Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Hardware und Software



Jolla: SailfishOS auf Xperia Smartphones

Sony Xperia Smartphones mit Sailfish OSMobile World Congress ist wieder einmal - die Zeit der großen Ankündigungen. Auch Jolla ist auf der großen Mobilfunk-Messe vertreten und stellt seine Zukunftspläne vor. Die wichtigsten Informationen zusammenzukratzen ist gar nicht so einfach:
  • China: Jolla hat ein Arbeitsübereinkommen mit einer chinesischen Investorengruppe unterzeichnet. Ziel ist die Entwicklung eines auf den chinesischen Markt zugeschnittenen Ökosystems, ähnlich wie man das bereits in Indien (unter anderem mit Intex) aufgezogen hat. Die Nachricht war Jolla eine eigene Presseaussendung wert. Tatsächlich ist der Vertrag vorläufig nur ein weiteres Stück Papier. Mal sehen, was daraus entsteht. (Die Finnen selbst schätzen, daß sie etwa ein knappes Jahr für die praktische Umsetzung benötigen.)
  • Lateinamerika: Ebenfalls im Stadium der Planung befindet sich die Zusammenarbeit mit der bolivianischen Firma Jalasoft. Diese will gemeinsam mit Jolla ein Smartphone für den lateinamerikanischen Raum herausbringen. Hier gibts zumindest schon einen Webauftritt: Accione soll das fertige Produkt irgendwann heißen. Betonung auf irgendwann, denn einen Zeitplan gibt es nicht. Auch ein zweites lateinamerikanisches Unternehmen, Sikur, setzt angeblich auf Sailfish OS. Details dazu gibt es aber nicht.
  • Russland: Relativ unbemerkt von der Presse lag am Jolla-Stand ein russisches Handy mit der Bezeichnung Inoi R7. Allen verfügbaren Informationen nach dürfte es sich dabei um ein Gerät handeln, das hardwaremäßig dem Intex Aqua Fish (bzw. eben dem Jolla C) entspricht und das speziell für den russischen Markt gebaut wurde. Konkreter wahrscheinlich: speziell für die russische Post. Die hat nämlich vor einiger Zeit in einer öffentlichen Ausschreibung 15.000 Geräte gesucht, die unter Sailfish OS laufen und technisch auf dem Stand des Jolla C sind.
  • Sony Xperia: Bevor die chinesische oder lateinamerikanische Zusammenarbeit Früchte trägt, will Jolla seinen Fans und Entwicklern ein weiteres Community-Device anbieten. Zuletzt haben die Finnen das Intex Aqua Fish unter dem Namen „Jolla C“ verkauft. Diesmal soll es das Sony Xperia X werden. Unter Ausnutzung von Sonys Open Device Program sind noch für das erste Halbjahr 2017 Xperia-Smartphones mit SailfishOS angekündigt. Allerdings ist nicht ganz klar, in welchem Umfang Jolla SailfishOS auf die Sony-Geräte bringen wird: Möglich ist die komplette Portierung inklusive der proprietären Teile wie Android-Unterstützung und Exchange. Ebenfalls denkbar ist die eingeschränkte Version, die auch im Rahmen der verschiedenen Community Ports verwendet wird. Jolla hat sich bisher dazu nicht geäußert, was grundsätzlich kein gutes Zeichen ist.

Sehr wohl ein gutes Zeichen ist aber die Menge der Neuigkeiten: Gleich mehrere neue internationale Partner, das Inoi R7 für Russland und die Aussicht auf ein im Vergleich zu Jolla Phone und zum Jolla C hochmodernes Sailfish-Telefon sind schon etwas Feines. Selbst wenn nur die Hälfte der Pläne praktisch umgesetzt wird, können wir uns doch 2017 auf einiges freuen. :)


SailfishOS 2.1.0 Iijoki

Iijoki ist ein 370km langer Fluß, der etwa 7½ Autostunden nördlich von Helsinki in die Ostsee mündet. Iijoki heißt auch das neue Update 2.1.0 für SailfishOS, das Jolla heute im Rahmen des „Early Access“-Programms freigegeben hat.

Wieder handelt es sich um einen „großen“ Brocken, der die armen Finnen wahrscheinlich ins Schwitzen gebracht hat: Der technische Unterbau, das Entwicklerframework Qt, bekam ein Upgrade auf die Version 5.6 spendiert. Das betrifft so ziemlich alles, was auf dem Telefon läuft. Entsprechend problematisch ist das Testen. Auch was Download und Installation anbelangt sind die Betriebssystem-Updates „mit neuem Qt“ immer ein besonderes Geduldsspiel.

