Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Hardware und Software



Blockchains: Jenseits von Bitcoin

Daß Jolla seine Kooperation mit Zipper bekannt gegeben hat, hat meine Aufmerksamkeit auf eine Technolgie gelenkt, die ich bisher erfolgreich verdrängt habe: die Blockchain. Bisher kannte ich den Begriff nur im Zusammenhang mit Bitcoin, und es gibt nichts, was mich mehr langweilt als Krypto-Währungen. Auch digitalisiert ist Geld eben nur Geld. Was also macht jetzt plötzlich Jolla mit einer Firma, die im Technologiefeld der Blockchains arbeitet? (Oder: Arbeiten möchte. Noch sind sie ja im Gründungsstadium.) Und warum betont Zipper, daß man als Blockchain-Infrastruktur eben nicht Bitcoin, sondern Ethereum verwendet?

Das Internet ist ein weltweites Datennetz und (auch wenn es manche immer noch nicht glauben wolllen) keineswegs write-only. Man kann die Suchmaschine seines Vertrauens anwerfen und nachforschen. Und sich dann begeistern lassen: Weil die ganze Blockchain-Technologie wirklich Potential hat.

Wie so eine Blockchain technisch funktioniert, ist nebensächlich. Wichtig ist, was sie tut: Sie speichert Sachverhalte, und zwar dezentral im Netzwerk, ohne physisch vorhandenen Server, verschlüsselt und unveränderbar auf den teilnehmenden Rechnern. Bitcoin ist eine Blockchain, die sich auf einen einzigen Sachverhalt konzentriert: Wer hat wie viel Geld, wer überweist wem wie viel Geld. Das ist großartig, das funktioniert - und viele Menschen haben gelernt, damit umzugehen.

Natürlich aber gibt es auf der Welt viel mehr Sachverhalte, die man speichern kann: Wer bin ich? Mit welchem öffentlichen Schlüssel ist eine verschlüsselte Mail an mich möglich? Wann habe ich das auf eBay versteigerte Buch zur Post gebracht und abgeschickt? Welchen Vertrag habe ich mit einer bestimmten Person geschlossen und wann?

Im Gegensatz zu Bitcoin weitet Ethereum die Nutzung der Blockchain-Infrastruktur so aus, daß man neben einer Krypto-Währung (die gibts natürlich auch) genau solche Dinge festhalten kann. Sogenannte Smart Contracts beispielsweise sind die in der Blockchain abgespeicherten Verträge, in denen die Zahlung des Betrages X in der Krypto-Währung völlig automatisiert dann angestoßen wird, wenn eine programmierte Bedingung erfüllt ist. (Denkbare Anwendung: Ich kaufe online ein, der Smart Contract wird signiert ... und die Zahlung wird freigegeben, sobald das Postamt bestätigt, daß die Ware für mich zur Abholung bereit liegt.)

Damit lassen sich wunderbare Dinge konstruieren, die vom Inhalt her nicht neu sind, heute aber zwingend über Mittelsmänner wie Google laufen müssen. Beispiel: Die Routenplanung vor einer Autofahrt. Google Maps liefert die beste Verbindung inklusive Verkehrslage. Auch über die Öffnungszeiten von Raststätten entlang der Strecke weiß Google alles, mehr noch: Die Suchmaschine kann mir sagen, wann die einzelnen Lokale wegen Überfüllung zu meiden sind.

Das alles ist wunderbar und praktisch, funktioniert aber nur, weil wir alle Google mit unseren Daten füttern: Weil Android-Nutzer ihre Standortdaten übermitteln, kann Google aufgrund der Geschwindigkeit auf den Straßen auf einen Stau schließen. Ebenso weiß Google, wie viele Gäste sich in einem bestimmten Lokal aufhalten - jetzt gerade oder durchschnittlich am Samstag um 17:00 Uhr. Diese Daten sind es, mit denen Google in großem Stil Geld verdient. Es sind meine Daten, und ich bekomme von diesem Geld nichts zu sehen.

