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Der Club 2: Feminismus und Song Contest

Iris SchwarzenbacherKollegin A. hat mich auf ein sagenhaftes Stück österreichischen Fernsehschaffens aufmerksam gemacht: Am 29.2. gabs im ORF einen Club 2 zum Thema „Popowackeln beim Song Contest – Provokation oder harmloser Partyspaß?“

Allein des Titels wegen hätte man ja vorgewarnt sein müssen: Never. Never ever. Nun hat mir die A. aber versichert, daß dieses Stück vor unfreiwilliger Komik nur so strotzt. Eine Feministin (wozu?), Lukas Plöchl, Alfons Haider (hat der kein Zuhause?) und weißt eh, der Produzent, der vom Falco (wobei sie die Backen aufgeblasen hat) würden da, so Kollegin A., von einer Blamage zur nächsten hupfen und es dabei schaffen, Lukas Plöchl als den einzigen Diskussionsteilnehmer mit Schulbildung erscheinen zu lassen.

Ich habs mir also gegeben. Volle Kanne. Die ORF-TVthek stellt das Machwerk ja dankenswerterweise zur Verfügung. Checker wie ich sehens via A1 TV, das einfache Volk möge am Computer diesem Link folgen. (Was ist das für eine verrückte Zeit, in der man auf eine Videocassette verlinken kann?)

Ein paar Zitate?

Angelika Hager, Journalistin (?):

Nein, diese Frau zitiere ich nicht. Die sitzt auf ihrem hohen Roß und spuckt auf alles runter, was kein Prosecco-Glaserl in der Hand hat. Um sie doch zu zitieren: Ja, leider, das is ja so fuurchboa, eigentlich …

Iris Schwarzenbacher, hauptberuflich Frau, Feminist_in, Studierende, kritische Schüler_in, ORF-Publikumsrät_in und Studierendenvertreter_in der Österreichischen Hochschüler und Innenschaft:

… ein Zeichen dafür, welche sexistischen Strukturen in Österreich vorherrschen …

… wo Frauen ganz klar in einen Objektstatus gerückt werden, wo der Popo schon fast mehr Subjekt ist als die Frau selbst …

… für mich ganz klar ist die Aussage, daß die Frauen sexuell zur Verfügung stehen haben müssen, und weder der Text noch die Performance suggeriert, daß die Frau ein Wörtchen mitzureden hat und daher ist es für mich ganz ganz klar ein sexistisches Lied und repräsentiert Österreich insofern ganz gut.

Diese spaßbefreite Person Marke „ich esse nur Müsli und Äpfel“ hat es übrigens tatsächlich geschafft, Lukas Plöchl die ganze Sendung ununterbrochen mit „Du“ anzusprechen, während er beinhart beim „Sie“ geblieben ist. Allein dafür liebe ich ihn.

Marco Schreuder, sonst eh lieb, aber irgendwer hat ihn halt hingesetzt:

Ich bin jetzt ein Mann, aber: Ich unterstütze den Feminismus. Wir haben immer noch ein Ungleichgewicht an Einkommen. […] Ich verstehe diese Kritik […] Ich kann diese Haltung [deutet zur Berufsfrau], weil es Frauen in unserer Gesellschaft in Einkommensbereichen immer noch schlechter geht, nachvollziehen.

Marco? Bist Du noch da? Bei Dir oder bei uns? Reden wir über einen Party-Song oder über Schulungsunterlagen zum Gender_innen-Mainstreaming im öffentlichen Dienst?

All diese Aufregung, das Herbeibeten des Untergangs der Frauenbewegung, wegen „Woki mit deim Popo“ und - aufpassen! - der Tatsache, daß man während der UV-Licht-Szene der Bühnenshow die Gesichter der Frauen nicht sieht!? (Eh scho wissen: gesichtsloses Objekt.)

