Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Hardware und Software



Jolla: Limette und Prachtnelke

Jolla The Other Half LimeLime und Nadeshiko Pink nennt Jolla die zwei neuen „Other Halves“, die vorgestern bei mir im Briefkasten lagen. Limette also und Prachtnelkenrosa. (Wer dort immer die Namen erfindet?)

Beim Aufstecken werden, wie üblich, ein neues Hintergrundbild sowie passende Klingeltöne heruntergeladen. Beides gibts hier zum Ansehen bzw. Anhören.

Während das Hintergrundbild für „Nadeshiko Pink“ ein bißchen gar unruhig geraten ist und die Lesbarkeit vor allem am Lock Screen beeinträchtigt, ist „Lime“ rundherum gelungen. Nicht nur die Farben (etwas grünlicher als auf der Jolla-Seite, also wirklich mehr Limette als Zitrone), sondern auch der kräftige Soundmix machen es zu einem ernsthaften Konkurrenten für meinen bisherigen Liebling „Keira Black“. (Kein Wunder, wenn man sich die Beschreibung dazu durchliest: The Other Half Lime makes you move. It is the perfect companion for your active lifestyle. Attach this cover with its refreshing ambience and you’ll never skip a beat. Exakt für mich gemacht! *LOL*)

Langsam muß ich mir eine eigene Lade für „Other Halves“ freiräumen. Die Tastatur kommt ja auch noch, die hab ich ja auch vorbestellt. ;)

 

Jolla: Jahrestag :)

Jolla Christmas Ambience Alles Gute zum Geburtstag, liebes Jolla Phone! Am Abend des 19.12.2013 hab ichs ausgepackt. Genau heute vor einem Jahr, am 21.12.2013, ging mein erster Erfahrungsbericht online.

Anläßlich des letzten Updates hab ich mir ja schon die Mühe gemacht, die verschiedenen Softwareversionen zusammenzusuchen und in einer Tabelle auf die jeweiligen Release Notes zu verlinken. Wenn man das so alles vor sich sieht ist es schon beachtlich, wie das Telefon sich im Laufe nur eines Jahres verändert hat. Meine Highlights waren die stark verbesserte Akku-Laufzeit, Unterstützung für MMS und LTE, mehrere deutliche Verbesserungen in der Benutzeroberfläche (Programm-Ordner, Quick-Scroll-Leisten, …), viele neue vordefinierte Kontotypen, die verbesserten Karten-Ansichten, der Wechsel ins Querformat auch bei Jollas eigenen Programmen sowie deutliche Fortschritte bei der Integration von Android-Applikationen ins System. Daneben gabs die laufende Behebung vieler kleiner Fehler, an die sich heute niemand mehr erinnern kann. (Gerade ist mir beim Screenshot aus dem oben verlinkten ersten Erfahrungsbericht aufgefallen, daß damals z.B. manche Sonderzeichen im Titel von Audiodateien nicht dargestellt wurden. Alles längst vergessen.)

Der Grund dafür, daß die Finnen 2013 mit einigen noch nicht ganz fertig gebackenen Softwareteilen auf den Markt gegangen sind, lag in der wilden Entwicklungsgeschichte: Ursprünglich war ja eine komplett andere Hardware vorgesehen. Nach dem Tod des Partners ST Ericsson mußte ein neues Telefon her, auf dem das eigene Betriebssystem irgendwie zum Laufen gebracht werden konnte. Dieses neue Telefon war, wie im heutigen Marktumfeld nicht anders möglich, ein auf Android zugeschnittenes Produkt aus Asien, mit dem Jollas Programmierer erst umzugehen lernen mußten. Noch Monate nach der Markteinführung schlug man sich teilweise mit Problemen herum, die ausschließlich aus der leicht frankensteinesken Mischung eines Android-Unterbaus mit einem echten GNU/Linux-System resultierten. Erst mit dem März-Update waren die gröbsten Schwierigkeiten ausgebügelt und Jolla konnte die Bezeichnung „Beta“ vom Betriebssystem streichen.

