Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Alles und noch mehr



Taxify in Wien

Ich hab ja dem motorisierten Individualverkehr bereits seit längerem abgeschworen. (Was jetzt nur aufgrund meines Alters erwähnenswert ist: Von den jüngeren Menschen in meinem engeren Freundeskreis tun sich gerade noch zwei Paare die administrative Belastung eines eigenen Fahrzeugs an.)

Weil ich also vom Angebot an Taxis/Öffis/Leihwagen/Leihfahrrädern/... abhängig bin, beobachte ich dieses mit Adleraugen. Das hatte zur Folge, daß ich beim neuen Vermittlungsdienst Taxify bereits als Kunde registriert war, bevor er noch offiziell seinen Betrieb in Wien aufgenommen hatte. (Detail am Rande: Ausgerechnet ein Taxifahrer hat mich auf das neue Angebot hingewiesen.)

Wie ist Taxify? Im Prinzip fast exakt wie Uber, sogar die App sieht genauso aus. Die Hauptunterschiede: Taxify erlaubt es nicht, gezielt Wagen höherer Qualität zu bestellen. Und Taxify ist billiger:

Die von mir verglichene Teststrecke (knapp 10km, davon ein Großteil am Gürtel) kostet mit dem Taxi € 23. Uber hat unterschiedliche Preise je nach Auftragslage, ich habe immer € 15 gezahlt. Taxify: nicht ganz € 8.

Fahren tun bei Taxify, so wie bei Uber, Mietwagenunternehmer. Was Fahrer und Autos betrifft, gibt es also kaum Unterschiede. Wie so ein Fahrer mit € 8,- pro Fahrt seine 5 Kinder satt bekommt, ist mir ein Rätsel. Immerhin zweigt Taxify dann ja auch nochmal 15% ab... und die verbleibenden sechs Euro irgendwas sind auch nicht brutto für netto. Ein Uber-Fahrer hat mir einmal erklärt, daß es bei diesem Geschäftsmodell darum geht, die Leerzeiten zu füllen: Wenn der saudische Ölprinz um 15:00 mit dem Mietwagen vom Hotel zum Shopping chauffiert werden möchte und der nächste über die Zentrale gebuchte Auftrag erst für 18:00 ansteht, dann ist die Zeit dazwischen de facto Freizeit und auch als solche in die regulären Mietwagenpreise reinkalkuliert. Taxify und Uber füllen nun diese an sich auftragsfreie Zeit. Egal was der Fahrer damit verdient: Es ist immer mehr, als würde das Fahrzeug ungenutzt am Firmengelände stehen. Ganz glaub ich das nicht, aber es könnt mal die Idee hinter dem Geschäft gewesen sein.

Hat Taxify andere Vorzüge im Vergleich zu Uber, abgesehen vom Preis? Ja: Tallinn. Taxify wurde in Estland gegründet und hat seinen Firmensitz in Tallinn. Es ist also, so wie die Wiener Taxifunk-Zentralen, ein einheimisches Unternehmen. Während von jedem an einen Uber-Fahrer überwiesenen Betrag rund ein Viertel in US-Dollar über den großen Teich wandert, bleibt bei Taxify alles zuhause in Europa. Auch das ist nicht übel. (Zumindest kann man es sich so schönreden: Hinter Taxify steht inzwischen ein großer chinesischer Geldgeber. Der wird auch was bekommen wollen vom Kuchen.)

Ich glaub fast, daß Taxify in Zukunft mehr Aufträge von mir bekommen wird als Uber. Die wirken auf mich im Moment sympathischer.


Star Trek: Keiner kennt den ersten Kinofilm

Mr. Spak Wenn man einen eingefleischten Star-Trek-Fan fragt, aus welchem Jahr der erste Kinofilm ist, dann sagt er wie aus der Pistole geschossen: 1979. „Star Trek - Der Film“ hieß der damals in der deutschsprachigen Fassung. So weit, so bekannt - und so falsch.

Sechs Jahre vorher schon, 1973, kam nämlich der wirklich erste kommerzielle Star-Trek-Film auf die Leinwand. Er hieß „Turist Ömer Uzay Yolunda“ und ist gleichzeitig der einzige mir bekannte Kinofilm, der das Star-Trek-Universum mit einer zweiten Filmreihe verheiratet. („Cross Over“ nennen die jungen Leute sowas heutzutage wohl.)

