Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Hardware und Software



Jolla: Gute Zeichen, schlechte Zeichen

Private Browsing kommt demnächst aufs Jolla Phone Die Signale aus Finnland bescheren der Jolla-Gemeinde ein emotionales Auf und Ab: Gerade erst wurden wir im Jolla-Blog davon verständigt, daß ein Problem mit dem Display die Auslieferung des Jolla Tablets von Mai/Juni auf Ende Juli verschieben wird. (Das heißt für mich wahrscheinlich: Ich bekomme es erst im August, nach dem Urlaub.)

Fast zeitgleich packten die Sailors endlich ein Geschenk aus, auf das sowohl Entwickler als auch Benutzer schon lange gewartet hatten: Einen mittelfristigen Zeitplan der bis ins dritte Quartal 2015 geplanten Neuerungen am Sailfish Betriebssystem.

Meine persönlichen Highlights aus der rund 100 Punkte umfassenden Liste:

  • SIP-Integration
  • Flattr-Support im Store
  • Private Browsing
  • Unterstützung der Hardware-Tastatur auf Betriebssystem-Ebene
  • Split Screen
  • Fotos direkt auf SD-Karte speichern
  • UPnP/DLNA auf Betriebssystemebene
  • WPA Enterprise

Die vielen Anfragen zu diesen Leistungsmerkmale wurden von Jolla bisher nur mit „Wir haben das am Radar und kümmern uns drum“ beantwortet. Ein auf einzelne Monate heruntergebrochener Zeitplan für die konkrete Implementierung ist da schon ganz etwas anderes. (Wobei natürlich wie immer gilt: Daß etwas geplant ist heißt nicht, daß es auch fertig wird. Und selbst wenn es fertig wird kann die Veröffentlichung im Rahmen eines Betriebssystem-Updates sich noch einmal um einige Monate hinauszögern.)

 

Powervoting mit dem Jolla

Voting-Skript Die wenigsten Menschen verstehen ja, warum mir bei einem Telefon der Zugriff auf die Kommandozeile so wichtig ist. Ganz einfach: Weil ich nur so das Telefon wirklich zu 100% nutzen kann. Jedes „intuitive und benutzerfreundliche“ grafische User Interface ist ja doch nur eine künstliche Barriere zwischen der ungezügelten Macht des Computers und mir als seinem Meister. :)

Egal ob N900, N9 oder Jolla: Auf allen diesen Telefonen habe ich mit wenigen Befehlen auf der Kommandozeile Dinge gezaubert, für die iOS- und Android-User erst irgendwelche „Äpps“ zusammenkaufen müssen (wenns denn überhaupt geht).

Typisches Beispiel aus der Song-Contest-Zeit: das Televoting. Wie ich die 20 mir zugestandenen Stimmen auf die einzelnen Songs verteile, weiß ich ja schon vorher. Bleibt für den großen Moment der Stimmabgabe nur die repetitive Handlung, 20x die Nummer für SMS oder Anruf ins Telefon zu tippen und sich dabei möglichst nicht zu verzählen. („Wie oft hab ich schon für Belgien angerufen? Muß ich noch einmal für Armenien stimmen oder war das schon genug?“)

Was macht man als Computerbesitzer, wenn man repetitive Tätigkeiten nicht selbst erledigen und außerdem Flüchtigkeitsfehler verhindern will? Genau, man delegiert das an den Blechtrottel. Mittel der Wahl für so simple Verrichtungen ist das, was gemeinhin als Batch-Datei, Stapelverarbeitungsprogramm oder Shell-Script bekannt ist. Da hält man sich nicht lang mit überflüssiger grafischer Gestaltung auf sondern sagt dem Telefon in knappen Worten, was zu erledigen ist. (Großer Vorteil des Jolla Phone für mich: Ich muß nichtmal eine neue Spache lernen. Am Jolla läuft die Bash, die sowieso auf so gut wie allen GNU/Linux-Systemen für die Eingabe von Kommandos und die Abarbeitung von Skripten zuständig ist.)