Aber auch abgesehen von den vielen Verbesserungen auf der Software-Seite wars ein rundum gelungenes Jahr für die Finnen: Neue Verträge mit internationalen Carriern, der Eintritt in wichtige Märkte wie Russland und Indien, die Kampagne für das angekündigte Tablet, verschiedene Ports des Betriebssystems auf fremde Hardware, jede Menge interessanter Hardware-Ergänzungen auf Basis des „Other-Half“-Konzepts … Daß gerade erst vor wenigen Tagen eine weitere Finanzierungsrunde abgeschlossen wurde, die € 10 Millionen eingebracht hat, ist sicherlich ein guter Abschluß fürs erste Jahr am Markt.

Ich gratuliere den Ex-Nokianern. Fein gemacht! Bin gespannt, was 2015 so alles bringt … ;)

 

Jolla: Vaarainjärvi zu Weihnachten

Rund 7 Autostunden nördlich von Helsinki liegt der See Vaarainjärvi. Routenplaner im Internet empfehlen statt der beschwerlichen Autofahrt den einstündigen Flug nach Oulu, wenn man in der Gegend rund um den See zu tun hat.

Vaarainjärvi heißt auch das mittlerweile zehnte große Update für Jollas Betriebssystem Sailfish OS, das heute doch einigermaßen überraschend veröffentlicht wurde. Überraschend, weil Jolla noch vor ca. 2 Wochen erklärt hat: Wenn das Update bis 12. Dezember nicht fertig ist, erfolgt die Veröffentlichung erst im Jänner. Man wollte verhindern, daß unvorhergesehene Update-Probleme ausgerechnet während der Weihnachtsfeiertage zuschlagen, wenn der Großteil der Belegschaft auf Urlaub ist. Offenbar hat man aber jetzt doch genug Vertrauen in die veröffentlichte Version, daß man sie nicht einmal eine Woche vor Weihnachten noch in die freie Wildbahn entläßt.

Wie viele neue Features hinzugekommen sind, läßt sich diesmal nicht so genau sagen: Die Release Notes zählen sowohl die wirklich neuen Merkmale auf als auch jene, die bereits in Update 9 (Uitukka) enthalten waren. Immerhin war Uitukka ja nur „auf Bestellung“ verfügbar, die Verbesserungen vom Oktober sind noch gar nicht auf allen Geräten angekommen. Fehlerbehebungen gabs wieder etwas über 100 … Eine stolze Leistung. :)

Ein ganz wesentlicher Aspekt von Vaarainjärvi wird erst ab 7.1.2015 schlagend: Ab diesem Zeitpunkt erlaubt der Jolla Store neue APIs für Entwickler; wenn ich die Situation richtig verstanden habe, werden dann erstmals auch Programme in der Programmiersprache Python akzeptiert. Python war in der Zeit des N900 und des N9 unter Entwicklern sehr beliebt. Ich bin gespannt, ob sich die Entwickler von damals auch fürs Jolla Phone wieder begeistern können.

Weil sich das Jahr dem Ende zuneigt und ich in wenigen Tagen mein „Jolla-Jubiläum“ feiere, bietet es sich an, anläßlich von Vaarainjärvi einen Blick zurück zu werfen auf alle Sailfish-Versionen bisher:

Datum Version Bezeichnung
  1.0.0.5 Kaajanlampi (erste Version zum Launch)
9.12.2013 1.0.1.10 Laadunjärvi
16.12.2013 1.0.1.12 Hotfix für Laadunjärvi
27.12.2013 1.0.2.5 Maadâjävri
31.1.2014 1.0.3.8 Naamankajärvi
17.3.2014 1.0.4.20 Ohijärvi
11.4.2014 1.0.5.16 Paarlampi
24.4.2014 1.0.5.19 MMS-Verbesserungen für Paarlampi
9.6.2014 1.0.7.16 Saapunki
14.7.2014 1.0.8.19 Tahkalampi
23.10.2014 1.1.0.38 Uitukka
24.10.2014 1.1.0.39 Hotfix für Uitukka
18.12.2014 1.1.1.26 Vaarainjärvi

Macht 13 Versionen in einem Jahr, 12 Updates, davon 9 „große“ Updates mit so vielen neuen Features, daß Jolla einen Versionssprung und einen neuen See für gerechtfertigt hielt. Ich mag es, wenn ein Betriebssystem so intensiv gepflegt wird. Die sportliche Herausforderung, im Schnitt möglichst ein Update pro Monat zu veröffentlichen, hat Jolla damit jedenfalls erfüllt. :)

