Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

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Jolla @ MWC 2015

Jolla Tablet mit Split ScreenDer Mobile World Congress 2015 in Barcelona hatte gerade erst begonnen, da kamen schon die ersten interessanten Neuigkeiten zu Jolla und seinem Betriebssystem Sailfisch OS über die Leitungen:
  • Jolla wird mit der finnischen Sicherheitsfirma SSH eine auf Sicherheit und Verschlüsselung getrimmte Spezialversion seines Betriebssystems auf den Markt bringen. Sie soll sich an Behörden und große Unternehmen richten und 2016 unter dem Namen „Sailfish Secure“ erscheinen. (Pressemitteilung)
  • Etwas verzweifelt wirkt die Ankündigung, Sailfish ab sofort auch an interessierte Partner lizensieren zu wollen. Immerhin war das von Anfang an der Plan und hat bis heute mangels „interessierter Partner“ nicht geklappt. Zumindest läßt sich Intel nun in der Sailfish-Presseaussendung als Hardware-Partner nennen. (Im Jolla-Tablet steckt eine Intel-CPU). Darüber hinaus berichtet Heise, daß bei der Pressekonferenz am Vormittag das „russische Google“ Yandex, der chinesische Internet-Riese Alibaba und (Trommelwirbel!) der österreichische Anbieter 3 bereits fix mit an Bord wären. Eine offizielle Bestätigung aus anderer Quelle habe ich für diese Meldung aber noch nicht gefunden.
  • Die ersten ausführlichen Videos zum Jolla Tablet (und damit zu Sailfish 2.0) tauchen online auf. Besonders gelungen finde ich diese 8minütige Demonstration von Meister Stefano Mosconi himself. Wers kürzer mag (und englisch statt italienisch), der klickt auf diesen Link. Die beiden Videos konzentrieren sich auf unterschiedliche Aspekte des neuen Betriebssystems. Klar wird aber: An einigen Stellen wurde nicht nur geschraubt und nachgebessert, sondern von Grund auf neu gebaut. Da müssen sich bestehende Jolla-Kunden ordentlich umgewöhnen, was im Netz bereits für Unmut sorgt.
  • Sailfish 2.0 wird auch auf dem Jolla Phone vorgestellt, Videos dazu gibts hier und hier.
  • Update 11, Yliaavanlampi, wird offenbar seit heute offiziell an alle Kunden ausgeliefert.
 

#MaHü: Die Gute-Laune-Straße

Samstag auf der Mariahilfer Straße Eigentlich hätt ich ja allen Grund gehabt, in ärgste Depression zu verfallen und mir eine böse Verübellaunung zuzuziehen: Da geht man extra „in die Stadt“, um einen ganz bestimmten Konsumartikel zu besorgen, und dann ist der nirgendwo aufzutreiben. Meine letzte Hoffnung war der Saturn in der Mariahilfer Straße, wo das Teil zwar zum Hohn ausgestellt, aber nicht lagernd war.

Warum ich trotzdem nicht zum wandelnden Gewitterwölkchen wurde? Weil das in der Mariahilfer Straße einfach nicht mehr möglich ist. Der politische Konflikt, offiziell längst begraben, schwelt offenbar in den Köpfen der #MaHü-Gegner weiter: „Die Mariahilfer Straße sieht mich nie mehr wieder“, rufen sie einander nach wie vor trotzig in ihrer Therapiegruppe auf Facebook zu - und das ist gut so! Der im Oktober 2014 hier erstmals beschriebene Effekt hält an. Vom „Goldenen Wienerherz“ (=kalt, hart und immer schlecht gelaunt) wird hier keiner mehr belästigt, es sind nur nette und freundliche Gesichter zu sehen - davon dafür jede Menge. Es wurlt, aber auf eine angenehme Art.

So war ich dann auch trotz des eigentlich verschissenen Nachmittags innerhalb kürzester Zeit eingesponnen in diese rosa Zuckerwatte aus langhaarigen Sängern mit bunten Gitarren, exotischen Eissorten, Maroniständen, konzentrierten Go-Spielern und vor allem monstergroßen Seifenblasen, die ein englischsprachiger junger Mann im Jesus-Look auf laut quietschende Kinder losließ. (Es war zum Schreien komisch: Die Knirpse waren nur halb so groß wie die Seifenblasen, die sie über ihren Köpfen zum Platzen brachten. Zwei Euro für Jesus in den zu großen Jeans.)

So schön also kann Wien sein.

 

Jolla: Vorspiel mit Yliaavanlampi

Jolla hat in den letzten Wochen einiges an Vertrauen bei seinen Kunden verspielt: Die fürs Tablet angekündigte und mit Spenden finanzierte Unterstützung für SDXC-Karten kommt nun doch nicht; das Treffen der Jolla-Spitze mit dem russischen Minister für Telekommunikation hat nicht überall nur Begeisterung hervorgerufen; schließlich sind zuletzt Hinweise auf eine Verschlechterung im User Interface ab Sailfish 2.0 entdeckt worden, die ebenfalls für böses Blut gesorgt haben. Zeit für eine Charmeoffensive also. :)

Die Finnen geben ihren Hardcore-Usern ab sofort das, was sie immer schon wollten: Zugriff auf Betriebssystem-Updates, bevor diese noch offiziell fertig sind. Das „Early Access“-Programm kann man in seinem Jolla-Account freischalten. Es bringt einem Updates, von denen Jolla selbst hofft, daß sie so gut wie stabil sind, die aber die letzten Testhürden noch nicht genommen haben. Und nun ratet mal, wer sich dafür angemeldet hat … Daher also:

Yliaavanlampi ist ein See im Polargebiet, der 10 Autostunden nördlich von Helsinki liegt. (Wobei das mit den Autostunden nur die halbe Wahrheit ist: Es führt nämlich keine Straße dorthin.) Yliaavanlampi heißt auch das neueste Update 1.1.2 für mein Jolla-Telefon, das heute erstmals in Form des oben erwähnten „Early Access“-Programms freigegeben wurde. Spürbar wird, daß sich der Fokus hinter den Kulissen vom 1.x-Zweig weg und hin zur Vorbereitung der nächsten großen Release „Sailfish 2.0“ verschoben hat: Das neue Update bietet unter den knapp 100 einzeln aufgelisteten Verbesserungen hauptsächlich kleine Fehlerkorrekturen. Die einzige wirklich große Änderung ist der von Grund auf neu gestaltete Browser, der viele (teils sehr alte) Kundenwünsche erfüllt. Ebenfalls neu: Eine Aufwertung des bisher eher stiefmütterlich behandelten Event-Screens. Zwar legt bisher nur ein Wetter-Programm seine Informationen dort ab, ich werde aber das Gefühl nicht los, daß das nur der Beginn einer Weiterentwicklung hin zu einer offeneren API ist.