Sichtbarer für den Anwender sind Verbesserungen im Browser, bei der Kamera, bei PDF-Dokumenten, bei der Unterstützung von VPNs und natürlich im User Interface, wo Jolla nun rechtzeitig zum Beginn meiner Altersweitsichtigkeit extragroße Schriftarten anbietet. :)

Ein bißchen versteckter, aber dennoch erwähnenswert: Mit Iijoki bereitet sich SailfishOS auf die weit verbreitete ARM8 Architektur vor. Das Portieren des Betriebssystems auf neuere Android-Hardware wird dadurch erleichtert. Außerdem steht der neues Bluetooth-Stack Bluez 5 für Entwickler bereit. (Damit verbunden nähert sich wohl der Abschied vom 2013 auf den Markt gebrachten ersten Jolla Phone: Bluez 5 wird nur mehr vom Jolla C unterstützt.)

Dazu wieder jede Menge Fehlerbehebungen und (auffällig diesmal) eine Reihe von Aufmerksamkeiten, die man dem optischen Erscheinungsbild der Benutzeroberfläche gewidmet hat. Hier wurden Details vereinheitlicht, die mir so gar nicht aufgefallen wären in der Vergangenheit.

Jedenfalls ist Jolla softwaretechnisch quicklebendig. Was die Hardware betrifft verdichten sich die Hinweise, daß man am Mobile World Congress in Barcelona etwas Neues zumindest für die Fans herzeigen kann, ein Community Device wie das Jolla C also. (An sich hat sich Jolla ja aus dem Hardware-Geschäft zurückgezogen. Da aber die bisherigen Lizenznehmer ausgerechnet Europa links liegen lassen bei ihren Hardwarelieferungen, wo immer noch die aktivste Entwicklergemeinde sitzt, greift Jolla auf den Trick mit den sogenannten çommunity Community Devices zurück.)


Nokias Erben IV: Ubuntu schwächelt

Vor ziemlich genau vier Jahren hab ich im Artikel „Nokias Erben: Jolla? Ubuntu? Firefox? Tizen?“ die vier mobilen Betriebssysteme beschrieben, die das Erbe des Smartphone-Erfinders Nokia fortführen hätten können.

Nach der Korrektur völlig überzogener Erwartungen bezüglich Tizen und dem unerwarteten Ausscheiden des für einige Zeit erfolgreichen FirefoxOS ist dies nun der vierte Folgeartikel. Wieder droht einem Bewerber die Luft auszugehen: Laut einem Artikel in OMG!Ubuntu sind spürbare Weiterentwicklungen der mobilen Ubuntu-Version vorläufig abgesagt. Zwar soll es weiterhin die üblichen Sicherheitsupdates für die aktuelle Version geben. Neue Hardware ist aber in nächster Zeit ebensowenig zu erwarten wie die eigentlich fällige nächste Version des Betriebssystems.

Als Begründung wird angegeben, daß Ubuntu insgesamt (also auch die Desktop-, Core- und Serverversionen) auf das neue Paketsystem Snappy umgestellt werden soll. Dafür werden aber neuere Kernel-Versionen benötigt, die von den Hardwareproduzenten derzeit einfach nicht bereitgestellt werden. Die halten sich nämlich brav an die alten Android-Versionen. Natürlich wird auch eine Rolle spielen, daß der Wechsel des gesamten Ubunut-Universums auf Snappy Entwicklerressourcen abzieht, die der mobilen Version nun einfach fehlen.

Heißt für mich und mein Aquaris E5: Auf große neue Updates brauch ich da wohl nicht mehr zu warten. Ubuntu wird, wenn mit den nun verkündeten Neuigkeiten nicht ohnehin das Ende der mobilen Entwicklung beginnt, neue Versionen nur mehr für zukünftige Geräte zur Verfügung stellen können, auf denen dann eben auch ein neuer Kernel läuft. Das Aquaris E5 bekommt seine Sicherheitsupdates, mehr nicht.

