Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

ESC: Linda Martin rastet aus

Linda, Linda…Hat sich eigentlich nie jemand gefragt, warum Linda Martin bei ihrem Song Contest Sieg 1992 volle drei Minuten lang wie angeklebt auf der Bühne stand? Warum sie nie auch nur einen einzigen Schritt vor oder zurück gemacht hat?

Weil es so aussieht, wenn sie geht (ab Sekunde 25):

Video: Linda Martin and Aslan's Billy McGuinness disagree on Ireland’s Eurosong voting process

Worums in diesem Streit während der irischen Songauswahl ging, ist eigentlich nebensächlich. Auf aufrechtgehn.de wirds kurz zusammengefaßt. Aber ganz ehrlich: Ist es nicht herrlich, wie die alte Linda auf ihren Gegner zustampft? Im aufrechtgehn.de-Artikel wird das treffend mit wie ein Preisboxer im Transenfummel beschrieben. Huiui! Da gehts halt noch um was, wenn die Iren eine Show zum ESC abziehen. Da kochen die Gefühle hoch. Oder das Guinness ;)


Friedhof Hernals

Friedhof Hernals Und ich sag: Ey! Ab auf den Friedhof! Der Sonne hinterher … oder so. Dabei wars ganz anders. Ich bin ja nun ganz sicher nicht der Typ, der gerne und freiwillig auf Friedhöfe geht. (Obwohl ich solche Leute kenne.) Dieser monströse vorzeitliche Kult, der die Anhäufung verrottender Leichenteile mit dem Gedenken an liebe Freunde und Angehörige in Verbindung zu bringen und so irgendwie auch zu rechtfertigen versucht, hat mich immer abgestoßen. Und trotzdem bin ich heute am Hernalser Friedhof gelandet und überlege ernsthaft, ob ich da nicht nochmal hinschauen soll. Und das kam so:

Wie schon erwähnt: strohverwittwertes Wochenende, niemand da, der meinen rastlosen Bewegungsdrang einschränkt. Dazu strahlend blauer Himmel, angenehme Temperatur … Ein Samstagsspaziergang mußte her! Irgendwie bin ich auf die Idee gekommen, der Hernalser Hauptstraße stadtauswärts zu folgen und zu sehen, ob die ganzen alten Geschäfte noch da sind. (Ich hab ja früher mal weiter draußen gewohnt.) Tatsächlich: Die Konditorei gibt es noch, ebenso das Geschäft, in dem ich zum ersten und einzigen Mal in meinem Leben Werkzeug gekauft habe (einen billigen Plastik-Werkzeugkasten, der bis heute für alles reicht, was im Haushalt zu erledigen ist). Vor allem aber sind die ganzen heruntergekommenen Beisln und Weinstuben noch da, die dieser typischen Wiener Vorstadtstraße ihr typisch wienerisches Flair verleihen: billig, trostlos, dreckig. Auf der Höhe der S-Bahn-Station Hernals (dort war die alte Wohnung) bin ich schließlich nach rechts abgebogen, um über Seitenstraßen zurück nach Hause zu gehen. Und dann war da diese auffällige, hübsch verzierte Ziegelfront.

Die sakrale Bildsprache, ein Blumengeschäft am Eingang und die tief vergrabene Erinnerung, irgendwann mal etwas von einem Friedhof Hernals gehört zu haben, sind wie die Steine eines Mosaiks zusammengerutscht in meinem Kopf und haben mich neugierig gemacht. Immerhin ist der Friedhof gerade mal 400m von meiner alten Wohnung entfernt und ich hab ihn nie auch nur von Weitem gesehen. Planänderung also, ich über die Straße und rein.

Was soll ich sagen? Groß, ruhig, kaum Menschen dort, gemütliche Bankerl mit Blick in Richtung Wilheminenberg … eine völlig andere Welt, die gar nichts mit dem Dreck und der Tristesse der Hernalser Hauptstraße zu tun hat. Ein bißchen hinsetzen, Blicke und Gedanken schweifen lassen und sich wundern, warum die Frau im mauvefarbenen Mantel tiefer und tiefer in die Erde buddelt, obwohl sie keine Blumen mit hat … Doch, das hat was. Vielleicht komm ich wirklich wieder her. Man muß nämlich wissen: Grünflächen sind in dieser Ecke von Wien absolute Mangelware und werden, sobald sie hinter einer Ecke unvermutet auftauchen, zu gleichen Teilen in Hundezone und Kinderspielplatz aufgeteilt. Einfach mal kurz ins Freie setzen und dabei auch noch seine Ruhe haben, das spielts hier nicht. Vielleicht kann also der 161.019 m² große Friedhof als Parkersatz herhalten?


