuellen Samsung Galaxy Modellen (das Xperia X ist im Februar 2016 erschienen), man muß aber bedenken, wie viel besser Sailfish die Hardware ausnutzt. Der Start des vorinstallierten Android-Betriebssystems dauerte 45 Sekunden. Sailfish ist jetzt in 20 Sekunden fertig hochgefahren.

Etwas abschreckend ist die Installationsprozedur. Wer (so wie ich) noch nie tiefer in die Android-Welt eingetaucht ist, schüttelt hier doch verwundert den Kopf. In den Sony-Anleitungen für das Entsperren des Bootloaders steht allen Ernstes, daß man sieben Mal auf eine Software-Versionsnummer tippen muß, damit ein Menü angezeigt wird, in dem man dann erst die eigentlich notwendigen Einstellungen vornehmen kann. Daß man dieses Ritual nicht auch noch nackt bei Neumond vollziehen muß, verwundert dann fast ein bißchen …

Nächster Schwachpunkt: Sony verlangt die Verwendung seines Flash-Tools Emma, das aber nur für Windows verfügbar ist. Ich war kurz davor, mir eine Testversion von Windows 10 in die virtuelle Maschine zu laden, wie ich dann gottseidank diese Anleitung für GNU/Linux und Mac entdeckt habe. Funktioniert perfekt. Emma muß offenbar wirklich nur aus rechtlichen Gründen sein. Ebenfalls aus rechtlichen Gründen notwendig ist es, dem Kernel für das Xperia von der Sony-Website herunterzuladen. Er enthält (Linux hin oder her) proprietäre Treiber, die Jolla nicht zum Download von seinen Servern anbieten darf.

Auch wenns mir umständlich erschienen ist: Es hat auf Anhieb geklappt und keine Probleme verursacht. SailfishOS sieht am wunderbaren Display des Sony Xperia X nicht nur 1000x besser aus als auf den Vorgängergeräten, der Geschwindigkeitsunterschied ist auch deutlich spürbar. Irgendwie hab ich das Gefühl, daß ich SailfishOS zum ersten Mal so erlebe, wie es ursprünglich konzipiert war.

Ich bin gespannt, ob die heute veröffentlichte Version von „Sailfish X“ auch schon das Ende der Fahnenstange in Sachen Anpassung an die Xperia-Hardware bedeutet … oder ob da in den nächsten Monaten sogar noch mehr drin ist.


Jolla: Kiiminkijoki

Kiiminkijoki Kiiminkijoki ist ein Fluß, der gute sieben Autostunden nördlich von Helsinki in die Ostsee mündet. Kiiminkijoki ist auch der Name der neuesten Version 2.1.2 von SailfishOS, die Jolla heute im Rahmen des „Early Access“-Programms freigegeben hat.

Das vollständige Changelog zeigt eine schier unglaubliche Menge an Änderungen, Updates und Ergänzungen. Tatsächlich spüren tut man davon im Alltag wenig: Wieder einmal liegt der Schwerpunkt auf der Technik, die unterhalb der Benutzeroberfläche ihren Dienst tut. Hier wurden nicht nur Fehler behoben und Sicherheitslücken gestopft, nein, Jolla hat vor allem die für das Sony Xperia X und einige seiner Geschwister notwendigen Änderungen vorgenommen. Kiiminkijoki wird wohl die erste Sailfish-Version sein, die mit Hilfe von Sony offiziell auf diesen Xperia-Geräten unterstützt wird.

Daß ichs gleich installiert hab, ist eh klar. Langsam fürcht ich mich aber vor SailfishOS-Updates: Ich hab mittlerweile so viele Geräte mit diesem Betriebssystem, daß es doch immer eine ganze Weile dauert, bis alle umgestellt sind. Ist wie mit der Sommerzeit und den analogen Uhren. ;)


Das iPhone X

Das erste Jolla-Telefon Apple-Content in einem Blog, in dems hardwaremäßig normalerweise nur um Smartphones geht? Doch, das paßt zusammen:

Heute in der Früh informiert mich mein Radiowecker darüber, daß Apple die Smartphonesteuerung mit Wischgesten und damit das Smartphone ohne Hardware-Button erfunden hat.

