Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Uffa - grad nochmal gut gegangen für Österreich

Danke, Sascha!Fast eine Stunde lang waren die Server der großen Nachrichtenportale des Landes überlastet. Angekündigte Live-Ticker oder gar Videostreams brachen unter der Last der Anfragen zusammen und mußten durch statische Seiten ersetzt werden.

Ausgerechnet Kronen Zeitung und BBC brachten dann als erste halbwegs glaubwürdige Quellen unters Volk, was Innenminister Werner Sobotka erst eine gute halbe Stunde später offiziell verkündete: Alexander Van der Bellen ist Bundespräsident. Mit nur 31.026 Stimmen Vorsprung hat er den gestern noch leicht in Führung gelegenen Rechtspopulisten Norbert Hofer überholt. 50,3% der Wähler haben für den neuen Präsidenten gestimmt. Breiter Rückhalt in der Bevölkerung sieht anders aus.

Gerade deshalb ist dieser Wahlsieg kein Anlaß zum Jubeln. Es ist dieses Gefühl, das man hat, wenn Einbrecher zwar die Wohnung verwürstet, aber weder die wertvollen Goldmünzen noch die Dokumente gefunden haben. Man feiert nicht, weil die aufgebrochene Türe und die zertrümmerten Möbel kein Grund zum Feiern sind. Man ist nur erleichtert, weil das Allerschlimmste verhindert werden konnte.

Ich bin immer noch fassungslos, wie die Hälfte der Österreicher einem Rattenfänger wie Hofer auf den Leim gehen konnte - siehe dazu „Der Intelligenztest für Österreich“. Was mich bei der Analyse der Detailergebnisse tröstet:

In meiner unmittelbaren Umgebung ist dieser Intelligenztest viel positiver ausgefallen, als das Bundesergebnis es vermuten ließe. Wien wählt zu 63% Van der Bellen, mein Heimatbezirk Hernals zu 69%. In einzelnen Wiener Bezirken fällt Norbert Hofer sogar unter die 20%-Marke. Genauso die Lage in Linz: Auch hier stimmen 63% für Van der Bellen, im Bezirk Froschberg überdurchschnittliche 70%.

Interessant wird nun, ob und wie intensiv die FPÖ (die als einzige Norbert Hofer noch unterstützt hat) die Wahl anfechten wird. Ihr Generalsekretär Norbert Kickl hat ja bereits am Tag vor der Wahl eine Verschwörung gewittert: In einer Presseaussendung hat er behauptet, daß Helfershelfer des gegenwärtigen Politsystems hier vielleicht die Gelegenheit nutzen könnten, dem Wählerwillen zugunsten des Systemrepräsentanten [sic!] Van der Bellen ‚nachzuhelfen‘. Am Wahlabend noch hat dann Parteichef Strache nachgelegt. Er zweifelte auf Facebook vorsorglich jede Mehrheit für Van der Bellen bei den Wahlkarten an: So ein diametrales [sic!] Ergebnis gegen den allgemeinen Wahltrend kann es bei den Wahlkarten nicht geben! Doch, kann es. Gibt es auch regelmäßig, weil die FPÖ-Wähler seit Jahren nicht checken, wie das mit den Wahlkarten funktioniert.

Wie auch immer: Formfehler gibt es bei jeder Wahl, und Van der Bellens knapper Vorsprung von nur 31.000 Stimmen zwingt die FPÖ geradezu zur Anfechtung. Irgendetwas wird sich schon finden. Mal sehen, wer dann im Juli vereidigt wird. Noch ist die Gefahr nicht ganz gebannt.


Schrödingers Bundespräsident

Mit dem Bundespräsidenten ist es so wie mit Schrödingers Katze, sagt M. heute. Solang wir den Deckel draufhalten, ist es sowohl Van der Bellen als auch Hofer.

M. weiß das aus der Big Bang Theory. Ich weiß: Egal wie Schrödingers Gedankenexperiment ausgeht, seine Katze ist in ihrer Kiste jedenfalls verdammt schlecht gelaunt.

Und das bin ich auch. Also nicht so sehr schlecht gelaunt als vielmehr entsetzt. Völlig unabhängig davon, welches Ergebnis uns die letzten Wahlkarten bringen werden: 50% der Österreicher sind beim Intelligenztest durchgefallen. (Die ausführliche Analyse des Bildungsniveaus der Hofer-Wähler verkneif ich mir jetzt.)

Nur ums nochmal klarzustellen: Eine Bundespräsidentenwahl ist eine Persönlichkeitswahl. Tages- oder sachpolitische Fragen (mit denen vor allem Hofer im Wahlkampf hausieren gegangen ist) sollten keine Rolle spielen. Stattdessen geht es in erster Linie darum, wer geeignet erscheint, die Republik zu vertreten. Insofern fällt bei mir eine Beißhemmung weg, die mir mein Glaube an Pluralismus und Meinungsfreiheit ansonsten auferlegt. Ja, man kann ideologisch aus verschiedenen Ecken kommen, politisch unterschiedlicher Meinung sein. Das hat manchmal etwas mit mangelnder Intelligenz zu tun (wenn man z.B. Ursachen gesellschaftlicher Entwicklungen nicht kennt oder die Folgen politischer Entwicklungen nicht einzuschätzen vermag). Meist ist es aber einfach nur eine andere Meinung aufgrund unterschiedlich gewichteter Werte. Auch ÖVP-Wähler sind Menschen, selbst wenn mans auf den ersten Blick nicht so erkennt.

Anders ist das bei dieser Bundespräsidentenwahl: Ein Kandidat aus dem Lager derer, die Österreich für eine geschichtswidrige Fiktion halten, ist als Repräsentant eben dieses Landes denkunmöglich. Ausgeschlossen. Ein Mann, der den Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft mit Anfragen zu Chemtrails beschäftigt, kann nicht mit ausländischen Staatsgästen allein gelassen werden. Ausgeschlossen. Das ist alles keine Frage von politischen Standpunkten und Ideologie, von links oder rechts. Das ist das Abchecken der absoluten Grundvoraussetzungen. Ein Spediteur stellt ja auch keinen Fahrer ein, der keinen Führerschein hat. Ein intelligenter Spediteur tut das nicht.