Politik und Gesellschaft
Open Data: Wiener Linien „haben verstanden“
Die Wiener Linien geben sich geschlagen: Sie haben verstandenund wollen ab Sommer ihre Fahrplan- und Echtzeitdaten als Open Data zur Verfügung stellen. (Siehe ihr Blog-Eintrag.)
Und es muß jetzt einfach raus, bevor mir jetzt irgendwas platzt: Ich! Mein Thema! Mein Baby! Und damit auch mein Erfolg, irgendwie. :)
Natürlich ist es in Wahrheit Robert Harm, der mit seiner unglaublich erfolgreichen Initiative jetzt den Umschwung bewirkt hat. Natürlich war es Marco Schreuder, der 2010 das Thema politisch aufbereitet und im Gemeinderat eingebracht hat. Natürlich waren es eine ganze Menge von Journalisten, die über drei Jahre hinweg an dem Thema drangeblieben sind und nicht locker gelassen haben. Aber: Begonnen hats hier, hier auf diesem Blog. :)
Das da ist der erste Artikel überhaupt zum Thema. (Nicht mein erster Artikel. Der erste Artikel.) Dazu gibts einen Kommentar vom Erik, in dem er verspricht, das Thema bei den Grünen zu deponieren, wo er damals schon aktiv war.
Daß es bei den Grünen angekommen ist, zeigt schließlich dieser Artikel von Marco Schreuder, in dem er sich ausdrücklich auf meine Informationen und meinen Blog-Eintrag beruft. Unmittelbar darauf hat er den entsprechenden Antrag im Gemeinderat eingebracht.
Seither kam das Thema nie mehr wieder zu Ruhe. Journalisten, Politiker, dazwischen wieder Sticheleien von mir, am erfolgreichsten jetzt Robert Harm von Open3 … und irgendwann bricht der Damm. Das ist heute passiert. Die Wiener Linien versprechen, ihre Daten frei zugänglich zu machen.
Ich bin ein kleines bißchen stolz auf das Korn, das ich damals in fruchtbaren Boden gesteckt hab - auch wenn andere die Pflanze gegossen und mit grünem Daumen umsorgt haben. Hoffentlich kommt jetzt im Sommer wirklich das raus, was wir uns alle wünschen und was vor allem die Entwickler brauchen. (Es wäre ja sinnlos, nur die Fahrplandaten bereitzustellen, die Echtzeitinfos aber erst recht zurückzuhalten.) Eine Auswahl von Programmen, die im Prinzip fertig sind und nur mehr auf die Datenquelle warten, ist hier zu sehen.
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Open Data: Petition gegen Wiener Linien
Zum ersten Mal seit 2010 gibt es nun wieder eine konkrete politische Initiative, die diesen Mauscheleien ein Ende setzen könnte - und ich werde sie unterstützen! Eine Petition auf wien.gv.at von Robert Harm fordert:
Die Stadt Wien möge […] beschließen, dass die Datenbestände der Wiener Linien wie z.B. Echtzeitinformationen, Haltestelleninfos oder Linienpläne auch nach Open Data-Prinzipien (d.h. va. maschinenlesbar, Verwendung einer offenen Lizenz wie zB CC-BY) den Bürgern zur Verfügung gestellt werden.
Ich hab mich extra für die Bürgerkarte in Form der Handy-Signatur angemeldet, um die Petition online unterzeichnen zu können (Erfahrungen dazu in einem extra Artikel). Angeblich soll es aber ab nächster Woche auch irgendwie möglich sein Seit heute ist es auch möglich, „offline“ zu unterschreiben.
