Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Open Data in Wien: Bald doch Fahrplandaten am N900?

Im heute veröffentlichten rot-grünen Regierungsübereinkommen für Wien steht auf Seite 65 ganz unten:

„Open Data“, „Open Government“

Nach internationalen Vorbildern zur Modernisierung der Stadtverwaltung wird ein Symposium veranstaltet und in weiterer Folge von einer Experten-Gruppe ein Konzept erstellt, das die Möglichkeiten und etwaige Risiken von „Open Data“ und „Open Government“ - also der freie Zugang zu bestimmten öffentlichen (nicht personenbezogenen) Daten in für Menschen und Maschinen lesbarer Form - für Wien erörtert.

Open Source - Strategie

Basierend auf der bisherigen Strategie zur Minimierung der Abhängigkeiten von einzelnen Software-Produzenten wird eine Weiterführung der Nutzung von Open Source Software in allen Bereichen der Stadt Wien, ein verstärkter Fokus auf die internen Beschaffungsrichtlinien im Hinblick auf Open Source sowie auf eine aktive und innovationsfördernde Beschaffung
gelegt.

ITS Vienna

Das Informations- und Steuerungsinstrument für die Verkehrslage in Wien wird weiterentwickelt und das Modul „AnachB.at“ verstärkt in Richtung plattformunabhängige Applikationen forciert.

(Beistrich- und Rechtschreibfehler hab ich korrigiert diesmal. *g*)

In Bezug auf Open Data sind das zwar nur schöne Worte und Absichtserklärungen: Symposium, Experten-Gruppe, erörtert … Aber: Das ist ein Fortschritt! Am 17.9. noch hat die Wiener SPÖ den „Open Data“-Antrag des Grünen Gemeinderats Marco Schreuder abgelehnt (siehe dieser Eintrag). Jetzt wollen sie zumindest erörtern. Wichtiger noch: Das Thema bleibt am Leben.

Was das alles mit einer guten Fahrplanabfrage am Nokia N900 zu tun hat? Die Fahrplandaten der Wiener Linien sind öffentliche Daten, die daher auch als „Open Data“ für jedermann in maschinenlesbarer und daher per Software weiterverarbeitbarer Form zugänglich gemacht werden müßten. Das sehen eigentlich alle so, nur die Wiener Linien bisher nicht. Sie haben die Löschung einer bereits verfügbaren Software erzwungen und argumentieren unnachvollziehbar gegen die Zugänglichmachung ihres Datenbestandes für die Öffentlichkeit. Datenschutz für Straßenbahnen also - selbst um den Preis der Verstümmelung des eigenen Web-Angebots.

Open Data als Grundprinzip der Stadt könnte dem ein Ende bereiten. Wie in anderen Städten auch wären die Daten der öffentlichen Verkehrsmittel (Fahrplan, aktuelle Verspätungen usw.) dann in maschinenlesbarer Form im Netz verfügbar. Jeder Programmierer kann darauf zugreifen und schicke kleine Programme schreiben … mit Ideen, auf die die Wiener Linien und ihre ihr Partnerunternehmen nie gekommen wären; für Geräte und Betriebssysteme, von denen sie noch nie gehört haben; für Menschen, die ihnen bisher einfach wurscht waren.

Aufgrund des Abstimmungsverhaltens am 17.9. geh ich mal davon aus, daß dieser Open-Data-Passus nicht auf Initiative der SPÖ im Regierungsübereinkommen steht. Danke also an die, die drauf bestanden haben.