Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Alles und noch mehr



Nebensätze! Harika!

Ich glaub, ich hab heute zum ersten Mal einfach so ausm Bauch heraus einen Relativsatz mit dem Partizip auf -diği (und dem dazu passenden Genitiv-„Subjekt“) gebildet. Yaşasın!

Der Satz war simpel. Soweit ich mich erinnere lautete er Helikopterin dediğini anlamadım. („Ich habe nicht verstanden, was der Helikopter gesagt hat.“) Das mag nicht aufregend klingen, ist für mich aber, wie Muddi zu sagen pflecht, #neuland. Wörtlich muß man da nämlich denken: „Des Helikopters sein sagend(es) verstanden nicht ich habe.“

Wie die Kleinschreibung und die Klammer bei „sagend(es)“ andeuten: Nicht mal unter größter Mißhandlung meiner Muttersprache kann ich im Deutschen so denken. Dediğindi ist ein Partizip (das haben wir auch so circa: „sagend“), das mit einer Possessivendung versehen wird (das geht im Deutschen schon nicht mehr: Ich kann sagen „mein Zimmer“, aber nicht „mein sagend“) und das man schließlich per Kasusendung (in diesem Fall: Akkusativ) substantiviert und zum Objekt des Hauptverbs macht (spätestens damit sind alle Brücken zum Deutschen abgebrochen).

Daß der Helikopter, der etwas sagt, im zweiten Fall zu stehen hat, ist nur mehr der Zuckerguß drauf: Man sagt also nicht wie bei uns „… was der Helikopter sagt“, sondern eben „… des Helikopters sein sagendes“.

Türken reden ununterbrochen so. Erschwerend kommt hinzu: Sie packen alle diese verrückten Partizipkonstruktionen vor den eigentlichen Hauptsatz, und zwar gern mehrere hintereinander. (Die Entsprechung zum deutschen Schachtelsatz.) Man erfährt also alle Zusatzinformationen aus dem Relativsatz ohne zu wissen, worums nachher eigentlich gehen wird.

Falls sich übrigens jemand wundert, warum der Helikopter überhaupt was sagt: Guckstu diesen Film hier. :)


Terrasseneinweihung

Zwar ziehen vom Süden her schon wieder die ersten Wolken herein, trotzdem ist sich heute der erste sonnigliche Terrassentag in Linz ausgegangen. Wirklich warm wars: Unter dem langärmligen Hemd (etwas Kurzes hab ich nicht mit) bin ich fast schon ein bißchen ins Schwitzen gekommen.

Noch hält sich die Natur sehr zurück, statt freundlicher Grüntöne gibts zergatschte Erde und abgebrochene Äste. Aber allein die Vitamin-D-Produktion im warmen Sonnenschein macht das alles wieder wett. Da sitz ich also im elterlichen Garten und mach Hausaufgaben. (Frau Gamze läßt sich von Herrn Mehmet Ali in der Maklerfirma „Yeni Bir Hayat“ eine Wohnung vermitteln. Lesen Sie den Text, beantworten Sie anschließend die untenstehenden Fragen und beschreiben Sie danach, worauf Sie selbst bei einer neuen Wohnung achten würden.) Das war vor 35 Jahren nicht anders. Sonnenstrahlen sind ein Jungbrunnen. ;)

Ach ja, das Tier: Wie immer wäscht sie mich mit großer Ernsthaftigkeit und Hingabe mehrmals am Tag, auch dann, wenn ich eigentlich gar keine Zeit für derartige Dinge hab. Sie steigt einfach rauf, sitzt auf meinem Schoß, wird plötzlich doppelt so schwer und tut, was sie tun muß. (Ich muß über ihren todernsten und hochkonzentrierten Gesichtsausdruck jedesmal so lachen, daß ich völlig wehrlos bin.) Die eigentliche Pointe zum Thema „Waschen“ hat diesmal aber Dr. Dolittle geliefert, der die kleine Maus dann mit den Worten „Tust du wieder stinki stinki? Kommst du mit duschi?“ von der Terrasse gelotst hat. So also kann er sich mit seinen Patienten verständigen... ;)


ESC 2017: Die ersten Favoriten

Die Vorbereitungen zum Song Contest 2017 stehen unter keinem guten Stern. Das ukrainische Fernsehen hat offenbar Probleme damit, die Großveranstaltung rechtzeitig auf Schiene zu bringen. In den letzten Tagen haben Unregelmäßigkeiten bei der Ticketvergabe für Aufsehen gesorgt.