Anlaß für die aktuelle Petition ist die übliche Vorgehensweise der Wiener Linien: Ein noch in Entwicklung befindliches, aber bereits auf Google Play erhältliches Programm zur Abfrage der öffentlichen Daten wurde von den Anwälten der Wiener Linien mit Klagsdrohungen aus dem Verkehr gezogen. Genau so hat es 2010 begonnen, wie ich zum ersten Mal mit dem Thema konfrontiert wurde. Ein kurzer Rückblick, der auch erklärt, warum mich die Sache so sehr ärgert und bewegt:
Anfang 2010 habe ich für mein damaliges Handy, das Nokia N900, das Programm OpenQando verwendet. Da die Wiener Linien ein Nischenprodukt wie das N900 nicht unterstützten, war OpenQando für mich die einzige Möglichkeit, bequem an Echtzeitinformationen über die von mir benutzten Straßenbahnlinien zu bekommen. Es war ein extrem gut gemachtes Stück Software.
Im Mai 2010 hat mich der Programmierer von OpenQando angeschrieben: Ich möchte doch bitte den begeisterten Artikel über das Programm aus meinem Blog entfernen. Die Wiener Linien hätten ihm rechtliche Konsequenzen angedroht, wenn er die Entwicklung nicht einstellt und alle Hinweise auf die Software aus dem Internet löscht. Den Artikel dazu gibts noch hier.
Einige Monate später, im September 2010, wurde der damalige Landtagsabgeordnete Marco Schreuder auf die Situation aufmerksam und verfaßte ebenfalls einen Artikel dazu. Wichtiger noch: Er brachte gemeinsam mit seiner grünen Fraktionskollegin Puller einen Antrag ein, der die Situation im Sinne von „Open Data“ klären sollte. ÖVP und FPÖ stimmten den Grünen zu, nur die damalige SPÖ-Mehrheit schmetterte den Antrag ab.
Wien-Wahl, rot-grüne Koalition, Regierungsübereinkommen. Im Novenber 2010 bekannte sich die grundsätzlich mauernde SPÖ im Regierungsübereinkommen mit den Grünen unter der Kapitelüberschrift „Open Data, Open Government“ zumindest dazu, die Möglichkeiten und etwaige Risiken von „Open Data“ und „Open Government“ - also der freie Zugang zu bestimmten öffentlichen (nicht personenbezogenen) Daten in für Menschen und Maschinen lesbarer Form - für Wien zu erörtern
. Das war kein großer Schritt vorwärts, aber wenigstens war die Tür einen Spalt offen. Ich habe berichtet.
Juli 2012: In einem Online-Chat fragte eine Journalistin von derstandard.at den Aufsichtsratsvorsitzenden der Wiener Linien, Eduard Winter, nach dem Stand der Dinge. Winter leistete sich eine ungeheuerliche Entgleisung: Die Wiener Linien hätten, so sagt er, bzgl. Open Data die Befürchtung, daß hier möglicherweise kriminelle Energie frei werden könnte - zum Schaden unserer Fahrgäste.
Informationen über die aktuellen Busverspätungen als sicherheitskritische Geheiminformation, die vor Terroristen geschützt werden muß? Unfaßbar.
März 2013: Fast genau drei Jahre nach dem N900-Skandal wiederholen nun die Wiener Linien die gleiche juristische Einschüchterungstaktik mit einem anderen Programmierer, einem anderen Programm. Diesmal ist es Robert Harm, Vorstand des Open-Data-Vereins Open3, der darauf regiert und eine Online-Petition auf Basis des Gesetzes über Petitionen in Wien einbringt.
Wenn ich das Gesetz richtig verstanden habe, ist bei Erreichen der Hürde von 500 Unterschriften eine Behandlung im Petitionsausschuß vorgesehen, mehr nicht. Der Ausschuß kann sich noch formale Gründe ausdenken, die gegen die Weiterbehandlung der Eingabe sprechen. Im besten Fall spricht er eine Empfehlung über die weitere Vorgangsweise
aus und die Petition ist durch den für Petitionen zuständigen amtsführenden Stadtrat schriftlich gegenüber der Einbringerin bzw. dem Einbringer zu beantworten
. Mit anderen Worten: Es besteht keinerlei Verpflichtung, die Eingabe in irgendeiner Weise ernsthaft und inhaltlich zu diskutieren. Trotzdem zahlt es sich auf jeden Fall aus, das Instrument zu nutzen: Es muß den Verantwortlichen klar werden, daß sie der Öffnung der durch Steuermittel finanzierten Daten der Wiener Linien nicht durch bloßes Aussitzen entkommen können. Wie auch immer der Vertrag zwischen den Wiener Linien und Fluidtime (die Firma hinter dem einzigen autorisierten Programm „Qando“) aussieht: Die Details müssen an die Öffentlichkeit. Zahlen die Wiener am Ende der Fluidtime etwas dafür, daß sie über ihren eigenen Datenbestand nicht frei verfügen dürfen? Wie viel hat die Entwicklung von Qando bisher gekostet? Hätte man sich das nicht alles sparen können, indem man einfach nur die Daten freigegeben hätte?
