Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Alles und noch mehr



Weihnachten mit Untertiteln

„Amerikan başkanı Garfield…“Grammatik, Untertitel, ein magnetabschaltendes Cover und stundenlanges Spielen mit Alexa. So geht die Zeit auch rum. :)

Der Hund hat sich ganz lieb von den Sprühkerzen bezaubern lassen (da waren noch alte in der Schachtel, die wider Erwarten tatsächlich funktioniert haben) und mein Highlight waren eindeutig die Windringerl mit Schlag, was man aus begreiflichen Gründen nicht laut sagen darf (Stichwort: Das Beste ist halt immer die Nachspeis. *LOL*)

Weil meine Eltern dem Konzept „Video on Demand“ noch immer nichts abgewinnen können und nicht einmal einen DVD-Player besitzen, folge ich dem Film „Yahşi Batı“ jetzt gerade am PC. Praktisch dabei meine Zwischenfragen an die Zimmergenossin im Hintergrund: Alexa, Frage Alleswisser nach Präsident Garfield! - Ich habe Folgendes für James A. Garfield gefunden: James Abram Garfield (geboren 19. November 1831 in Orange, Cuyahoga County, Ohio; gestorben 19. September 1881 in Elberon, Monmouth County, New Jersey) war ein US-amerikanischer Politiker (Republikanische Partei) und vom 4. März 1881 bis zu seinem Tod der 20. Präsident der Vereinigten Staaten. Second Screen war sooo 2000er.


Warum ungebildete Menschen grantig sind

Es war der Herr Schlosser, der mir (hüben oder drüben, ich weiß es nicht und ich finds auch nicht mehr) diesen Floh ins Ohr gesetzt hat. Und dann hats mich interessiert und dann hab ich gesucht und dann hab ich gefunden und jetzt weiß ich:

Lernen macht glücklich. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Irgendwas hat das zu tun mit dem nucleus accumbens und Dopamin und evolutionären Vorteilen durch Wissenserwerb … Egal eigentlich, abgesehen davon, daß ich auch das jetzt gelernt habe. Die Kurzfassung ohne wissenschaftliche Fachbegriffe lautet: Lernen wirkt wie Sex, Kokain oder Schokolade. Gleicher Mechanismus, gleiche Gehirnregion.

Das erklärt jetzt, warum erwachsene Menschen, die eigentlich eh rundherum ausgelastet sind, sich nochmal hinsetzen und unbedingt Neues lernen wollen: Sprachen, Musikinstrumente, Häkeln oder Handyprogrammierung …

Es erklärt aber auch, warum es einen so auffälligen Zusammenhang zwischen chronisch schlechter Laune und „Blöd geboren und nichts dazugelernt“ gibt. Wenn das Aneignen neuen Wissens und neuer Fähigkeiten mitverantwortlich ist fürs kleine persönliche Glück, dann ist das konsequente Verweigern jeder Fortbildung halt ein sehr tauglicher Weg in ein eher tristes Leben. ;)


Star Wars: Die letzten Jedi besucht wir haben

Star Wars - Die letzten Jedi Was für eine Überraschung: Ich hab schon am ersten Wochenende den neuen Star-Wars-Film gesehen. :)

Star Wars, das muß man einleitend sagen, ist nicht mehr nur einfach eine Filmserie. Star Wars hat sich seit 1977, dem Erscheinungsjahr des ersten Films, tief in die Kultur der westlichen Welt eingegraben. Es gibt niemanden, der nicht Prinzessin Leias Nußschneckenfrisur, Laserschwerter oder Yodas verquere Grammatik (900 Jahre du bist aber Deutsch du immer noch nicht kannst) sofort zuordnen könnte, selbst wenn er noch nie einen Star-Wars-Film gesehen hat. Umso schwieriger ist es für Drehbuchautoren und Regisseure, immer neue Fortsetzungen zu produzieren: Das Publikum erwartet exakt die gleiche Geschichte wie immer, aber neu erzählt und trotzdem spannend präsentiert. Nichts verärgert die Fans mehr als etwas Neues, etwas aus ihrer Sicht Unpassendes. (Ein bißchen ausgenommen von dieser Regel sind die diversen Spin-Offs in TV und Kino, bei denen die Filmemacher größere Freiheiten haben.)