Wichtig für Benutzer, die die Multitasking-Fähigkeiten des Telefons voll ausschöpfen: Der Umgang mit kritischen Situationen aufgrund zu vollen Arbeitsspeichers wurde nochmals verbessert.

Einige weitere Änderungen machen die Arbeit mit Android-Programmen in der Alien-Dalvik-Emulation zu einer runderen Sache. Auch die Themenverwaltung („Ambiences“) hat einen Feinschliff erfahren und macht jetzt mehr individuelle Benutzereingriffe möglich.

Angeblich wurde auch das letzte Stück Code eingebaut, das zum Funktionieren der Hardware-Tastatur notwendig ist. Verifizieren kann ich das natürlich erst, wenn das bestellte Teil ankommt.

Jolla gibt sich mindestens eine Woche Zeit, um Rückmeldungen von den mutigen Testern einzusammeln. Frühestens dann kommt Yliaavanlampi bei allen anderen aufs Handy. Falls Probleme auftreten, die einen erneuten Eingriff in den Code nötig machen, dauerts natürlich entsprechend länger. ;)

 

I ♥ Free Software Day 2015

I Love Free Software - #ilovefsLeider ist heute Samstag, also kein Bürotag für mich. Das bedaure ich außerordentlich, weil ich deshalb keine Chance habe, meine Kollegen anläßlich des I ♥ Free Software Days 2015 über freie Software, ihre Vorzüge und ihre Geschichte aufzuklären. (Seit 2012 mache ich das regelmäßig und verbreite damit große Freude und Begeisterung. Im Blog habe ich das unter anderem hier, hier und hier dokumentiert.)

Matthias Kirschner, Vizepräsident der Free Software Foundation Europe, erklärt:

Software ist stark mit allen Aspekten unseres Lebens verbunden. Es ist wichtig, dass diese Technologie uns bereichert, anstatt uns einzuschränken. Entwickler, die bei Freier Software mitarbeiten, geben allen anderen die Freiheit, Software, die sie geschrieben haben, zu verwenden, zu verstehen, zu verändern und zu teilen. Damit helfen sie anderen grundlegenden Freiheiten, wie Redefreiheit, Pressefreiheit und Recht auf Privatsphäre, zu unterstützen. Wir sollten die motivierende Kraft eines einfachen „Dankeschön“ nicht unterschätzen, damit Entwickler auch weiterhin Spaß daran haben, ihre wichtige Arbeit für die Gesellschaft zu leisten. Sagen Sie deswegen am 14. Februar Danke dafür.

Recht hat er! Mein heuriges Dankeschön geht in Form einer Spende an Janne Edelman für sein Emoji-Keyboard fürs Jolla Phone, das über OpenRepos.net bzw. Warehouse erhältlich und sowohl BSD- als auch Apache-lizensiert ist. Die vielen Bildchen, die ich damit in meine SMS schreiben kann (vor allem mit Frau Kysira entspinnen sich immer wieder sehr bildhafte Dialoge), machen große Freude. ☺

 

Ich bin Mature

Kassenzettel vom Bständig Hab ich mich eben noch als Mitglied der „Generation Y“ jung gefühlt? Hatte ich straffe Gesichtshaut wie ein „Digital Native“?

3-2-1 steh ich plötzlich mit einem großen Einkaufssackerl und einem Kassenzettel vom Bständig auf der Straße und fühl mich dementsprechend alt. So richtig alt. Nicht „Generation X“-alt, nicht „Boomers“-alt, sondern „Matures“-alt. Während ich aufs Taxi warte, spüre ich das Mitleid der behende vorbeieilenden 60jährigen: Hoffentlich werd ich nie so hilflos und tattrig, denken die sich mit Blick auf das Firmenlogo am Sackerl.

Tja. Bständig also jetzt. Und es war nichtmal ein billiger Einkauf … :(

 

Ich bin Generation Y

Ich gehöre zur „Generation Y“! Zumindest hab ich das für einen kurzen Moment gedacht und gespürt, wie sich meine Gesichtshaut strafft dabei. :)

Bei uns im Büro gabs nämlich im Rahmen einer ansonsten sehr trockenen Veranstaltung einen recht humorigen Vortrag eines 20jährigen Knaben, der uns als Vertreter eben jener „Generation Y“ vorgestellt wurde. Wie er sich im Internet bewegt, hat er uns erzählt. Welche Arten der Kommunikation für ihn selbstverständlich sind. Und wie das alles auf die Erwartungshaltung abfärbt, die er Unternehmen wie unserem entgegenbringt. Letzteres ist interessant, weil Unternehmen wie unseres natürlich genau diese Erwartungshaltungen einer neuen Generation befriedigen müssen, um am Markt erfolgreich zu bleiben. Aber ich schweife ab …

Wesentlich ist: Ein junger Mann erzählt von „Generation Y“ und deren Konsum- und Internetverhalten. Wir alle hören begeistert zu, und weil der Vortrag so humorig und gut gemacht ist, überhöre ich die leise Stimme in meinem Kopf, die mir ständig etwas zuflüstern will.

Einige Stunden später erst verstehe ich, was diese Stimme mir sagen wollte: Zwar hätte ichs auf der Bühne nicht so gekonnt rübergebracht, aber inhaltlich hat der Knabe nichts anderes beschrieben als mein eigenes Online-Leben! Wie ich Kaufentscheidungen treffe, mit Unternehmen kommuniziere, was ich mir für Kommunikationskanäle erwarte, wie ich Informationen aus dem Netz einhole und wieder ins Netz zurückstelle, wie ich immer und überall online bin, … das alles war für mich unterhaltsam, weil ers lustig erzählt hat. Tatsächlich aber, netto und ohne Geschenkpapier, bleibt an trockenen Fakten nur eines übrig: mein tägliches Leben.

Eine Zeit lang fand ich das unglaublich komisch und mich selbst so jung, daß sie mich bei jeder Ü30-Party rausgeschmissen hätten. Ich, Oskar Welzl, der Prototyp der „Generation Y“. Ein junger Hupfer. Geistig so fit wie der 20jährige, der den Gastvortrag gehalten hat. (Alte Leute bezeichnen den übrigens als Keynote - Stichwort Glasperlen.) Ich hab mich schon nach Skateboards und modischen Käpplis umgesehen (online natürlich). Sooo begeistert war ich von mir!