(Übrigens: Wer die Systematik der Namensgebung durchschaut hat könnte sich fragen, ob ich nicht zwischen April und Juni ein Update vergessen habe. Nein. Erstens gibt es in Finnland keinen See, der mit Q beginnt. Zweitens wurden die Updates vom Mai und vom Juni zusammengelegt. Das erklärt dann das fehlende R, das ursprünglich für das Mai-Update „Raatejärvi“ vorgesehen war. *gg*)

PS: Weil mir hier im Büro ein Tippfehler bei „Maadâjävri“ unterstellt wurde, hab ich nachgeforscht. Tatsächlich enden die meisten anderen Versionsnamen auf „-järvi“. „Järvi“ ist, wenig überraschend, das finnische Wort für „See“. „Maadâjävri“ hingegen kommt aus dem Samischen (genauer: dem Skoltsamischen), daher „-jävri“ statt „-järvi“. Der finnische Name für den See ist „Tyvijärvi“.

 

Jolla: Originalzubehör aus Österreich

Mapbagrag-Hüllen fürs Jolla PhoneJolla hat zwei neue Produkte in den online Shop gestellt: Verhüterlis sind es, Handy-Hüllen im typischen Jolla-Design.

Das allein wär jetzt kein Grund für einen eigenen Artikel. Was es interessant macht: Der Hersteller ist die österreichische Firma Mapbagrag, die derartige Produkte aus (teilweise recyceltem) Papier produziert. Ein Teil der Herstellung passiert dabei in Kooperation mit Jugend am Werk. Dadurch bekommen Menschen eine Chance, die es im Leben sonst nicht so einfach hätten.

Mir gefällt die Zusammenarbeit zwischen den beiden innovativen Unternehmen. Graz und Helsinki „Doing It Together“! ;)

 

Jolla Tablet: Neu mit SDXC und Split Screen

Jolla Tablet mit Split ScreenIn rund 10 Stunden läuft die Indiegogo-Kampagne für das Jolla Tablet aus. Ursprünglich wollten die Finnen damit $ 380.000,- einsammeln. Wie dann nach nicht einmal zwei Tagen die Million voll war, wurden sie übermütig:

Mit Zusatzzielen wurden die Spender ein weiteres Mal motiviert. Bei $ 1.500.000,- sollten die Lizenzen für das von Microsoft patentierte exFAT-Dateisystem erworben werden, die die legale Unterstützung von SDXC-Speicherkarten ermöglichen. Ab $ 1.750.000,- würden Entwicklungsressourcen in einen „Split Screen Mode“ gesteckt, der die Anzeige von zwei Programmen (oder eines Programms und des Event-Feeds?) nebeneinander erlaubt. Ein Erreichen der $ 2.500.000,- Grenze schließlich hätte den Umbau des Tablets bedeutet: Hier wäre ein SIM-Modul für 3G-Datenempfang eingebaut worden.

Lange Zeit schien es so, als wäre nur das Ziel zur Unterstützung der SDXC-Karten realistisch. Die Zahlungseingänge waren nach dem Überschreiten der ersten Million deutlich weniger geworden. Irgendwann kam dann aber Bewegung in die Sache: Vor vier Tagen wurden die $ 1,5 Millionen überschritten, heute um 22:30 Uhr schließlich die $ 1,75 Millionen. Zwei Zusatzziele sicher erreicht also.

Hinter vorgehaltener Hand wird gemunkelt, daß man sich damit einen willkommenen Finanzpolster geschaffen hat, der nicht nur dem Tablet, sondern auch der Weiterentwicklung von SailfishOS allgemein zugute kommt. Mir solls recht sein. :)

Während ich hier tippe, ist der Betrag auf $ 1.763.117,- angewachsen, noch 93 Tablets sind als Vorbestellung verfügbar. Die sollten weggehen in den verbleibenden zehn Stunden. ;)

Gut gemacht, Sailors!