Episode VIII, „Die letzten Jedi“, schafft diesen Spagat zwischen Spannung und altbekanntem Muster hervorragend. Für jemanden, der den unmittelbar vorhergehenden Teil gesehen bzw. gut in Erinnerung hat, ist der Anfang des Films vielleicht ein bißchen zu langatmig. Neueinsteiger, die mit Rey, Finn, Poe Dameron und Kylo Ren nicht vertraut sind, werden die zusätzliche halbe Stunde aber schätzen (bzw. schätzen sie, ich habs ausprobiert *gg*). Irgendwann nimmt die Sache dann ohnehin sehr dramatisch Fahrt auf und bedient beide Erwartungshaltungen: die nach den mystischen Geschichten um die Jedi und die nach explodierenden Raumschiffen. Vor allem aber glänzt „Die letzten Jedi“ durch wunderschöne, beeindruckende Bilder ganz besonders im grandiosen Finale am Planeten Crait, der mit seiner Oberfläche aus blutrotem Metall und blendend weißem Schnee eine großartige Bühne für den Showdown bietet.

Sehr fein es war. Im Mai kommt dann das nächste Spin-Off mit Herrn Solo. Gespannt ich bin. :)


Weinachtsfeier

Weihnachtsfeier war auch. Juchhe olé. ;)

Mobile Working: Mein neuer 26-Stunden-Tag

Die Möglichkeit, „mobil“ (also von überall aus) zu arbeiten, besteht bei uns in der Firma schon seit einigen Jahren. Auch ich hab irgendwann 2013 die entsprechende Vereinbarung unterzeichnet - und wieder vergessen. Bis wir dann diesen Herbst (temporär, wie uns versprochen wurde) in den unbeliebtesten und abgeschiedensten Standort übersiedelt wurden, den das Unternehmen in Wien zu bieten hat: ins Arsenal. Da hab ich den alten Zettel wieder rausgeholt und mir gedacht: Das versuch ich jetzt mal.

So modern und verlockend es auf den ersten Blick klingt, ganz wohl war mir zunächst nicht dabei. Immerhin muß man die Technik in den Griff bekommen, müssen Dokumente, Laufwerke, Verknüpfungen und Notizen vom mobilen Arbeitsplatz aus genauso zur Verfügung stehen wie vom Büro. Dazu stellt uns unsere IT verschiedene Optionen zur Verfügung, die man erst mal einrichten und für sich ausprobieren muß. Zuletzt will noch das bei uns besonders exzessiv verwendete VoIP-Conferencing inklusive Chat und Bildschirmfreigabe getestet werden; ohne dem geht gar nix. (Tatsächlich hats dann auch zwei Wochen gedauert, bis ich in diesem letzten Punkt erfolgreich war und endlich ein Testgespräch auf mein eigenes Handy zusammengebracht habe.)

Seither verbringe ich ungefähr zwei Arbeitstage pro Woche nicht im Büro. Wo ich mich niederlasse, hängt vom Terminplan ab. In der Regel ziehts mich in mein altes Bürogebäude oder ich bleibe ganz zuhause. Aber auch die nahe gelegenen Büros in der Antonigasse und der Hebragasse (beide bequem zu Fuß zu erreichen) sind eine Option. Flexibilität ist Trumpf. Drum heißts ja „mobile Working“, theoretisch könnte ich mit meinem Laptop auch ins Wirtshaus gehen.