Bis ich dann nach ein paar Tagen sicherheitshalber nachgesehen habe, was „Generation Y“ sonst noch so alles bedeutet … und mit dem Wissen kam die Ernüchterung. Die „Generation Y“ wird nicht in erster Linie durch ihre online-Affinität definiert, sondern durch ihr egoistisches und pragmatisches Verhältnis zu Konsum und Karriere. Wikipedia bezeichnet sie als Egotaktiker, die alle wichtigen Lebensentscheidungen nach den unmittelbaren Vorteilen und Nachteilen für die eigene Person und ihr Wohlbefinden abschätzen. Will ich so sein? Kann ich so sein? Sicher nicht.

Irgendeinen positiven, jugendlichen Begriff mußte es ja aber noch geben, der mich mit der Welt des freundlichen 20jährigen auf der Bühne verband? Meine Nachforschungen ergaben tatsächlich etwas: „Digital Native“. Das sind Menschen, die einfach mit den heutigen Online-Technologien aufgewachsen sind und sich gar keine Welt vorstellen können, in der man in eine Bibliothek mußte, statt einfach am Handy Wikipedia aufzurufen. Zumindest die jüngeren Vertreter der „Generation Y“ sind großteils auch „Digital Natives“. Paßt also. Auch der Fokus des Vortrags auf die Online-Nutzung, die mein eigenes Verhalten 100%ig widerspiegelt, gab mir neue Hoffnung: Ich bin zwar vielleicht nicht „Generation Y“-jung, aber doch sicher „Digital Native“-jung. Geistig agil und rege wie ein Jahrgang 1995!

Fast:

Wikipedia verrät nämlich: Der mit dem Begriff „Digital Native“ assoziierte Umgang mit neuer Technik und der Online-Welt ist keineswegs altersabhängig. Es gibt 15jährige, die auch heute so technikfern leben wie ich in diesem (biologischen) Alter. Auf der anderen Seite stehen 60jährige, die ohne ihr Smartphone und ihren Internet-Zugang nicht mehr lebensfähig wären. Heißt einerseits: Daß ein 20jähriger und ich den gleichen Umgang mit Internet und sozialer Vernetzung darin pflegen, darüber hinaus auch die gleichen Ansprüche an Unternehmen daraus ableiten, ist eh lieb - aber nicht weiter erwähnenswert, weil weder er noch ich uns dadurch besonders auszeichnen. Es macht mich nicht jünger, weil Technikaffinität und die Art des Umgangs mit dem Netz keine Funktion des Alters sind. Heißt andererseits auch: Es wächst keine neue Generation von Kunden heran, an die man sich anpassen muß. Es gibt einfach nur neue Kommunikationswege, die immer intensiver genutzt werden. :)

Zack! Die Bäckchen hängen wieder nach unten. Keine Gesichtsstraffung mehr. Aber für einige Tage hat der verjüngende Effekt mir Freude bereitet. :)

 

Schon wieder das Eisbaden verpaßt

Eisbaden am 7.2.2015 in TrassenheideSchon wieder! Schon wieder haben wir nicht rechtzeitig geschaut und daher das Eisbaden 2015 in Trassenheide verpaßt. (Im Vorjahr wäre uns ja der Preis für den am weitesten angereisten Teilnehmer ziemlich sicher gewesen. Heuer hätten wir mit einem originellen Kostüm auffallen müssen, um eine urkundliche Auszeichnung und ein hochwertiges Präsent zu ergattern.)

Anyway: Bei 4° Luft- und 1° Wassertemperatur hätten wir unter Umständen auf beides verzichtet und uns mit den in Trassenheide ja oftmals hervorragenden Bratwürsten zufrieden gegeben, die am Strand ebenfalls wieder zu haben waren.

Ich frag mich ja nur, wie's zustande kommt, daß ich immer ausgerechnet dann auf die Webcam von Trassenheide schau, wenn dieses Eisschwimmen stattfindet. Ich wußte ja vorher nix davon und hab beim Frühstückskaffee im Bett plötzlich gesehen: Hoppla! Da steppt der Bär! :)

 

Creative Commons: Spenden für die Rechtssicherheit

Ursprünglich wollte ich hier einen Spendenaufruf für einen armen kleinen Verein veröffentlichen, der von der bösen FPÖ finanziell ruiniert zu werden droht, obwohl er im Recht ist. So in etwa geistert die Geschichte nämlich durch die Medien.

Ein bißchen Recherche tut immer gut und führt zu dem Ergebnis, daß die Sache ein bißchen diffiziler ist, mehr Grautöne enthält … und daß eine Spende viel wichtiger ist als unter den ursprünglich angenommenen Rahmenbedingungen.

Was genau ist passiert? In Erfurt gibt es keinen kleinen Verein, der sich Filmpiratinnen und Filmpiraten e.V. nennt. Er bezeichnet sich selbst als Videokollektiv, das durch Graswurzeljournalismus Dokumentationen mit alternativen Sichtweisen produziert. (Eine Liste der in den letzten 10 Jahren entstandenen Filme ist hier veröffentlicht.)

Zwei der so entstandenen Beiträge hat die FPÖ im Juni 2014 für ihr wöchentliches YouTube-Magazin „FPÖ-TV“ verwendet. (Der Abschnitt, in dem das Videomaterial der Filmiraten verwendet wurde, beginnt hier.) Aufgrund der ideologisch weit auseinander liegenden Positionen von Filmpiraten und FPÖ ist es zwar verwunderlich, daß die Freiheitlichen auf Feindpropaganda zurückgreifen für ihre eigene Werbung. Auf den ersten Blick scheint es aber zumindest rechtlich gedeckt: Die Filmpiraten veröffentlichen ihr Material konsequent unter der weltweit gebräuchlichen Creative Commons Lizenz (CC), die es grundsätzlich erlaubt, das lizensierte Material in jeder Form zu verwenden, weiterzugeben, zu verändern oder zu ergänzen.

Wo also ist das Problem? Das Problem ist, wie so oft, das Wort „grundsätzlich“. Dem Rechteinhaber steht es bei CC-Werken nämlich frei, die Lizenz im Baukastensystem um einige vordefinierte Bedingungen zu ergänzen. Die Filmpiraten haben das im konkreten Fall der von der FPÖ verwendeten Videos getan, und zwar mit:

  • Attribution: Der Urheber muß genannt werden, es muß ein Link zur anwendbaren Lizenz mit veröffentlicht werden und es muß klar gemacht werden, ob das Werk verändert wurde. Das alles darf nicht in einer Weise geschehen, die nahelegt, daß der Urheber die Verwendung seines Werkes gutheißt.
  • NonCommercial: Die Verwendung für kommerzielle Zwecke ist untersagt.
  • ShareAlike: Wer das Werk verändert oder ein neues Werk unter Verwendung des ursprünglichen Materials schafft, muß dieses unter die gleiche Lizenz wie das Original stellen.