Ich laß mir die Vorfreude (noch) nicht vermiesen und nehme die Veröffentlichung des zehnten Wettbewerbsbeitrags zum Anlaß, meine erste Favoritenliste für heuer vorzustellen:

Rang Land Song
    Interpret  
1 Frankreich Requiem
    Alma  
    (La France, je t'embrasse, je te dis que je t'aime … von der ersten Minute an ein Ohrwurm.)  
2 Italien Occidentali's Karma
    Francesco Gabbani  
    (Ein hinreißendes Schlitzohr mit einem Affen, eine Melodie in der richtigen Balance zwischen „Ohrwurm“ und „nicht zu langweilig“, ein schlauer Text und eine Choreographie, die auch ich mitmachen kann. (Und: Keine Ballade!))  
3 Georgien Keep The Faith
    Tako Gachechiladze  
    (Hochdramatische (und hochrepetitive) Powerballade. Nicht übel, aber halt leider diesmal ohne Bart.)  
4 Weißrussland Historyja majho žyccia
    NAVI  
    (Da werden Erinnerungen an das unbeschwerte Kuchenbacklied wach. Zwar tut das Ayayayaho! der Sängerin nach einiger Zeit weh in den Ohren, aber: Hey! Wenigstens keine Ballade.)  
5 Finnland Blackbird
    Norma John  
    (Düster und musicalhaft. Nicht der Knaller auf einer ESC-Party, hat aber was.)  
6 Spanien Do It for Your Lover
    Manel Navarro  
    (Tralala belalalanglos. Aber wenigstens keine Ballade. *gg*)  
7 Albanien Botë
    Lindita  
    (Irgendwo tief drin verbirgt sich schöner Balkan-Herzschmerz. Die entsetzliche Lindita ver-uuh-ooh-aah-t ihn aber auf höchst verstörende Weise.)  
8 Schweiz Apollo
    Timbelle  
    (Was ist nur mit der Schweiz los?)  
9 Deutschland Perfect Life
    Levina  
    (Der Charme Duisburgs trifft auf die wilde Exotik der Eifel.)  
10 Vereinigtes Königreich Never Give Up On You
    Lucie Jones  
    (Grundgütiger!)  

Dieser Moment ...

... wo dich die Grippe mit Fieber ans Bett fesselt und dann in der Nacht die Gastherme ausfällt.

Die Heizung ist noch das kleinere Problem, aber kein warmes Wasser zu haben ist wirklich übel.


Skybar und Gams

Es war ja nicht nur die Lust aufs Frühstück im Parkhotel, die uns nach Graz getrieben hat. Eingeladen waren wir auf Stadtbummel und Abendessen. Na da kommen wir doch gerne!

Natürlich zeigt sich gleich beim Schloßberg-Besuch der Unterschied zwischen einem gut betreuten und einem unbegleiteten Touristen. Unbegleitet: Rauf, rechts abbiegen, Uhrturm ansehen, runter. Gut betreut: Rauf, links abbiegen, Skybar, hinsetzen. Was für ein Blick! Da sitzt man im Kuschelwarmen, hat das zart angezuckerte Graz unter sich und kann sich königlich unterhalten. Eine sehr feine Einrichtung ist das. (Natürlich gings dann trotzdem noch zum Turm. Eh klar. Muß.)

Zweiter Fixpunkt: Operncafé. Auch das hätten wir allein, glaub ich, nicht aufgesucht. Wunderbare Kardinalschnitte und endlich mal eine richtig große Portion heiße Schokolade. Großartig.