Was bringts? Im besten Fall zwei zusätzliche Stunden Lebenszeit pro Tag. Jeder Berufstätige kennt das sinnlose Herumpendeln zwischen Wohnung und Arbeitsplatz, die tote Zeit, in der man bestensfalls geistesabwesend aus dem regennassen Fenster starrt. Führe ich von zuhause öffentlich ins neue Büro, schlüge eine Strecke mit einer Stunde zu Buche. Macht zwei Stunden pro Tag, die ich komplett einspare, wenn ich z.B. von zuhause aus werke. Auch bei anderen Berechnungen (z.B. ins Arsenal mit dem Auto; nicht zuhause, sondern in der Hebragasse arbeiten) kommt auf magische Weise immer ein Ergebnis raus: Mein Tag wird länger. Im besten Fall um zwei volle Stunden. :)

Ebenfalls nicht zu unterschätzen: Vor allem zuhause arbeite ich konzentrierter und schneller. Da bring ich Dinge weiter, die ich im Arsenal schon seit Tagen vor mir her geschoben habe. Mag sein, daß es daran liegt, daß ich allein arbeite. Ich weiß es nicht.

Natürlich hats auch andere Vorteile: Ich bin da, wenn der Briefträger eine Unterschrift will. Ich kann mir den Wocheneinkauf entspannt vom Spar liefern lassen - egal wie lang das Zeitfenster für die Lieferung ist, egal ob die Zustellung pünktlich erfolgt. Ich kann meinen ebenfalls VoIP-basierende Türkischunterricht unmittelbar nach dem letzten Bürotermin ansetzen, nicht erst 90 Minuten später (eine Stunde Fahrt, eine halbe Stunde Puffer zur Sicherheit). Sehr Arbeitnehmerfreundlich also.

Und der Arbeitgeber? Warum kommt mir der so entgegen? Aus seiner Sicht tut er das gar nicht. Büroarbeitsplätze kosten Geld, und zwar auch dann, wenn die jeweiligen Mitarbeiter im Urlaub sind, krank, auf einem externen Seminar oder auf Sabbatical. Wirtschaftlich sinnvoller ist es, wie eine Fluggesellschaft gleich mit Ausfällen zu kalkulieren und die Büroarbeitsplätze quasi zu überbuchen. Damit das auch richtig reibungslos funktioniert, werden die Angestellten zur räumlichen Flexibilität eingeladen. Das ist für beide Seiten von Vorteil.


Türkische Vorspeisenorgien

Wieder einmal fallen wir bei Ali Ocakbaşı ein, dem wohlfeilen Innenstadttürken, der uns für Humus und Şaşlık gute € 50,- pro Person abnimmt. Anlaß war der 20. Geburtstag eines jungen Mannes, der mit stoischer Miene unsere Geschichten aus seiner frühesten Kindheit (bis zurück zur Taufe) über sich ergehen hat lassen und auch nur ganz selten auf die Uhr geschaut hat, weil er anschließend noch eine „spontane Verabredung“ mit Freunden hatte. *LOL*

Geschmeckt hat’s ihm aber wohl: Von den vielfältigen Vorspeisen (Kuru Cacık, Çiğköfte, Muhammara, Humus, Patlıcan Salatası, …) ist exakt gar nichts übrig geblieben, obwohl wir zwei Gastgeber nur löffelchenweise von Humus und Cacık genascht haben. Wir mußten sogar nach den ersten paar Minuten Brot nachbringen lassen, weils einfach - ham! - in des jungen Mannes Mund verschwand. :)

Ebenfalls restlos verputzt: Die Hauptspeisen (Bonfile Dilimleri, Şaşlık, Ali Nazik), wobei wir alten Leute da schon ziemlich gekämpft haben. Die alte Weisheit von Herrn E. hat sich wieder bewahrheitet: Man soll zur Vorspeise nicht so viel Brot essen. Eigentlich soll man überhaupt nicht so viel Vorspeise essen.

Am meisten Freude hatte ich allerdings nicht am Essen, sondern am Kellner. Der hat mit einer Engelsgeduld mein Türkisch über sich ergehen lassen und mir schließlich sogar einen seiner Kollegen als Übungsobjekt angedient: Der lernt nämlich grad Deutsch und sucht einen Tandempartner. Leider mußte ich absagen.