Und genau hier spießt es sich nun. Zwar hat die FPÖ die verwendeten Video-Ausschnitte sowohl mit dem Namen des Urhebers als auch mit dem üblichen CC-Logo für die Lizenz versehen. (Genauer: Die Informationen nicht entfernt). Allerdings, so sagen zumindest die Filmpiraten, fehlt es an der Erfüllung der „ShareAlike“-Klausel. Das gesamte FPÖ-Video, inklusive der neu hinzugekommenen Stellen, ist ihrer Meinung nach ein neues Werk, das unter Verwendung des Ursprungsmaterials zustandegekommen ist. Da das Video nicht unter der gleichen CC-Lizenz veröffentlicht wurde, liegt nach Meinung der Filmpiraten ein Lizenzverstoß vor. Sie haben im September eine Rechtsanwältin beauftragt, die FPÖ in einem außergerichtlichen Schreiben zur Entfernung des Materials der Filmpiraten von YouTube aufzufordern.

Wozu werden jetzt Spenden notwendig? Weil die FPÖ als Reaktion darauf vor das Handelsgericht Wien gezogen ist. Was genau Gegenstand der Klage ist, darüber gehen die Berichte auseinander. In den Medien wird von einer Feststellungsklage gesprochen, die nur klären soll, ob die Forderung der Filmpiraten durchsetzbar sind. Die Filmpiraten selbst sprechen nebulos von einer Klage „wegen Behinderung der Meinungsfreiheit der FPÖ“. Unstrittig ist: Der Streitwert beträgt € 35.000,-, zusätzlich wurden den Filmpiraten von der FPÖ € 2.698,13 in Rechnung gestellt. Finanziell ist der 20köpfige Verein, der bewußt nicht vor den Richter ziehen wollte, damit überfordert und bittet nun um Spenden. 25% des selbst gesteckten Ziels sind nach den ersten Medienberichten vom 30. Jänner bereits erreicht.

Warum spende ich jetzt? Wie eingangs angedeutet, die ursprünglich gestrickte Story „Böse FPÖ gegen hilflosen Verein“ zieht nicht. Die Sachlage ist gar nicht so eindeutig, wie die Filmpiraten sie darstellen: In den Originalvideos des Vereins wird auf die „ShareAlike“-Klausel nur mit einem Symbol hingewiesen, nicht mit einem verständlichen Text. (Die anderen Klauseln der Lizenz sind im Abspann ausformuliert.) Die einzige Stelle, an der ich einen eindeutigen Verweis auf diese Lizenzbedingung gefunden habe, ist ein Link auf der Seite, in der die Videos eingebettet waren. Dieser Link besteht aber ebenfalls nur aus grafischen Symbolen und ist vor allem nicht als Hinweis auf Lizenzbedingungen erkennbar. Man muß schon wissen, wonach man sucht, um mit der Maus dort hinzufahren.

Andererseits sind das alles Vorgehensweisen, die im Umfeld von CC-lizensierten Medien (vor allem eben: Online-Medien) durchaus üblich sind. Was mich interessiert ist: Was sagt ein österreichisches Gericht zu Creatve Commons insgesamt? Und vor allem: Welche Maßstäbe legt es an, wenn es um die Erkennbarkeit der Lizenz einerseits und um die Sorgfalt des Lizenznehmers geht? Kann man sich darauf berufen, das grafische Symbol für „ShareAlike“ nicht in seiner Bedeutung erkannt zu haben, wenn man andererseits den gesamten Film aufgrund seiner ebenfalls nur grafisch gekennzeichneten CC-Lizenz verwendet?

Ich halte es für wichtig, daß dieser Prozess ernsthaft geführt wird - mit einem finanziell dafür gerüsteten Verein Filmpiraten, der seinen Standpunkt mithilfe eines Rechtsanwalts vertreten kann. Meine Spende kann nicht verhindern, daß man sich zuvor noch irgendwie anders einigt oder daß die aus meiner Sicht wichtigen Fragen zu CC vor Gericht in eine Nebenrolle gedrängt werden. (Wie gesagt: Was genau Gegenstand der FPÖ-Klage ist, bleibt ja seltsam unkonkret.) Ohne meine Spende aber besteht das zusätzliche Risiko, daß der beklagte Verein einfach dem finanziellen Druck nicht standhält und klein beigibt, bevor irgendeine inhaltlich interessante Frage auch nur angesprochen worden ist.

Creative Commons gehört, ähnlich wie die GPL, zu den wenigen Elementen, die die vor allem im Umfeld von Computern und Internet entstandene Ideologie des gemeinsamen Gestaltens und des offenen Umgangs mit Wissen mit der Offline-Welt realer Ansprüche verbindet. Es war ein großer Durchbruch, als die Durchsetzung der GPL Jahrzehnte nach ihrem Entstehen erstmals in größerem Umfang vor Gerichten auf der ganzen Welt erstritten wurde. Zuvor gab es viele offene Fragen in Bezug auf ihre Kompatibilität mit verschiedenen nationalen Rechtssystemen. Creative Commons ist jünger, entwickelt sich dynamischer und ist noch seltener Grundlage von Gerichtsentscheidungen gewesen. Wichtig am Prozess der FPÖ gegen die Filmpiraten ist nicht, wer gewinnt. Wichtig ist, inwieweit die Lizenz thematisiert wird und was die Justiz dazu sagt. Das heißt also: daß er überhaupt stattfindet. Deshalb spende ich.

 

Peenemünde, U-Boot-Shop: Maiks literarisches Denkmal

u-boot-shop-2011
Wenn ich um 21:47 beim Lesen im Bett laut zu wiehern beginne, dann brauchts schon mehr als einen vergnüglichen Krimi. Elke Pupke hat mit „Tödliches Geheimnis auf Usedom“ diesen Krimi geliefert, konnte aber nicht wissen, wie sehr mich ihre Darstellung einer Bustour nach Peenemünde erheitern würde.