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#ilovefs - Alles Gute zum „I Love Free Software“-Tag!
Trara! Trara! Trara! Zum zweiten Mal begehen wir heuer am 14. Februar den traditionellen „I Love Free Software“-Tag. Ein Minderheiten-Feiertag für Nerds? Keineswegs. Heute haben Grund zum Feiern:
- Benutzer von Symbian-Telefonen, iPhones, OS X Desktop Systemen und Androids. Diese Systeme verwenden Browser, die auf der freien Software WebKit beruhen.
- Android-User sowieso: Ihre Telefone bzw. Tablets sind zu einem großen Teil aus freier Software geschnitzt (zumindest theoretisch; in der Praxis halten viele Hersteller die Lizenzbedingungen nicht ein.)
- Alle, die diese Seite mit einem Firefox-Browser aufgerufen haben. Firefox ist freie Software.
- Blogger, die ihr Blog mit WordPress gestalten. Auch dieses CMS ist freie Software
- Jeder, der seine Multimedia-Dateien mit VLC abspielt, egal unter welchem Betriebssystem. VLC ist freie Software.
- Selbstverständlich auch alle, die ihre PCs mit Betriebssystemen wie Ubuntu, Debian, Gentoo oder Fedora betreiben. (Dazu zähle ich jetzt kurzerhand und ungefragt auch alle Besitzer eines Nokia-Geräts mit Maemo- oder MeeGo-Betriebssystem.) Selbstverständlich sind das die klassischen Beispiele für freie Software.
- Menschen, die sich nicht in die MS-Office-Falle begeben, sondern ihre Bürodokumente mit LibreOffice bearbeiten. LibreOffice ist freie Software, wie der Name schon sagt.
- BitTorrent-User, die sich all die zuvor erwähnte Software legal saugen können. Auch BitTorrent ist freie Software.
- Besitzer zahlloser Router und NAS-Systeme. Solche Hardware hat fast immer ein speziell angepaßtes GNU/Linux-Betriebssystem; freie Software also.
- …
Obwohl das nur eine kleine Auswahl prägnanter Beispiele ist, behaupte ich jetzt: Jeder meiner Leser hat sich bei mindestens einem der angeführten Punkte wiedergefunden, hat also allen Grund, die von ihm verwendete freie Software heute zu feiern.
Wie feiert man? Die Free Software Foundation Europe, Erfinderin des hohen Festtags, macht Vorschläge wie:
- darüber bloggen (mach ich grad)
- im Microblog mit dem Hashtag #ilovefs schreiben (hab ich)
- einem Entwickler ein Bier zahlen (hab ich; geht ganz einfach via PayPal)
- mit Arbeitskollegen über freie Software sprechen (hab ich - siehe auch das Foto aus dem Büro)
- einen Entwickler umarmen, wenn er das will (hab ich noch nicht)
Warum feiert man? Freie Software ist heute wichtiger als jemals zuvor in der Computergeschichte. Sie ist die einzige Kraft, die darauf ausgerichtet ist, dem Endbenutzer und Konsumenten die volle Kontrolle über sein Equipment zu überlassen. Freie Software gibt einem das Recht, das Programm zu jedem Zweck laufen zu lassen; es zu analysieren, zu untersuchen und Veränderungen vorzunehmen, damit es den eigenen Bedürfnissen entspricht; Kopien des Programms an andere zu verteilen; das Programm zu verändern und zu verbessern und die verbesserte Version wiederum in Umlauf zu bringen. Verglichen mit den Einschränkungen, die proprietäre Software mit sich bringt (dort wird oft schon verboten, das Programm auf mehr als nur einem PC zu installieren) , ist das der Himmel … und die einzig zivilisierte Herangehensweise.