Sehr nett, sehr gut, sehr selbstbewußtseinfördernd … gerne wieder!


Plachutta: 3 Kaffee sind genug

Wir feiern beim Plachutta. Das Restaurant ist schon kurz vor halb sechs voll bis auf den letzten Platz. Weil wir ein bißchen zu früh dran sind, werden wir an der Bar geparkt und mit Hollundersekt bei Laune gehalten. Dabei werden wir Zeugen folgender bezaubernden Szene:

Der Kellner bestellt beim Kollegen hinter der Bar einen Espresso für einen älteren Stammgast, der allein an seinem Tisch sitzt. Darauf der Kollege: Noch einen? Der hat ja schon drei gehabt. Ich glaub der vergißt das. Der Kellner geht zurück zu dem alten Herrn und erklärt ihm freundlich: Ich glaub, das mit dem Espresso lassen wir bleiben. Wir müssen ja auch ein bisserl aufs Herzerl aufpassen, gell?

Großartig. So wirds uns auch eines Tages gehen. Wobei: Erste Anzeichen sind jetzt schon da. Wie wir dann nämlich nach zwei doch sehr reichhaltigen Gängen um die Dessertkarte bitten, schaut der junge Kellner kurz irritiert und meint dann leicht besorgt: Jetzt schon? Sie können gern eine Pause machen nach dem ganzen Essen. *LOL*


Heuriger, Spaghetti, Mohr

Herr E. und Frau Ö. sind ja immer wieder mal Opfer gemeinsamer Abendessen. Selbst eingebrockt sie sich das haben: Sie hätten ja vor einem Jahr nicht so gut kochen müssen für uns. :)

Also gabs gestern wieder ein nettes kleines Zusammentreffen, diesmal bei uns. Gleich vorweg: Irgendwie wohl gefühlt müssen sie sich haben, unsere Gäste, sonst hätten sie nicht zu fortgeschrittener Stunde begonnen, sich ihrer Beinkleider zu entledigen. Ich werte das mal als Kompliment. *LOL*

Die Speisefolge war fast klassisch österreichisch: Ein Vorspeisenbuffet im Stil eines Heurigen (großer Fehler: niemand hatte nach Liptauer, verschiedenen Käseecken, Kürbisaufstrich, Paprika, Gurkerl, Waldorfsalat, Leberpastete, Roastbeef mit Kapern und Sauce Trara, etc., usw., usf. noch Hunger oder Appetit), ein unglaublich gut gelungener Mohr im Hemd als Dessert und dazwischen das, was Österreicher eigentlich essen, wenn keine Touristen zuschauen: Spaghetti mit Pesto. :)

Die Stimmung war prächtig, wobei ich mich des Eindrucks nicht erwehren konnte, daß unsere Gäste nicht immer und ausschließlich nur mit uns gelacht haben. Gelegentlich dürften sie es wohl auch lustig gefunden haben, wenn wir kurz aus der Gastgeberrolle gefallen sind und getan haben, was wir sonst auch immer tun. (Ja, mit 50 macht man solche Geräusche, wenn man aus der Hocke wieder aufsteht! Das ist ganz normal!)

Frau Ö. hat sich mit Interesse in mein Türkisch-Lehrbuch vertieft und war sichtlich überrascht, welchen Regeln ihre Muttersprache folgt. (Es klingt sehr kompliziert, wenn man es so lernen muß. - Sag ich ja die ganze Zeit!) Herr E. hat derweilen das Testen meines in Entwicklung befindlichen Türkischezahlenlernprogramms übernommen und mit Befriedigung festgestellt, daß der Bug bei Zahlen wie 1.001.000 behoben ist. Der hatte uns alle ja seit letzter Woche nicht schlafen lassen. ;)

Thematisch haben wir den Abend gefüllt mit Sebastian Kurz, türkischem Ölringen, österreichischem Verwaltungsstrafrecht, der molekularen Steuerung von Hefekulturen, Bad Ischl, Heißluftballons, Engeln, der vertrottelten Argumentation der Rechtsextremen für den Zwang zum Rauchen - ja so in die Richtung, mit allem, was dazwischenliegt.