Für den Song Contest und ähnliche Televoting-Veranstaltungen verwende ich Variationen dieses Skripts:

#!/bin/sh

# kostenpflichte Nummer, bitte nicht am Handy ausprobieren; 
telefonnummer=090105909

for endziffer in 02 02 03 03 03 03 03 03 03 03 07 07 15 15 15 15 15 15 15 15 
do
	echo "SMS an $telefonnummer$endziffer"
	dbus-send --system --dest=org.ofono /ril_0 org.ofono.MessageManager.SendMessage string:$telefonnummer$endziffer string:$endziffer
done

(Achtung: Das Ding hämmert völlig unbemerkt im Hintergrund 20 SMS an eine gebührenpflichtige Nummer raus und verpulvert so € 10,-. Nicht zuhause nachmachen. *gg*)

Das einzige, was davon wirklich systemspezifisch ist und nicht genauso auf jedem anderen GNU/Linux-PC funktioniert, ist (wenig überraschend) der Parameter --dest=org.ofono /ril_0 org.ofono.MessageManager.SendMessage, mit dem der Befehl dbus-send den Versand einer SMS ansteuert. (dbus-send selbst hingegen gehört zu den Befehlen, die auch vom Desktop her bekannt sind.) Genau das ist der wesentliche Punkt: Man muß sich kein Spezialwissen aneignen, man muß nicht unbedingt erst lernen, wie man „Jolla-Äpps“ schreibt, so wie man das Programmieren von „iPhone-Äpps“ oder „Windows Phone Äpps“ oder „Android Äpps“ erlernen müßte. Man geht einfach mit dem Wissen her, das man seit Jahren am Desktop gesammelt hat, und klopft damit in 90 Sekunden ein kleines Helferlein am Telefon zusammen, das man dann immer und immer wieder verwenden kann. Außerdem erspart man sich die ganzen Scheißereien, die ein professionelles Programm mit der gleichen Aufgabenstellung hätte: Jolla würde nämlich nicht zulassen, daß es 20 SMS rausschickt, ohne daß der Benutzer etwas davon mitbekommt.

Einfach und schnörkellos. Mehr Zeit für Brötchen und Prosecco. ;)

 

Äijänpäivänjärvi

Äijänpäivänjärvi ist ein See, der knapp sieben Autostunden nordöstlich von Helsinki liegt, kurz vor der russischen Grenze. Äijänpäivänjärvi heißt auch das neueste Update 1.1.4 für mein Jolla Smartphone, das diese Woche im „Early Access“-Programm freigegeben wurde.

Aufmerksame Leser stellen sofort fest: Hoppla! Da hat sich doch jemand verzählt? Fast richtig: Das letzte Update trug die Versionsnummer 1.1.2, die fehlende Release 1.1.3 ist offenbar in den teilweise parallel laufenden Entwicklungszyklen einfach von Äijänpäivänjärvi überholt worden. (Sowas gabs schon einmal, als im Juni 2014 statt der erwarteten Version 1.0.6 gleich 1.0.7 veröffentlich wurde.)

Neue Features sind kaum mehr hinzugekommen, offenbar ist Sailfish 1 für Jolla mittlerweile dort angekommen, wo es sein soll. Gerade mal die Unterstützung für IMAP Idle, Verbesserungen in der Kartendarstellung, neue optische Effekte in der Benutzeroberfläche sowie die daumenfreundlichere geteilte Tastatur im Querformat werden als Highlights genannt. Dazu noch einige Sicherheitsupdates, neue Sprachen für Tastatur und Autokorrektur (unter anderem Türkisch), das wars. Im Hintergrund sorgen fast 600 technische Änderungen in 125 Systemkomponenten für eine gesteigerte Performance, bessere Bedienbarkeit und mehr Kompatibilität mit diversen Online-Services. Dazu kommen neue APIs für Programmierer. Viel Augenmerk wurde auch auf das Herauslösen hardwarespezifischer Programmteile gelegt, um in Zukunft eine saubere Weiterentwicklung für Tablet und Telefon zu gewährleisten. Damit dürfte Äijänpäivänjärvi zu den umfangreicheren Updates zählen, auch wenns an der Oberfläche zunächst nicht danach aussieht. Stille Seen sind eben tief - 21 Meter, um genau zu sein. :)

Bleibt die Frage: Gibts noch ein Update 1.1.5 vor Sailfish 2 oder ist Äijänpäivänjärvi schon der rote Teppich, der für Sailfish 2 ausgelegt wurde?