Unsere Fremdenführerinnen mußten sich dann allerdings zurückziehen, um in die Rolle der Gastgeberinnen schlüpfen zu können. Und da ging dann die Party erst richtig los. Kinders, ich sags Euch! Allein in die Datteln im Speckmantel hätt ich mich reinlegen können, dabei war das noch nichtmal der Anfang. Eine supergschmackige Rote-Rüben-Suppe mit Oberskren (ich wußte in meiner Einfalt gar nicht, daß es sowas gibt), ein hinreißender Salat aus Blattspinat und Maroni (und Spezialdressing), dann (Trommelwirbel) a echte Gams (!) (auch diese eine kulinarische Premiere in meinem Leben) so zart und weich, daß man sie löffeln hätt können, erfrischendes Zitroneneis zum Luftholen … und eine sehr raffinierte Orangencreme als Dessert. (Ich sag bewußt zum Dessert und nicht zum Abschluß … Zum Abschluß haben wir nochmal Schokolade in die Hand gedrückt bekommen. Wir schauen halt so verhungert aus!)

Ich hab absolut überhaupt gar keine Ahnung, wie man sowas hinkriegt, ohne ein Catering-Unternehmen zu beauftragen. Ich hab aber auch kein Buch mit dem Titel „Morgen bist du Hausfrau“ in meiner Küche stehen. :)

Es war wieder einer dieser Tage/Abende, an denen man die Zeit übersieht. Es gab aber auch 100 Millionen Gesprächsthemen, die sich aufgedrängt haben. Viele lustig und unterhaltsam, andere dann aber durchaus auch ernsthaft. Den Draht für beide Themenblöcke hatten wir. Und das war schön. (Ach ja: Und es gab Frauengold. Wenigstens die TV-Werbung dafür. *gg*)

Jedenfalls freuen wir uns sehr drauf, die Sache mal zu wiederholen. Vielleicht das nächste Mal in Wien mit vertauschten Rollen. :)


Upgrade in Graz

E§rzherzog Johann Suite Na da haben wir aber geschaut: Obwohl wir die gleiche Zimmerkategorie gebucht haben wie letztes Mal, haben wir eine doppelt so große Suite. Buchungstechnisch gings leider nicht anders, bedauert der junge Mann unten an der Rezeption. Na so ein Pech. ;)

Gleich noch einen Grund zur Begeisterung liefert die Küche des Hauses. Von Roastbeef bis Lauchsuppe, von Blutwurst bis Tagliatelle mit Trüffel, es war alles wunnerbar. Und die Show daneben erst recht. *gg*

Wir freuen uns aufs Frühstück!


Ist mein Rot auch dein Rot?

Endlich! Endlich versteht mich jemand! Ich bin also nicht ganz so verrückt, wie ich immer dachte. (Oder anders ausgedrückt: Nicht ganz allein. Wobei das ja dann wieder … aber lassen wir das.)

Seit meiner Schulzeit beschäftigt mich eine Frage: Ist der Sinneseindruck, den wir „rot“ (oder grün, blau, gelb, …) nennen, bei allen Menschen der gleiche? (Und zwar jetzt abgesehen von Besonderheiten wie Rot-/Grün-Blindheit etc.) Sprich: Wenn ich Licht im Bereich rund um 700 Nanometer Wellenlänge sehe und mein Gehirn daraus die Wahrnehmung „rot“ erzeugt - sieht das dann bei meinem Sitznachbarn genauso aus? Oder hat der eine komplett anderen Farbeindruck vom gleichen Gegenstand, was wir aber niemals herausfinden werden, weil wir immer gelernt haben, daß wir diese Wellenlänge „rot“ nennen? Weil wir uns in der einzigen Kommunikationsform, die wir haben, nicht anders darüber austauschen können als mit dem abstrakten Wort „rot“?

Wann immer ich diesen Gedanken aufgebracht habe, konnte ich tief in die Rachen meiner Gesprächspartner sehen. Hä? Rot ist nun mal rot. Wovon reden wir hier eigentlich? Das macht ja nicht unser Gehirn, das ist ja das rote Licht. (Oder, um ein unsterbliches Zitat zu bemühen: Das ist nicht rot, das ist nur die Farbe.) Die Frage hat mich nicht losgelassen, ich habe aber gelernt, sie der sozialen Anpassung wegen nicht mehr allzu offen anzusprechen. 😳

Heute, beim ziellosen Herumklicken auf YouTube, bin ich dann auf folgendes Video gestoßen:

Is Your Red The Same as My Red?

