Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Bobo-Saison 2016 eröffnet

April 2016 im Wiener MQAnfang April, erstes halbwegs schönes Wochenende in Wien: Zeit für mich, die Bobo-Saison 2016 offiziell zu eröffnen. Der dichte Menschenstrom hat mich langsam vom Westbahnhof die innere Mariahilfer Straße hinunter geschoben. Hin und wieder hab ich mich ausgeklinkt und zu den freundlichen jungen Menschen auf eins der vielen Bankerl gesetzt, um deren Unterhaltungen zu lauschen. Großes Kino! :)

Grundsätzlich gilt ja immer noch: Seit dem Umbau der Straße ist sie nicht nur unterhaltsamer, einladender und lebendiger. Sie ist vor allem auch so gut wie frei vom Archetyp des grantelnden FPÖ-Wählers und stattdessen voller lebensfroher, weltoffener Menschen, die für eine angenehme Stimmung sorgen zwischen Bortolotti und Aïda. Natürlich gilt, wie immer: Unterhaltsame Menschen sind nicht immer freiwillig unterhaltsam. In Bobostan, dem verrufenen Dreieck zwischen MQ, Westbahnhof und Naschmarkt, trifft diese alte Weisheit ganz besonders zu. Nirgendwo sonst ist die Konzentration von Bobos (also 1-Mann-„Startups“ und „Kreativen“) so hoch wie hier, nirgendwo sonst wird so viel heiße Luft so schön artikuliert.

Zwei junge Buben (wahrscheinlich Fachhochschule für irgendwelche „kreativen Berufe“) bringen mich so sehr zum Lachen, daß ich bei den anderen Passanten Aufsehen errege. Etwa 15 Minuten lang werde ich verbalen Fürzen ausgesetzt à la:

… da gibt's natürlich schon auch deadlines, nicht ganz arbitrary, aber doch, naja …

… aber in der Zeit mußt du pushen, das mußt du nutzen um den market zu educaten, ganz klar …

…ist natürlich top, so eine opportunity direkt vorm product launch im headquarter …

… wir sind da im multichannel aufgestellt, zwei Milliarden aktive users [sic!] in unseren Netzen, überleg mal den reach!

Mich hats gebeutelt, ich konnt überhaupt kaum mehr Luft holen. Die zwei waren so vertieft in ihr Gespräch, die haben nix mitgekriegt. Nur die Passanten haben, wie gesagt, ein bißchen sehr seltsam geschaut. Aber eben auf mich. :)

(Beruhigend wars schon auch irgendwie: Ich hatte immer geglaubt, daß dieses „Ich komm frisch von der FH und versuche meine mangelnde Berufserfahrung hinter leeren englischen Worthülsen zu verstecken“-Gebrabbel ein Spezifikum unseres Unternehmens ist. Ist es offensichtlich nicht.)

Zum Schluß, kurz vorm Getreidemarkt, war ich so euphorisch und so mitgerissen von der Stimmung, daß ich mich ganz gegen meine sonstige Gewohnheit ins finsterste Herz Bobostans gewagt habe: ins Museumsquartier. Ich wollt nicht gleich so weit gehen, mich zu einem der „Kreativen“ auf ein Enzi zu kuscheln. (Es ist ja doch ein ganz anderer Kulturkreis …) Ein paar Minuten auf einem klassischen Bankerl aber hab ich mir schon gegönnt. Neben mir drei philosophierende deutsche Gastarbeiter - Mitte 20, weiblich, der Gestik und Mimik nach Intellektuell:

… wir waren echt befreundet, hart krass. Auf 'ner Reise denkste dir ja auch nichts bei, da kannste ja auch nicht anders als dem anderen vertrauen, nicht? Und dann kommt der mich besuchen später in Berlin und ich so: Alter, der is 29! Der hat fast die Drei vor! Hart krass, so, weißte wie ich mein?

… sie is ja auch voll die liebe, weißte, wir sind echt so. Ganz eine nette. Aber haste ihr Facebook-Profil gesehen? Voll die Bitch ey. Hart krass. To-tal überschminkt immer und das Bikini-Foto dazu. Ne echte Barbie Bitch. Sie ißt ja auch nix. Gar nix. Ne Pizza mal ab und an, aber dann wieder Detox-Fasten 1-2 Wochen.

Ich liebe es. Wenns Wetter halbwegs hält, muß ich morgen nochmal hin. Nicht unbedingt ins MQ vielleicht (das ist wirklich hardcore, der reine Stoff), aber die MaHü ist schon was Feines. Da sind die netten und die lustigen Menschen besser durchmischt. :)