Diese zweite Filmreihe ist die von 1964 bis 1973 in der Türkei sehr beliebte „Turist Ömer“-Serie, in der Sadri Alışık immer den gleichen Charakter in unterschiedlichsten Ländern und Situationen spielt. Turist Ömer ist kein Actionheld, sondern ein kabarettistische Figur mit einem gewissen Hang zur Subversivität. (So nennt er sich nicht deshalb Tourist, weil er so viel herumkommt, sondern weil er auch zuhause das Leben eines Touristen führt: Er hat keinen Besitz.)

„Turist Ömer Uzay Yolunda“ ist daher auch eine höchst eigentümliche Mischung aus echtem Raumschiff Enterprise und einem Humor, der vielleicht am ehesten noch mit Louis de Funès zu vergleichen ist. Als Gesamtwerk also sehr eigen. Allerdings nur als Gesamtwerk:

Der Enterprise-Teil der Mischung ist eine 1:1-Kopie der Folge „The Man Trap“, der Laufzeit wegen aufgefettet um ein paar Versatzstücke aus anderen Folgen (so kommt Kirk's Kampfszene mit dem Gorn zu kurzen Ehren). Die Charaktere (Mister Spak, Kaptan Kirk, Profesör Krater), die Kostüme, alles fügt sich in das Korsett der TV-Serie. Augenfälliger Unterschied: Die türkische Low-Budget-Produktion hat zwar ganz böse Probleme bei diversen Spezialeffekten (das Beamen sieht scheußlich aus), die Szenen auf dem Planeten wirken aber im Vergleich zum US-Original viel besser. Zur Erklärung für Nicht-Trekkies: „The Man Trap“ spielt in den Ruinen einer untergegangenen Zivilisation. In Amerika wurden diese Ruinen aus Pappmaschee in einem Mini-Studio mit künstlichem Himmel nachgebaut. Die türkischen Produzenten haben sich stattdessen gesagt: „Nicht kleckern, sondern klotzen!“ Sie haben in den Ruinen von Ephesos gefilmt, die kein bißchen nach Pappmaschee aussehen.

Eine so gut wie möglich restaurierte Fassung des Films ist hier auf YouTube zu sehen. Fürs Türkischlernen ist der Film teilweise sogar recht gut geeignet: Die knappen, fast militärischen Dialoge der Sternenflottenoffiziere sind wunderbar zu verstehen und ein Traum für jeden, der gerade den Imperativ lernt. :)

Weniger freundlich zu Schülern ist Turist Ömer selbst. Er spricht nicht nur umgangssprachlicher, sondern baut eben auch das Schwierigste ein, was eine Fremdsprache zu bieten hat: Witz. Leider habe ich keine fixfertig untertitelte Version des Films online gefunden. Sehr wohl aber gibt es türkische und englische Untertiteldateien, die man sich getrennt herunterladen kann. Für den unwahrscheinlichen Fall, daß man wirklich komplett den Faden verliert (obwohl man zuvor „The Man Trap“ gesehen hat), kann man sich die zu Hilfe nehmen.

Ich freu mich tierisch über diese Entdeckung, die meine Leidenschaft für das Star-Trek-Universum so elegant mit dem Sprachenlernen zusammenführt. Das Internet ist doch eine großartige Fundgrube für allerlei Unfug, von dem man sonst nie gewußt hätte.


So muß Sprachen

26. Oktober 2017, 17:08 Uhr in einem Lokal im vierten Wiener Bezirk. Es passiert etwas, was beim Sprachenlernen mit am meisten Spaß macht: Wir unterhalten uns ungeniert fremd über die zwei Damen, die keinen Meter entfernt von uns am Nebentisch sitzen und alles mithören. Und die zwei merken nix. Gar nix!

Es ist einfach großartig!