Da gehts - bevor der aufgeregte Präsentator dann zu Experimenten an Kleinkindern und der Kommunikation mit Affen abgleitet - um genau dieses Thema. „Farbe“ ist nichts, was objektiv meßbar in der realen Welt existiert. Licht existiert. Licht hat unterschiedliche Wellenlängen, die man messen kann. Was unser Gehirn dann aber daraus macht, den Farbeindruck nämlich, hat keine Entsprechung in der realen Welt. Genauso wie es Geschmack und Geruch in dieser Form nicht gibt; was es gibt sind Eindrücke, die unser Gehirn aus den ihm von den Geschmacksknospen zugetragenen chemischen Eigenschaften der Nahrung (und nur diese sind real) selbst erzeugt.

Weil also all diese Dinge in unserem Gehirn entstehen und keine objektivierbare Entsprechung haben, haben wir keine Möglichkeit, objektivierbar darüber zu kommunizieren. Der Satz „Dieser Apfel ist rot“ bedeutet in Wahrheit: „Das von diesem Apfel abgestrahlte Licht liegt im Bereich von ca. 625 bis 780 Nanometern. Mein Gehirn signalisiert das mit einer Farbempfindung, für die man mir das Wort rot beigebracht hat.“ Ein zustimmendes „Ja, dieser Apfel ist rot“ meines Gegenüber bedeutet keinesfalls, daß er das gleiche sieht wie ich. Es bedeutet lediglich: „Auch mein Gehirn gibt mir die Farbempfindung, die ich für die Wellenlänge im Bereich von ca. 625 bis 780 Nanometern kenne. Auch ich habe dafür das Wort rot gelernt.“ Wir sind uns also über die ungefähre Wellenlänge und über das dafür gelernte Vokabular einig so wie zwei Wissenschaftler, die ihre Meßergebnisse vergleichen. Wir haben aber keine Möglichkeit, unsere „internen Meßgeräte“ direkt miteinander zu vergleichen: die subjektive Farbempfindung nämlich.

Was ich aus dem Video noch gelernt habe: Michael Stevens (der Macher des Videos) und ich sind nicht die einzigen, die uns über diese Frage Gedanken machen. Tatsächlich ist sie ein Klassiker der Philosophie, es gibt sogar einen eigenen Begriff dafür: Qualia. Eng damit verknüpft sind der Begriff der Erklärungslücke und das Gedankenexperiment „Marys Zimmer“. Genügend Fundstellen also im Netz, wenn man nur die Begriffe kennt, nach denen man suchen muß. Vor 35 Jahren wär der kleine Ossi halt nie auf die Idee gekommen, im Lexikon nach „Qualia“ zu suchen, wie ihm die Sache mit den möglicherweise unterschiedlichen Farbeindrücken eingefallen ist. Und nach „Erklärungslücke“ hätte er gar nicht erst suchen müssen: Der Begriff wurde erst ein Jahr später geprägt.

Das hat jetzt einerseits etwas Beruhigendes: Ich bin nicht allein in meinem Wahnsinn, daß rot nicht einfach für jeden gleich rot sein muß. Es gibt im Gegenteil einen Haufen anderer Leute, die sich genau darüber schon seit 150 Jahren den Kopf zerbrechen. Andererseits formuliert Michael Stevens als unausweichliche und höchst beunruhigende Konsequenz dieses Gedankens: Ich bin ganz allein. Wir alle sind ganz allein. Das Bild, das unser Gehirn sich von der Welt um uns erschafft, ist anderen nicht vermittelbar. Wir können uns nicht darüber austauschen, was wir wirklich sehen, schmecken, hören - fühlen.


Imperial Rumpelpumpel, Oida?