Ja, Peenemünde. Bei Stammlesern dieses Blogs klingelts: Seit 23.7.2004 ziehts uns alle Jahre wieder dorthin. Dabei ist ein Besuch bei Maik im U-Boot-Shop Pflicht. Nicht nur der Kaffeehäferl und Ansichtskarten wegen (das Sortiment ist in alle den Jahren fast unverändert geblieben), sondern vor allem wegen der guten Unterhaltung und der unglaublichen Informationsdichte. Ein Jahr Peenemünder Stadtchronik geht sich zwischen Schon wieder ein Jahr rum? und dem Wechselgeld aus. Bei mir liest sich das so:

Maik […] bietet im U-Boot-Shop nach wie vor Kaffeehäferl und Express-Führungen durch den Ort feil. In wenigen Minuten wurden wir auf den aktuellen Stand gebracht; unterhaltsam und launig wie immer.

Oder auch so:

[…] und wer in Peenemünde ist, muß im dortigen U-Boot-Shop vorbei. Erstens der vielen netten Souvenirs wegen (Kaffeetassen fürs Büro, Käpplis, T-Shirts und eine sehr, sehr interessante Chronik von Peenemünde), vor allem aber wegen Maik, der den Laden dort schupft. Der weiß nämlich immer spannende Neuigkeiten. […]

Wir hören Neues von der Bahnhofstraße, Beunruhigendes über die Zukunft der Deiche und vor allem unglaublich Komisches von den Touristen hier.

Wer hier nach Maik sucht, findet weitere Beispiele.

So. Und was hat das jetzt mit Elke Pupke, dem tödlichen Geheimnis auf Usedom und meinem Wiehern im Bett zu tun? Auf Seite 158 beschreibt die Autorin den Ausflug einer Reisegruppe nach Peenemünde. Die Reiseleiterin Anne bedauert, daß sich ein Besuch im dortigen Museum aus zeitlichen Gründen nicht ausgeht, empfiehlt interessierten Touristen aber die Besichtigung des U-Boots mit dem Nachsatz: … und der junge Mann dort im U-Boot-Shop kann Ihnen alles darüber berichten. - „Ach“, denk ich mir, „die meint doch nicht am Ende etwa …?“ Doch. Meint sie. Die nachfolgenden Absätze zerstreuen jeden Zweifel. Ich zitiere auszugsweise:

… der besagte junge Mann kommt kaum dazu, den Gästen etwas zu erklären, weil er sich so eifrig mit Anne und Sophie unterhält. Sogar Kaffee bietet er ihnen an und die Schilderung der neuesten Ereignisse in Peenemünde aus erster Hand.

»Der ist ja nett«, stellt Sophie fest, als sie zurück zum Bus gehen, »und er quatscht fast genauso viel wie du.«

»Ja«, bestätigt ihre Freundin, »ich glaube, ich muss die Pause nächstes Mal etwas länger machen, damit er mir alles erzählen kann, was hier noch geplant ist.«

Wenn das nicht eine geradezu fotorealistische Beschreibung von unserem Maik ist! Das kam beim Lesen dermaßen unvorbereitet (der Roman spielt im Süden der Insel, der Abstecher nach Peenemünde hat mich also überrumpelt), daß ich tatsächlich laut aufgelacht hab über die treffende Schilderung. Vor allem wars ein sehr nettes Gefühl, jemanden in einem Buch wiederzufinden, den man persönlich kennt und mit dem man schöne Erinnerungen verbindet. Herzlichen Dank, Frau Pupke!

(Übrigens: Elke Pupke arbeitet als Reiseleiterin auf Usedom. Ich freß einen Besen, wenn die geschilderte Szene nicht auf einer tatsächlichen Begegnung zwischen den beiden basiert. Vor allem der Satz … ich muss die Pause nächstes Mal etwas länger machen … *LOL*)

Weil mir Frau Pupke nun gestern so eine außergewöhnliche Freude gemacht hat, darf ich gleich ein bißchen Werbung nachschieben. Das „tödliche Geheimnis auf Usedom“ ist nicht das erste Buch, das ich von ihr lese. Ich habe im Dezember mit „Die Toten von Bansin begonnen, gleich danach Das Mordhaus am Wald gelesen und bin eben jetzt mitten drin in ihrem dritten Krimi. Alle Fälle spielen im Seebad Bansin, im einzigen der drei Kaiserbäder, in dem wir noch nie waren. Sie werden von einer kleinen Runde von Freunden gelöst, in der vor allem die drei Frauen Sophie, Berta (mein Liebling!) und Anne im Vordergrund stehen. Die Autorin mischt Krimi und Lokalkolorit in einem Maß, das mir ausgesprochen gut gefällt. Es gibt Augenblicke, da interessiert mich die Lösung des Falls schon gar nicht mehr, da will ich mich einfach nur außerhalb der Hauptsaison an den Stammtisch des „Kehr wieder“ setzen und die alten Geschichten hören. :)

Und noch was: Der Usedom-Krimi ist nicht das erste Mal, daß Maik literarisch in Erscheinung tritt. Nur mehr gebraucht zu erwerben, aber immerhin erhältlich ist sein Reiseführer „www.peenemuende.info: Geschichte, Natur, Gastronomie, Gewerbe“, den wir natürlich ebenfalls besitzen. (Ich finds grad ein bißchen unheimlich, während ich das tippe … *gg*)

 

Wenn Wien die Welt wäre ...

Wien als Symbol für die Welt Die britische Organisation Oxfam hat vor einigen Tagen ihren Report zur Ungleichverteilung des Vermögens auf der Welt veröffentlich. Die reichsten 1% besitzen etwa die die Hälfte des Weltvermögens. Extremer noch: Die reichsten 80 Menschen besitzen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung zusammen. Und die Schere geht immer weiter auf.

Erwartungsgemäß werden solche Berichte nicht zur Kenntnis genommen. Die Medien berichten lieber über Dinge, die schon morgen garantiert niemanden mehr interessieren. Vielleicht liegt das mangelnde öffentliche Interesse ja aber auch daran, daß die Größenordnungen so unvorstellbar sind?

Ich habe versucht, die Absurdität der Verteilung auf eine einfache Analogie herunterzubrechen: Die Einwohner der Stadt Wien müssen als Statisten die Weltbevölkerung repräsentieren. Das Vermögen wird in Wohnfläche bemessen. Was kommt raus? Wir müssen alle umziehen. Die gesamte Osthälfte der Stadt mit den großen Flächenbezirken 21 und 22, aber auch mit der City und den meisten Bezirken innerhalb des Gürtels wird geräumt. Nur 17.300 Menschen werden per Los gezogen und dürfen dort in Luxusdomizile mit durchschnittlich 11.500m² Nutzfläche einziehen. In der Grafik ist dieser Teil der Stadt grün. (Passend: Bei nur 87 Einwohnern pro km² herrscht dort wohl eher ländliche Atmosphäre.)