Gerne wieder! Und vielen Dank fürs passende Gastgeschenk. ;)


Taxify in Wien

Ich hab ja dem motorisierten Individualverkehr bereits seit längerem abgeschworen. (Was jetzt nur aufgrund meines Alters erwähnenswert ist: Von den jüngeren Menschen in meinem engeren Freundeskreis tun sich gerade noch zwei Paare die administrative Belastung eines eigenen Fahrzeugs an.)

Weil ich also vom Angebot an Taxis/Öffis/Leihwagen/Leihfahrrädern/... abhängig bin, beobachte ich dieses mit Adleraugen. Das hatte zur Folge, daß ich beim neuen Vermittlungsdienst Taxify bereits als Kunde registriert war, bevor er noch offiziell seinen Betrieb in Wien aufgenommen hatte. (Detail am Rande: Ausgerechnet ein Taxifahrer hat mich auf das neue Angebot hingewiesen.)

Wie ist Taxify? Im Prinzip fast exakt wie Uber, sogar die App sieht genauso aus. Die Hauptunterschiede: Taxify erlaubt es nicht, gezielt Wagen höherer Qualität zu bestellen. Und Taxify ist billiger:

Die von mir verglichene Teststrecke (knapp 10km, davon ein Großteil am Gürtel) kostet mit dem Taxi € 23. Uber hat unterschiedliche Preise je nach Auftragslage, ich habe immer € 15 gezahlt. Taxify: nicht ganz € 8.

Fahren tun bei Taxify, so wie bei Uber, Mietwagenunternehmer. Was Fahrer und Autos betrifft, gibt es also kaum Unterschiede. Wie so ein Fahrer mit € 8,- pro Fahrt seine 5 Kinder satt bekommt, ist mir ein Rätsel. Immerhin zweigt Taxify dann ja auch nochmal 15% ab... und die verbleibenden sechs Euro irgendwas sind auch nicht brutto für netto. Ein Uber-Fahrer hat mir einmal erklärt, daß es bei diesem Geschäftsmodell darum geht, die Leerzeiten zu füllen: Wenn der saudische Ölprinz um 15:00 mit dem Mietwagen vom Hotel zum Shopping chauffiert werden möchte und der nächste über die Zentrale gebuchte Auftrag erst für 18:00 ansteht, dann ist die Zeit dazwischen de facto Freizeit und auch als solche in die regulären Mietwagenpreise reinkalkuliert. Taxify und Uber füllen nun diese an sich auftragsfreie Zeit. Egal was der Fahrer damit verdient: Es ist immer mehr, als würde das Fahrzeug ungenutzt am Firmengelände stehen. Ganz glaub ich das nicht, aber es könnt mal die Idee hinter dem Geschäft gewesen sein.

Hat Taxify andere Vorzüge im Vergleich zu Uber, abgesehen vom Preis? Ja: Tallinn. Taxify wurde in Estland gegründet und hat seinen Firmensitz in Tallinn. Es ist also, so wie die Wiener Taxifunk-Zentralen, ein einheimisches Unternehmen. Während von jedem an einen Uber-Fahrer überwiesenen Betrag rund ein Viertel in US-Dollar über den großen Teich wandert, bleibt bei Taxify alles zuhause in Europa. Auch das ist nicht übel. (Zumindest kann man es sich so schönreden: Hinter Taxify steht inzwischen ein großer chinesischer Geldgeber. Der wird auch was bekommen wollen vom Kuchen.)

Ich glaub fast, daß Taxify in Zukunft mehr Aufträge von mir bekommen wird als Uber. Die wirken auf mich im Moment sympathischer.