Die Blockchain kann das ändern: Unternehmen wie Streamer arbeiten an Blockchain-Anwendungen, die die Übermittlung von Daten zum Gegenstand der oben erwähnten Smart Contracts machen. Ich kann damit meine Standortdaten für mich behalten, herschenken oder verkaufen. Ich kann den Preis davon abhängig machen, ob ein Freund oder ein Fremder anfragt. Ich kann zusätzlich zum Standort die Daten meiner privaten Wetterstation verkaufen. Und ich kann dem Navi bei mir sagen: Hol Dir die aktuellen Verkehrsdaten, aber gib dafür nie mehr aus, als die Wetterstation eingenommen hat.

Es gibt das Konzept der "Glaskugel" mittels Smart Contract in der Blockchain: Man fragt das Netz, ob ein zukünftiges Ereignis eintreten wird oder nicht. Richtige Antworten werden belohnt, gleichzeitig wird registriert, wer richtig geantwortet hat. Die Annahme ist: Wer bei einem bestimmten Sachverhalt richtig liegt, kennt sich aus und wird auch bei der nächsten Frage zum Thema richtig liegen. Sein Wert steigt, seine Antworten werden höher gewichtet. In gewissen Bereichen (nicht bei Lottoergebnissen) kann so Expertenwissen abgefragt werden, das anders nur schwer aufzubauen ist.

Die Rückverfolgung gekaufter Markenware bis zum Erzeuger, die Beglaubigung von Verträgen, die Anmeldung bei Internet-Diensten, ohne ein Konto anlegen zu müssen ... all das ist nichts Neues, verlangt aber derzeit immer einen Mittelsmann, der damit auf die eine oder andere Weise Geld verdient. Und zwar mit meinen Daten. Die Blockchain macht den Mittelsmann überflüssig, vereinfacht viele Anwendungen und gibt mir die Kontrolle über meine Daten zurück. Spannende Sache. Natürlich funktionierts nur, wenn genügend Teilnehmer und Anwendungen existieren. Das muß sich erst zeigen, die Firmen stehen allesamt erst am Anfang.


Jolla: Mehr Handys, neue Technologie

Die jährliche Veranstaltung Slush, eine mehrtägige Konferenz für Unternehmensgründer und Technologiefirmen, hat für Jolla aus der Unternehmensgeschichte heraus besondere Bedeutung. Wenn das Unternehmen Neues zu erzählen hat, passiert es meist dort.

Heute hat der Jolla-Geschäftsführer Sami Pienimäki in einem Blog-Artikel zusammengefaßt, was aus seiner Sicht die wichtigsten Punkte sind, die er auf Slush präsentieren wird:

Da ist zunächst die Zusammenarbeit mit Jala, die über die ursprünglich angekündigten geograpischen Grenzen hinauswächst. Das Jala Accione wird auch in Russland verkauft (und ist damit das zweite kommerzielle Sailfish-Produkt eines Lizenznehmers am russischen Markt). Außerdem sucht Jala einen Vertriebspartner, der das Accione in der EU verkauft.

Das Projekt SailfishX, die Installation von Sailfish auf dem Sony Xperia X also, dürfte zur Zufriedenheit von Jolla laufen und wird daher 2018 weitergeführt: Einerseits will man den Markt erweitern (derzeit ist der Download nur aus Europa möglich), vor allem soll weitere Sony-Hardware mit einbezogen werden. Sami Pienimäki spricht in diesem Zusammenhang von einem aktuellen Hardware-Portfolio für 2018 und mehreren Geräten (Plural), auf denen man Sailfish installieren können soll.

Technisch am interessantesten ist die angekündigte Zusammenarbeit mit Zipper, auch wenn sie noch lange nicht in einem marktreifen Produkt greifbar wird. Hinter Zipper stehen eine Reihe früherer Jolla-Mitarbeiter, unter anderem Jolla-Mitbegründer Marc Dillon, der in diesem Promo-Video auftritt. Zipper möchte die potentiell revolutionäre, aber für den durchschnittlichen Endanwender viel zu komplexe Blockchain-Technologie auf eine Weise ins Handy integrieren, die den Umgang damit auch für "Ich will nur telefonieren"-Kunden möglich macht. Aus Sicherheitsgründen wird die dazu notwendige Software nicht als App im Betriebssystem aufgerufen, sondern lebt quasi neben dem Betriebssystem im Telefon. Das bedeutet unter anderem auch, daß das von Zipper zunächst angepeilte Gerät (zufälligerweise das Sony Xperia X) diese Technik nicht nur für Sailfish, sondern auch für das vorinstallierte Android zur Verfügung stellen wird.