Das läßt nur einen Schluß zu:

Das iPhone X, über das da berichtet wurde, ist nichts anderes als das erste Jolla Phone aus dem Jahr 2013, von Apple neu eingefärbt und zum doppelten Preis verkauft. 2013 hat Jolla nämlich mit SailfishOS das Konzept der Steuerung über Wischgesten eingeführt und auf Hardware-Tasten zur Navigation komplett verzichtet. Vier Jahre hat Apple gebraucht, um die Idee zu stehlen. Wahrscheinlich hats so lange gedauert, bis sie die Richtungen angepaßt haben, in die gewischt werden muß. Wo man beim Jolla von links nach rechts wischen muß, benötgt das iPhone eine Geste von unten nach oben usw. Da steckt schon viel kreative Leistung dahinter. *LOL*

Aber was solls, ich bins ja gewohnt: Die technischen Revolutionen, mit denen Apples iPhones in die Schlagzeilen kommen, habe ich auf echten Smartphones im Schnitt immer schon fünf Jahre vorher gehabt. :)


Jämsänjoki

Es ist der erste Urlaub seit 2014, in den mein Jolla Phone nicht als Haupttelefon mitgefahren ist. Nicht einmal eine SIM-Karte steckt mehr drin: Mittlerweile pfeift nämlich auch der zweite Akku aus dem letzten Loch und ein etwas zeitgemäßeres Nachfolgemodell ist (hoffentlich) so nah, daß sich die Anschaffung eines dritten Akkus nicht auszahlt. Trotzdem hab ich das Ding natürlich mit. Einfach so.

Daher bekomme ich auch einfach so mit, daß schon wieder einmal ein neues Betriebssystem-Update ansteht. Jämsänjoki heißt es. Ganz deutlich spürt man die lenkende Hand der Geldgeber im Hintergrund: Gleich eine ganze Reihe der neuen Features sind nur für den Einsatz im professionellen Umfeld sinnvoll und bringen dem Privatanwender wenig. Mobile Device Management (MDM), die Verbesserungen beim VPN-Zugang, die Möglichkeit, den Entwicklermodus abzudrehen und das Laden von Software aus beliebigen Quellen zu deaktivieren… Das alles interessiert den Privatkunden wenig, freut aber zum Beispiel die russische Post, die gleich ein paar tausend Sailfish-Geräte bestellt hat.

Während des Abendessens runtergeladen, gleich nachher im Zimmer installiert… Und pfeift schon. Ich liebe es, wenn ein Telefon auch vier Jahre nach der Anschsaffung noch regelmäßige Updates erhält.


Youyota: Crowdfunding für zweites Sailfish-Tablet

Das neue Youyota-Tablet Schon das Ende 2014 angekündigte erste SailfishOS-Tablet von Jolla wurde mittels Crowdfunding aus der Taufe gehoben. Auch sein jüngerer Zwilling, das Youyota-Tablet, bedient sich jetzt dieser Finanzierungsmethode … wenn auch mit deutlich weniger Medieneinsatz und einem sehr viel niedrigeren Finanzierungsziel.

$ 50.000 will der neue Hersteller über die seit heute laufende Kampagne aufbringen. Von dem Geld kauft er die benötigten Komponenten, bezahlt diverse Zertifizierungen und lizensiert das Betriebssystem SailfishOS von Jolla.

Ich bin gespannt, ob er das Ziel wie geplant innerhalb von nur 16 Tagen erreicht. Im Moment sieht's gut aus: Erster Tag, 20%. Auch das Jolla-Tablet hielt 2014 bei 20%, wie ich zum ersten Mal drüber gebloggt habe.