 

Solarstrom fürs Jolla-Phone

Solar Other HalfDirk van Leersum hat meinem Jolla Phone eine neue Rückseite verpaßt: Ein dunkles Blau, das gut zum „United Federation of Planets“-Ambience paßt, und mitten drin ein kleines Solarpanel. „The Solar Other Half“ nennt sich das Ding, das Dirk auf funkyotherhalf.com feilbietet. (Daß die Auslieferung einer Other Half, die für starkes Sonnenlicht konzipiert ist, ausgerechnet Ende November beginnt, ist ein Beweis für Dirks ausgeprägten Humor. *gg*)

Die Other Half mit dem direkten Anschluß an die Stromversorgung des Jolla Phone ist von der Fläche her natürlich zu klein, um selbst bei optimalen Lichtverhältnissen ein Ersatz für ein Ladekabel zu sein. Zwar schafft sie es tatsächlich, den Akku zu laden, wenn das Handy gerade so gut wie keinen Strom verbraucht. Es würde aber wohl viele Stunden dauern, einen Ladezyklus zu vollenden.

Dafür ist die praktische Rückseite aber auch gar nicht in erster Linie gedacht. Was sie gut kann ist, die Lebensdauer des Akkus zu verlängern, indem sie das Handy direkt vom Sonnenstrom leben läßt. Dirk gibt an, daß sich unter normalen Bedingungen und bei normaler Nutzung zumindest die Entladung des Akkus so spürbar verzögert, daß man sich lange keine Gedanken um die nächste Steckdose machen muß.

Daß es grundsätzlich funktioniert, konnte ich schon ausprobieren, Novembernebel hin oder her: Ich hab das Handy einfach unter die Schreibtischlampe gelegt. Licht ist Licht. ;) Kaum ist es hell genug, machts „piep“ und vibriert ein bißchen - ganz so, als hätte man das Ladekabel eingesteckt. Wireless Charging mal anders. ;)

 

Jolla Tablet: Thanks a $ 1,000,000.-

Heute um 23:00 Uhr, genau 37 Stunden nach Beginn der Crowdfunding-Kampagne für das Sailfish-Tablet, hat Jolla die magische Marke von einer Million überschritten. (Zur Erinnerung: Das Ziel lag bei 380.000,- Dollar bis 9. Dezember.)

Die Entwicklung des Jolla-Telefons und des Sailfish-Betriebssystems haben bisher 30 Millionen Euro, also rund 37 Millionen Dollar verschlungen. Das allerdings seit März 2011. 37 Millionen Dollar in 3 ½ Jahren. Eine Million Dollar in 1 ½ Tagen. :)

 

Jolla: Es ist ein Tablet!

Jolla Tablet Hab ich doch noch vor wenigen Tagen bezüglich der Jolla-Überraschung geschrieben: Wünschen würd ich mir ein Tablet. Seit 9:55 Uhr wissen wir: Es ist ein Tablet! Oder besser: Es wird ein Tablet. Jolla geht nämlich die Crowdfunding-Schiene und macht die Produktion davon abhängig, ob die Kampagne auf Indiegogo mindestens die notwendigen 2.000 Vorbestellungen zusammenbringt. (Rund 20% des Ziels sind ohne Medienberichterstattung schon wenige Minuten nach der Präsentation im Slush-Livestream erreicht, ich bin also optimistisch. Und daß ich selbst schon bestellt hab, ist eh klar.)

Zwar lädt Jolla zur Mitgestaltung auf together.jolla.com ein, einige wesentliche Eckdaten dürften aber sehr wohl bereits feststehen:

  • 64bit Intel Quad-Core CPU mit 1,8 GHz
  • 2GB RAM
  • 32GB Massenspeicher plus SD-Slot
  • Betriebssystem: Sailfish 2.0
  • 7,85" Display mit einer Auflösung von 2048x1536 Pixeln (330ppi)
  • 5MP Kamera und 2MP Frontkamera
  • 4300mAh Akku
  • Bluetooth 4
  • GPS
  • Wifi 802.11 a/b/g/n, keine SIM-Karte
  • Höhe: 203mm; Breite: 137mm; Dicke: 3,3mm; Gewicht: 384g
  • Preis ab USD 189,- (ca. € 150,-) zuzüglich Versand und Steuern

Damit schlägt es sich nicht schlecht. Eine Vergleichstabelle findet sich hier. (Der Akku stinkt ein bißchen ab; dafür ist der Preis ein Hit.) Interessant: Erstmals wird mit dem Tablet ein Jolla-Produkt auch in den USA erhältlich sein.

Ich freu mich! Und zwar lange: Liefertermin ist voraussichtlich Mai 2015.

 

Jolla: Überraschung am 19.11.