Was das alles bedeutet, ist für einen Jolla/Slush-Artikel zu langatmig. Nur so viel: Die Blockchain-Technologie ist zum Beispiel die Grundlage unter anderem für die Krypto-Währung Bitcoin. Man kann sich eine Blockchain vorstellen wie einen virtuellen Server, der sich aus der Rechenkapazität aller teilnehmernden Computer zusammensetzt. Bitcoin nutzt diese Blockchain ausschließlich für das Programm "erzeuge und verwalte eine Währung". Zipper baut auf die Blockchain-Infrastruktur von Ethereum, die deutlich flexibler ist und Anwendungen jenseits des digitalen Bezahlens ermöglicht.

Außerdem - und das hört man aus anderen Ecken, zufällig aber zeitgleich - dürfte das nächste Betriebssystem-Update schon im Backrohr stecken. Neu diesmal: Das ganze User Interface gibts jetzt auch auf Türkisch. Na wer da wohl umschalten wird. *LOL*


İki bin on yedi und ich programmiere fürs Jolla

TurkishNumbers (Screenshot) Gleich zwei Sprachen gleichzeitig lernen (bzw.: wieder lernen), wo gibts denn sowas?

Wir schreiben das Jahr 2017 und zum ersten Mal seit November 2014 programmiere ich wieder für meine Sailfish-Geräte - inzwischen ja mehrere Telefone und Tablets. (Also: Was Richtiges programmieren, so mit grafischem User Interface und swipe und tap und bunt und so. Diverse Shell Scripts schreib ich ja zwischendurch immer wieder mal.)

Die Aufgabe des Programms ist denkbar einfach: Es hilft mir, türkische Zahlen zu üben. Wenn es on üç hinschreibt, muß ich „13“ eingeben. Schreibt es 25, erwartet es von mir ein „yirmi beş“. Von der Programmlogik her klingt das trivial und ist es auch. Von der User Experience her klingt es tödlich langweilig … ja, und auch das trifft zu. Trotzdem besteht hier persönlicher Bedarf, obwohl oder gerade weil es so langweilig ist: Ich will einfach nicht jedes Mal ewig überlegen müssen, wenn es um Uhrzeiten, Jahreszahlen oder Altersangaben geht. Zack, zack muß das gehen und nur Übung macht hier den Meister.

Letzteres gilt natürlich auch für JavaScript, das ich in Verbindung mit dem QML-Framework und den darauf aufbauenden Silica-Elementen von Jolla für das Handy-Programm verwendet habe.

Im Vergleich zu 2014 war ich ziemlich schnell wieder drin. Eigentlich war das Programm an nicht einmal einem Nachmittag fertig - ohne Sailfish-Benutzeroberfläche, ohne QML-Spezifika. Weil mir von Beginn an klar war, daß die Programmlogik komplett in JavaScript abbildbar ist, hab ich mich einfach zum Wochenende an einen PC ohne Qt-Entwicklerumgebung gesetzt, im Texteditor eine rudimentäre HTML-Seite als User Interface gebaut und dann die JavaScript-Teile Funktion für Funktion dazugehängt.

Das externe JavaScript-File hab ich dann zuhause in den Qt-Creator importiert und eine QML-/Silica-Benutzeroberfläche drum herum geschrieben. So einfach geht das.

Oder: So einfach ginge das theoretisch. Denn: Kaum tut das Ding von den Funktionen her ungefähr das, was es soll (Bugs sind natürlich zu Beginn immer drin und werden der Reihe nach zerdrückt), kommt man bezüglich der Benutzeroberfläche ins Grübeln. Muß man hier wirklich zwei Menüpunkte einbauen? Reicht nicht eine Swipe-Geste zwischen zwei Seiten? Soll das Eingabefeld nach der Überprüfung des Ergebnisses editierbar bleiben? Wäre es nicht cool, wenn das Programm ein großes „I“ nicht zu einem kleinen „i“, sondern türkisch-korrekt zu einem kleinen „ı“ umwandelt vor dem String-Vergleich (was die Standardfunktion zunächst nicht tut)? Nur an solchem Unsinn arbeite ich jetzt seit zwei Wochenenden. Türkische Zahlen geübt hab ich natürlich kein bißchen in der Zeit. :)