Heißt für die Betriebssystemlandschaft insgesamt: Nachdem FirefoxOS sich völlig zurückgezogen hat, macht auch Ubuntu aus Konsumentensicht zunächst Pause. Beschleunigen wird das seine Entwicklung nicht. Tizen wird, soweit ich das mitverfolgt habe, weiterhin ausschließlich von Samsung angeboten - und auch das (bzgl. Smartphones) lokal beschränkt auf Indien. Man hat den Eindruck, daß der Elektronikriese damit tatsächlich ein bißchen experimentiert, ohne es allzu eilig zu haben: Neben Smartphones wurden auch Fernsehgeräte und Smartwatches mit Tizen auf den Markt gebracht. Jolla, Ende 2015 so gut wie tot, ist wieder überraschend quirlig: Nachdem Saifish auf drei eigenen Geräten unters Volk gebracht wurde und Intex das Betriebssystem für Indien lizensiert hat, stehen die Zeichen nun gut für einen größeren Auftrag aus Russland. Auch hat Jolla vorsichtige Hinweise auf ein neues „Community Device“ nach dem Muster des Jolla C gestreut. Bei den Finnen scheint die Reise also ohne Unterbrechung weiterzugehen.

Was mich persönlich bei Ubuntu stört ist weniger der Umstieg auf eine neue Technologie an sich oder die damit verbundene schöpferische Pause (wenn es denn wirklich nur eine Pause bleibt). Lästig ist, daß Canonical hier wieder einmal unnötig Gräben aufreißt und Ubuntu inkompatibel zu den Standardlösungen im Rest der GNU/Linux Welt macht. Was bei Ubuntu als „Snappy“ entwickelt wird, unterscheidet sich nicht sehr vom neuen Paketmanagement „Flatpak“, mit dem andere Distributionen das gleiche Ziel erreichen wollen. Genauso, wie Ubuntu mit „Mir“ ein eigenes Süppchen kocht, während der Rest der Welt auf „Wayland“ setzt. Diese Eigensinnigkeit an sich ist kontraproduktiv genug. Wenn sie dann aber auch noch zu einem Stillstand in der Entwicklung führt, könnt man sich wirklich drüber ärgern.


Jolla: Eine Smartwatch mit SailfishOS

Nein. ;) Jolla ist nicht auf die Idee gekommen, eine Smartwatch mit SailfishOS auf den Markt zu bringen. Zumindest ist da zum jetzigen Zeitpunkt nichts geplant.

Trotzdem konnten die Finnen die Smartwatch mit ihrem Betriebssystem präsentieren. Auf der Slush 2016 wurde ein Prototyp gezeigt, um die Anpassungsfähigkeit und Skalierbarkeit von Sailfish zu demonstrieren. Angeblich hat es nur wenige Wochen gebraucht, um die existierende Version auf den kleinen Smartwatch-Bildschirm anzupassen. Das Ergebnis kann sich absolut sehen lassen. Im aktuellen Blog-Eintrag von Jolla gibts Bilder und ein Video zum Prototypen.

Mich persönlich reizt dieser Gerätetyp an sich ja so überhaupt nicht. Ich bin einfach zu froh, keine Armbanduhr mehr tragen zu müssen. Ich finds aber sehr spannend zu sehen, wie Sailfish sich einerseits auf größeren Geräten (Tablet) und nun eben auch auf Mini-Displays (Smartwatch) macht. Wenn die Entwicklung wirklich nur ein paar Wochen gedauert hat, bin ich schwer beeindruckt.


Jolla: Sailfish als Betriebssystem für die Russen

SailfishOS für Putin Die zarten Bande zwischen Jolla und der russischen Regierung bestehen schon seit einiger Zeit - allerdings wußte man bisher nicht so recht, in welche Richtung die Reise gehen sollte. Heute schafft eine Presseaussendung Klarheit:

Die russische Regierung nimmt SailfishOS als bisher einziges mobiles Betriebssystem in die Liste der zertifizierten Software auf, die im Rahmen von Anschaffungen von Behörden und staatlichen Unternehmen der inländischen gleichgesetzt werden darf. Wenn ich die Quellen richtig verstanden habe bedeutet das, daß diese staatlich kontrollierten Firmen und die Verwaltung selbst bei Anschaffungen und Mobilfunkprojekten Geräte mit SailfishOS bevorzugen müssen.

Koordiniert wird die Anpassung von SailfishOS an die lokalen russischen Bedürfnisse über die Firma Open Mobile Platform, die extra zu diesem Zweck gegründet wurde.

