Vier Menschen, drei Sprachen
ellerine sağlıkund
dankeschön. Herr E. und Frau Ö. hatten zum Abendessen geladen. Allein der „Sprachkonfiguration“ wegen war ein unterhaltsamer Abend zu erwarten: Immerhin gabs drei Sprachen zur Auswahl, die mehr als einer der Anwesenden sprechen/verstehen konnte. Je nachdem, wer gerade wem was sagen wollte (und inwieweit es für die anderen bestimmt war *gg*), wurde Englisch, Türkisch oder Deutsch zur Verkehrssprache.
Großartig war das Essen - exakt mein Geschmack! Die Tarhana Çorbası (Mollich!
) von Herrn E.'s Mutter war gerade der richtige Auftakt für den Winterabend. Exotisch für unsere Gaumen, aber gerade deshalb ausgesprochen begeisternd. Danach: appetitlich gebratenes Henderl mit einer knackigen Gemüsemischung, grünen Nudeln und Salat. Mjamm! Zu guter Letzt die bereits erwähnte Linzer Torte mit nach türkischer Art zubereitetem çay. (Was, nebenbei bemerkt, perfekt harmoniert. Wer hätts gedacht. *gg*) Übrigens: Die Linzer Torte wird 1653 erstmals urkundlich erwähnt. Es ist also durchaus denkbar, daß die osmanischen Gäste während der zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683 in eine pastane mit dem Traditionsgebäck eingekehrt sind.
Sehr unterhaltsam auch die Gespräche zwischendurch. Da gings um den Kaffeeanbau in der Türkei (über den man sich ewig lang trefflich unterhalten kann, um dann am Ende draufzukommen, daß es ihn gar nicht gibt); um Ethanol als Gegengift bei Methanolvergiftungen (sehr tröstlich!); wieder einmal (wie letztens beim Herrn Schlosser drüben) um die Schattenseiten konventioneller Landwirtschaft, vor allem industrieller Fleischproduktion; um Übersiedlungen von mehreren tausend Büchern mit und ohne Lift; um den Unterschied zwischen „zwei Katzen“ und „eine Katze und noch eine“ (durchaus nachvollziehbar); um des Schwabl-Kellners Spaß an unserer ehelichen Kommunikationsverweigerung; leider auch um die erschreckenden Parallelen zwischen Erdoğans AKP und Straches FPÖ; … zum Ausgleich aber dann auch wieder um Shelly und Penny aus TBBT, in denen wir uns auf wunderbare Weise wiedererkennen. :)
Wir bedanken uns ganz sakrisch für diesen wirklich gelungenen Abend. Blöd gelaufen für die Gastgeber: Weils so nett war, ist unser Zeitgefühl ganz leicht durcheinander geraten. Wie wir uns so gegen 22:00 Uhr verabschiedet haben, wars ihn Wahrheit schon dreiviertel zwölf. Sorry dafür. Aber: SSKM, man muß es ja auch nicht so gemütlich machen für uns. *LOL*
Jolla: Sailfish als Betriebssystem für die Russen
Die zarten Bande zwischen Jolla und der russischen Regierung bestehen schon seit einiger Zeit - allerdings wußte man bisher nicht so recht, in welche Richtung die Reise gehen sollte. Heute schafft eine Presseaussendung Klarheit:
Die russische Regierung nimmt SailfishOS als bisher einziges mobiles Betriebssystem in die Liste der zertifizierten Software auf, die im Rahmen von Anschaffungen von Behörden und staatlichen Unternehmen der inländischen gleichgesetzt werden darf. Wenn ich die Quellen richtig verstanden habe bedeutet das, daß diese staatlich kontrollierten Firmen und die Verwaltung selbst bei Anschaffungen und Mobilfunkprojekten Geräte mit SailfishOS bevorzugen müssen.
Koordiniert wird die Anpassung von SailfishOS an die lokalen russischen Bedürfnisse über die Firma Open Mobile Platform, die extra zu diesem Zweck gegründet wurde.
Ein Artikel auf Techcrunch zitiert den Jolla-Chef Antti Saarnio mit der Aussage, daß der Zertifizierungsprozess für diese Liste ausgesprochen hart war und bereits im Frühjahr 2015 begonnen hat. Das paßt - rückblickend gesehen - zu den ersten Gerüchten über ein russisches Interesse an SailfishOS als Alternative zu dem von den USA kontrollierten Android. Zum ersten Mal traffen sich die Finnen nämlich schon im Februar 2105 mit einer Arbeitsgruppe des zuständigen russischen Ministeriums. Wenige Monate später, im Juni 2015, gaben die Russen bekannt: Wenn man schon in ein Betriebssystem für den lokalen Markt investiert, dann wird es SailfishOS sein. Das bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder ins Spiel gebrachte Tizen des Elektronikriesen Samsung war aus dem Rennen.
Danach aber gab es eine seltsam lange Pause. Ich war kurz davor, Jollas Russland-Strategie ins Regal der gescheiterten Pläne einzuordnen. Das einzige, was mich davon abgehalten hat: Es gab laufend unbestätigte Gerüchte über russische Hardware-Hersteller, die angeblich an Sailfish-Modellen arbeiten sollten. Jetzt paßt alles zusammen: Offenbar markierte das Ende der Berichte über eine finnisch-russische Zusammenarbeit der Beginn des Zertifizierungsprozesses für diese geheimnisvolle Liste.
Nach dem grundsätzlichen Bekenntnis zum Betriebssystem fehlt nur mehr eine Kleinigkeit: Ein Telefon, auf dem dieses Betriebssystem auch läuft. Ich bin gespannt ob die Firmen, die in den letzten Monaten in der Gerüchtebörse als Hersteller von Sailfish-Hardware genannt wurden (Oysters, Yota Devices), nun tatsächlich die Gunst der Stunde nutzen und die angeblich existierenden Prototypen auf den Markt bringen. Und: Es würd mich doch massiv interessieren, ob der Wechsel von Android zu SailfishOS beim Turing Phone in diesem Licht zu sehen ist.


