Eurovision Song Contest 2017: Wettquoten vor den Semis
Wie jedes Jahr kam dann erst während der Probentage wirklich Bewegung in die Sache. Einerseits konnten erstmals alle Lieder im direkten Vergleich gehört werden, andererseits war es erst in Kiew möglich zu beurteilen, wie die TV-Kameras die einzelnen Beiträge in Szene setzen und die Zuseher mehr (oder weniger) gnädig stimmen werden.
Da sind also einige Titel neu eingestiegen in die Top 10 - und einige frühere Favoriten haben sich wieder verabschiedet:
Rang | Land | Song | ⇅ |
Interpret | |||
1 | Italien | Occidentali's Karma | ↔ |
Francesco Gabbani | |||
(Ein hinreißendes Schlitzohr mit einem Affen, eine Melodie in der richtigen Balance zwischen „Ohrwurm“ und „nicht zu langweilig“, ein schlauer Text und eine Choreographie, die auch ich mitmachen kann. (Und: Keine Ballade!)) | |||
2 | Portugal | Amar Pelos Dois | ↗ |
Salvador Sobral | |||
(Nach vielen Jahren endlich wieder Wunderschönes aus dem ansonsten fadogebeutelten Land. Ein naives Märchen zwischen Disney und Audrey Hepburn.) | |||
3 | Bulgarien | Beautiful Mess | ↘ |
Kristian Kostov | |||
(Radiotaugliche Ballade mit sympathischen Ethnosprenkeln.) | |||
4 | Schweden | I Can't Go On | ↘ |
Robin Bengtsson | |||
(Seelenlos konstruierte, äußerst professionelle Nummer. Passend seelenloser, äußerst unsympathischer Sänger.) | |||
5 | Armenien | Fly With Me | ↗ |
Artsvik | |||
(Fesselt von der ersten Sekunden an.) | |||
6 | Rumänien | Yodel It! | ↑ |
Ilinca ft. Alex Florea | |||
(Billig, billiger, Ostblocktrash. Wenn ich ganz allein bin und Kopfhörer aufhab …) | |||
7 | Aserbaidschan | Skeletons | ↗ |
Dihaj | |||
(Da fehlt mir dann doch die Melodie.) | |||
8 | Niederlande | Lights And Shadows | ↑ |
OG3NE | |||
(Der Zeitpunkt um aus der Küche Käsebrötchen nachzuholen.) | |||
9 | Finnland | Blackbird | ↑ |
Norma John | |||
(Düster und musicalhaft. Nicht der Knaller auf einer ESC-Party, hat aber was.) | |||
10 | Vereinigtes Königreich | Never Give Up On You | ↑ |
Lucie Jones | |||
(Grundgütiger!) |
Die Verlierer
Raus aus den Top 10 sind Australien, Belgien, Ungarn und Frankreich. Vor allem bei Frankreich und Belgien dürfte das wohl auf die durch die jeweiligen Musikvideos extrem hohen Erwartungen zurückzuführen sein, die die Live-Inszenierung zertrampelt:
Die französische Alma trällert ihr jungmädchenhaftes „Ich bin so unbeschwert und hüpf mit Croissants durch Paris“-Frühlingslied auf YouTube vor strahlend blauem Himmel, mit einem unbeschwerten Lächeln und in bequemen Freizeitfetzen. Das perlt wie Prosecco. Auf der Bühne des ESC hingegen hat man sie in ein geschmackloses Kleid gesteckt, das man wahrscheinlich extra aus der russisch besetzten Krim rausschmuggeln mußte. Alma schafft es darin, gleichzeitig nuttig und wie ihre eigene Oma auszusehen. Hinter ihr vorbei wirbelt dabei ein in dunkelsten Farben gehaltenes Paris, das so aussieht, als hätte der Reaktorunfall von Tschernobyl direkt im Jardin du Luxembourg stattgefunden. Das kann so nix.
Fast schon zum Schreien komisch, wenns nicht so traurig wäre: Die Ex-Favoritin Blanche aus Belgien. Sie wurde offenbar von ihrer ärgsten Feindin in ein billiges Trickkleid gesteckt, in dem sie - kaum ist der Reißverschluß zu - wie Mrs. Puff aus Spongebob doppelt so dick wirkt. Außerdem ist die gute Blanche ein Paradebeispiel dafür, wie berechtigt meine jahrelange Forderung ist: Laßt die Leute beim ESC doch bitte, bitte, bitte Vollplayback singen, wenn sie wollen (oder müssen)! Bei jeder Möbelhauseröffnung ist das möglich und das Publikum hört die Songs so, wie sie gedacht sind. Und ausgerechnet bei der größtem Pop-Show der Welt soll das nicht gehen? Lächerlich! „City Lights“ ist eine wirklich gute Studioproduktion. Blanche kanns nur einfach nicht singen. Was erschwerend hinzukommt: Blanche weiß es. Und sie weiß auch, daß ihr das Kleid nicht steht. Entsprechend verzweifelt ist ihr Gesichtsausdruck auf der Bühne. (Und auch dessen ist sie sich bewußt …)
Die Gewinner
Von den Neueinsteigern sind zwei wirklich unverständlich: Die Niederlande und das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Nordirland bringen nur die notwendigen Klopausen in die stundenlange Show.
Auch getragen, aber durchaus mit so etwas wie Musik unterlegt ist der Beitrag der Finnen. Unter den Fans ist er noch viel beliebter als bei den Buchmachern, die ihn nun nach den Proben auf Platz 9 reihen.
Wirklich witzig ist der 6. Platz für Rumänien und sein „Yodel It!“, gesungen von einer Heidi und ihrem Ziegenpeter. Das vereint alle Klischees in sich: der billige Ostblock, der Eurotrash, die von der Restwelt abgekoppelte ESC-Blase, … Kaum eins der Lieder der heurigen Show macht so viel Spaß. (OK, abgesehen natürlich von „Space“ aus Montenegro, aber das ist … wie soll ich … wie sagt man … Celebrate Diversity!
)
Jetzt müssen wir warten, wer morgen und am Donnerstag rausfliegt. Die Quoten am Samstag werden dann wieder interessant.
Vielleicht wird's auch was, das zu Zypern passt: Schnitzel oder Fischstäbchen … das liegt dann schön im Magen und macht die urgeile Gravity *lol*
Naja, ich werde mich jetzt einfach beim Merkur inspirieren lassen. Jedenfalls gibt's ein bisschen Sprudel dazu. Für den Kreislauf … ;-)
Ist der Salvador denn jetzt schon in Kiew gelandet! Ohne den geht Portugal nicht! Jesus! DRAMA! Meine Nerven. Ich sollte auf jeden Fall noch Pralinen auf die Einkaufsliste setzen :-))
Mittlerweile weiß ich ja, was Du gegessen hast. Trotzdem: Wenn ich diese ganze Liste mit Möglichkeiten und Optionen so durchlese … Und was Du da immer überlegst dazu. Kohlenhydrate hier, Gravity da … ich denk nie so viel übers Essen nach. Ich schlucks einfach runter und gut is'. :)