Ein Artikel auf Techcrunch zitiert den Jolla-Chef Antti Saarnio mit der Aussage, daß der Zertifizierungsprozess für diese Liste ausgesprochen hart war und bereits im Frühjahr 2015 begonnen hat. Das paßt - rückblickend gesehen - zu den ersten Gerüchten über ein russisches Interesse an SailfishOS als Alternative zu dem von den USA kontrollierten Android. Zum ersten Mal traffen sich die Finnen nämlich schon im Februar 2105 mit einer Arbeitsgruppe des zuständigen russischen Ministeriums. Wenige Monate später, im Juni 2015, gaben die Russen bekannt: Wenn man schon in ein Betriebssystem für den lokalen Markt investiert, dann wird es SailfishOS sein. Das bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder ins Spiel gebrachte Tizen des Elektronikriesen Samsung war aus dem Rennen.

Danach aber gab es eine seltsam lange Pause. Ich war kurz davor, Jollas Russland-Strategie ins Regal der gescheiterten Pläne einzuordnen. Das einzige, was mich davon abgehalten hat: Es gab laufend unbestätigte Gerüchte über russische Hardware-Hersteller, die angeblich an Sailfish-Modellen arbeiten sollten. Jetzt paßt alles zusammen: Offenbar markierte das Ende der Berichte über eine finnisch-russische Zusammenarbeit der Beginn des Zertifizierungsprozesses für diese geheimnisvolle Liste.

Nach dem grundsätzlichen Bekenntnis zum Betriebssystem fehlt nur mehr eine Kleinigkeit: Ein Telefon, auf dem dieses Betriebssystem auch läuft. Ich bin gespannt ob die Firmen, die in den letzten Monaten in der Gerüchtebörse als Hersteller von Sailfish-Hardware genannt wurden (Oysters, Yota Devices), nun tatsächlich die Gunst der Stunde nutzen und die angeblich existierenden Prototypen auf den Markt bringen. Und: Es würd mich doch massiv interessieren, ob der Wechsel von Android zu SailfishOS beim Turing Phone in diesem Licht zu sehen ist.


SailfishOS 2.0.5 Haapajoki

Haapajoki ist ein 25km langer Fluß, der etwa 7 Autostunden nördlich von Helsinki in die Ostsee mündet. Haapajoki heißt auch das neue Update 2.0.5 für SailfishOS, das Jolla heute im Rahmen des „Early Access“-Programms freigegeben hat. (Die Ankündigung findet sich am Blog von Jolla.)

Trotz eines sehr umfangreichen Changelogs halten sich die für den Benutzer spürbaren Änderungen in engem Rahmen. In erster Linie werden Sicherheitslücken geschlossen (Stichwort dirty cow) und Systembibliotheken auf einen neueren Stand gebracht. Jolla bezeichnet Haapajoki als die Basis für signifikante Architekturveränderungen in zukünftigen Updates. (In diesem Zusammenhang ist es interessant, daß die nächste Version nach 2.0.5 nicht 2.0.6, sondern 2.1 heißen soll. In der Regeln gehen mit solchen Versionssprüngen auch größere Umbauarbeiten einher, die ein solides Fundament brauchen.)

Nettes Detail am Rande: Nachdem die finanziellen Turbulenzen des Unternehmens sich im ersten Halbjahr 2016 auch auf die Geschwindigkeit der Entwicklung niedergeschlagen hatten, ist Jolla mit Haapajoki nun wieder beim alten Intervall von etwa einem Update pro Monat angekommen. Fröhliches Updaten also! ;)


Jolla: Fiskarsinjoki

SailfishOS 2.0.4Fiskarsinjoki ist ein kleiner Fluß, der durch die finnische Stadt Fiskars fließt. Diese liegt etwa 1½ Autostunden westlich von Helsinki. Fiskarsinjoki ist auch der Codename der heute im „Early Access“-Programm veröffentlichten Version 2.0.4.13 des Sailfish-Betriebssystems von Jolla.

Wer jetzt genau mitgezählt hat, dem fällt auf: Nach 2.0.2 (Aurajoki) kommt direkt 2.0.4? Da fehlt doch was? Nicht wirklich: Version 2.0.3 wurde veröffentlicht, allerdings nur für das geheimnisvolle Turing Phone. Sie enthielt auch nur Hardwareadaptierungen für dessen spezielle Features.