ATV sinkt nicht tiefer in seinen Trash-Shows. Wie gesagt: Daumen hoch für Lukas Plöchl. So gfoit ma des! Er hat den ganzen Schmutz stoisch über sich ergehen lassen, hat sich sichtlich seinen Teil über die komische alte Tante rechts gegenüber gedacht und hin und wieder die aufgeregt schnatternde Diskussionsrunde auf den Boden des Lebens zurückgeholt. So redet man eben in der Disco, sagt er zwischendurch. Oder: Man kann nicht mit jedem Lied Politik machen, manchmal wollen die Leut auch einfach nur abfeiern. Vielleicht war er nicht wirklich der einzige mit Schulbildung, aber jedenfalls der einzige mit Realitätsbezug und Vernunft.

PS: Ja, Haider und Spiegel waren auch dabei.

 
 
Deep_Blue meinte am :
Komisch
Normalerweise verhüten die Feministinnen ja mit ihrem Gesicht.
Die Fr. Schwarzenbacher erscheint mir aber gar nicht so unhübsch.

Was müssen ihr blutige Amateure nur angetan haben, um so zu werden.
Furchtbar, einfach nur furchtbar. 
 
ossi1967 antwortete am :
Unhübsch. Doch.

Das kommt am Foto nicht so rüber, aber ihr ganzes Gehabe, ihre Körperhaltung, ihre Gestik, ihre Stimme ... abgesehen davon, was sie gesagt hat war die Art und Weise, wie sie es gesagt hat, alles andere als einladend oder sympathisch.

Ganz, ganz schlimm war aber die andere, diese Journalist_innen-Tante. Was für eine Zicke.

 
nasgrath meinte am :
Passt auch ganz gut dazu!
http://diestandard.at/1329870469582/Zitrone-Buam-die-auf-Hintern-starren

Ich treib mich dort ja regelmässig herum... Ganz einfach weil ich was zum lachen, schmunzeln oder kopfschütteln brauch :-) 
 
ossi1967 antwortete am :
Womit die Leut Geld verdienen

Irre. Wieso sind wir so blöd und arbeiten was, wenn man mit hirnlosen Geschreibsel auch durchs Leben kommt?

 
Rika (Gast) meinte am :
Das Lied ist frauenfeindlich und sexistisch und ordinär. Es hat gar kein Niveau. Ich schäme mich für uns ÖsterreicherInnen! Dass du dich über Frau Schwarzenbacher lustig machst zeigt mir dass du auch so denkst. Sie ist eine kluge Frau die es zu etwas gebracht hat! Hast du gar keine Argumente? Oder gefällt es dir so weil du auch einfach nur Frauen als Sexobjekt siehst und deine männlichen Machtfantasien an diesen Objekten auslebst? 
 
Deep_Blue antwortete am :
Ja Ossi
schäm dich !

Jetzt bist du endlich entlarvt.

Hinter jedem Rockzipfel her und sie dann zum Sexobjekt degradieren.

Du, mit deinen mächtigen Machtphantasien !!

Also, wie schon gesagt, schäm dich !!! 
 
ossi1967 antwortete am :
@Rika

Ich hab jetzt lang überlegt, was ich da Sinnvolles antworten kann. Du hast Dich ja schon selbst ziemlich blamiert, ohne es zu merken - sowas passiert eben, wenn man die ganze Welt nur aus einer einzigen Perspektive heraus wahrnimmt.

Eins vorweg: ordinär oder niveaulos, ja, vielleicht. Kommt drauf an, weit man die Bedeutung dieser Worte faßt. (Es ist ja auch nicht immer schlecht, niveaulos zu sein.) Hier wird es sicherlich spannend, wie die EBU die Sache interpretiert. Die legen ja sehr viel Wert auf die „Familientauglichkeit“ des Song Contest. Da wurden schon viel weniger aufregende Textstellen oder Bühnenshows zwangsweise umgeschrieben bzw. neu gestaltet.

Was den Vorwurf der angeblichen Frauenfeindlichkeit betrifft: Der ist wirklich haltlos. Die Szene, die in dem Song beschrieben wird, ist doch in erster Linie der schmerzhafte Alptraum eines jeden jungen Mannes. Im Verhältnis Frau-Mann gehts doch ganz klar so zu, daß die Frau bei der Partnerwahl die Hosen anhat. Das ist oft genug untersucht und erwiesen worden. Auch in der Trackshittaz-Disco ist es also nicht so, wie Frau Schwarzenbacher es gerne hätte: daß nämlich der fesche, kräftige Bauernbua reinkommt, die Weiba dann sofort die Tepf aussa lassen und sich willenlos den Freuden der Nudlsuppn-Gang hingeben. Das mag Schwarzenbachers Phantasie sein, mehr nicht.