Tafelspitz Auch mit einer englischen Speisekarte stößt die Vorstellungskraft eines nicht an die österreichische Küche gewöhnten Gastes an ihre Grenzen. Die Unterschiede zwischen Tafelspitz, weißem Scherzel und Kruspelspitz sind auch bei guten Sprachkenntnissen schwer zu vermitteln. Erst recht schwer tut man sich bei Semmelkren und Fleischstrudelsuppe. Da kommen halt irgendwann so Kreationen wie „Imperial Rumpelpumpel“ zustande - und werden auf Anhieb verstanden! 😃

Herr E. hatte eine Gegeneinladung verdient, weil er so großartig für uns gekocht hat. Da er für längere Zeit Strohwitwer sein wird, konnten wir nur ihn allein „bekochen“. Und weil wir beim Essen zu Lokalpatrioten werden, standen auch die besten Chinesen, Inder oder Italiener nicht zur Debatte: Plachutta, what else? (Dabei geht's wirklich weniger um die Qualität des Dargeboteten als um die Auswahl an traditioneller Wiener Küche. Zwischen Tafelspitz, Backhendl, Wiener Schnitzel, Frittatensuppe, Mohr im Hemd und Palatschinken gibt's einfach kein Entkommen.)

Die Wahl des Restaurants war goldrichtig. Herrn E. hat offenbar während seines bisher einjährigen Wien-Aufenthalts niemand an der Hand genommen, um ihm gutes dasiges Essen näherzubringen. Über Wiener Schnitzel ist er nicht hinaus gekommen, wobei das seiner Schilderung nach eher vom Schnitzelhaus als im guten Gasthaus war. Und man findet auch selten Gäste, die sich so unvoreingenommen über Beef Tatar hermachen, obwohl ihnen die Vorstellung von rohem Fleisch zunächst sehr exotisch erscheint. 😉

Bei der Unterhaltung gings natürlich nicht nur um das Beschreiben der Speisen. Wir haben unserem Gast die schönsten Schimpfwörter beigebracht. (Was wäre sein Leben ohne „Kanake“ und „Kümmeltürk“? Ohne „Ham s' da ins Hirn gschissn?“ und das allgegenwärtige „Oida!?“?) Wir haben Interessantes zur Wiener Stadtgeschichte vermittelt und eine ausgesprochen geniale Idee für themenspezifische Stadtführungen entwickelt. Wir haben uns scheckig gelacht über die typischen „Beziehungsfragen“, mit denen er nun während seines Strohwitwerdaseins konfrontiert wird. Wir haben uns über die Schrullen der Habsburger amüsiert. Und wir hatten großen Spaß daran, Details unserer Kulturen und Unterschiede zwischen unseren Ländern zu analysieren. (Zum Beispiel: Wie spricht man einen Professor an der Uni an? Oder: Wie kann man von der äußeren Erscheinung eines Menschen Rückschlüsse auf seine politische Einstellung ziehen?)

Offen geblieben ist die Frage der passenden Ernährung für eine Vegetarierin, die Gemüse und Grünzeug ablehnt. Da haben wir noch ein bißchen was an Restaurantfindungsarbeit vor uns - die Hollerei scheint fürs Erste als „zu grün“ aus dem Rennen zu sein.

Den Abend beendet haben wir erst zehn Minuten nach der Sperrstunde, kurz vor Mitternacht. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir zuletzt so hartnäckig „pickengeblieben“ sind dort. (Dabei haben wir uns extra um 19:00 getroffen, um nicht zu spät heimzukommen.) Das spricht für einen gewissen Unterhaltungsfaktor. Ich freu mich aufs nächste Mal: E. hat irgendwas von einem gemütlichen Pazar Kahvaltısı in den Raum gestellt, jedenfalls aber werden wir die Suche nach gemüse- und salatfreiem vegetarischen Essen für Frau Ö. wieder aufnehmen. So oder so, Fortsetzung folgt. 😉