In diesem Sinn: Noch schöne und ausgelassene #ilovefs-Feiern. Ich freu mich aufs nächste Jahr!
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14. Februar: #ilovefs
Morgen ist „I Love Free Software Day 2013“. (Schon mal gehört? Richtig, 2012 war das hier auch schon Thema.)
Aus guter Tradition heraus beginne ich heute mit den Feierlichkeiten und sorge mit einer Überweisung dafür, daß ein talentierter und freundlicher Entwickler sich morgen ein Bier mehr als sonst leisten kann. Auch dieser Blog-Eintrag und ein entsprechender Dent auf meinem Mikroblog dienen der Vorbereitung.
Morgen wird dann, wie üblich, mein Büro dekoriert, was natürlich dann auch zum traditionellen Free-Software-Gespräch mit meinen Kollegen führt.
Ich liebe sinnvolle Festtage, die man so richtig schön romantisch feiern kann! :)
PS: Wie letztes Jahr gilt natürlich wieder: Entwickler, die die von der FSFE empfohlene Umarmung abholen wollen, dürfen sich via Kommentar mit mir verabreden. *gg*
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Demokratie vs. Sauwetter
Der aufrechte Demokrat in mir freut sich seit dem Frühstück darauf, sein Kreuzerl bei der Volksbefragung machen zu dürfen. Der Schweinehund sieht aus dem Fenster und stellt fest: Da draußen ist es kalt und verschneit, ich bleib in der Wohnung.
Nun gibt es ein Beweisfoto, damit auch jeder sieht: Der Demokrat hat gewonnen. Fast ausgerutscht wär ich auf dem Weg zum Wahllokal, durch knöcheltiefen Schnee bin ich gestapft - nur um dann ausgerechnet in jenem Zimmer meinen Willen kundtun zu dürfen, das gut lesbar mit „Pensionistenclub“ beschriftet ist. Saubande, bösartige! :)
Ort anzeigen auf: Google Maps,
Mapquest
Suche nach Websites und
Fotos in der Nähe
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Europe vs. Facebook
Auf crowd4privacy.org hab ich also heute, ganz im Sinne vorweihnachtlicher Spendenfreude, € 50,- abgedrückt. Wenns nix nutzt, verbesserts wenigstens mein Karma.
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Herbergssuche für Neugeborene
Österreich? Liegt auf Platz 13 und damit unter den 80 ausgewerteten Ländern gar nicht so übel. Früher ganz hoch bewertete Länder wie die USA, Deutschland oder Frankreich schneiden inzwischen schlechter ab als wir. Überhaupt: Es gibt außer der Schweiz kein Nachbarland, das besser abschneidet als Österreich. (Liechtenstein wurde nicht bewertet.) Apropos Nachbarn: Wenn man schon über die Grenze muß, dann nicht in die Slowakei oder gar nach Ungarn. Diese beiden Nachbarländer liegen besonders weit hinten.
Die Top 20 mit den Vergleichwerten aus 1988 (da fand die letzte Erhebung statt) im Überblick:
| 2013 | Land | 1988 |
| 1 | Schweiz | 13 |
| 2 | Australien | 18 |
| 3 | Norwegen | 13 |
| 4 | Schweden | 9 |
| 5 | Dänemark | 24 |
| 6 | Singapur | 26 |
| 7 | Neuseeland | 18 |
| 8 | Niederlande | 10 |
| 9 | Kanada | 5 |
| 10 | Hong Kong | 7 |
| 11 | Finnland | 18 |
| 12 | Irland | 15 |
| 13 | Österreich | 12 |
| 14 | Taiwan | - |
| 15 | Belgien | 15 |
| 16 | Deutschland | 2 |
| 16 | USA | 1 |
| 18 | Vereinigte Arabische Emirate | 32 |
| 19 | Südkorea | 10 |
| 20 | Israel | 30 |
Für Europa gilt also generell: Skandinavien bringts. Go North!