Herz von Österreich, nudelfrei

David Blabensteiner Jetzt, wo die Peinlichkeit kein Geheimnis mehr ist, kann ich ja auch ungeniert über unseren „Herz von Österreich“-Finalabend berichten. :) Strohverwittwert, nudellos, über 300km voneinander entfernt und nur durch bösartige SMS-Kommentare verbunden haben wir uns die dreistündige Show reingezogen. Echte Kerls eben.

Natürlich wars nur halb so spaßig, weil unsere echten Favoriten nichtmal in die Nähe des Finales gekommen sind. (PauT? Where art thou?) Auf der anderen Seite: 13pluXX, Horst und Harald Baumgartner haben gut unterhalten, die anderen waren Steilvorlagen für böse SMS-Kommentare … und Lukas Plöchl war dabei. Einmal sogar in Mega-Großaufnahme. Luki! Luki! :)

Und dann waren da die unfreiwillig komischen Momente: Roman „schlürf“ Gregory dürfte wieder mal Geld brauchen. Er hat sich für zwei Sätze vor die Kamera gedrängt um zu beweisen, daß er sein Sabberproblem noch immer nicht im Griff hat. Im gleichen Eck stand auch Sabine Holzinger von den Seern, die offenbar jeden Ratschlag der Masken- und Kostümprofis von Puls 4 abgelehnt hatte. Die Bildregie konnte es nur falsch machen: Entweder ranzoomen und das Gesicht zeigen - oder in die Totale gehen und damit den gefühlte 5cm unterm Kinn angesetzten Rocksaum einfangen (mit allem, was darunter liegt). Live TV vom Feinsten. Es kam eine SMS nach der anderen. :)

Daß bei so einem Casting-Finale die Bekanntgabe des Siegers der dramaturgische Höhepunkt ist, versteht sich von selbst. Manchmal ist er es jedoch nicht aus den Gründen, die die Sendungsverantwortlichen gern gehabt hätten. David Blabensteiner hat das Charisma eines Menschen, der täglich am Schulhof verprügelt wurde. Er gehört überall hin, nur nicht auf eine Bühne. Unbezahlbar die Minuten nach Bekanntgabe seines Sieges: Die drei Jury-Mitglieder starrten mit fassungslos-versteinerten Mienen bemüht am Bühnengeschehen vorbei. Im ansonsten übertrieben kreisch- und klatschfreudigen Saalpublikum brach der Applaus abrupt ab, sodaß man in der peinlichen Stille die einzelnen Klatscher von Davids Familie identifizieren konnte. Augenblicke, die Fernsehgeschichte schreiben. (Auf den Merkzettel fürs nächste Mal: frenetisches Jubeln vom Band bereithalten für solche Fälle.)

Aber sowas passiert, wenn man so ein Format gemeinsam mit der Kronen Zeitung durchzieht. Da klaffen Voting-Ergebnis und realer Musikmarkt schon mal auseinander. Bei aller Häme („Herz von Österreich“ war von den Quoten her ein Flop für Puls 4) muß man nämlich durchaus auch den Erfolg der Sendung anerkennen: Eine ganze Reihe vorher unbekannter Kandidaten konnte sich in den Singles Charts festsetzen. Die haben nicht gewonnen und fanden sich gestern nicht einmal in der Nähe des Siegerpodests, aber sie haben sich ihren Teil abgeholt von der Show … und damit vielleicht mehr davon profitiert als David Blabensteiner. In den wird nun - das war der Preis für den Sieger - ein Werbebudget von € 250.000,- investiert. Irgendwer muß da gestern sehr, sehr blaß geworden sein hinter den Kulissen.

Wie auch immer, wir hatten unseren Spaß und darauf kommts an bei einer Unterhaltungssendung. Sollte Puls 4 das Ding ein zweites Mal durchziehen wollen, müßten sie es schaffen, Telefonabstimmung und Markterfolg enger aneinander zu koppeln. Mit einigen Adaptionen am Sendungskonzept sollte das machbar sein.