Countdown zu Slush 2014 Ich hasse es, wenn sie sowas mit mir machen. Ich hasse es noch mehr, wenn ich dann auch wirklich drauf reinfall:

Jolla hat heute einen recht unauffälligen Tweet abgesetzt:

The countdown to something big begins now. Sign up at http://jolla.com #jolla #unlike

Gleichzeitig ging auf jolla.com ein Counter online, der die Tage und Stunden bis zum 19.11. runterzählt. Auf dem dazugehörigen Bild ist nicht viel zu erkennen. Es soll wohl ein flaches Stück Technik darstellen … Aha.

Da erinnert man sich doch an den Tweet vom 30. September, kurz nach der Jolla Sommerpause:

Jolla people gathered together to create something new. #jolla #community

Das Foto damals war eine Weitwinkel-Aufnahme eines großen Raums voller eifrig hackender Segler. Ich bin mir 100%ig sicher, daß dieser Eintrag vom September und der von heute den gleichen Hintergrund haben. Ich kann mich auch noch erinnern, daß Marc Dillon in einem Interview von „großen Plänen für den Herbst“ gesprochen hat. (Leider finde ich die Quelle dafür grad nicht mehr.)

Was heißt das jetzt alles? Nur eins ist sicher: Jolla nimmt auch heuer wieder an der genau zu diesem Zeitpunkt stattfindenden Slush-Konferenz teil, einem Treffpunkt für junge Unternehmen und Investoren. Die Verbindung zwischen Slush und Jolla ist eng: 2012 hat Jolla sein Sailfish-Betriebssystem auf einer Slush-Bühne zum ersten mal der Öffentlichkeit vorgestellt. Bei Slush 2013 haben DNA und Jolla gemeinsam den Verkaufsstart des Telefons bekanntgegeben. Für heuer kündigt die Slush-Homepage eine Rede von Marc Dillon am - Trommelwirbel - 19.11. um 10:35 (das ist 9:35 unserer Zeit) an. Das paßt von Datum und Uhrzeit her exakt zum Countdown auf der Jolla-Seite. Marc wird uns also etwas Neues zu berichten haben. Aber was?

Natürlich wird im Netz derzeit heftigst spekuliert. Ich wär auf diese Dinge gar nicht alle gekommen. Also, eine Liste von Gerüchten, die ich bisher gefunden habe, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • Jolla stellt eine „Other Half“ mit einer grenzgenialen Funktion vor, an die bisher keiner gedacht hat.
  • Es gibt bereits jetzt ein Nachfolgemodell für das Jolla Phone. (Dafür würde die Gutscheinaktion der letzten Tage sprechen, die viele als „das Lager für die neue Ware räumen“ verstanden haben.)
  • Die Ankündigung something big ist wörtlich zu nehmen und es wird ein Tablet. (Diese Vermutung wird von einem Blog-Eintrag gestützt, den Jollas Chefdesigner Jaakko Roppola vor einem Monat über die Anpassung der Sailfish-Benutzeroberfläche auf größere Bildschirme geschrieben hat.)
  • Jolla wird von einem deutlich größeren Unternehmen aufgekauft, das in Zukunft Sailfish-Produkte verkaufen wird. (Der Name Nokia ist gefallen, offenbar in Zusammenhang mit den Gerüchten, daß Nokia wieder auf den Handy-Markt zurück will.)
  • Jolla kauft Nokia.
  • Etwas aus der im Moment so modernen Kategorie „wearable Computing“, eine Smartwatch also oder etwas in der Art. Carsten Munk von Jolla hat das Thema bereits im April auf together.jolla.com aufgebracht.
  • Ein Hardware-Partner ist eingestiegen und wird parallel zu Jolla eigene Sailfish-Telefone vermarkten. (Dazu würde passen, daß die Portierung von Sailfish auf diverse Android Geräte sowie die Entwicklung des Jolla-Launchers für Android seit Beginn des Sommers mehrfach Zeitplan und Fokus geändert haben - mit der Begründung „geänderte Prioritäten und Rahmenbedingungen in diesem Bereich“.)
  • Es gibt nochmals eine große Überarbeitung des Betriebssystems. (Tatsächlich ist ja ein Update für Ende November bereits angekündigt.)