PS: In Sachen Aussprache ist Äijänpäivänjärvi wahrscheinlich die größte Herausforderung, mit der Jolla seine Kunden je konfrontiert hat. Review #Jolla hilft mit einer Audiodatei und erklärt, was der Name bedeutet: Ostersee. :)

 

Nokias Erben III: Zwei Jahre später

Das kommt davon, wenn man sein eigenes Blog liest: Anfang 2013 gabs bei mir zwei Artikel über die möglichen Nachfolger der Maemo/MeeGo-Linie von Nokia. In „Nokias Erben: Jolla? Ubuntu? Firefox? Tizen?“ habe ich die vier Betriebssysteme Sailfish OS, Firefox OS, Tizen und Ubuntu Phone danach beurteilt, wie gut sie (nach den damals zur Verfügung stehenden Informationen) meine Anforderungen erfüllen. Etwas später gabs in „Nokias Erben II“ eine Zusammenfassung der Meinung des Analysten Tomi Ahonen, der sich natürlich mehr auf die Marktchancen konzentrierte.

Es ist irgendwie interessant, zwei Jahre später nachzusehen, ob die damaligen Einschätzungen einer Überprüfung in der Realität auch standhalten. Der Zeitpunkt ist ideal: Seit dieser Woche sind erstmals Telefone mit allen vier damals verglichenen Betriebssystemen regulär zu kaufen - wenn auch teilweise mit regionalen Einschränkungen.

Von den Marktchancen her hielt Ahonen Tizen für eine sichere Bank und sagte dem Samsung-Betriebssystem bis zu 5% Marktanteil bis Ende 2014 voraus. Bei Jolla und Firefox OS wollte er sich nicht so recht festlegen, sah die Sache aber eher schwierig. Daß Ubuntu auf Smartphones ein Erfolg werden könnte, schloß Ahonen eher aus.

2015 wissen wir: Tizen ist so gut wie nicht existent. Trotz der beeindruckenden Liste an Firmenlogos auf der Homepage der Tizen Association scheint nur mehr Samsung ein bißchen Interesse an dem Projekt zu haben. Das erste Tizen-Telefon kam auch erst im Jänner 2015 auf den Markt - und das nur in Indien. Keine Rede also von 5% Marktanteil. Genauer gesagt auch keine Rede von einem Smartphone-Betriebssystem: Das schwachbrüstige Samsung Z1 wird für umgerechnet 77 Euro verkauft.

Ebenfalls nicht wirklich existent ist Ubuntu: Auch in diesem Fall hat es bis 2015 gedauert, bis ein kommerzielles Produkt verfügbar war. Der spanische Hersteller BQ hat sich erbarmt und eine Ubuntu-Version seines Aquaris E4.5 gebaut. So richtig verkauft wird es erst seit dieser Woche, zuvor gab es nur sogenannte „Flash Sales“ mit geringen Stückzahlen via Twitter. Die Pressereaktionen bei der Vorstellung waren verhalten: Canonical hatte über Jahre hinweg eine Erwartungshaltung aufgebaut, der das Mittelklasse-Handy trotz einiger interessanter Ansätze nicht entspricht. (Die nächste Chance kommt angeblich in Form des Meizu MX4, das ebenfalls mit Ubuntu ausgestattet werden soll.)

Anders sieht es bei Jolla aus: Die Finnen hatten schon 2013 ein echtes Smartphone auf dem Markt, haben Verträge mit Carriern in Europa, Afrika und Asien und mittlerweile ein Netz von Vertriebspartnern, mit dem sie die drei Kontinente recht gut abdecken. Auch wenn Ahonens Vorhersage zutrifft, daß mit Saifish OS keine nennenswerten Marktanteile zu gewinnen sind … zumindest ist da ein Produkt, das funktioniert, regulär zu kaufen ist und auch seine Kinderkrankheiten bereits hinter sich hat. Außerdem ist Jolla kurz davor, mit dem Tablet eine weitere Geräteklasse anzusprechen. Das alles ist deutlich mehr, als Samsung und Canonical mit ihren jeweiligen Lösungen derzeit bieten können.