Rund 329.000 Menschen ziehen in den westlichen Teil um. In den Bezirken 3, 10, 23, 13 und 14 sowie 17-20 läßt es sich bei dieser geringen Bevölkerungsdichte ebenfalls noch schön wohnen: Durchschnittlich 585m² stehen jeder Person zur Verfügung. Das Häuschen im Grünen ist für eine Familie damit jedenfalls drin. In der Grafik sind diese Stadtteile gelb.

Von den 1.731.000 Einwohnern Wiens hat aber jetzt noch nicht einmal ein Viertel eine neue Unterkunft erhalten. 80% stehen noch da und warten auf ihr neues Zuhause. Für diese rund 1.385.000 Menschen muß die Gegend rund um den Westbahnhof reichen. In den Bezirken 5, 12, 15 und 16 stehen ihnen 16m² pro Person zur Verfügung. Pro km² steigen sich in diesem Teil der Stadt mehr als 60.000 Menschen auf die Zehen. Die vier Bezirke sind in der Grafik rot.

Das war die Ausgangslage im Jahr 2014. Wäre die weltweit vorhandene Ungleichverteilung von Vermögen tatsächlich auf einem so engen Raum wie Wien für alle erlebbar - niemand hätte den fast 1,4 Millionen Bewohnern der Armenviertel rund um den Westbahnhof erklären können, warum sie in so kleinen Schachtelwohnungen leben müssen, wo doch 50% der Stadt fast ungenutzte Parkanlage sind. Die Situation wäre schon viel früher explodiert.

Tatsächlich explodiert aber - derzeit - noch gar nichts. Die ärmeren 80% gehen nicht einmal vereinzelt und vorsichtig in den Bezirken der Reichen spazieren. Ganz im Gegenteil: Jahr für Jahr fordern die reichsten 1% einen immer größeren Anteil der Stadtfläche für sich ein. Bis 2020 werden diese 17.000 Wiener auch den 19. Bezirk komplett für sich erobert und die ihnen zur Verfügung stehende Fläche auf 13.000m² pro Person erhöht haben, sagt Oxfam. Ein Ende dieser Entwicklung ist nicht abzusehen, vor allem auch deshalb, weil es die Profiteure des Systems sind, die die Zügel der Politik und der Medien in der Hand haben. Sie sind es, die den übrigen 99% Pseudo-Probleme vorgaukeln, um sie von ihren prekären Wohnverhältnissen und den großen Grünanlagen außerhalb ihrer Ghettos abzulenken.

Selten, ganz selten kommt es vor, daß Menschen aus dem reichen Teil der Stadt sich mit Lösungsvorschlägen an die Menschen in der roten Zone wenden. Einer von ihnen ist Götz Werner, Gründer der Drogeriemarkt-Kette dm und so etwas wie ein Pop-Star unter den Unternehmern. Im Zusammenhang mit Berichten über die Oxfam-Studie wurde im Netz auf ein Interview verwiesen, das er der Wiener Zeitung schon 2013 gegeben hat, das aber nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat: „Man sieht es ein, oder es knallt“ Götz Werner tritt seit Jahren leidenschaftlich für ein bedingungsloses Grundeinkommen als Weg aus der Krise ein. Lesenswert allemal.

Ob nun Grundeinkommen, Vermögenssteuer, Revolution oder Enteignungen der geeignete Weg sind, muß sich zeigen. Sicher ist: So gehts nicht weiter. Gerade ein kapitalistisches System kann nicht existieren, wenn der Großteil der Menschen immer ärmer wird und immer weniger konsumieren kann. Es wird Zeit, daß die Wiener sich wieder gleichmäßig über die Stadt verteilen.

 

Jolla: Limette und Prachtnelke

Jolla The Other Half LimeLime und Nadeshiko Pink nennt Jolla die zwei neuen „Other Halves“, die vorgestern bei mir im Briefkasten lagen. Limette also und Prachtnelkenrosa. (Wer dort immer die Namen erfindet?)

Beim Aufstecken werden, wie üblich, ein neues Hintergrundbild sowie passende Klingeltöne heruntergeladen. Beides gibts hier zum Ansehen bzw. Anhören.

Während das Hintergrundbild für „Nadeshiko Pink“ ein bißchen gar unruhig geraten ist und die Lesbarkeit vor allem am Lock Screen beeinträchtigt, ist „Lime“ rundherum gelungen. Nicht nur die Farben (etwas grünlicher als auf der Jolla-Seite, also wirklich mehr Limette als Zitrone), sondern auch der kräftige Soundmix machen es zu einem ernsthaften Konkurrenten für meinen bisherigen Liebling „Keira Black“. (Kein Wunder, wenn man sich die Beschreibung dazu durchliest: The Other Half Lime makes you move. It is the perfect companion for your active lifestyle. Attach this cover with its refreshing ambience and you’ll never skip a beat. Exakt für mich gemacht! *LOL*)

Langsam muß ich mir eine eigene Lade für „Other Halves“ freiräumen. Die Tastatur kommt ja auch noch, die hab ich ja auch vorbestellt. ;)

 

16kg nicht geschleppt

Billa HauszustellungAuch wenn es nur 170m sind von mir zum nächsten Supermarkt, auch wenn ich diese 170m sowieso gehen muß, weil der Weg von der Straßenbahnhaltestelle zur Wohnung am Supermarkt vorbei führt: Ich hasse die Einkauferei! (Das gilt fürs Gwand genauso wie für die Dinge des täglichen Bedarfs, die man beim Billa erwerben kann.)

Jetzt bin ich dem Idealzustand wieder ein Stück näher: Billa Hauszustellung heißt das Zauberwort. Im Web klicke ich mich durchs bekannte Angebot, einen Tag später steht ein kräftiger Herr mit zwei großen Kisten vor der Tür und und lädt die Ware bei mir ab. Soeben erstmals ausprobiert, sehr fein!

Natürlich ist das nichts für den „Ich hab schon wieder keine Milch mehr!“-Einkauf. Die Bestellung muß in der Regel am Vortag abgeschickt werden (Ausnahme: Zustellung nach 18:00 Uhr), der Mindestbestellwert liegt mit € 25,- deutlich über dem Preis eines Milchpackerls. Trotzdem: Ideal ist dieser Lieferservice für die Dinge, die ich ungern in größeren Mengen heim schleppe und die ein Teil meines Gehirns daher auch regelmäßig zu vergessen versucht. (Klopapier z.B. - nichts ist unangenehmer, als es sitzend auf die Einkaufsliste zu schreiben.)