Von Reichtum und Umverteilung
Im aktuellen Bericht 2011-2012 wird erstmals eine genauere Analyse der Vermögensverteilung in Österreich vorgenommen. Zusammen mit den Daten aus früheren Berichten halte ich folgende Punkte daraus für besonders erwähnenswert:
- Es gibt in Österreich keinerlei politisches Interesse und keinen Gestaltungswillen, was Vermögensverteilung und -umverteilung betrifft. Bis 2012 hatte man nicht einmal grundlegendste Daten dazu und hätte sie aus eigener Initiative bis heute nicht. Daß die Daten überhaupt erstmals erhoben wurden (so gut es ging), ist der Bemühung der Europäischen Union zu verdanken.
- Eigentlich sollte - bei einer theoretischen 100%igen Verteilungsgerechtigkeit - jeder österreichische Haushalt über ein Nettovermögen von rund € 265.000,- verfügen. Tatsächlich erreicht nicht einmal ein Viertel der Haushalte diesen Wert.
- 50% der Haushalte haben durchschnittlich nur rund € 18.500,- an Nettovermögen. Die reichsten 5% dagegen haben im Schnitt € 2.571.500,- pro Haushalt angesammelt. (Dazwischen liegen 30%, die sich zur „oberen Mitte“ zählen dürfen und durchschnittlich etwa € 178.000,- Nettovermögen besitzen. Gleich danach und unterhalb der „Top 5%“ kommen die 15% der „Vermögenden“ mit € 497.000,- Nettovermögen im Schnitt.)
- Aus dem 2010er-Bericht: Weniger als 0,5% der Österreicher sind im Besitz von mehr als einem Drittel des Geldvermögens.
- Den ärmsten Österreichern ist ihre Position in der Statistik nicht bewußt: Als einzige Gruppe verschätzen sich die ärmsten 30% nach oben, wenn sie sich in der Vermögensskala einordnen sollen. Politisch bedeutet das, daß sie sich bei jeder Diskussion über die Umverteilung des Vermögens tendenziell eher auf der Seite sehen, der etwas weggenommen werden soll, nicht auf der Empfängerseite.
- Die ärmsten 50% der Haushalte verfügen über nur 4% des gesamten Brutto-Vermögens in Österreich. Dem gegenüber stehen die reichsten 5%, denen 45% des gesamten Bruttovermögens gehören.
- Ebenfalls aus dem 2010er-Bericht: Immobilienvermögen wird vererbt. Auch hier gibt es eine starke Konzentration: 40% des vererbten Immobilienvermögens geht an nur 2% der österreichischen Haushalte.
Es gibt eine Meßgröße für die Ungleichverteilung, den Gini-Koeffizienten. Der bewegt sich zwischen 0 (bedeutet Gleichverteilung) und 1 (maximale Ungleichverteilung). Laut Erhebungen der CIA liegt dieser Wert beim Einkommen in Österreich irgendwo zwischen 0,25 und 0,29. Das ist gar nicht so übel, erreicht fast skandinavisches Niveau und setzt sich deutlich von Bananenstaaten wie den USA und China (beide über 0,45) oder Botswana (über 0,6) ab. Beim Vermögen jedoch, auf das ich mich hier konzentriere, schlägt uns plötzlich ein Gini-Koeffizient von 0,76 entgegen. International gesehen ist das noch nicht mal so ein großer Ausreißer, Werte über 0,6 sind nicht unüblich. Gefunden habe ich ältere Vergleichsdaten aus Finnland (0,68), Italien (0,61), dem Vereinigten Königreich (0,66), Deutschland (0,78) und den USA (0,81), die allerdings alle über 10 Jahre alt sind.