Falls diese Unverschämtheit jetzt jemanden in Zusammenhang mit mir irritiert (ich gelte ja als außergewöhnlich rücksichtsvoll): Die zwei Mädels haben angefangen! Die haben auf der Stelle und mitten im Satz aufgehört zu reden und uns kuhäugig angestarrt, wie wir mit unserer türkischen Konversation begonnen haben. Tja. Da mußten wir einfach nur das Thema wechseln und über sie herziehen. Das ist nützlich und macht Spaß!


Frühstück in Gregors Konditorei

Frühstücksmüsli in Gregors Konditorei Und bevor sich jetzt jemand schreckt der Überschrift wegen: Ja, es war ein Frühstück, aber erst um 12:00 Uhr. Keine Panik. Alles in Ordnung. :)

„Schuld“ war der Herr Raini, der unser für heute unverbindlich ins Auge gefaßtes Abendessen kurzfristig wegen einer abendlichen Überraschung für seine bessere Hälfte verschieben mußte. Also gabs kein Abendessen, sondern ein Frühstück. Und was für eins! Wir sind vor Gregors Konditorei im Schanigarten gesessen, haben uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen und uns schichtweise entblättert. Obwohl ich die wärmende Jacke mit hatte, bin ich dann doch im kurzärmligen Hemd dagesessen. Am 26. Oktober. Schau an.

Herr Wolfgang und Herr Rainer haben ihr bestes getan, um uns zu bespaßen. Kreuzfahrten (nicht die eigenen), Kevins (ohne Justins), verlängerte Wochenenden (ohne Kaugummi), Trinkgelder (zu wenig) und Osttiroler Sprachverschrobenheiten … Hach! Worüber man nicht so plaudern kann bei einem guten Happi.

Ach ja, Happipappi: Einen frisch gepreßten Orangensaft hatte ich, eine Eierspeis mit Speck und dann noch ein Müsli mit eckten Fruckten und Joghurt. Wirklich sehr gut. So muß Frühstück! (Nur das Nutella hat gefehlt - aber ganz ehrlich: Wär mir nach was Süßem gewesen, hätt ich das in einer Konditorei auch ganz ohne Nutellasemmerl irgendwie hingekriegt. *gg*)

Meine ganz persönliche Entdeckung des Tages durfte ich auch kurz herzeigen am Handy, aber die ist einen eigenen Artikel wert. Wir wollen ja nicht das ganze Pulver auf einmal verschießen. :)

Sehr fein wars, wahrscheinlich sogar sehr gesund. Man sollte dort durchaus öfter mal hingehen!


Der Kern, der fehlt :)

Das Tier auf mir Seit der Kern nicht mehr dort ist, gehts halt bergab mit den ÖBB, war unser gemeinsames Fazit nach den zwei ÖBB-Enttäuschungen, mit denen unsere jeweiligen Wochenenden begonnen haben.

Nun: Meins ging jedenfalls fröhlich weiter, der Ärger über die einstündige (und völlig unnötige!) Verspätung des Zuges und die Unzuverlässigkeit der Sitzplatzreservierung war bald verflogen. Hundezeit! Boxerhunde sollte es auf Krankenschein geben. So zwei, drei Tage mit Hund, das ist wie ein richtiger Wellnessurlaub. (Apropos Krankenschein: Umgekehrt ist da wohl auch ein gewisser gesundheitlicher Effekt zu spüren. Das arme Tier lebt ja, wie ihre Vorgängerin, in einer Hölle aus Feinstaub, Kohlenmonoxid, Nikotin, Schwermetallen, Arsen, Blausäure etc. etc. Wenn ich da bin, darf sie auch mal in Zimmer mit sauberer Luft bzw. wird das eine oder andere Fenster geöffnet. Wird im Verhältnis nicht viel nützen, beruhigt aber das eigene Gewissen der armen Kreatur gegenüber.)

Das schlaue Mädchen hat natürlich inzwischen längst begriffen, daß der Onkel aus Wien immer nur recht kurz auftaucht. Da gilt es, die paar Tage möglichst optimal auszunutzen. Wenn ich auf der Bank sitze, dann sitzt sie buchstäblich Arsch an Arsch neben mit und versucht, so schlau dreinzuschauen wie ich (oder umgekehrt, man ist sich da nicht sicher). Wenn ich mich in der Früh aufwach, liegt sie schon vor der Zimmertür und wartet auf mich. Wenn ich auf der Couch im Wohnzimmer liege, schläft sie auf meinem Bauch. Und wenn ich einfach nur aus dem Nebenzimmer was holen will, läuft sie mir ganz aufgeregt nach - ich könnt ja wieder nach Wien verschwinden.