Daß Billa für die Zustellung € 5,99 je begonnenen 50kg verlangt, ist nur auf den ersten Blick abschreckend. Einerseits ist mir der persönliche Komfort alle paar Wochen (so schnell geht mir das Klopapier dann auch wieder nicht aus) ein paar Taler wert. Zweitens und vor allem aber leiste ich mir im online-Shop einen Luxus, den ich mir im Gehetze des nachbürolichen Einkaufs vor Ort bisher niemals erlaubt habe: Ich vergleiche Preise. Da wirds beim Geschirrspülmittel schon mal die günstigere Eigenmarke, beim Waschmittel schlage ich beim Vierfachen meiner bisher üblichen Packungsgröße zu. (Ich muß das Zeug ja nicht schleppen. *LOL*) Ob ich damit (bei einem Gesamtwarenwert von € 61,65) die € 5,99 Liefergebühr reingeholt hab? Mehrfach sogar. Ich hab nachgerechnet. ;)

In Summe bin ich also - man merkts - durchaus angetan davon bedient zu werden. Einige kleine Hinweise auf Dinge, die man wissen sollte:

  • Der Webshop ist im Prinzip eine Zumutung und erinnert an Gehversuche des eCommerce aus dem letzten Jahrzehnt. Das betrifft die optische Gestaltung ebenso wie die Geschwindigkeit oder den Ablauf der Bestelleingabe. (Oder kann mir einer der Verantwortlichen erklären, warum ich bei jeder einzelnen Bestellung zuerst die Postleitzahl des Liefergebietes eingeben muß, obwohl ich bereits eingeloggt bin und meine Zustelladresse hinterlegt ist?) Hier heißt es: Geduld haben und üben.
  • Eh klar: Die 50kg-Grenze möglichst ausnutzen. Je mehr man kauft, umso mehr verteilt sich die Zustellgebühr auf die vielen Waren. (Außerdem macht es grundsätzlich mehr Spaß, die wirklich schweren Dinge nicht selbst tragen zu müssen.) Übermut tut aber auch nicht gut: Der freundliche Zusteller will seine Klappkisten nämlich wieder mitnehmen, es muß also zügig ausgeräumt werden. Laut AGB wäre er nichtmal verpflichtet, die Schwelle zur Wohnungstür zu überschreiten, was im Extremfall bedeuten kann: 50kg an Waschmittel, Konserven und Shampoo husch, husch im Vorzimmer ausräumen und nachher erst dekorativ auf Bad und Küche verteilen. Mein Zusteller hat das alles nicht so eng gesehen und war mir behilflich; es waren ja auch nur 16kg, keine 50kg. Trotzdem: Planung muß sein. Zumindest eine Ablagefläche sollte zum schnellen Ausräumen bereit stehen. :) (Der Vorteil dieses Ablaufs gegenüber einer Pappschachtel, die einfach vor die Tür gestellt wird: Man kann die Lieferung beim Ausräumen auf Fehler überprüfen und der Zusteller geht erst, nachdem man das getan hat. Laut AGB nimmt er reklamierte Ware zurück, was auch bei der erst nach der Lieferung erfolgten Kreditkarten-Abbuchung berücksichtigt werden sollte. Mal sehen, wie das in der Praxis ist, wenn ich wirklich mal ausgelaufene Joghurtbecher in der Kiste finde.)
  • Es gibt von Billa ein Programm fürs Smartphone (die Android-Version läuft hervorragend auf meinem Jolla), das im Prinzip das gleiche macht wie der Webshop … fast. Was das Telefon nämlich zusätzlich kann: über die Kamera den Strichcode auf Packungen einscannen und direkt in den Warenkorb legen. Wenn also das Waschmittel aufgebraucht ist: Handy dranhalten und schon stehts auf der Einkaufsliste. Magic!
  • Die Zeitfenster für die Lieferung könnten flexibler sein. Vier Blöcke zu je drei Stunden stehen zur Auswahl. Wer berufstätig ist, kann nur den Block von 18:00-21:00 Uhr wählen und hoffen, daß er rechtzeitig aus dem Büro kommt … was sich ja selten mit Sicherheit planen läßt. Ich würd mich wohler fühlen, wenn ich ein 2-Stunden-Fenster von 19:00 bis 21:00 Uhr zur Auswahl hätte.

Trotz des Verbesserungspotentials: Ich glaub, ich mach das jetzt öfter. Das heute war erst mal eine Testbestellung mit unzerstörbaren und haltbaren Waren. Das nächste Mal wird wohl so etwas wie Milch, Brot, Butter oder gar Obst auch dabei sein. Mal sehen, wie das so ist mit der versprochenen Kühlkette und der Qualität der Äpfel, wenn jemand anderer sie für mich aus der Kiste holt.

Shoppen kann ja doch richtig Spaß machen. *LOL*

 

Silvesteressen

Ich (in der Küche): Da stinkts irgendwie.
Er: Ja, gell? Ich weiß auch nicht … So abgestanden irgendwie, so muffig …
Ich: … nach Kanal oder fauligem Abwasser.
Er: Achso, das meinst du! (Deutet auf einen Kochtopf.) Das ist dein Broccoli.

Bon appétit et bonne année!

 

Ethems Universum

Ethem Saygieder als Reiseerzähler in Universum History über Prinz Eugen Hoppala? War die Universum-Doku mit dem Titel „Prinz Eugen und das Osmanische Reich“ sowas wie ein Prequel zu CopStories? Zuerst machte der Ottakringer Bösewicht Cornelius Obonya sich über Prinz Eugens Mutter her, dann war da plötzlich Ethem höchstselbst wieder am Bildschirm, obwohl er doch eben erst umgebracht worden war. Oder werden wird. Wie man das eben so sieht bei Prequels. :)

Im Gegensatz zu seiner doch eher bodenständigen Rolle bei CopStories durfte Ethem Saygıeder diesmal den polyglotten Reisenden zwischen den Kulturen geben, der in höchsten Adelskreisen verkehrt. Er brachte Sultan Mehmet IV die deutschen Zahlen im breitesten Wienerisch bei (Bir: aans; iki: zwaa; üç: drei) und ließ sich von Prinz Eugen persönlich dessen berühmte Bibliothek zeigen. Sogar am Schlachtfeld war er anzutreffen. Sapperlot.