Wichtiger als die Frage, was international üblich ist, ist aber die Frage, was für eine Gesellschaft gesund und gerade noch erträglich ist. US-amerikanische Verhältnisse will ich weder bei der Einkommens- noch bei der Vermögensverteilung haben. Es ist also wenig sinnvoll, sich unter Hinweis auf den in den USA erreichten Wert von 0,81 auf unseren österreichischen 0,76 auszuruhen.
Funktioniert Umverteilung von Vermögenswerten? Ist das nicht ein linksextremes Konzept, eine gescheiterte kommunistische Träumerei? Kurze Erinnerungshilfe: Es war die keineswegs kommunistische CDU, die mit Wirtschaftsminister Ehrhard und Kanzler Adenauer 1952 das Lastenausgleichsgesetz erfand. Es gilt als einer der Grundpfeiler des deutschen Wirtschaftswunders und hat größere Vermögen mit - festhalten! - 50% (in Worten: fünfzig Prozent) besteuert, zahlbar in Raten über einen Zeitraum von 30 Jahren.
Natürlich sind die Voraussetzungen heute andere, die Not der Armen nicht vergleichbar mit der Nachkriegszeit. Aber: Wir haben eine Krise, und die Frage nach der politischen Vertretbarkeit von exzessivem Reichtum auf Kosten der Gemeinschaft ist längst gestellt. In der taz zum Beispiel berichtet Mathias Geffrath über einen Vorschlag, die aktuelle Witschafts- und Schuldenkrise über eine einmalige, europaweite Abgabe von (ohnehin vergleichsweise geringen) 30% auf die Vermögenswerte zu bewältigen. Diejenigen, die aus dem Finanzsystem der letzten Jahrzehnte Gewinn geschlagen haben, sollen für die katastrophalen Folgen bezahlen. Mathias Geffrath stellt dazu trocken fest: Eine 30%ige Vermögenssteuer klingt für uns heute so absurd, daß nicht einmal ausgewiesen linke Organisationen sie fordern würden. 1952 war es die konservative CDU, die eine viel stärkere Umverteilung auf den Weg brachte. Was ist mit unserer Gesellschaft zwischen 1952 und 2012 passiert? Sind wir so sehr nach rechts gerutscht, so entsolidarisiert, daß ehemals konservative Witschaftspolitik heute sogar den Linken zu radikal scheint?
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Spende für MediaGoblin
What if everyone's photos were on flickr - and it disappeared? What would happen if YouTube went away? What would happen to cat videos on the internet? It would be like a cat massacre. This leads to a sad internet.
Ich hab wieder mal Geld gespendet: $ 50,- (also etwa 38 Euro) für das Projekt MediaGoblin. Worum gehts? Es geht um das einfache und dezentrale Veröffentlichen von Fotos, Videos und Musik im Netz jenseits von Flickr und YouTube. MediaGoblin verfolgt seit Juni 2011 diese ehrgeizige Idee. Seit 10. Oktober diesen Jahres nun gibt es die Möglichkeit, die Entwicklung von MediaGoblin durch Einwurf kleiner Münzen zu beschleunigen. (Hier die Spendenseite mit einem entzückenden kleinen Video.)
Warum finde ich es wichtig, Alternativen zu Flickr und YouTube zu haben? Zentrale Systeme sind eine Perversion der Vision vom Internet. Das Internet ist konzipiert als ein unorganisierter Verbund gleichberechtigter Rechner, die Daten austauschen. Bei E-Mail funktioniert das noch: Obwohl mein eigener Mail-Account bei A1 liegt, kann ich Mails von GMX, Google oder Yahoo! empfangen. Sollte ich einmal meinen Provider wechseln, kann ich trotzdem allen Freunden und Bekannten weiter Mails schicken. Ich muß sie nicht überreden, mit mir zum neuen Provider zu kommen, damit wir in Kontakt bleiben können.