Das Bild daneben ist entstanden, wie sie in der Küche auf meinen Beinen eingeschlafen ist. Zack, weg. Das geht ja so schnell bei den Hunden. Unnötig zu sagen, daß mir der Hintern und die Oberschenkel eingeschlafen sind dabei. Aber sie is halt so süß … *LOL*


Pizzaaaaa!

Connyyyyyy! Danieeeeel! Für unsere Verhältnisse sehr spontan hat sich gestern ein Treffen in der Casa Piccola ergeben. (Wo auch sonst? Nicht nur ist die entfleischte Auswahl für Conny dort groß, die machen auch sonst saugutes Essen. Selbst dann, wenn man Pizza mit Salami bevorzugt.)

Der Geburtstag der Frau Conny ist jetzt zwar schon wieder ein bisserle her, trotzdem mußten Päckchen überreicht werden. Is so. Und zwar hin und her: Auch wir haben mhmhmh-gute Schächtelchen bekommen von ihr. Dankeschööön!

Die Unterhaltung hat dann doch gezeigt, daß unser letztes Treffen schon wieder eine Zeit lang her war. Da wurden sogar Urlaubserinnerungen nochmal aufgetischt. Justin mit dem Senf war Thema, die Lions, seltsame Dresscodes, der neue Job, der geschützte Sektor, diverse Schnäuztechniken, geschrumpfte Genitalien, stehlende Hunde, das Duschen ohne Kleidung … und natürlich mußte ich mehrfach erwähnen, daß Herr E. meine Emails mit all ihren Relativ- und Ergänzungssätzen viel besser findet als die der T. von Herrn G., welchselbige sich in 2-Wort-Sätzen verständigt. Ha! (Ich hab nicht die angemessene Begeisterung geerntet für diese Mitteilung, drum schreib ichs hier extra nochmal rein.)

Erste Erkenntnis des Abends: Pizza und Bier ist keine ideale Kombination.

Zweite Erkenntnis des Abends: Wir sollten dort öfter mal hin. Frau Conny, Herr Daniel, wann habt Ihr wieder mal Zeit? :)


Benimsin: Aus die Maus

Benimsin Nach „Tatlı Bela“ hat mich gleich die nächste indische Serie im türkischen Fernsehen erwischt: „Benimsin“ heißt sie („Du gehörst mir“). Leider ist sie jetzt vorbei. Aus die Maus.

Die Handlung der im indischen Original 237 Folgen (in der Türkei wurden immer drei Folgen zu einer zusammengefaßt und in Spielfilmlänge ausgestrahlt) nachzuerzählen ist völlig unmöglich. Wikipedia scheitert kläglich beim Versuch einer Zusammenfassung. Es sind einfach zu viele Charaktere, die auftauchen, kommentarlos wieder verschwinden, durch Doppelgänger ersetzt werden, einander zu ermorden versuchen, um sich dann zwei Folgen später wieder tränenreich in den Armen zu liegen … Eigentlich ist da wahrscheinlich keine der indischen Hausfrauen durchgestiegen, die alle fünf Tage mal beim Bügeln aufgedreht hat.

Beim Betrachten der Folgen „à la Turk“, also mit jeweils drei Folgen auf einmal und ohne Handlungsloch dazwischen (A1 View Control sei Dank), stellt sich dann heraus: Zwar ist das Gesamtwerk verwirrend. Die Handlung der täglichen 90 Minuten auf Kanal 7 läßt sich aber gut in zwei bis drei Sätzen zusammenfassen. Damit eignet sich die Serie, sofern man keine Folgen versäumt, ob ihrer Redundanz wunderbar fürs Sprachniveau A1-A2: Man bekommt zwar 80% der Wörter nicht mit, versteht aber dennoch 100% der Handlung. Das, was man schon kann, schnappt man verläßlich auf. Die Serie spielt in der indischen Upper Class, die Dialoge wurden in dementsprechend „schönem“ Türkisch synchronisiert.