Was ich 2014 gelernt habe: Kaum wird auch das User Interface halbwegs so tun, wie ich will, wird die Software einen leisen Tod sterben. Ein installierbares Paket zu schnüren und es im Jolla Store zu veröffentlichen ist mir dann 100%ig wieder zu viel unnötige Arbeit. Aber das macht ja auch nichts. Ich hatte ein paar Wochen lang Freude und weiß jetzt wieder: JavaScript ist 1000x leichter als Türkisch. (Herr M. hat mir heute im Vorübergehen die vierte Vergangenheitsform eröffnet, in der man ein einfaches deutsches „Er hat gemacht“ ausdrücken kann: Neben „yaptı“, „yapıyordu“ und „yapmış“ gibts offenbar noch „yapardı“. Die Unterschiede, so mein Grammatikbuch, seien modal. Drauf gschissen. In JavaScript gibts weder Verben noch Zeitformen. *YSG*)


Kymijoki

Nach Kiiminkijoki kommt Kymijoki, die Version 2.1.3.7 von Jollas Sailfish-Betriebssystem. Daß die beiden Betriebssystemversionen so ähnlich klingen, mag eine bewußte Entscheidung gewesen sein (zumindest interpretiere ich das so):

Große Sprünge hat Sailfish in dem knappen Monat zwischen 2.1.2 und 2.1.3 nicht gemacht. Eher wurden die wenigen Unterschiede, die zwischen der Sony-Xperia-Version des Betriebssystems und allen anderen noch bestanden haben, eliminiert. Ebenso gab es beim Xperia noch einige Probleme mit der Abstimmung auf die Hardware auszubügeln. Im Vorbeigehen hat Jolla noch ein paar jüngst bekannt gewordene Sicherheitslücken beseitigt (WPA KRACK, Bluetooth Blueborne, … Ich frag mich gerade, wie viele andere Handys aus 2013 noch regelmäßig vom Hersteller mit Sicherheitsupdates versorgt werden.)

Neugierig machen einige populäre, Android-kompatible Programme, die im Changelog auftauchen, auf den Geräten dann aber nicht zu finden sind. Durchaus denkbar, daß hier die Kooperation mit Jala schon eine Rolle spielt und die lizenzpflichtige Software nur nach Bolivien ausgeliefert wird. Ich bin gespannt.

Ach ja: Natürlich ist Kymijoki ein Fluß in Finnland. Wo der aber genau ins Meer mündet und wie weit das von Helsinki weg ist, läßt sich schwer sagen: Er teilt sich nämlich vor der Mündung in fünf Arme auf. :)


Jala Accione: SailfishOS für Bolivien

Jala AccioneDas am MWC bereits angekündigte Sailfish-Smartphone Accione der bolivianischen Firma Jala ist nun zwei Smartphones:

Es gibt ein Accione und ein Accione P, die äußerlich gleich aussehen, sich aber in fast allen technischen Details (Prozessorleistung, RAM, Kamera, Bildschirmauflösung, …) unterscheiden. Diese Seite listet die Leistungsmerkmale der beiden Modelle im Überblick auf.

Jala will mit den Accione-Smartphones ein Bedürfnis befriedigen, das sie für ein typisch bolivianisches, wenn nicht typisch lateinamerikanisches halten: die Unabhängigkeit von den USA und ihren Konzernen.

Für Jolla ist das Accione die dritte erfolgreiche internationale Kooperation nach dem Intex Aqua Fish (Juli 2016, Indien) und dem Inoi R7 (Februar 2017, Russland). Mal sehen, wo die Finnen als nächstes zuschlagen.


Jolla: Sailfish am Sony Xperia X

Sailfish X Tatsächlich, jetzt ist sie da: Die als Sailfish X bezeichnete Variante des Betriebssystems SailfishOS, die am Sony Xperia X läuft. Und wer hats? Ich habs, ganz klar. ;)

Warum das so großartig ist? Erstens, weil ich endlich wieder von Android zurück auf SailfishOS wechseln kann. Zur Erinnerung: Mein Jolla Phone aus dem Jahr 2013 hat irgendwann im Juni so zu spinnen begonnen, daß ich mir ein neues Telefon anschaffen mußte. Weil zu diesem Zeitpunkt bereits bekannt war, daß das Xperia X in den Genuß von SailfishOS kommen wird, hab ich mir gleich dieses Modell besorgt - mit dem Nebeneffekt, daß ich jetzt ca. drei Monate nur auf Android angewiesen war.