Es gibt aber Unterschiede bei den Rahmenbedingungen: 2014 waren Tablets noch hip. Heute ist der Hype abgeflaut. Das Jolla-Tablet war 2014 von der Hardware her ein sehr vorzeigbares Gerät. Das neue Youyota-Tablet verwendet aus Kompatibilitätsgründen exakt die gleiche, also längst veraltete Hardware - was 2017 keine großen Begeisterungsstürme hervorruft. Schließlich hat der chaotische Ablauf (bzw. eher: Abbruch) des Tablet-Projekts bei Jolla selbst („Tabletgate“) einen sehr schalen Beigeschmack hinterlassen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß einige Interessenten allein des schlechten Bauchgefühls wegen die Finger vom Youyota-Tablet lassen.

Wer ist also die potentielle Zielgruppe der Crowdfunding-Kampagne?

Da sind einerseits die, die nach dem Tabletgate (es wurden nur 500 Tablets ausgeliefert, 0,5% des weltweiten Bestandes habe ich aufgekauft) leer ausgegangen sind und das nicht überwunden haben. In den Internet-Foren ist das eine zumindest laute Gruppe. Ob sie auch groß ist, wird sich zeigen.

Andererseits jene, die bereits ein Jolla-Tablet haben, sich aber Sorgen um die weitere Softwareunterstützung machen. Für derzeit 500 Kunden werden weder Jolla noch die Programmentwickler viel investieren. Bei vielen neuen Youyota-Kunden sieht das wieder anders aus.

Und schließlich die, die neu in der Sailfish-Community sind und das Betriebssystem endlich einmal ausprobieren wollen. Das erste Jolla-Phone gibt es längst nicht mehr zu kaufen, das Jolla C war nach wenigen Stunden ausverkauft, das Intex Aqua Fish gibts offiziell nur in Indien, das Inoi R7 in Russland mit einer modifizierten Sailfish-Variante … und das Sony Xperia X kommt, wenn es fertig ist. Da mag es den einen oder anderen jucken, dort zu bestellen, wo es jetzt bereits möglich ist.

Ich gehöre zur zweiten Gruppe: Meine Tablets hab ich, für mich ist es wichtig, daß Jolla und andere Entwickler eine Motivation haben, weiter an dieser Intel-Plattform zu arbeiten. Also laß ich ein paar Scheine rüberwachsen.

(Neu übrigens und insofern tatsächlich eine Änderung gegenüber dem Jolla-Tablet: Es gibt ein paßgenaues Cover und eine darauf abgestimmte Bluetooth-Tastatur, was zumindest auf Fotos nett aussieht.)

Um 200,- (32GB) bzw. 220,- Dollar (64GB) gibt es also, fast exakt wie damals:

  • CPU: Intel Quad Core 64-bit (1.8GHz)
  • Speicher: 32GB (graues Modell) oder 64GB (rotes Modell)
  • RAM: 2GB DDR3L-RS
  • Display: 7.85" 2048*1536 IPS, 330 pixels per inch,
  • Akku: 4500mAh @ 3.8V (fix)
  • Kameras: hinten 5MP mit 1080p Video; vorne 2MP
  • WiFi: 802.11 a/b/g/n, dual band
  • GPS: A-GPS und GLONASS
  • Bluetooth: 4.0
  • Micro SD: bis zu 256GB (ext4)
  • USB OTG
  • Maße: 203x137x8.3mm
  • Gewicht: 385g

(Die fett gedruckten Angaben wurden gegenüber dem ersten Jolla Tablet verbessert.)

Das klingt nicht top-aktuell, aus Erfahrung kann ich aber sagen: SailfishOS ist ein sehr genügsames Betriebssystem. Auch wenn ich heutzutage damit herumsurfe, fühle ich mich keinesfalls ausgebremst. Das einzige, was man optimieren könnte, ist die Akku-Laufzeit. Hier hoffe ich aber eben auf Nachbesserungen bei der Software.


Ubuntu ist tot? Lang lebe Ubuntu!