Bleibt zum Schluß die Überraschung in diesem Feld: Firefox OS. Von Ahonen vor zwei Jahren eher skeptisch beurteilt, ist es das einzige der vier hier bestprochenen Betriebssysteme, das seit Mitte 2013 auf unterschiedlichsten Modellen verschiedenster Hersteller läuft und so gesehen tatsächlich Erfolg hat. Neben kleineren Firmen haben große Unternehmen wie Alcatel, ZTE, Huawei und LG das Betriebssystem von Mozilla auf ihre Hardware gepackt. Auch die Carrier haben mitgespielt und die entsprechenden Geräte als Vertragshandys günstig unters Volk gebracht. „Günstig“ ist anscheinend überhaupt das Stichwort: Kaum ein Gerät kostet mehr als € 100,-, Funktionsumfang und Bedienung erinnern mehr an die verblichene Asha-Serie von Nokia als an Smartphones der Gegenwart. Im Rahmen des eben zu Ende gegangenen Mobile World Congress 2015 wurde ein brandneues Modell mit den Worten präsentiert: … and it has all the sort of features you've come to expect in a smartphone: dialler, SMS, contacts application, Firefox browser … Damit ist die Zielgruppe von Firefox OS wahrscheinlich ausreichend beschrieben.

Positiv ist: Alle vier Anfang 2013 besprochenen (mehr oder weniger) „freien“ Betriebssysteme sind noch im Rennen. Ich hätte persönlich durchaus damit gerechnet, daß dem einen oder anderen Projekt im Lauf dieser zwei Jahre der Atem ausgeht. Das bedeutet: Nach dem Dämpfer, den die Idee vom freien Smartphone-Betriebssystem durch das Ende von Nokia erfahren hat, ist die Marktlage heute besser als je zuvor. Wer sich für Handy-Betriebssysteme abseits der goldenen Käfige von Apple und Google interessiert, hat überraschend viel Auswahl.

Unerwartet: Gerade die von den größten Unternehmen getragene Alternative, Tizen, ist gegenüber den ursprünglichen Ankündigungen hoffnungslos im Rückstand und hat bisher keine der Erwartungen erfüllt.

Was heißt das in Bezug auf die beiden Artikel aus 2013? Tomi Ahonen hat sich jedenfalls geirrt. Tizen, das er als Nummer eins gesehen hat, ist weit von einer tatsächlichen Marktrelevanz entfernt. Dafür haben ausgerechnet Sailfish OS und vor allem Firefox, bei denen Ahonen eher skeptisch war, sich ihre Marktnischen geschaffen.

Meine eigene Einschätzung hat gehalten. Ich habe damals ja weniger die Marktchancen beurteilt sondern die Frage, inwieweit die vier Konkurrenten meine Ansprüche an ein Smartphone-Betriebssystem erfüllen. 2013 wie heute gilt: Ubuntu und Sailfish OS sind tatsächlich entsprechend leistungsfähig, Tizen ist zu eingeschränkt und Firefox OS ist überhaupt eher in der Geräteklasse der Feature-Phones unterwegs. (Und während ich das hier tippe überlege ich mir gerade: Sollte ich nicht die Verfügbarkeit eines Ubuntu-Smartphones nutzen, um Sailfish OS und Ubuntu auch in der Praxis gegeneinander antreten zu lassen? *gg*)

 

N900: Neue Infos von - Microsoft!