Zweitens, weil das Xperia X im Vergleich zum betagten Jolla Phone geschwindigkeitsmäßig schon ganz anders abgeht. Zum Vergleich das erste Jolla Phone, das Jolla C/Intex Aqua Fish und in der letzten Spalte das Xperia:

  Jolla Phone Jolla C Sony Xperia X
Displaygröße4,5"5"5"
Auflösung540 x 960720 x 12801080 × 1920
RAM1GB2GB3GB
CPU2x1,4GHz4x1,3GHz4x1,4GHz plus 2x1,8GHz
interner Massenspeicher16GB16GB32GB

Das ist zwar immer noch weit weg von aktuellen Samsung Galaxy Modellen (das Xperia X ist im Februar 2016 erschienen), man muß aber bedenken, wie viel besser Sailfish die Hardware ausnutzt. Der Start des vorinstallierten Android-Betriebssystems dauerte 45 Sekunden. Sailfish ist jetzt in 20 Sekunden fertig hochgefahren.

Etwas abschreckend ist die Installationsprozedur. Wer (so wie ich) noch nie tiefer in die Android-Welt eingetaucht ist, schüttelt hier doch verwundert den Kopf. In den Sony-Anleitungen für das Entsperren des Bootloaders steht allen Ernstes, daß man sieben Mal auf eine Software-Versionsnummer tippen muß, damit ein Menü angezeigt wird, in dem man dann erst die eigentlich notwendigen Einstellungen vornehmen kann. Daß man dieses Ritual nicht auch noch nackt bei Neumond vollziehen muß, verwundert dann fast ein bißchen …

Nächster Schwachpunkt: Sony verlangt die Verwendung seines Flash-Tools Emma, das aber nur für Windows verfügbar ist. Ich war kurz davor, mir eine Testversion von Windows 10 in die virtuelle Maschine zu laden, wie ich dann gottseidank diese Anleitung für GNU/Linux und Mac entdeckt habe. Funktioniert perfekt. Emma muß offenbar wirklich nur aus rechtlichen Gründen sein. Ebenfalls aus rechtlichen Gründen notwendig ist es, dem Kernel für das Xperia von der Sony-Website herunterzuladen. Er enthält (Linux hin oder her) proprietäre Treiber, die Jolla nicht zum Download von seinen Servern anbieten darf.

Auch wenns mir umständlich erschienen ist: Es hat auf Anhieb geklappt und keine Probleme verursacht. SailfishOS sieht am wunderbaren Display des Sony Xperia X nicht nur 1000x besser aus als auf den Vorgängergeräten, der Geschwindigkeitsunterschied ist auch deutlich spürbar. Irgendwie hab ich das Gefühl, daß ich SailfishOS zum ersten Mal so erlebe, wie es ursprünglich konzipiert war.

Ich bin gespannt, ob die heute veröffentlichte Version von „Sailfish X“ auch schon das Ende der Fahnenstange in Sachen Anpassung an die Xperia-Hardware bedeutet … oder ob da in den nächsten Monaten sogar noch mehr drin ist.


Jolla: Kiiminkijoki

Kiiminkijoki Kiiminkijoki ist ein Fluß, der gute sieben Autostunden nördlich von Helsinki in die Ostsee mündet. Kiiminkijoki ist auch der Name der neuesten Version 2.1.2 von SailfishOS, die Jolla heute im Rahmen des „Early Access“-Programms freigegeben hat.

Das vollständige Changelog zeigt eine schier unglaubliche Menge an Änderungen, Updates und Ergänzungen. Tatsächlich spüren tut man davon im Alltag wenig: Wieder einmal liegt der Schwerpunkt auf der Technik, die unterhalb der Benutzeroberfläche ihren Dienst tut. Hier wurden nicht nur Fehler behoben und Sicherheitslücken gestopft, nein, Jolla hat vor allem die für das Sony Xperia X und einige seiner Geschwister notwendigen Änderungen vorgenommen. Kiiminkijoki wird wohl die erste Sailfish-Version sein, die mit Hilfe von Sony offiziell auf diesen Xperia-Geräten unterstützt wird.