Rums! Da warens nur noch zwei. Ubuntu auf Smartphones und Tablets ist seit dieser Woche endgültig Geschichte. Mark Shuttleworth, Geldesel und „Erfinder“ der erfolgreichen GNU/Linux Distribution Ubuntu, hat in seinem Blog-Artikel vom 5. April trocken verkündet: Das Geschäft liegt - anders als von ihm ursprünglich vorhergesagt und erhofft - nicht in der Konvergenz zwischen mobilen Geräten und dem Desktop. Stattdessen verdient man sein Geld heutzutage mit Serverlösungen, dem neuen Hype „Internet of Things“ (IoT) und ein bißchen Desktop-Support.

Die mobile Version von Ubuntu, deren Weiterentwicklung bereits seit Jänner fraglich schien, ist nun also offiziell tot. Das hat Auswirkungen auf den Smartphone-Markt und auf meine Laptops bzw. Desktop-Rechner:

Der Smartphone-Markt hat jetzt nur mehr zwei freie Betriebssystem, Jollas SailfishOS und Tizen. (Wobei Tizen zwar theoretisch und technisch ein Nachfolger der Maemo/MeeGo-Ära und damit so etwas wie ein Cousin von SailfishOS ist, Samsungs sehr restriktive Entwicklungspolitik es aber schwer macht, Tizen wirklich als „frei“ zu bezeichnen.)

Für die klassischen Desktops und Laptops bedeutet Shuttleworths Kehrtwende (hoffentlich) ein Ende des Streits zwischen den Entwicklerteams von Ubuntu einerseits und praktisch allen anderen Projekten der GNU/Linux-Desktopwelt auf der anderen Seite. Seit 2010 hat Ubuntu (bzw. die dahinterstehende Firma Canonical) im Alleingang eine Reihe von Technologien entwickelt, die Mark Shuttleworths Vision vom „konvergenten Desktop“ unterstützen sollten. Egal ob Smartphone, Bürocomputer oder Fernseher, alles sollte unter Ubuntu laufen können … Weil vorhandene Technologien dafür angeblich nicht geeignet waren, entwickelte man die wichtigsten Bausteine eines GNU/Linux-Desktops neu, von der Desktopumgebung „Unity“ (statt GNOME) bis zum Display Server „Mir“ (statt Wayland), der das in die Jahre gekommene X11-Protokoll ersetzen sollte. Kritiker hatten Ubuntu von Anfang an vorgeworfen, daß es keine technischen Gründe für diese Alleingänge gab, daß die wahre Motivation hinter den Abspaltung ausschließlich rechtlicher Natur war: Canonical hatte die Projekte so aufgesetzt, daß es die komplette Kontrolle über den Code behalten und die Produkte gewinnbringend vermarkten konnte.

Daß diese Kritik durchaus berechtigt war, bestreitet mittlerweile kaum noch jemand. Letztlich ist Ubuntu wohl an dem Aufwand erstickt, für diese komplexen Aufgaben ohne fremde Unterstützung eigene Lösungen entwickeln zu müssen. Vor allem beim Display Server „Mir“ wurde das Problem nur zu offensichtlich: Hier ist gute Hardwareunterstützung gefragt, die Hersteller der Grafikkarten müssen kooperieren. Zu einem gewissen Teil tun sie das mit dem neuen Standardprojekt „Wayland“. Wo sie es nicht tun, erfährt Wayland genügend Unterstützung von Programmierern, um die notwendigen Hardwareschnittstellen auch selbst entwickeln zu können. Canonical saß wie ein trotziges Kind im Eck und mußte alles alleine stemmen, während z.B. Jolla für sein SailfishOS von den Fortschritten des Wayland-Projekts profitierte und diesbezüglich kaum Entwicklungskosten hatte.