Hätte mir das jemand vor fünf Jahren erzählt, wie ich das unter GNU/Linux laufende Nokia N900 als Smartphone verwendet (und hier sehr oft darüber geschrieben) habe, ich hätt ihn für verrückt erklärt:

Vier Jahre nach dem endgültigen Aus jeglicher Unterstützung für das Gerät durch Nokia finde ich eine funkelnagelneue und hochoffizielle Hilfe- und Supportseite von … Microsoft! Die Amis geben dort tatsächlich nützliche Hinweise für die sieben auf der ganzen Welt versprenkelten Leute, die das N900 noch aktiv als Smartphone verwenden. Microsoft. Für ein GNU/Linux-Handy. Das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen. :)

Ein ganz kleines bißchen bösartig ist nur die unter „Useful Links“ angebotene Information: Sie erschöpft sich in den Punkten „Recycling“ und „Neue Telefone“. Nützlicheres, so meint man, kanns für N900-Besitzer nicht geben. :)

 

Update für Bücher

Normalerweise berichte ich hier über Software-Updates für Handys, gelegentlich auch über neue Versionen von Desktop-Software.

Die Zeiten ändern sich, es gibt jetzt auch Betriebssystem-Updates für meine Bücher. :) Die gestern auf unseren Tolino Visions gelandete Version 1.6 bietet zum ersten Mal mehr als nur kleine Fehlerbehebungen: Textdarstellung im Querformat, verbesserte Kapitelnavigation und die schnellere Veränderung der Textgröße durch „Pinch to Zoom“ sind die Highlights beim eReader selbst. Für mich persönlich viel wichtiger sind Verbesserungen im Browser: Der unterstützt jetzt endlich Favoriten und reagiert auch besser beim Scrollen und Vergrößern/Verkleinern. Das bedeutet mehr Komfort sowohl beim Lesen von Onlinetexten als auch beim Anzapfen von EPUB-Quellen außerhalb des Thalia-Shops.

Ich bin sehr zufrieden. Und ich finds toll, daß endlich auch Bücher Betriebssystem-Updates erhalten. Es sollte für alles regelmäßige Updates geben. ;)

 

Jolla @ MWC 2015

Jolla Tablet mit Split ScreenDer Mobile World Congress 2015 in Barcelona hatte gerade erst begonnen, da kamen schon die ersten interessanten Neuigkeiten zu Jolla und seinem Betriebssystem Sailfisch OS über die Leitungen:
  • Jolla wird mit der finnischen Sicherheitsfirma SSH eine auf Sicherheit und Verschlüsselung getrimmte Spezialversion seines Betriebssystems auf den Markt bringen. Sie soll sich an Behörden und große Unternehmen richten und 2016 unter dem Namen „Sailfish Secure“ erscheinen. (Pressemitteilung)
  • Etwas verzweifelt wirkt die Ankündigung, Sailfish ab sofort auch an interessierte Partner lizensieren zu wollen. Immerhin war das von Anfang an der Plan und hat bis heute mangels „interessierter Partner“ nicht geklappt. Zumindest läßt sich Intel nun in der Sailfish-Presseaussendung als Hardware-Partner nennen. (Im Jolla-Tablet steckt eine Intel-CPU). Darüber hinaus berichtet Heise, daß laut Angaben bei der Pressekonferenz am Vormittag das „russische Google“ Yandex, der chinesische Internet-Riese Alibaba und (Trommelwirbel!) der österreichische Anbieter 3 bereits fix mit an Bord wären. Eine offizielle Bestätigung aus anderer Quelle habe ich für diese Meldung aber noch nicht gefunden.
  • Die ersten ausführlichen Videos zum Jolla Tablet (und damit zu Sailfish 2.0) tauchen online auf. Besonders gelungen finde ich diese 8minütige Demonstration von Meister Stefano Mosconi himself. Wers kürzer mag (und englisch statt italienisch), der klickt auf diesen Link. Die beiden Videos konzentrieren sich auf unterschiedliche Aspekte des neuen Betriebssystems. Klar wird aber: An einigen Stellen wurde nicht nur geschraubt und nachgebessert, sondern von Grund auf neu gebaut. Da müssen sich bestehende Jolla-Kunden ordentlich umgewöhnen, was im Netz bereits für Unmut sorgt.
  • Sailfish 2.0 wird auch auf dem Jolla Phone vorgestellt, Videos dazu gibts hier und hier.
  • Update 11, Yliaavanlampi, wird offenbar seit heute offiziell an alle Kunden ausgeliefert.
 