Daß ichs gleich installiert hab, ist eh klar. Langsam fürcht ich mich aber vor SailfishOS-Updates: Ich hab mittlerweile so viele Geräte mit diesem Betriebssystem, daß es doch immer eine ganze Weile dauert, bis alle umgestellt sind. Ist wie mit der Sommerzeit und den analogen Uhren. ;)


Das iPhone X

Das erste Jolla-Telefon Apple-Content in einem Blog, in dems hardwaremäßig normalerweise nur um Smartphones geht? Doch, das paßt zusammen:

Heute in der Früh informiert mich mein Radiowecker darüber, daß Apple die Smartphonesteuerung mit Wischgesten und damit das Smartphone ohne Hardware-Button erfunden hat.

Das läßt nur einen Schluß zu:

Das iPhone X, über das da berichtet wurde, ist nichts anderes als das erste Jolla Phone aus dem Jahr 2013, von Apple neu eingefärbt und zum doppelten Preis verkauft. 2013 hat Jolla nämlich mit SailfishOS das Konzept der Steuerung über Wischgesten eingeführt und auf Hardware-Tasten zur Navigation komplett verzichtet. Vier Jahre hat Apple gebraucht, um die Idee zu stehlen. Wahrscheinlich hats so lange gedauert, bis sie die Richtungen angepaßt haben, in die gewischt werden muß. Wo man beim Jolla von links nach rechts wischen muß, benötgt das iPhone eine Geste von unten nach oben usw. Da steckt schon viel kreative Leistung dahinter. *LOL*

Aber was solls, ich bins ja gewohnt: Die technischen Revolutionen, mit denen Apples iPhones in die Schlagzeilen kommen, habe ich auf echten Smartphones im Schnitt immer schon fünf Jahre vorher gehabt. :)


Jämsänjoki

Es ist der erste Urlaub seit 2014, in den mein Jolla Phone nicht als Haupttelefon mitgefahren ist. Nicht einmal eine SIM-Karte steckt mehr drin: Mittlerweile pfeift nämlich auch der zweite Akku aus dem letzten Loch und ein etwas zeitgemäßeres Nachfolgemodell ist (hoffentlich) so nah, daß sich die Anschaffung eines dritten Akkus nicht auszahlt. Trotzdem hab ich das Ding natürlich mit. Einfach so.

Daher bekomme ich auch einfach so mit, daß schon wieder einmal ein neues Betriebssystem-Update ansteht. Jämsänjoki heißt es. Ganz deutlich spürt man die lenkende Hand der Geldgeber im Hintergrund: Gleich eine ganze Reihe der neuen Features sind nur für den Einsatz im professionellen Umfeld sinnvoll und bringen dem Privatanwender wenig. Mobile Device Management (MDM), die Verbesserungen beim VPN-Zugang, die Möglichkeit, den Entwicklermodus abzudrehen und das Laden von Software aus beliebigen Quellen zu deaktivieren… Das alles interessiert den Privatkunden wenig, freut aber zum Beispiel die russische Post, die gleich ein paar tausend Sailfish-Geräte bestellt hat.

Während des Abendessens runtergeladen, gleich nachher im Zimmer installiert… Und pfeift schon. Ich liebe es, wenn ein Telefon auch vier Jahre nach der Anschsaffung noch regelmäßige Updates erhält.


Youyota: Crowdfunding für zweites Sailfish-Tablet

Das neue Youyota-Tablet Schon das Ende 2014 angekündigte erste SailfishOS-Tablet von Jolla wurde mittels Crowdfunding aus der Taufe gehoben. Auch sein jüngerer Zwilling, das Youyota-Tablet, bedient sich jetzt dieser Finanzierungsmethode … wenn auch mit deutlich weniger Medieneinsatz und einem sehr viel niedrigeren Finanzierungsziel.

$ 50.000 will der neue Hersteller über die seit heute laufende Kampagne aufbringen. Von dem Geld kauft er die benötigten Komponenten, bezahlt diverse Zertifizierungen und lizensiert das Betriebssystem SailfishOS von Jolla.