Unterm Strich haben alle Ubuntu-User in den letzten Jahren gemerkt: Es geht kaum noch etwas weiter. Die Version für Smartphones „hatte Potential“, aber keinen funktionierenden Mail-Client. Am Desktop gabs zwar alle sechs Monate ein Update, die Änderungen mußte man aber mit der Lupe suchen. Mit dem Ende der Ressourcenfresser Mir und Unity sowie dem angekündigten Umstieg auf GNOME als Desktop-Oberfläche schon Anfang 2018 ist zu hoffen, daß diese Zeit des Stillstands zu Ende geht. Bei GNOME zum Beispiel geht ja ordentlich was weiter: Auch dort wird der 6monatige Release-Zyklus eisern eingehalten, im Gegensatz zu Ubuntu sind aber in jeder Version auch sichtbare und praktische Neuerungen zu finden.

Fazit: Um die Smartphone-Version tut es mir bedingt leid. Niemand wird sie in ihrer jetzigen Form vermissen, aber es hätte was aus ihr werden können. Daß Canonical seinen Spielzeugprojekten Unity und Mir den Geldhahn zudreht, ist allerdings eine große Erleichterung. (Ich habe bewußt geschrieben „den Geldhahn zudrehen“: Ob das das endgültige Aus für den Unity-Desktop ist, weiß niemand. Schließlich liegt der Code ja offen rum und ein paar Freunde hat das System über die Jahre wahrscheinlich doch auch gesammelt.)


Doch kein Aprilscherz? Neues vom Jolla Tablet

Das angebliche YouYota TabletSeltsame Dinge passieren: Eine im ehemaligen Nokia-Forum talk.maemo.org veröffentlichte Ankündigung, wonach das ursprüngliche Jolla-Tablet wieder in Produktion gehen soll, wurde vom Großteil der Community zunächst als gelungener (wenn auch brutaler) Aprilscherz abgetan.

Nur gehört es aber zur Tradition von solchen Aprilscherzen im Netz, daß der Autor sie als solche kenntlich macht, nachdem sie enttarnt wurden. Nicht in diesem Fall: Er sei sich durchaus bewußt, daß das Veröffentlichungsdatum unglücklich gewählt war, sagt der Autor. Ein Scherz sei es aber nicht.

Falls nun tatsächlich alles stimmt, legen ein Mitglied der Jolla Community und der ursprüngliche chinesische Hardwareentwickler des Jolla-Tablets das seltene und von Pech verfolgte Stück neu auf. Der Markenname „Jolla“ steht ihnen nicht zur Verfügung, daher soll es als „YouYota Tablet“ vertrieben werden. Um die Produktion nicht erneut mit unnötigen Risken zu gefährden, wird exakt die gleiche Hardware verwendet wie im Originalgerät von Jolla aus dem Jahr 2015. Heißt: Das aktuellste und schnellste Gerät wirds nicht werden. Heißt aber auch: Kompatibilitätsprobleme mit dem Sailfish-Betriebssystem oder den Anwenderprogrammen sind auszuschließen.

Apropos Betriebssystem: Interessant finde ich, daß das Projekt angeblich eine von Jolla lizensierte Version inklusive aller proprietären Komponenten wie Exchange und Alien Dalvik verwendet. Auf Verbindungen zu Jolla deutet auch die Absichtserklärung hin, ursprünglichen Unterstützern der Jolla-Crowdfunding-Kampagne einen Rabatt zu gewähren. (Irgendwo müssen die Daten ja herkommen.)

Bringt mir das etwas? Durchaus. Sollte das seltene Stück (nur rund 500 Exemplare wurden tatsächlich ausgeliefert, knapp 0,5% des globalen Bestandes befinden sich in meinem Besitz) tatsächlich wieder verkauft werden, haben sowohl Jolla selbst als auch Softwareentwickler wieder mehr Motivation, Betriebssystem und Programme auf den größeren Tablet-Bildschirm hin zu optimieren. Zwar rechne ich es Jolla hoch an, daß seit 2015 ausnahmslos alle Betriebssystem-Updates auch mit den seltenen Tablets kompatibel waren. Ohne diesen erneuten Produktionsschub wäre aber ein Supportende in naher Zukunft nicht auszuschließen gewesen.