Fiskarsinjoki enthält nun 16 neue Pakete. 315 Pakete wurden (im Vergleich zu Aurajoki) verändert, wobei laut Changelog knapp 2.000 neue Features und Bugfixes in den Code eingeflossen sind. Besonders erfreulich für mich persönlich sind dabei:

  • Aktualisierung der Rendering Engine des Browsers
  • Behebung eines lästigen Fehlers im Kalender
  • verbesserte Benutzerfreundlichkeit der Kamera
  • erweiterte Fotobearbeitungsmöglichkeiten
  • erweiterte Dateitypenunterstützung bei MMS
  • beliebige Dateitypen über den Dateimanager teilen
  • Verbesserung des SD-Karten-Managements

Ich hab mittlerweile eine ganze Reihe von Geräten zu aktualisieren … :)


Gastfreundliches Bürstenhörnchen

Bis 2014 habe ich bei meinen Ubuntu-Installationen den 6monatigen Update-Zyklus mitgemacht. Jedes Jahr sind also zwei brandneue Ubuntu-Versionen auf meinen Geräten gelandet. Das war lustig, weil ich Updates mag. 2014 war aber auch das Jahr, in dem sich die Entwicklung der Desktop-Version von Ubuntu spürbar verlangsamt hat. Ressourcen sind mehr und mehr in die Touch-Variante für mobile Geräte geflossen. Also hab ich mir damals gedacht: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um auf LTS-Releases umzusteigen. Die kommen nur alle zwei Jahre im Rahmen des normalen Update-Zyklus heraus, werden dafür aber auch länger mit Sicherheitsaktualisierungen versorgt.

Ubuntu 14.04 war eine solche LTS-Version, also hab ich das entsprechende Hakerl in der Systemsteuerung gesetzt und 14.10, 15.04 und 15.10 an mir vorüberziehen lassen. Zwei Jahre nur Programmupdates und Sicherheitsaktualisierungen, keine groben Änderungen am Betriebssystem. Bis jetzt. Ubuntu 16.04.1 „Xenial Xerus“ (eben: „gastfreundliches Bürstenhörnchen“) ist die neue LTS-Release und hat sich bei mir gemeldet. Im Lauf der letzten Woche hab ich sie auf meinen Ubuntu-Geräten installiert.

Was soll ich sagen? Zwar haben sich unter der Haube wirklich grobe Veränderungen abgespielt (der Wechsel von Upstart auf Systemd zum Beispiel, das auch von SaifishOS und Gentoo genutzt wird), als Benutzer bekommt man davon aber kaum etwas mit. Da bemerkt man höchstens, daß Scollbalken sich geringfügig anders verhalten als früher, daß das Ende eines scrollbaren Bereichs mit einem kleinen optischen Hinweis angezeigt wird, daß das Software-Center jetzt anders aussieht (weil die Ubuntu-Eigenentwicklung aufgegeben wurde und man auf das Gnome-Softwarecenter setzt) … Ansonsten ist ein Ubuntu 16.04 auf den ersten Blick kaum von einem 14.04 zu unterscheiden.

Ich klopf mir also auf die Schulter und sag: richtige Entscheidung damals. Ein Update alle zwei Jahre reicht bei Ubuntu im Moment vollauf. :)


Jolla: Aurajoki

Aurajoki Aurajoki ist kein See irgendwo in Finnland. Um der neuen Dynamik Ausdruck zu verleihen (immerhin hat Jolla gemeinsam mit Intex gerade das erste Telefon eines Fremdherstellers mit SailfishOS auf den Markt gebracht), wechseln die Finnen jetzt von Seen auf Flüsse. Aurajoki ist 70km lang und mündet bei Turku ins Meer.

Wie vermutet bringt das Update mit der Release-Nummer 2.0.2.48 alle Modelle auf den gleichen Stand: Das Jolla C und das Intex Aqua Fish sind ja vor wenigen Wochen erst mit einer Vorabversion von Aurajoki ausgeliefert worden. Jetzt gibts diese OS-Version auch für das Tablet und das ursprüngliche Jolla Phone. (Totzdem wollte auch mein Jolla C updaten: Die Versionsnummer ist höher als die der Vorabversion; einige Fehler wurden beseitigt, vor allem der besonders lästige bei der Eingabe von Suchbegriffen im Browser.)