Die Szene, die sich bei dem Song aufdrängt, ist doch eine andere: Da stehen die Dorfprinzessinnen und lassen sich anhimmeln, manchmal sogar einladen. Neben dem Eingang stehen die verpickelten Herrn der Schöpfung, kichern albern über Tepf oder vermuteten Schmuck, sind aber dann im Endeffekt zu feige, um auch nur 2 Sekunden Blickkontakt zu halten.

Das ist nicht frauenfeindlich. Das ist ein Stück Überkompensation männlicher Minderwertigkeitskomplexe, wie es auf Schulhöfen in jeder Pause passiert. Wer das umdichtet in ein Zeichen dafür, welche sexistischen Strukturen in Österreich vorherrschen, ist nicht auffallend klug.

Apropos: Sie hat es zu was gebracht? Irgendwas außer Funktionär_innenposten?

 
 
ossi1967 antwortete am :
@Deep_Blue

Ja eh. Ich schäm mich eh so viel. Aber ich komm halt nicht aus meiner Haut. Wir Männer sind halt so.

 
 
Rika (Gast) antwortete am :
Du kannst kein Argument bringen! Du machst dich nur lustig! Beweise doch dass es nicht sexistisch ist!
In dem Text wird die Frau auf ihr klassisches Rollenbild reduziert und gar nicht als Mensch wahrgenommen, sondern nur als Objekt. Na klar ist das sexistisch! 
 
ossi1967 antwortete am :
Schalt doch mal das Leben ein bei Dir

Erstens werd ich Dir sicher nix beweisen. Du kommst da mit irgendwelchen krausen Theorien und verlangst von mir, daß ich das Gegenteil beweisen soll? Der Himmel schmeckt nach Erdbeeren. Beweise mir, daß es nicht stimmt.

In dem Text wird nicht die Frau auf ihr klassisches Rollenbild reduziert. Das ist das, was so verzwickte Leut wie Du nicht checken. Wer hier reduziert (und ziemlich schlecht dargestellt) wird, ist der Mann. Um dessen peinliches Balzverhalten geht es ja doch. Die Frau ist nur zufälligerweise Ziel (oder wie Du sagst: Objekt) dieses Balzverhaltens, weil zufälligerweise eine Szene im Heten-Milieu beschrieben wird. Wären die Trackshittaz eine schwule Combo, wär der Text nicht wesentlich anders … grad halt die Tepf hätte man wohl ersetzen müssen. Sobald das Objekt der Begierde aber nicht mehr geschlechtsspezifisch festgelegt ist, kann es sich auch nicht um eine klischeehafte Geschlechterrolle handeln.

Dermaßen derb angebraten zu werden gehört also nicht ins typisch weibliche Rollenklischee. Du gehst davon nur aus, weil Du in Deiner heteronormativen Weltsicht an gar nichts anderes denkst als an die Mann-Frau Beziehung und an die Rolle der armen Opferfrau in dieser Beziehung. Daß die Welt aber aus mehr besteht als aus dieser Deiner Vorstellung, das ist Dir noch nie bewußt geworden. Spätestens dann würdest Du nämlich merken, daß es sich hier um kein klassisch weibliches Rollenbild handelt, wie Du behauptest.

Sich so toll und so feministisch-intellektuell als Avantgarde der gesellschaftlichen Erneuerung fühlen und dann voll in der konservativen Heteronormativität verharren in seinen Ansichten - das ist ja wohl das Peinlichste, was einem passieren kann in der Öffentlichkeit.

 
Rainer-von-Lienz meinte am :
DANKE!
Danke für diese Zusammenfassung. Kommt alles in nächste Kabarett-Programm. 
 
ossi1967 antwortete am :
Hihi

Schau, so lern auch ich immer wieder dazu. Ich hätt schwören können, daß solche Leut zu gar nix zu gebrauchen sind. Irrtum! :)

 
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