Ich bin gespannt, ob er das Ziel wie geplant innerhalb von nur 16 Tagen erreicht. Im Moment sieht's gut aus: Erster Tag, 20%. Auch das Jolla-Tablet hielt 2014 bei 20%, wie ich zum ersten Mal drüber gebloggt habe.

Es gibt aber Unterschiede bei den Rahmenbedingungen: 2014 waren Tablets noch hip. Heute ist der Hype abgeflaut. Das Jolla-Tablet war 2014 von der Hardware her ein sehr vorzeigbares Gerät. Das neue Youyota-Tablet verwendet aus Kompatibilitätsgründen exakt die gleiche, also längst veraltete Hardware - was 2017 keine großen Begeisterungsstürme hervorruft. Schließlich hat der chaotische Ablauf (bzw. eher: Abbruch) des Tablet-Projekts bei Jolla selbst („Tabletgate“) einen sehr schalen Beigeschmack hinterlassen. Ich könnte mir gut vorstellen, daß einige Interessenten allein des schlechten Bauchgefühls wegen die Finger vom Youyota-Tablet lassen.

Wer ist also die potentielle Zielgruppe der Crowdfunding-Kampagne?

Da sind einerseits die, die nach dem Tabletgate (es wurden nur 500 Tablets ausgeliefert, 0,5% des weltweiten Bestandes habe ich aufgekauft) leer ausgegangen sind und das nicht überwunden haben. In den Internet-Foren ist das eine zumindest laute Gruppe. Ob sie auch groß ist, wird sich zeigen.

Andererseits jene, die bereits ein Jolla-Tablet haben, sich aber Sorgen um die weitere Softwareunterstützung machen. Für derzeit 500 Kunden werden weder Jolla noch die Programmentwickler viel investieren. Bei vielen neuen Youyota-Kunden sieht das wieder anders aus.

Und schließlich die, die neu in der Sailfish-Community sind und das Betriebssystem endlich einmal ausprobieren wollen. Das erste Jolla-Phone gibt es längst nicht mehr zu kaufen, das Jolla C war nach wenigen Stunden ausverkauft, das Intex Aqua Fish gibts offiziell nur in Indien, das Inoi R7 in Russland mit einer modifizierten Sailfish-Variante … und das Sony Xperia X kommt, wenn es fertig ist. Da mag es den einen oder anderen jucken, dort zu bestellen, wo es jetzt bereits möglich ist.

Ich gehöre zur zweiten Gruppe: Meine Tablets hab ich, für mich ist es wichtig, daß Jolla und andere Entwickler eine Motivation haben, weiter an dieser Intel-Plattform zu arbeiten. Also laß ich ein paar Scheine rüberwachsen.

(Neu übrigens und insofern tatsächlich eine Änderung gegenüber dem Jolla-Tablet: Es gibt ein paßgenaues Cover und eine darauf abgestimmte Bluetooth-Tastatur, was zumindest auf Fotos nett aussieht.)

Um 200,- (32GB) bzw. 220,- Dollar (64GB) gibt es also, fast exakt wie damals:

  • CPU: Intel Quad Core 64-bit (1.8GHz)
  • Speicher: 32GB (graues Modell) oder 64GB (rotes Modell)
  • RAM: 2GB DDR3L-RS
  • Display: 7.85" 2048*1536 IPS, 330 pixels per inch,
  • Akku: 4500mAh @ 3.8V (fix)
  • Kameras: hinten 5MP mit 1080p Video; vorne 2MP
  • WiFi: 802.11 a/b/g/n, dual band
  • GPS: A-GPS und GLONASS
  • Bluetooth: 4.0
  • Micro SD: bis zu 256GB (ext4)
  • USB OTG
  • Maße: 203x137x8.3mm
  • Gewicht: 385g

(Die fett gedruckten Angaben wurden gegenüber dem ersten Jolla Tablet verbessert.)

Das klingt nicht top-aktuell, aus Erfahrung kann ich aber sagen: SailfishOS ist ein sehr genügsames Betriebssystem. Auch wenn ich heutzutage damit herumsurfe, fühle ich mich keinesfalls ausgebremst. Das einzige, was man optimieren könnte, ist die Akku-Laufzeit. Hier hoffe ich aber eben auf Nachbesserungen bei der Software.