Wünschen würd ich mir ein Tablet. Nach dem vorzeitigen Ende des Vivaldi-Projekts fehlt so etwas auf dem Markt. Ich versuche auch, weitere Puzzlesteine zu finden, die zur Tablet-Variante passen. So wurde im Rahmen der Ankündigung fürs nächste Betriebssystem-Update nebenbei erwähnt, daß Entwickler ihre bisher pixelbasierenden Icons in Zukunft auf ein auflösungsunabhängiges Vektor-Format umstellen müssen. Das ist nur sinnvoll, wenn neue Hardware mit einem anderen Bildschirm kommt … was aber natürlich genauso ein zukünftiges Telefon mit höherer Auflösung sein kann. Gegen das Tablet spricht, daß sich Jolla damit wirklich sehr, sehr weit aus dem Fenster lehnen würde. Ein Smartphone (inlusive Betriebssystem und SDK) mit 80 Mann aus dem Boden zu stampfen und zu verkaufen war schon eine unglaubliche Leistung. Das gleiche nochmal auf einem völlig neuen Markt zu versuchen … ich weiß nicht.

So sitz ich also bis Mittwoch vor dem PC, starre auf den Countdown und laß mich überraschen. Mark Dillon wird eine Rede halten, das allein ist schon ein Grund, sich zu freuen. Der kann das nämlich. :)

PS: Auch Dirk van Leersum ist mit seinem Unternehmen („Funky Other Half“) bei Slush 2014 vertreten - und ich nehme mal an nicht als Investor. Auf der Slush-Website hat er eine Zeile, um sich vorzustellen. Sie lautet: Improving funkiness of Jolla phones. *LOL*

 

Mitakuuluu oder: Warum WhatsApp böse ist

Services wie WhatsApp und Facebook zerstören das Internet. Das ist bekannt, wird aber gerade jetzt wieder an einem ganz konkreten Beispiel so richtig schön greifbar: WhatsApp sperrt die Benutzerkonten von Jolla-Besitzern.

Im letzten Jahrtausend wurde das Internet erfolgreich als „Netz der Netze“. Erstmals gab es mit TCP/IP eine Technologie, auf die jeder aufsetzen konnte und die alle Anwender und Services gleichberechtigt miteinander verband. Ob der Benutzer dabei an einem IBM PC, einem Apple oder einem UNIX-Terminal saß, war dabei ebenso bedeutungslos wie seine Software: Die Standards waren offen und konnten auf jedem Computer implementiert werden.

Diese Zeiten sind vorbei. Die Börse hat die Kontrolle übernommen und bestimmt, wer wem was sagen darf im Internet. Noch schlimmer: Millionen Lemminge machen mit und lassen sich kontrollieren. Jüngstes Beispiel für diese Gängelung und die Unfähigkeit des Konsumenten, sich daraus zu befreien: Der Umgang des US-amerikanische Instant-Messaging-Dienstes WhatsApp (der zu Facebook gehört) mit Jolla-Besitzern. WhatsApp zerreißt das Netz und läßt diese Benutzergruppe isoliert zurück.

Zur Vorgeschichte: WhatsApp macht im Prinzip, was auch SMS und MMS machen. Es verschickt Textnachrichten und Medieninhalte. Aus irgendeinem Grund wurde es irgendwann „cooler“ als der bewährte SMS-Dienst der Telefongesellschaften. (Daß früher SMS-Nachrichten einzeln abgerechnet und um Gegensatz zu heute nicht in –zigtausender-Paketen verschenkt wurden, mag eine Rolle gespielt haben.) Nicht bei WhatsApp zu sein wurde zum sozialen Problem auf den Schulhöfen und bei Admiral Sportwetten. Jeder stieg ein. Dabei hat der Dienst gegenüber SMS/MMS durchaus gravierende Nachteile: Wenn die WhatsApp-Server wieder einmal stehen, geht weltweit gar nichts mehr. Eine dringende SMS dagegen kann man auch über das geliehene Telefon des Arbeitskollegen absetzen, wenn die SMS-Zentrale der eigenen Telefongesellschaft nicht funktioniert. Außerdem saugt WhatsApp alle Kontaktdaten aus den Handys seiner Kunden ab, um sie mit bereits registrierten Benutzerkonten abzugleichen. Mein Name und meine Telefonnummer liegen also auf deren Server in Amerika, nur weil für Menschen in meinem Umfeld Datenschutz ein Fremdwort ist. Sehr fein. :(