Star Trek: Keiner kennt den ersten Kinofilm

Mr. Spak Wenn man einen eingefleischten Star-Trek-Fan fragt, aus welchem Jahr der erste Kinofilm ist, dann sagt er wie aus der Pistole geschossen: 1979. „Star Trek - Der Film“ hieß der damals in der deutschsprachigen Fassung. So weit, so bekannt - und so falsch.

Sechs Jahre vorher schon, 1973, kam nämlich der wirklich erste kommerzielle Star-Trek-Film auf die Leinwand. Er hieß „Turist Ömer Uzay Yolunda“ und ist gleichzeitig der einzige mir bekannte Kinofilm, der das Star-Trek-Universum mit einer zweiten Filmreihe verheiratet. („Cross Over“ nennen die jungen Leute sowas heutzutage wohl.)

Diese zweite Filmreihe ist die von 1964 bis 1973 in der Türkei sehr beliebte „Turist Ömer“-Serie, in der Sadri Alışık immer den gleichen Charakter in unterschiedlichsten Ländern und Situationen spielt. Turist Ömer ist kein Actionheld, sondern ein kabarettistische Figur mit einem gewissen Hang zur Subversivität. (So nennt er sich nicht deshalb Tourist, weil er so viel herumkommt, sondern weil er auch zuhause das Leben eines Touristen führt: Er hat keinen Besitz.)

„Turist Ömer Uzay Yolunda“ ist daher auch eine höchst eigentümliche Mischung aus echtem Raumschiff Enterprise und einem Humor, der vielleicht am ehesten noch mit Louis de Funès zu vergleichen ist. Als Gesamtwerk also sehr eigen. Allerdings nur als Gesamtwerk:

Der Enterprise-Teil der Mischung ist eine 1:1-Kopie der Folge „The Man Trap“, der Laufzeit wegen aufgefettet um ein paar Versatzstücke aus anderen Folgen (so kommt Kirk's Kampfszene mit dem Gorn zu kurzen Ehren). Die Charaktere (Mister Spak, Kaptan Kirk, Profesör Krater), die Kostüme, alles fügt sich in das Korsett der TV-Serie. Augenfälliger Unterschied: Die türkische Low-Budget-Produktion hat zwar ganz böse Probleme bei diversen Spezialeffekten (das Beamen sieht scheußlich aus), die Szenen auf dem Planeten wirken aber im Vergleich zum US-Original viel besser. Zur Erklärung für Nicht-Trekkies: „The Man Trap“ spielt in den Ruinen einer untergegangenen Zivilisation. In Amerika wurden diese Ruinen aus Pappmaschee in einem Mini-Studio mit künstlichem Himmel nachgebaut. Die türkischen Produzenten haben sich stattdessen gesagt: „Nicht kleckern, sondern klotzen!“ Sie haben in den Ruinen von Ephesos gefilmt, die kein bißchen nach Pappmaschee aussehen.

Eine so gut wie möglich restaurierte Fassung des Films ist hier auf YouTube zu sehen. Fürs Türkischlernen ist der Film teilweise sogar recht gut geeignet: Die knappen, fast militärischen Dialoge der Sternenflottenoffiziere sind wunderbar zu verstehen und ein Traum für jeden, der gerade den Imperativ lernt. :)

Weniger freundlich zu Schülern ist Turist Ömer selbst. Er spricht nicht nur umgangssprachlicher, sondern baut eben auch das Schwierigste ein, was eine Fremdsprache zu bieten hat: Witz. Leider habe ich keine fixfertig untertitelte Version des Films online gefunden. Sehr wohl aber gibt es türkische und englische Untertiteldateien, die man sich getrennt herunterladen kann. Für den unwahrscheinlichen Fall, daß man wirklich komplett den Faden verliert (obwohl man zuvor „The Man Trap“ gesehen hat), kann man sich die zu Hilfe nehmen.

Ich freu mich tierisch über diese Entdeckung, die meine Leidenschaft für das Star-Trek-Universum so elegant mit dem Sprachenlernen zusammenführt. Das Internet ist doch eine großartige Fundgrube für allerlei Unfug, von dem man sonst nie gewußt hätte.