Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Geburtstag in der Sauna

Natürlich nicht, nein. Nicht in der Sauna. Geburtstag gefeiert wurde beim Plachutta im Gastgarten. Es hatte zu Beginn ca. 35° und war absolut windstill. Kein Lüfterl. Uns beiden ist die Sauce in Sturzbächen über Gesicht, Oberkörper und Arme geronnen. Und nicht nur uns: An allen Tischen wurden Speisekarten zu Fächern und Servietten zu Schweißtüchern. Ein bisher einmaliges Erlebnis.

Geschmeckt hats natürlich trotzdem. (Sie haben jetzt andere Beilagen zum Lungenbraten. So viel Veränderung...)

Abschließend gings zur Päckchenbescherung. Sheldon Cooper gehört mir jetzt genauso wie Donald Duck, Peter Alexander, Ethem Saygıeder und ein mehrstufig verstellbarer Phaser aus Star Trek (TOS). Alles meins! ;)

Wer mich kennt, der weiß: Ich feiere keine Geburtstage, sondern Geburtstagsfestspiele über mindestens eine Woche hinweg. Da kommt also noch was nach!


Grüne Denkverbote vs. Efgani Dönmez: Fuck you very much!

Efgani DönmezEfgani Dönmez ist grüner Bundesrat und schafft es als solcher immer wieder, die widerwärtige Verlogenheit einiger seiner Parteigenoss_innen raffiniert zu entlarven.

Den jüngsten Anlaß kennen meine geschätzten Leser aus den Nachrichten: Als Reaktion auf eine geplante Pro-Erdoğan-Demonstration meinte der gebürtige Türke, man könne auf die Unterstützer der islamisch-konservativen Politik Erdoğans in Österreich gut verzichten. Niemand würde ihnen eine Träne nachweinen. Die Organisatoren der Demonstration (angebliche „Kulturvereine“) seien ein verlängerter Arm der türkischen Regierung in Österreich, die hier eine unseren demokratischen Grundwerten zuwiderlaufende islamische Lebensform einführen wollen.

Soweit ist eine deratige Kritik nichts Ungewöhnliches von grüner Seite. Man denke nur zurück an die immer wieder ähnlich lautenden Vorwürfe der Grünen und ihrer Vorfeldorganisationen z.B. gegen den früheren Burschenschafter-Ball, die Ulrichsberg-Treffen und ähnliche als rechts empfundene Veranstaltungen. Auch da standen für die Grünen die demokratischen, pluralistischen Grundwerte der Gesellschaft insgesamt über einzelnen Aspekten wie die Meinungs- oder Versammlungsfreiheit.

Wenn Dönmez aber grundsätzlich Unstrittiges aus dem grünen Wertekanon nicht über die Bedrohung von gestern, sondern über die von heute sagt, dann krachts im Gebälk. Dann nämlich treten die Unvereinbarkeiten im grünen Weltbild offen zutage, über die man zwar - will man Insidern glauben - seit Jahren hinter vorgehaltener Hand tuschelt, die aber niemand in der Öffentlichkeit thematisieren darf:

Da ist einerseits der Anspruch auf ein modernes und liberales Grundrechtsverständnis. Anderserseits die uneingeschränkte Toleranz, die man der Kultur und Weltanschauung jeder Einwanderergruppe entgegenbringen muß - egal wie sehr sie das grüne Grundrechtsverständnis mit Füßen tritt.

Da ist einerseits die scharfe Abgrenzung gegen undemokratische und rechte Tendenzen, sofern sie aus dem Lager der FPÖ und der mit ihr verbandelten Organisationen kommen. Andererseits die völlige Blindheit gegenüber einer vergleichbaren Geisteshaltung, wenn sie Teil von per definitionem „guten“ (weil bereichernden) anderen Kulturen ist.

Diese Unvereinbarkeiten hätten längst geklärt werden müssen. Statt peinlich Radwege mit grüner Farbe zu übermalen, hätte man sich mit der vor Jahren gefallenen Aussage eines schwulen Grünen befassen sollen: Wenn das so weiter geht, wähl ich FPÖ: Die vielen Homophoben unter den Zuwanderern machen mir Angst und wir Grünen unterstützen sie noch!

Statt zu einer inhaltlich vertretbaren und in sich schlüssigen Position zu kommen, erklären die Grünen solche Fragen zum Tabu und reagieren wie ein aufgeschreckter Bienenschwarm, sobald jemand mit dem Finger darauf zeigt - was Efgani Dönmez hin und wieder mit diebischer Freude tut. Bezeichnende Reaktionen auf Dönmez diesmal:

Der Wiener Landessprecher der Grünen, Georg Prack, zeigt seine intellektuelle Kompetenz und konfrontiert Dönmez mit einem wohldurchdachten Argument: Fuck You, richtet er seinem Parteikollegen in der Öffentlichkeit aus. (Georg Prack bezeichnet sich selbst in einem TV-Interview zu diesem Thema übrigens als Politiker_innen.)

Die Jungen Grünen und die GRAS greifen ins Volle und unterstellen Dönmez sicherheitshalber gleich mal alles, was das Wörterbuch zu bieten hat: Sexismus, Homophobie, Verharmlosung von Vergewaltigung, … irgendwas wird schon passen - oder worum gings noch gleich? Egal eigentlich, Hauptsache der/die Text_in ist sauber gegendert. (Und wer sich jetzt nicht mehr ganz sicher ist: Ja, das ist genau die GRAS, deren Spitzenkandidatin Viktoria Spielmann Anfang Mai ihr Verständnis von demokratischen Grundwerten durch den absoluten Ausschluß von Männern von Spitzenpositionen in der GRAS definiert hat.)

Daß Dönmez mit seiner Kritik an den Unterstützern der Pro-Erdoğan-Demonstration nicht so ganz falsch lag und hier nicht lupenreinen Demokraten Böses nur unterstellt hat, zeigt die Tatsache, daß er mittlerweile aufgrund von Morddrohungen beim Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung um Personenschutz ansuchen mußte.

Unbedingt sehenswert übrigens eine TV-Diskussion zwischen ihm, Dönmez, und einem Herrn Fatih Köse von einer angeblichen Organisation „New Vienna Turks“ (über die im Internet allerdings vor dem Dönmez-Konflikt nichts zu finden ist … interessant). Nach diesen rund 11 Minuten hat man einen klaren Eindruck davon, worums geht.

Efgani Dönmez wird - einmal mehr - zum Lackmustest für die Ernsthaftigkeit der Grünen und ihrer Politik. Verstehen sie überhaupt noch ihre eigenen Grundwerte und sind sie in der Lage, sie auch in einer veränderten gesellschaftlichen Realität anzuwenden? Oder hängen sie nur oberflächlich einer früher gefundenen Interpretation dieser Werte an, die vielleicht in den 1980er Jahren Gültigkeit hatte, 30 Jahre später aber längst angepaßt werden müßte? (Sofern man nicht nur die Brüste, sondern auch das Hirn dafür hat … SCNR) Den Ausgang der aktuellen Diskussion werde ich jedenfalls mit großer Aufmerksamkeit verfolgen. Aufgrund der bisherigen, einhellig hirnbefreiten Wortmeldungen aus den grünen Reihen befürchte ich nichts Gutes.

In diesem Sinne, liebe Gedankenpolizei, liebe Diskussionsverweigerer, liebe Märchenwaldbewohner, liebe versteinerte Politiker_innen von gestern, verabschiede ich mich mit Eurem eigenen Gruß (und ein bißchen Musik):

Fuck You!