Und was soll ich sagen? Es hilft! So sehr man auch über die Qualität der Serie an sich geteilte Meinung sein kann (meine Meinung und die der anderen), ich hab mir doch einiges eingeprägt, was ich sicher so schnell nicht mehr vergesse:

  • Die schon von Tatlı Bela her bekannten Klassiker Merak etme! und Özür dilerim! Ich wende sowas ja nie aktiv an, aber es ist schon auffällig, wie oft die das sagen.
  • Ein neuer Spitzenreiter auf der Liste der am häufigsten verwendeten Phrasen: Ne oldu? - Das läßt sich übersetzen mit „Was ist los? Was ist passiert?“ und wird meist beantwortet mit einem ausweichenden Hiç - nichts. Damit das Drehbuch funktioniert, dürfen die Leute nicht zu ausführlich darüber sprechen, was sie bedrückt. Irgendwoher müssen die vielen Mißverständnisse und Verwicklungen ja kommen.
  • Defol git!, gelegentlich auch nur Defol! oder Defol buradan!, war zunächst völlig neu für mich, obwohl es so häufig vorkommt. Bei näherer Betrachtung ist das klar: Es bedeutet „Hau ab! Schleich dich!“ - das hat einfach noch nie einer zu mir gesagt auf Türkisch. :)
  • Affet beni! Hach, wie schön. „Verzeih mir!“, heißt das. Die Grammatik ist interessant, lernt man doch im A1-Kurs, daß das Verb immer am Schluß des Satzes zu stehen hat. Tja. Haben die Türken also das Lehrbuch nicht gelesen und stellen die Worte je nach intendierter Betonung um.
  • Seni çok seviyorum! - „Ich liebe dich sehr!“ Jaja, eh. Und kurze Zeit später läßt er sich von ihr scheiden, weil seine Mutter herumintrigiert. Pah! Apropos seine Mutter:
  • Yenge ist definitiv das Wort der Serie. Nicht everybody’s darling ist everybody’s Rindviech, sondern everybody’s yenge. Die türkischen Verwandtschaftsbezeichnungen sind ja eine Vokabelfalle. Tanten, Onkel und Großeltern heißen anders abhängig davon, ob man vom väterlichen oder mütterlichen Teil der Familie spricht. Bei Geschwistern unterscheidet man sprachlich zwischen älteren und jüngeren. Eine einfache deutsche Schwägerin erblüht im Türkischen zu ungeahnter sprachlicher Vielfalt: die Schwester der Ehefrau, die Schwester des Ehemannes, die Gattin des Bruders, die Gattin des Bruders des Ehemannes … sie alle finden sich im Wörterbuch unter einem anderen Eintrag. Natürlich verwechselt man alle diese Begriffe ständig, weils im Deutschen die Entsprechung dafür nicht gibt. (Und weil die Türken, die Gfrastsackeln, zu unser aller Verwirrung Verwandtschaftsbezeichnungen wie „teyze“ und „abi“ zur Anrede völlig fremder Personen verwenden.) Nach 237 Folgen Benimsin merk ich mir jetzt wenigstens die yenge. Und ich merk mir: Ganz so genau nehmen sies mit dem ganzen Zauber eh nicht. Nefise war garantiert nicht Aaliyas yenge, trotzdem haben sie einander so angeredet.
  • Aptal, in den meisten Wörterbüchern harmlos als „dumm; Dummkopf“ übersetzt, scheint ein veritables Schimpfwort zu sein, das man auch in emotionalen Streitereien mit Schreiduellen und Ohrfeigen anwenden kann. Wahrscheinlich geht’s eher in Richtung „Volltrottel“. Noch nicht mein geliebtes „orrrrrospu çocuğu“, aber immerhin.
  • Wer hätte je gedacht, daß ich mir sowas merk? Şirket heißt „Firma, Gesellschaft“. Es ging ja oft genug darum, wer jetzt die Kontrolle über das arbeitslose Familieneinkommen an sich reißen kann …
  • Absolut lustig, völlig sinnlos, aber beim ersten Mal fest abgespeichert: Boş ol! Wörtlich heißt das „Sei frei! Sei ungebunden!“ - Drei mal ausgesprochen (vom Mann, eh klar) löst es eine nur nach islamischer Tradition geschlossene Ehe. Sehr praktisch, wenn man eine Scheidung über mehrere Folgen hinziehen muß und die Spannung aufrecht erhalten will, ob das dritte, alles entscheidende „Boş ol!“ auch noch gesagt wird.
  • Otur! , „Setz dich!“. Im Gegensatz zu Boş ol! kann ich das auch in der Praxis anwenden. :)