Jolla: Vorspiel mit Yliaavanlampi

Jolla hat in den letzten Wochen einiges an Vertrauen bei seinen Kunden verspielt: Die fürs Tablet angekündigte und mit Spenden finanzierte Unterstützung für SDXC-Karten kommt nun doch nicht; das Treffen der Jolla-Spitze mit dem russischen Minister für Telekommunikation hat nicht überall nur Begeisterung hervorgerufen; schließlich sind zuletzt Hinweise auf eine Verschlechterung im User Interface ab Sailfish 2.0 entdeckt worden, die ebenfalls für böses Blut gesorgt haben. Zeit für eine Charmeoffensive also. :)

Die Finnen geben ihren Hardcore-Usern ab sofort das, was sie immer schon wollten: Zugriff auf Betriebssystem-Updates, bevor diese noch offiziell fertig sind. Das „Early Access“-Programm kann man in seinem Jolla-Account freischalten. Es bringt einem Updates, von denen Jolla selbst hofft, daß sie so gut wie stabil sind, die aber die letzten Testhürden noch nicht genommen haben. Und nun ratet mal, wer sich dafür angemeldet hat … Daher also:

Yliaavanlampi ist ein See im Polargebiet, der 10 Autostunden nördlich von Helsinki liegt. (Wobei das mit den Autostunden nur die halbe Wahrheit ist: Es führt nämlich keine Straße dorthin.) Yliaavanlampi heißt auch das neueste Update 1.1.2 für mein Jolla-Telefon, das heute erstmals in Form des oben erwähnten „Early Access“-Programms freigegeben wurde. Spürbar wird, daß sich der Fokus hinter den Kulissen vom 1.x-Zweig weg und hin zur Vorbereitung der nächsten großen Release „Sailfish 2.0“ verschoben hat: Das neue Update bietet unter den knapp 100 einzeln aufgelisteten Verbesserungen hauptsächlich kleine Fehlerkorrekturen. Die einzige wirklich große Änderung ist der von Grund auf neu gestaltete Browser, der viele (teils sehr alte) Kundenwünsche erfüllt. Ebenfalls neu: Eine Aufwertung des bisher eher stiefmütterlich behandelten Event-Screens. Zwar legt bisher nur ein Wetter-Programm seine Informationen dort ab, ich werde aber das Gefühl nicht los, daß das nur der Beginn einer Weiterentwicklung hin zu einer offeneren API ist.

Wichtig für Benutzer, die die Multitasking-Fähigkeiten des Telefons voll ausschöpfen: Der Umgang mit kritischen Situationen aufgrund zu vollen Arbeitsspeichers wurde nochmals verbessert.

Einige weitere Änderungen machen die Arbeit mit Android-Programmen in der Alien-Dalvik-Emulation zu einer runderen Sache. Auch die Themenverwaltung („Ambiences“) hat einen Feinschliff erfahren und macht jetzt mehr individuelle Benutzereingriffe möglich.

Angeblich wurde auch das letzte Stück Code eingebaut, das zum Funktionieren der Hardware-Tastatur notwendig ist. Verifizieren kann ich das natürlich erst, wenn das bestellte Teil ankommt.

Jolla gibt sich mindestens eine Woche Zeit, um Rückmeldungen von den mutigen Testern einzusammeln. Frühestens dann kommt Yliaavanlampi bei allen anderen aufs Handy. Falls Probleme auftreten, die einen erneuten Eingriff in den Code nötig machen, dauerts natürlich entsprechend länger. ;)

 

Jolla: Limette und Prachtnelke

Jolla The Other Half LimeLime und Nadeshiko Pink nennt Jolla die zwei neuen „Other Halves“, die vorgestern bei mir im Briefkasten lagen. Limette also und Prachtnelkenrosa. (Wer dort immer die Namen erfindet?)

Beim Aufstecken werden, wie üblich, ein neues Hintergrundbild sowie passende Klingeltöne heruntergeladen. Beides gibts hier zum Ansehen bzw. Anhören.