Ein sehr pompös aufbereitetes Stück Geschichte wars, das der ORF hier gemeinsam mit arte in Spielfilmlänge produziert hat. Wahrscheinlich hätt ichs mir ja gar nicht angeschaut gestern, wenn ich nicht gewußt hätte, daß Ethem mit dabei ist. Jetzt bin ich froh drüber: Noch mal um ein Eck gscheiter geworden! Daß das überhaupt noch geht? :)

 

Weihnachtsschnauf!

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Es gibt vor Prüfungen diesen einen Moment, ab dem man nichts mehr tun kann. Man atmet tief durch und läßt die Dinge auf sich zukommen. In Bezug auf Weihnachten habe ich diesen Punkt genau jetzt erreicht. ;)
  • Ich sitze am reservierten Platz im Zug nach Linz. Das klingt nach „same procedure as every year“, ist es aber nicht. Kurz vor der Abfahrt hat mir ein freundlicher ÖBB-Mitarbeiter noch den Puls in die Höhe getrieben mit: Der Railjet? Der ist schon weg. War er gottseidank nicht. Uffa.
  • Alle Päckchen sind gekauft, einpapierlt und im Koffer verstaut. Hurra! (Daß ich ein Packerl in Wien vergessen hab, ist mir jetzt auch schon wurscht: Ich kanns nicht mehr ändern.)
  • Fürs Jolla-Handy hab ich ganz bezaubernd kitschige „Ambiences“ mit Weihnachtsmotiven gebastelt. Muß.
  • Das Wiener Christkind ist abgehakt. Wie bei kleinen Kindern mit Großeltern aus verschiedenen Ortschaften gibt's ja auch bei mir ein „Wiener Christkind“ und ein „Linzer Christkind“. Das Wiener Christkind war am Samstag da. Es hat sich zwar nicht an die Aber nur ein Packerl, nicht mehr als ein Taschenbuch-Vereinbarung gehalten, dafür aber freundlicherweise auf jegliche Verunstaltung der Wohnung mit Tannengrün und Kerzenwerk verzichtet. Kaffee-Kardinalschnitte, Espresso, Packerl, Pizzamann. Das war aushaltbar. Und das Bild aus Entenhausen gehört dazu. ;)
  • Umgetauscht ist auch schon, was umzutauschen war - damit bleibt nur mehr das Linzer Christkind, für das aber, wie gesagt, schon alles vorbereitet ist. Dann ist die Zeit der siaßlatn Falschheiten, der Punschhütten und der überfüllten Einkaufsstraßen vorbei.

Tief durchatmen. Es gibt nichts mehr zu tun. ;)

PS: Ich hatte mich an die Aber nur ein Packerl, nicht mehr als ein Taschenbuch-Vereinbarung gehalten und exakt ein Taschenbuch neben die Kardinalschnitte gelegt. Erst wie ich gemerkt hab, daß ich damit nicht durchkomm, hab ich das zweite Packerl aus dem Rucksack geholt, wo ich es für den Fall der Fälle als Reserve aufbewahrt hatte; und dann das dritte aus dem Versteck im Vorzimmer. Aber sonst sind wir ganz normal. ;)

 

Jolla: Jahrestag :)

Jolla Christmas Ambience Alles Gute zum Geburtstag, liebes Jolla Phone! Am Abend des 19.12.2013 hab ichs ausgepackt. Genau heute vor einem Jahr, am 21.12.2013, ging mein erster Erfahrungsbericht online.

Anläßlich des letzten Updates hab ich mir ja schon die Mühe gemacht, die verschiedenen Softwareversionen zusammenzusuchen und in einer Tabelle auf die jeweiligen Release Notes zu verlinken. Wenn man das so alles vor sich sieht ist es schon beachtlich, wie das Telefon sich im Laufe nur eines Jahres verändert hat. Meine Highlights waren die stark verbesserte Akku-Laufzeit, Unterstützung für MMS und LTE, mehrere deutliche Verbesserungen in der Benutzeroberfläche (Programm-Ordner, Quick-Scroll-Leisten, …), viele neue vordefinierte Kontotypen, die verbesserten Karten-Ansichten, der Wechsel ins Querformat auch bei Jollas eigenen Programmen sowie deutliche Fortschritte bei der Integration von Android-Applikationen ins System. Daneben gabs die laufende Behebung vieler kleiner Fehler, an die sich heute niemand mehr erinnern kann. (Gerade ist mir beim Screenshot aus dem oben verlinkten ersten Erfahrungsbericht aufgefallen, daß damals z.B. manche Sonderzeichen im Titel von Audiodateien nicht dargestellt wurden. Alles längst vergessen.)

Der Grund dafür, daß die Finnen 2013 mit einigen noch nicht ganz fertig gebackenen Softwareteilen auf den Markt gegangen sind, lag in der wilden Entwicklungsgeschichte: Ursprünglich war ja eine komplett andere Hardware vorgesehen. Nach dem Tod des Partners ST Ericsson mußte ein neues Telefon her, auf dem das eigene Betriebssystem irgendwie zum Laufen gebracht werden konnte. Dieses neue Telefon war, wie im heutigen Marktumfeld nicht anders möglich, ein auf Android zugeschnittenes Produkt aus Asien, mit dem Jollas Programmierer erst umzugehen lernen mußten. Noch Monate nach der Markteinführung schlug man sich teilweise mit Problemen herum, die ausschließlich aus der leicht frankensteinesken Mischung eines Android-Unterbaus mit einem echten GNU/Linux-System resultierten. Erst mit dem März-Update waren die gröbsten Schwierigkeiten ausgebügelt und Jolla konnte die Bezeichnung „Beta“ vom Betriebssystem streichen.

Aber auch abgesehen von den vielen Verbesserungen auf der Software-Seite wars ein rundum gelungenes Jahr für die Finnen: Neue Verträge mit internationalen Carriern, der Eintritt in wichtige Märkte wie Russland und Indien, die Kampagne für das angekündigte Tablet, verschiedene Ports des Betriebssystems auf fremde Hardware, jede Menge interessanter Hardware-Ergänzungen auf Basis des „Other-Half“-Konzepts … Daß gerade erst vor wenigen Tagen eine weitere Finanzierungsrunde abgeschlossen wurde, die € 10 Millionen eingebracht hat, ist sicherlich ein guter Abschluß fürs erste Jahr am Markt.

Ich gratuliere den Ex-Nokianern. Fein gemacht! Bin gespannt, was 2015 so alles bringt … ;)