Warum aber macht WhatsApp das Internet kaputt? Der Mißbrauch persönlicher Daten und der single point of failure sinds gar nicht in erster Linie. Wirklich gefährlich ist, daß WhatsApp sich die Kontrolle darüber vorbehält, welche Programme auf den Endgeräten der Benutzer zum Einsatz kommen. Es gibt keine dokumentierte Schnittstelle, an der ein gelangweilter Programmierer offiziell andocken darf. WhatsApp baut seine Software allein bzw. bestimmt, welches Partnerunternehmen die für die Entwicklung notwendigen Informationen erhält. Damit schränkt der Dienstanbieter nicht nur die Software-Auswahl erheblich ein, er bestimmt indirekt auch mit, welches Betriebssystem seine Kunden verwenden dürfen. Wer dem sozialen Druck folgen und über WhatsApp chatten möchte, bleibt in der Welt der großen Hersteller und Mainstream-Betriebssysteme gefangen. Das ist auch ganz unverblümt in den AGB festgelegt: Die Nutzung eines nicht autorisierten Programms von Drittanbietern ist untersagt.

Hier sind wir nun am Ende der Kette angelangt, an dem Benutzer von Nischenprodukten wie dem Jolla Phone auf unerfreuliche Art und Weise betroffen sind: Natürlich entwickelt WhatsApp noch keinen eigenen Client für diesen Markt. Natürlich hat sich auch schnell ein schlauer Programmierer gefunden, der alle inoffiziell verfügbaren Informationen zusammengesammelt und ein WhatsApp-Programm für das Jolla-Phone geschrieben hat. Andrey Kozhevnikov war das, und sein beliebtes „Mitakuuluu“ war bereits kurz nach dem Marktstart von Jolla eines der am häufigsten genutzten Programme im kleinen Ökosystem. Was ist jetzt passiert? WhatsApp vor einigen Tagen begonnen, die Konten der Jolla-Besitzer zu deaktivieren, die mit ihrem Telefon auf WhatsApp aktiv waren. (Manche Betroffene schreiben, daß die Deaktivierung tatsächlich endgültig ist und auch nach mehrmaligen Interventionen beim Kundenservice nicht rückgängig gemacht wird.) Der US-Konzern nutzt seine Marktmacht und bestraft seine Kunden für die Nutzung eines nicht genehmen europäischen Telefons mit sozialer Isolation.

In letzter Konsequenz bedeutet das: Das Internet ist nicht mehr das „Netz der Netze“. Es verbindet nicht mehr alle Anwender und Services gleichberechtigt miteinander. WhatsApp hat die Kabel durchtrennt, so wie andere Dienste (Facebook, Twitter,…) das in ihren jeweiligen Märkten auch tun. Wirklich schlimm dabei ist: Es gibt technisch gesehen absolut keinen Grund, WhatsApp zu verwenden. Sowohl auf IP-Basis als auch im guten alten Telefonnetz gibt es genügend teils bessere Alternativen: SMS und MMS sowieso, dazu XMPP als standardisiertes und offenes Protokoll, mit dem ich auch jederzeit den Anbieter wechseln kann. Es gibt eine einzige Rechtfertigung, die Menschen für die Nutzung von WhatsApp angeben: „Aber alle meine Freunde verwenden es!“ Ja, eh. Und alle Deine Freunde werden es weiter verwenden, solange sie Dich damit problemlos erreichen. Es ist nicht genug, nur im Prinzip dagegen zu sein, in der Praxis dann aber aus Opportunismus mit dem Strom zu schwimmen. Jeder einzelne Kontakt, den neue WhatsApp-User in diesem Service finden, ist ein Argument für WhatsApp. Ich möchte kein Argument für etwas sein, das mir mein Internet kaputt macht. Bei allen Services, die mit steigender Nutzerzahl immer attraktiver werden, ist man als Kunde auch mitverantwortlich für das, was sie anrichten. Aus dieser Verantwortung kann man sich nicht stehlen.

Meine Freunde erreiche ich immer noch auch SMS oder XMPP, selbst wenn sie meine Nachrichten dann für uncool halten. Damit kann ich leben. Mit einem kaputten Internet kann ich nicht leben. Dafür möchte ich keinesfalls mitverantwortlich sein.