Das klingt wie ABBA im Seniorenclub

Benny Andersson am Klavier Das klingt wie ABBA im Seniorenclub, kommentiert Herr M. aus dem Nebenzimmer das von mir gerade bewunderte YouTube-Video. Und damit hat er auf doppelte Weise Recht:

Seit gestern ist der 10minütige Trailer online, in dem Benny Andersson über sein neues Album „Piano“ spricht. 21 Musikstücke aus unterschiedlichen Schaffensperioden, von ABBA über Chess und Kristina bis hin zum Benny Andersson Orkester, hat er in reinen Klavierfassungen aufgenommen. Auch das eigentlich für einen Chor geschriebene „En skrift i snön“ ist dabei. Und für uns Kinder des letzten Jahrtausends klingt ein nur am Klavier gespieltes „Thank You for the Music“ nun mal verdammt nach der Titelmelodie des ORF-Seniorenclubs. Vor allem aber ist Benny Andersson (Jahrgang 1946) mittlerweile in einem Alter, in dem er auch optisch an den Seniorenclub-Pianisten Michael Danzinger erinnert.

Seniorenclub hin, Michael Danzinger her: Die CD, die Ende September erscheinen wird, gehört natürlich schon mir. Nicht daß ich etwas gegen die monumentalen Chöre der Musicals oder die kitschigen Streicher der ABBA-Aufnahmen hätte, ganz im Gegenteil. Aber die Klavierfassungen haben einen doppelten Reiz. Erstens spielt hier der Komponist persönlich. Es mag bessere Pianisten auf der Welt geben, aber Andersson spielt die Musik so, wie er sie ursprünglich „gemeint“ hat. Das ist schon einmal interessant. Zweitens sind alle diese Songs ja (und das sagt Andersson auch im Interview) ursprünglich am Klavier entstanden. Bevor der Bass, das Schlagzeug, die Streicher und schließlich die Singstimmen dazugekommen sind, waren es Ideen auf dem Klavier. Dorthin führt diese Aufnahme die Musik wieder zurück. Ich bin sehr gespannt.


Wochenende mit Hund

Hund im Regenwald Was für ein spannender Ausflug nach Linz! Begonnen hats schon im Zug: Trotz Business Class Ticket werden wird Zeuge einer lauten, derben Auseinandersetzung zwischen zwei nicht uneingeschränkt damenhaften ungarischen ÖBB-Kundinnen und einer in Wien neu zugestiegenen urwiener Proll-Lady (Marke: Wahlkampfauftakt am Viktor-Adler-Markt) mit Sohnemann und Hund. Unglücklicherweise hat der ÖBB-Computer den vier Herrschaften nämlich Plätze in der gleichen 4er-Gruppe reserviert und dabei nicht vorhergesehen, daß die Wiener Proll-Lady ihren Hund justament dort ablegen wollte, wo die jüngere der beiden Ungarinnen ihren voluminösen Schrankkoffer geparkt hatte.

Das Resultat war ein kakophonisches Schreiquartett historischen Ausmaßes. Halt die Fresse, Schleichts Euch aus Österreich, es Drecksausländer! und Steigts aus und gehts ham, wo's herkommts, es Asiweiber! waren dabei nicht einmal die schlimmsten Ausrutscher. Großes Kino! Die beiden Ungarinnen haben schließlich den Schaffner zu Hilfe gerufen, der für sie zwei eigentlich reservierte Plätze freigeräumt hat. Huiuiui. Leut gibts … Großes Abenteuer!

In Linz selbst gings zunächst etwas entspannter weiter. Spaghetti (es war ja Freitag), Hund streicheln, Terrasse sitzen … alles gut, alles ruhig.