Während das Hintergrundbild für „Nadeshiko Pink“ ein bißchen gar unruhig geraten ist und die Lesbarkeit vor allem am Lock Screen beeinträchtigt, ist „Lime“ rundherum gelungen. Nicht nur die Farben (etwas grünlicher als auf der Jolla-Seite, also wirklich mehr Limette als Zitrone), sondern auch der kräftige Soundmix machen es zu einem ernsthaften Konkurrenten für meinen bisherigen Liebling „Keira Black“. (Kein Wunder, wenn man sich die Beschreibung dazu durchliest: The Other Half Lime makes you move. It is the perfect companion for your active lifestyle. Attach this cover with its refreshing ambience and you’ll never skip a beat. Exakt für mich gemacht! *LOL*)

Langsam muß ich mir eine eigene Lade für „Other Halves“ freiräumen. Die Tastatur kommt ja auch noch, die hab ich ja auch vorbestellt. ;)

 

Jolla: Jahrestag :)

Jolla Christmas Ambience Alles Gute zum Geburtstag, liebes Jolla Phone! Am Abend des 19.12.2013 hab ichs ausgepackt. Genau heute vor einem Jahr, am 21.12.2013, ging mein erster Erfahrungsbericht online.

Anläßlich des letzten Updates hab ich mir ja schon die Mühe gemacht, die verschiedenen Softwareversionen zusammenzusuchen und in einer Tabelle auf die jeweiligen Release Notes zu verlinken. Wenn man das so alles vor sich sieht ist es schon beachtlich, wie das Telefon sich im Laufe nur eines Jahres verändert hat. Meine Highlights waren die stark verbesserte Akku-Laufzeit, Unterstützung für MMS und LTE, mehrere deutliche Verbesserungen in der Benutzeroberfläche (Programm-Ordner, Quick-Scroll-Leisten, …), viele neue vordefinierte Kontotypen, die verbesserten Karten-Ansichten, der Wechsel ins Querformat auch bei Jollas eigenen Programmen sowie deutliche Fortschritte bei der Integration von Android-Applikationen ins System. Daneben gabs die laufende Behebung vieler kleiner Fehler, an die sich heute niemand mehr erinnern kann. (Gerade ist mir beim Screenshot aus dem oben verlinkten ersten Erfahrungsbericht aufgefallen, daß damals z.B. manche Sonderzeichen im Titel von Audiodateien nicht dargestellt wurden. Alles längst vergessen.)

Der Grund dafür, daß die Finnen 2013 mit einigen noch nicht ganz fertig gebackenen Softwareteilen auf den Markt gegangen sind, lag in der wilden Entwicklungsgeschichte: Ursprünglich war ja eine komplett andere Hardware vorgesehen. Nach dem Tod des Partners ST Ericsson mußte ein neues Telefon her, auf dem das eigene Betriebssystem irgendwie zum Laufen gebracht werden konnte. Dieses neue Telefon war, wie im heutigen Marktumfeld nicht anders möglich, ein auf Android zugeschnittenes Produkt aus Asien, mit dem Jollas Programmierer erst umzugehen lernen mußten. Noch Monate nach der Markteinführung schlug man sich teilweise mit Problemen herum, die ausschließlich aus der leicht frankensteinesken Mischung eines Android-Unterbaus mit einem echten GNU/Linux-System resultierten. Erst mit dem März-Update waren die gröbsten Schwierigkeiten ausgebügelt und Jolla konnte die Bezeichnung „Beta“ vom Betriebssystem streichen.

Aber auch abgesehen von den vielen Verbesserungen auf der Software-Seite wars ein rundum gelungenes Jahr für die Finnen: Neue Verträge mit internationalen Carriern, der Eintritt in wichtige Märkte wie Russland und Indien, die Kampagne für das angekündigte Tablet, verschiedene Ports des Betriebssystems auf fremde Hardware, jede Menge interessanter Hardware-Ergänzungen auf Basis des „Other-Half“-Konzepts … Daß gerade erst vor wenigen Tagen eine weitere Finanzierungsrunde abgeschlossen wurde, die € 10 Millionen eingebracht hat, ist sicherlich ein guter Abschluß fürs erste Jahr am Markt.

Ich gratuliere den Ex-Nokianern. Fein gemacht! Bin gespannt, was 2015 so alles bringt … ;)