Wegen der unterschiedlichen Ausgangslage spar ich mir auch die übliche Aufzählung der Veränderungen. Es läßt sich so einfach nicht sagen. Was am Tablet jetzt besser funktioniert als vorher, war am Jolla C bereits so umgesetzt. Fehlerbehebungen am Jolla C wiederum wirken sich am ersten Jolla Phone nicht aus, weil dort der entsprechende Fehler gar nicht aufgetreten ist. Da müßte ich für jedes Gerät extra zählen.

Jedenfalls: Ein neues Update, das die ältere Hardware in etwa auf das Niveau von Intex Aqua Fish und Jolla C hebt und bei diesen neuen Geräten die Bugs der Vorabversion ausbügelt. Ein sehr netter Zug von Jolla, mir dieses Update noch vor meinem Urlaub zu schenken. :)


Jolla C und Intex Aquafish

Das Jolla C in seinem Häuschen Der indische Elektrokonzern Intex beginnt sein Sailfish-Handy „Aqua Fish“ zu verkaufen - und ich bekomme mein Jolla C geliefert. Der zeitliche Zusammenhang ist kein Zufall: Das Jolla C ist das Intex Aqua Fish, nur mit einem anderen Firmenlogo hinten drauf. So gesehen hab ich heute also zwei Telefone also zum Preis von einem bekommen. :)

Apropos Preis: € 136,- hat mich das Ding inklusive Versand, exklusive Steuern gekostet. In Indien ist das Aqua Fish ab ca. € 80,- zu haben (exkl. Versand). In dieser Preisklasse bekommt man bei uns in Europa die Restbestände von vor drei Jahren. (Ein HTC One beispielsweise wird um € 130,- angeboten; auch ein Nokia C3 mit S40 findet man ums gleiche Geld.) Zwar ist die Frage nach der Markttauglichkeit in Europa nicht wirklich sinnvoll, weil nur eine begrenzte Stückzahl an Entwickler und engagierte Community-Mitglieder verkauft wurde (das C steht für „Community Device“), aber dennoch: Was kann das billige Jolla C überhaupt können? Und was können sich die Inder vom Aqua Fish erwarten?

Zunächst die negativen Punkte: Man sieht, wo gespart wurde. Das elegante finnische Keks-Design ist einem simplen Plastikblock gewichen. Das modulare Konzept der austauschbaren Rückseite hat Intex fallen gelassen - es gibt genau eine Abdeckung, und die kann nichts anderes als das Akku-Fach verschließen und im häßlichsten Orange des Subkontinents erstrahlen. Aus welchem Material der Touchscreen ist, läßt sich nicht sagen. Jedenfalls hat Jolla noch vor der Auslieferung eilig eine Mail an alle Kunden geschickt: „Achtung! Wir haben eine Schutzfolie über den Bildschirm geklebt. Bitte keinesfalls abziehen, die muß da so sein.“ Das läßt nicht auf Gorilla Glass schließen. :) Schließlich wurden sogar noch beim LED-Benachrichtigungslämpchen ein paar Rupien eingespart. Statt Textnachrichten, Mails, Ladezustand und Anrufe in unterschiedlichen Farben und Helligkeitsabstufungen zu signalisieren, leuchtet es nun nur mehr weiß.

Mit einem Wort: Die äußere Verarbeitung ist so, wie es der Preis erwarten läßt. Runterfallen darf einem das Ding ganz bestimmt nicht. Ob das am indischen Markt eine Rolle spielt, kann ich nicht beurteilen. Was man so liest, dürfte Intex genau diese Art von Hardware seit Jahren produzieren und sich damit zwar einen schlechten Ruf erworben, aber auch gutes Geld gemacht haben. Für die Jolla C Zielgruppe in Europa spielt die Verarbeitung wohl eine untergeordnete Rolle. Hier ist anzunehmen, daß die Käufer das Gerät zum Großteil ohnehin nur benutzen, um ihre selbstentwickelte Software außerhalb des Development Kits zu testen. (Was ich natürlich auch machen werde. Ehrenwort!)

Für die, die sich von Plastikblock und Bildschirmschutzfolie nicht abschrecken lassen und das Telefon tatsächlich als ihr neues Sailfish-Handy verwenden, hat es durchaus auch einige Vorteile:

Der am ersten Jolla als zu dunkel kritisierte Bildschirm ist deutlich heller geraten. Das juckt mich jetzt nicht so, weil ich bei allen Handys die Bildschirmhelligkeit immer ganz runter schalte … aber vielen Leuten ist das wichtig. Ebenfalls ein Kritikpunkt beim Jolla 1: die geringe Auflösung. Damit ist jetzt Schluß, die Zahl der Bildpunkte hat sich verdoppelt.