Schon am nächsten Tag hat dann aber mein Bruder (sein Geburtstag einige Tage zuvor war der offizielle Anlaß unserer Visite) den einen oder anderen Handgriff im Garten getan und dabei einen großen Abenteuerspielplatz für das wilde Tier eröffnet. Vor allem die kühlen Regenfälle aus dem Gartenschlauch haben es der kleinen Maus angetan. Im dichten Grün vor der Terrasse hatte das an diesem sonnig-warmen Tag tatsächlich etwas von „Hund im Regenwald“. Da wurde der Wasserstrahl „zerbissen“ und durch den Garten gejagt, dann mußte man wieder ganz fasziniert dem Forscherdrang nachgeben und mit starrem Blick das Glitzern der Wassertropfen in der Sonne betrachten … Hochinteressant, das alles. Sehr spannend! :)

Wesentlich spannender fand ich die Experimente, mit denen herausgefunden werden sollte, auf wie viele verschiedene Arten man sich auf den Onkel aus Wien drauflegen kann. Mal hängt der Kopf runter, mal das Haxerl, mal lehnt man sich an die Brust, mal fixieren die Vorderpfoten die Schultern … das läuft alles sehr einfallsreich. :)

Leider geht so ein Wochenende viel zu schnell vorbei. Es gibt in nächster Zeit auch keine Geburtstage mehr, die als Ausrede für einen Linzbesuch herhalten könnten. Muß ich mir doch glatt was anderes einfallen lassen. ;)


Grillabend: Es hat nicht sollen sein

So eine nette Idee wärs gewesen: Den dritten Urlaubsgrillabend wollten Wolfi und Raini mit uns „nachholen“, weil der ja einer leichten Unpäßlichkeit wegen nur sehr schaumgebremst abgelaufen ist.

Und wieder hats nicht geklappt: Ausgerechnet an diesem Samstag wars kalt und regnerisch. Das ist mir zwar grundsätzlich recht, weil die Hitze mir mittlerweile echt zum Hals raushängt … vom Timing her wars aber echt ungünstig.

Unsere Gastgeber sind aber bekanntermaßen sehr flexibel und tischen statt Salat und Grillwürschtln halt ein mehrgängiges Menü auf. Und was für eins! Grießnockerlsuppn (Drama: falscher Grieß! Am Ende war dann aber trotzdem alles gut. *gg*), ein Naturschnitzerle mit Eapfüpüree („patates püresi“) und Karlotta Möhrchen (die Püreefrüchte übrigens aus eigenem Anbau) und als krönenden Abschluß (Das beste ist immer die Nachspeis!) Marillenpalatschinken à la Wachau - wobei auch hier die Marmelade aus hauseigenen Marillen gefertigt war und wir vor dem Essen die Geschichten aus der Babyzeit dieser Marillen gehört haben.

Apropos Geschichten: Natürlich gabs da viele aus dem Urlaub zu erzählen. Von Burkas und Valentines (ich bin mir nicht sicher, was ich unheimlicher find), von Forstaufsichtsorganen und Sanitäranlagen, von Kopfsteinpflaster und Schlössern. Triumph für Frau Anke: Das Inselduell ging klar 1:0 für Usedom aus. Rügen hat keine Chance. Damit bestätigt sich der Eindruck, den wir schon 2005 in Binz hatten. :)

Als Dankeschön für die nette Bewirtung konnten wir unsere Gastgeber mit Gesangsdarbietungen überraschen (ich glaube, daß sie diese Nummer tatsächlich noch nicht kannten - die schockierten Gesichter waren ein starkes Indiz dafür) und mit Kindheits- und Zugfahrerlebnissen zum Lachen bringen. Wir haben politisiert (ein gemeinsamer Feind verbindet *gg*), Song-Contest-Perlen gelauscht und sogar das Thema Kitschdeko vertieft … Es war wirklich alles dabei.

Objektiver Gradmesser für die gelungene Unterhaltung war wie immer Ike: Natürlich haben wir wieder so laut gelacht, daß er sich in seine Privatgemächer zurückziehen mußte. *LOL*