PS: Ich hoffe das „Imperial Rumpelpumpel“ wurde auch hier verstanden? 👑


Neujahrsempfang

Wie ich noch klein war, bin ich auf Silvesterfeste gegangen. Heute werde ich zu Neujahrsempfängen geladen. Das ist wohl auch eine Alterserscheinung. (Muß es sein: Ich kann mich an keine gesellige Runde erinnern, in der so viel und so ernsthaft über Pension, Begräbnisse, Kuren sowie Alters- bzw. Pflegeheime gesprochen wurde. *LOL*)

Herr Oliver hat das Ding organisiert und mit der Wahl der Gäste einen wunderbaren Griff getan. Sehr fein, das alles. (Worums mir ein bisserl leid tut ist das viele gute Essen: Offenbar waren ausnahmlos alle (genau wie wir) von Silvester noch zu zugestopft, daß das meiste einfach stehengeblieben ist.)

Irgendwie wars einerseits ein erfrischender Start ins Jahr 2017 mit netten neuen Gesichtern und Geschichten … andererseits aber auch eine Zeitreise in meine Vergangenheit vor dem 30er. Manches bleibt einfach immer gleich, egal wie viel Zeit vergeht. ;)

Vielen lieben Dank für den sehr schönen Abend. Hat viel mehr Spaß gemacht als die gezwungen lustigen Silvesterpartys früher.


17:00 Uhr: Es kracht

Es ist so fünf rum und ich hör auf der Straße einen Silvesterkracher. Und ich freu mich drüber! Nicht über den Kracher, sondern darüber, daß es der erste in diesem Jahr ist!

Gerade vorhin haben wir darüber gesprochen: Früher mal war die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr eine einzige Krawallorgie. Tag und Nacht wurden Raketen und Knallkörper abgefeuert. Die oberlippenbeflaumten Kids aus den „sozialen Brennpunkten“ haben mit Lärm wettgemacht, was ihnen an Testosteron (und was weiß ich was sonst noch) gefehlt hat. Daß in den Häusern einer Großstadt Menschen am Einschlafen gehindert werden, Haustiere panisch durch die Wohnungen galoppieren oder kleine Kinder Angst haben, ist diesem Gesocks egal. Von Verletzungen und Sachbeschädigungen red ich erst gar nicht.

Der Gesetzgeber hat die zunehmende Belästigung lange Zeit ignoriert und offenbar gemeint, das Problem würde sich nach dem Prinzip der natürlichen Selektion von selbst erledigen: Wenn erst mal allen Böllerkindern so ein Kracher in der eigenen Hand explodiert ist nämlich. Die Rechnung ist nicht aufgegangen, die Dinger wachsen nämlich nach. (Die Böllerkinder, nicht die Hände.)

Inzwischen hat auch die Politik begriffen, daß das Wohl der Mehrheit Vorrang vor dem egoistischen Vergnügen einer rücksichtslosen Minderheit genießt. Ich kenn die einschlägigen Bestimmungen nicht im Detail, aber ganz offensichtlich greifen sie. Schon letztes Jahr war die Knallerei deutlich eingeschränkt, heuer kommt mir alles noch ruhiger vor. Ich weiß noch: Vor 4-5 Jahren war es nicht möglich, am 31.12. tagsüber die paar hundert Meter von meiner Wohnung zum Billa zu gehen. Ich hätte alle paar Sekunden Knallkörper zwischen die Füße bekommen, die aus Fenstern oder fahrenden Autos geworfen wurden. Am späten Nachmittag dann bin ich mit dem Taxi im Schritttempo über den großteils vierspurigen Gürtel gekrochen. Die Taxifahrer haben sich einfach nicht getraut, schneller zu fahren. Ununterbrochen ist irgendetwas vor oder neben dem Auto explodiert, mußten andere Wagen abrupt bremsen oder die Fahrspur wechseln.

Jetzt freu ich mich drüber, um 17:00 Uhr den ersten (und bisher einzigen) Kracher gehört zu haben. Um Mitternacht, das wissen wir, wirds ein schönes Feuerwerk geben - legal, professionell organisiert, sicher. Die Wahnsinnigen, die noch vor einigen Jahren im Innenhof (!) ihre Raketen gezündet haben, mußten das auch schon aufgeben. Manchmal gibts ja doch auch Veränderungen zum Positiven.