Wirklich erfreulich ist die Hochrüstung im Inneren: Statt zwei Prozessorkernen gibt es vier, statt 1 GB Arbeitsspeicher sind es nun 2 GB. Damit überschreitet das Jolla C genau die Grenze, die SailfishOS in seiner derzeitigen Form offenbar braucht, um wirklich ohne jede Einschränkung zu arbeiten. Es ist nicht um Größenordnungen schneller als sein betagter Vorgänger, der ja zumindest die Mindestanforderungen übererreicht hat. Aber: Es läuft auch dort noch ohne Mühen und Murren, wo das Jolla 1 beim Multitasking erste Ruckler gezeigt hat:

Als kurzen Test habe ich eine OGG-Vorbis-Audiodatei im Media-Player abgespielt. Dann: Media-Player in den Hintergrund, Android-Applikation starten (damit aktiviert man auch alle Abhängigkeiten der Android-Laufzeitumgebung), in der Android-Applikation ein Video aus dem Internet streamen (Musik läuft weiter), zum Schluß die Android-Applikation ebenfalls verkleinern. Mein altes Jolla kann das grundsätzlich: Die Musik läuft weiter, das Android-Programm startet ohne gröbere Wartezeit, auch das Video ist zu sehen - allerdings mit 2 Bildern pro Sekunde. Spätestens dann, wenn ich das Android-Fenster auf dem Multitasking-Schirm verkleinere, setzt auch die Musikwiedergabe für den Bruchteil einer Sekunde aus.

Dem Jolla C ist das alles völlig egal. Gleiche Audiodatei, gleiches Video, gleicher Ablauf - die vier Prozessorkerne holen noch nichtmal tiefer Luft als im Ruhezustand. Genau diesen Unterschied hab ich mir von der neuen Hardware versprochen, und genau das leistet das Jolla C.

(Interessehalber wollte ich den Test mit meinem Samsung Galaxy wiederholen, das ähnliche technische Daten aufweist wie das Jolla C. Das Galaxy kann aber die Audiodatei nicht wiedergeben. Das Abspielen irgendeines beliebigen anderen Songs wird unterbrochen, sobald das Video in den Vollbildmodus geht. Das scheint dort eher nach dem Motto zu funktionieren: Lieber erst gar nicht versuchen, dann kann man auch nicht versagen.)

Ansonsten: Der von Nokia bekannte und damals immer populäre Radioempfänger kommt zurück. Die entsprechende Software ist direkt in den Media Player eingebaut und verarbeitet freundlicherweise auch die RDS-Informationen zu Stationsname, Künstler und Song (Radiotext). Nicht enthalten ist der UKW-Sender, mit dem man seine Musik auf jedes alte Küchenradio übertragen konnte. Die Kamera soll laut Infos im Web bei fast gleichlautenden technischen Eckdaten deutlich bessere Bilder produzieren als die des ersten Jolla Phone. Ich wollte jetzt nicht so viele Testfotos von meinem Vorhang schießen, aber die Behauptung glaub ich ungschaut - schlechter jedenfalls kanns ja nicht mehr werden. :)

Weil das Jolla C (bzw. Aqua Fish) zwei SIM-Karten unterstützt, mußte eine neue Version des Betriebssystems geschnitzt werden. Soweit ichs verstanden habe handelt es sich um eine gerade mal halbwegs stabile Vorversion des nächsten echten Updates, in der die Dual-SIM-Unterstützung eben vorweg genommen wurde. Große Überraschungen findet man nicht. Die meisten Änderungen beziehen sich auf neue Hardware-Features wie eben Radio und Dual-Sim. Ein paar Kleinigkeiten habe ich trotzdem entdeckt: So gibt es nun einen „Alle individuellen Einstellungen zurücksetzen“-Knopf in der Kamera, endlich eine fix eingebaute Taschenlampen-Funktion bei den Schnellzugriffen (eine „Äpp“ weniger) und eine völlig neu gestaltete, informativere Übersicht über die interne Speicherbelegung.

Naja … Hab ich wieder was zum Spielen. *gg*