Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Linz: Geburtstagsfinale

Das Tier hat einen Ball gerissen Eigentlicher Anlaß für den Besuch in Linz war ja nicht die Klangwolke. Ehrlich gesagt: Ich hab vor der Abfahrt gar nicht gewußt, daß die dieses Wochenende stattfinden soll.

Nein, es ging darum, das freche Tier wieder einmal zu besuchen. Die Maus hat mich ja urlaubsbedingt jetzt schon mooonatelang nicht mehr gesehen. Außerdem war mein Geburtstag noch nicht zu Ende gefeiert. Mit der (ich nehm jetzt mal an: letzten) Packerlübergabe für heuer sind die Geburtstagsfestspiele 2016 wahrscheinlich die längsten seit 1967. :)

Das Tier macht seinem Ruf alle Ehre. Sie hat sich kein bißchen verändert. Während der zwei Tage hat sie zwei Ballis komplett zerfetzt und ein unidentifizierbares Stofftier so wütend ins Wasser des Biotops gefetzt, daß es nachher nicht nur wie eine tote Ratte ausgesehen, sondern auch so gestunken hat. Weg damit, mit den Ballis und dem Puppi. (Wobei die Sache mit dem „Puppi ins Wasser hauen“ weniger destruktiv ist, als sie im ersten Moment klingt. Meistens funktioniert das nämlich so: Hund will spielen. Hund wird 20 Minuten lang ignoriert. Hund läuft mit dem Spielzeug zum Wasser, hauts rein und schaut keck. Alle anwesenden Menschen springen wie von der Tarantel gestochen auf und tun ihr Möglichstes, um das Puppi zu retten. Hund steht im Mittelpunkt und hat gewonnen. Bei Schlechtwetter schießen wir das Spielzeug unter Kommoden und Sofas, wo auch Menschen nur mit Hilfsmitteln wie Stöcken und Schirmen rankommen. Gleicher Effekt.)

Es geht ihr also gut. Mein Bruder, von bösen Zungen in Bezug auf den Hund mittlerweile als Helicopter-Mom bezeichnet, hat ihr sogar ein Hundeplantschbecken bestellt, das wir dieses Wochenende aufgestellt haben. :)

Weil sie mich ganz sicher noch nicht genug abgeschleckt hat, muß ich wohl bald wiederkommen.


Linzer Klangwolke 2016: Ist das Kunst oder kann das weg?

Weil es sich zufällig so ergeben hat, daß wir am Klangwolken-Wochenende in Linz sind, waren wir gestern dort. Die Linzer Klangwolke 2016 mit dem Titel „Fluß des Wissens“ stand ganz im Zeichen des 50jährigen Bestehens der Johannes Kepler Universität. Aus diesem Grundgedanken hätte man viel machen können, der Titel „Fluß des Wissens“ deutete in die richtige Richtung. Die Umsetzung aber war ein entsetzlicher Reinfall.

Vorweg: Was ist die Linzer Klangwolke? Sie ist ein Spektakel, ein Volksfest. Jährlich kommen 100.000 Zuseher in den (dafür viel zu kleinen) Donaupark, um sich an einem unterhaltsamen Schauspiel aus Pyrotechnik, Lasereffekten und eingängiger Musik zu erfreuen. Das „Wow!“ steht im Vordergrund, der Gänsehauteffekt, den Musik und Feuerwerk gemeinsam erzeugen können … Wenn man sie denn läßt.

Der Dortmunder Frank-Martin Strauß, wenig bekannt unter seinem Künstlernamen FM Einheit, hats heuer verbockt. Gefühlte 50% der Zeit wurden mit gesprochenen Texten gefüllt. Obwohl das völlig unpassend war und dem Rahmen nicht gerecht wurde, waren diese Textpassagen eine Erleichterung im Vergleich zu dem, was zwischendurch als Musik ausgegeben wurde.

Die einzelnen Bilder waren lieblos aneinander gestöpselt. Es gab keine Dramaturgie, keinen Spannungsbogen, keine Erzählung in der Musik. Gelegentlich lockerten unmotivierte optische Effekte das dröge Geschehen auf, die aber in keinem Zusammenhang zum akustisch Dargeboten standen. In diesen Augenblicken hätte man sich gewünscht, daß bitte jemand die Stromversorgung der Lautsprecher unterbrechen könnte.

Peinliche Tiefpunkte der Veranstaltung:

Gleich zwei Mal wurde die Show für endlose BMW-Werbespots unterbrochen. Während die Musik unverdrossen weiterdudelte, rollte Auto um Auto mit der Aufschrift „100 Jahre BMW“ die Donau entlang. Der bewegende Moment wurde als Show-Highlight auf die Videowände übertragen.

Außerdem: Rektor Meinhard Lukas nutzte die Bühne und hob völlig unmotiviert mittendrin zu einer Rede an, in der er die Verfolgung der Wissenschaftler und die Beschränkung der Forschung in der Türkei kritisierte. Nicht falsch verstehen: Der Rektor einer Universität kann und soll zu diesem Thema seine Meinung äußern. Dies aber mitten in einem Volksfest zu tun, bei dem die Leut' eigentlich ein Feuerwerk sehen wollen, ist (um es höflich zu formulieren) unprofessionell.

Zwei Dinge waren tatsächlich gelungen:

Da war einerseits das beeindruckende Drohnengeschwader über der Donau, das für mehr als nur ein „Aaaaah“ und „Ooohhhh“ gesorgt hat im Publikum. Bezeichnenderweise kam dieser wunderschöne Formationsflug nur im Vorprogramm zum Einsatz, während der Klangwolke selbst waren die Drohnen nur in Nebenrollen zu sehen.

Andererseits natürlich das traditionell großartige Feuerwerk, das heuer von besonderer Qualität war - bzw. gewesen wäre. Jeder Vollhorst schafft es eigentlich, eine solche multimediale Show so aufzubauen, daß allles rundherum auf das Feuerwerk als erwartbaren und erkennbaren Schluß- und Höhepunkt zusteuert. Nicht so gestern: Aus den Lautsprechern drang belanglose, einschläfernde Fahrstuhlmusik, irgendwann brannte das Feuerwerk ab … Wären nicht Musik und Feuerwerk im gleichen Moment zu Ende gewesen, ich hätt geschworen, daß die Pyrotechniker am anderen Donauufer zu früh gezündelt haben. Aber nein, das war kein Ablauffehler. Das war so geplant.

Schade um den Abend. Was bei diesem finanziellen und organisatorischen Aufwand wunderschönes Theater werden hätte können, wurde zur verkopften Selbstdarstellung einiger von sich selbst zu überzeugter „Künstler“ und Nerds... und eines Rektors. Weder die Institution Klangwolke noch die Universität Linz haben diesen Dilettantismus verdient.