Anders ist das bei YouTube oder Flickr (oder Facebook, Skype, Twitter etc.). Alles, was sich dort an Kommunikation und Interaktion abspielt, muß mit einem Account jeweils dieses einen Systems passieren. Die soziale Kommunikation passiert nur zwischen denen, die am gleichen Server angemeldet sind. Und: Die Systeme wachsen mit jedem zusätzlichen User wie ein schwarzes Loch und bilden das de-facto-Monopol für ihren jeweiligen Markt. Statt eines offenen, gleichberechtigten Systems vieler Video-Plattformen gibt es YouTube. Statt vieler gleich populärer Foto-Seiten gibt es Flickr. Das ist nicht das, was das Internet sein sollte.
MediaGoblin hat das Ziel, eine wirklich vernetzte Alternative zu schaffen. MediaGoblin wird als Teil des GNU-Projekts entwickelt, ist freie Software im Sinne der GNU AGPLv3 und kann von jedem verwendet werden, um seine eigenen Multimedia-Dateien auf der eigenen Website zu verwalten bzw. zugänglich zu machen. Die Benutzeroberfläche ist simpel und muß den Vergleich mit der großen Konkurrenz nicht scheuen. Was MediaGoblin noch nicht hat sind einige Leistungsmerkmale, die zwar auch der Roadmap stehen, derzeit aber noch nicht implementiert sind. Genau deswegen benötigt das Projekt Geld. $ 60 000,- ist der Zielwert (das sind rund 48 000,- Euro), 13% davon hat die Kampagne in den ersten 4 Tagen bereits eingebracht. Meine € 38,- sind dabei und ich bin stolz drauf. :)
PS: Apropos stolz drauf
: Vor einigen Wochen hab ich in diesem Artikel auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, seine Unterstützung für die Ziele der Free Software Foundation Europe kostenlos und einfach nur durch Angabe von Namen und Mail-Adresse auszudrücken. Die gute Nachricht: Ca. 0,5% aller Unterstützungserklärungen wurden aufgrund meines Aufrufs abgegeben! Das ist schon mal was, find ich. Was ich nicht so toll finde: Nur etwa 2% der Unterstützungserklärungen kommen aus Österreich. Sogar die Schweiz hat uns diesbezüglich überholt. (Die mit großem Abstand fleißigsten Unterstützer sind übrigens die Deutschen und - Trommelwirbel - die Finnen!) Liebe Leute, da geht noch was! Wenn wir schon beim Song Contest immer abstinken, sollten wir wenigstens beim FSFE-Knuddelbewerb weiter vorne zu finden sein! :)
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Zeig Deine Unterstützung!
Ich persönlich unterstütze die Free Software Foundation Europe (FSFE) ja schon seit 2006, vor allem durch regelmäßige finanzielle Zuwendungen. Jetzt können alle ihre Unterstützung ausdrücken, ganz simpel und gratis:
Auf dieser Seite trägt man Namen und E-Mail-Adresse ein. Nach dem üblichen Klick auf den per Mail zugesandten Bestätigungslink ist man auch „gezählter Sympathisant“ und fließt somit (anonym!) in die Statistik ein.
Wer sollte das tun? Und warum? Das Warum ist leicht erklärt: Die FSFE will einerseits Liebe und Zuneigung, andererseits bei Ihren Kampagnen auch auf handfeste Unterstützerzahlen verweisen können. Auch das Wer ist klar: Jeder muß mitmachen, der mit den Zielen und Kampagnen der FSFE etwas anfangen kann. Inhaltlich spannt sich der Bogen hier von Freier Software über Softwarepatente bis hin zu offenen Standards. Gearbeitet wird auf politischer Ebene bis hinauf zu EU-Gremien, aber auch ganz konkret durch Vernetzung von Experten oder lokale Veranstaltungen wie den Software Freedom Day letzte Woche in Wien.
Daß ich mich gleich am ersten Tag eingetragen hab ist klar. Jetzt möcht ich zusehen, wie der Counter nach oben geht. Los! :)
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