Samstag statt Sonntag
Tja. Man soll sich nicht täuschen, was unsere Flexibilität angeht. Plötzlich standen wir in der Tür. Trotz Samstag. ;)
(Witzig wars wohl, weil ja auch G.s Familientreffen beim Schwabl sonst regelmäßigst an Sonntagen über die Bühne gehen. Wir haben also beide am gleichen Wochenende den Tag gewechselt - hat erst recht nix gnutzt. *LOL*)
Geplaudert wurde über diesen und jene... Und weil ich mich gar so gschreckt hab, daß jetzt auch schon der ansonsten hochanständige Schwabl die Suppe im Glas serviert, hab ich mir zur Beruhigung Apfelspalten als Dessert gegönnt. Die haben seit Omas Zeiten einen positiven Einfluß aufs Wohlbefinden.
Fein wars. Trotz Glas. ;)
Warum Pornographie im Internet frei zugänglich bleiben muß
Warum das alles hochgefährlich ist und warum man besser die freie Verfügbarkeit auch von schwer kriminellem Material hinnehmen sollte, statt es per Internetblockade zu bekämpfen, zeigt die Entwicklung der letzten Tage in England, die gerade völlig aus dem Ruder läuft:
In dem Land, in dem der politische Kurs wie kaum anderswo vom marktschreierischen Boulevard geprägt ist, wurde die Internetzensur 2013 eingeführt. Mit Mitteln, wie sie sonst nur aus China und aus arabischen Ländern bekannt sind, errichtete David Cameron das saubere Internet, führte den War on Porn
. Die Strategie ist perfide: Welcher Politiker möchte in der öffentlichen Diskussion als Verteidiger pornographischer Inhalte auftreten? Selbst der edelste Verfechter einer freien Informationskultur streicht die Segel, wenn Blätter wie „The Sun“ dem Begriff „Pornographie“ dann das Wort „Kinder-“ voranstellen.
Cameron hat sein Zensursystem also durchgesetzt und die Filter installiert. Die Stimmen, die vor der Büchse der Pandora warnten, waren leise. Die Kritiker meinten nämlich: Sobald ein Zensursystem erst einmal eingerichtet und akzeptiert ist, ist seine schrittweise weitere Ausdehnung ein Kinderspiel. In wenigen Jahren schon könnten ganz andere Inhalte auf der schwarzen Liste stehen. Niemand hat auf diese Kritiker gehört.
Inzwischen hat die Dynamik der Entwicklung die schlimmsten Befürchtungen überholt: Mitte 2014, nur ein halbes Jahr nach Einführung des Filters, waren bereits 20% der 100.000 populärsten Internet-Angebote für die Briten gesperrt. Im November wurde der Zensurfilter von Seiten der Regierung offiziell auf terroristische und extremistische Inhalte
ausgedehnt. Nicht daß ein solcher Beschluß notwendig gewesen wäre: Eine transparente Liste der gesperrten Seiten existiert ohnehin nicht. Man erkennt nur im Einzelfall, daß ein bestimmter Link nicht funktioniert.
Mittlerweile werden auch die Kritiker der Internetfilter mundtot gemacht: Der renommierte deutsche Chaos Computer Club zum Beispiel, der regelmäßig Sicherheitsfragen thematisiert und seit der guten alten Btx-Zeit Schlagzeilen macht, ist seit einigen Tagen aus dem Vereinigten Königreich nicht erreichbar. Seine Blockade sorgt nun international für Aufsehen und wirft erneut ein schiefes Licht auf die Politik Camerons.
Es haben sich innherhalb nur eines Jahres alle Befürchtungen bewahrheitet, die Kritiker der Internetzensur von Anfang an geäußert haben: Das System wird zunächst unter einem Vorwand installiert, der große öffentliche Unterstützung verspricht. Kaum ist es als Instrument verfügbar, werden aber nach und nach weitere Themen in die Zensur aufgenommen. Das schlimmste daran ist, daß niemand genau weiß, was gerade von den Filtern geblockt wird. Eine öffentliche Kontrolle ist also nur mit hohem Aufwand möglich.
Dabei wird den Gegnern der Zensur in Großbritannien immer lächelnd erklärt, daß die Sache ja gar nicht so schlimm ist: Tatsächlich besteht ja de Möglichkeit, den Filter für den eigenen Anschluß deaktivieren zu lassen. Natürlich. Genau das wird der Durschnittsengländer tun: an seinen Internet-Provider schreiben und bekannt geben, daß er gerne Pornographie und extremistische Terror-Propaganda konsumieren möchte. Und selbst wenn, sein Datenverkehr wird ja trotzdem weiterhin über die gleiche Infrastruktur geleitet. Ein versehentliches Blockieren wirklich gefährlicher Inhalte dann und wann - z.B. vor einer Wahl, einer Abstimmung - wer kann das schon ausschließen …?
Die tatsächlichen Probleme löst man nicht, indem man Serverzugänge sperrt. Wer sich nur ein bißchen mit der Materie beschäftigt, hat allein bei Lesen dieses Artikels mindestens drei Ideen gehabt, wie ein solcher Inhaltsfilter leicht zu umgehen ist. Man löst Probleme, indem man die Konsumenten dieser Inhalte identifiziert. Aber das weiß auch David Cameron. Dem geht es ja auch gar nicht darum, problematische Pornographie zurückzudrängen oder die Terrorgefahr einzuschränken. Er will mit diesem Filter nur eines erreichen: Er will das Internet für die Briten ein Stück kleiner machen und die Information kontrollierbarer. Heute beschränkt sich die Definition von „extremistischen Inhalten“ vielleicht noch auf islamistischen Terror und deutsche Meinungsfreiheit. Morgen schon dehnt sie sich auf Kapitalismuskritik und Umweltschutzthemen aus. Am Ende steht dann ein geschlossenes Mini-Web, das von der Regierung kontrolliert wird. Ganz wie in China.
Damit genau das nicht passiert - nicht bei uns und auch nicht anderswo - ist es wichtig, gegen jede Form von Inhaltsblockaden im Web aufzutreten. Egal ob es um angebliche Copyrightverstöße, Pornographie, politischen Extremismus oder sonstige Themen geht, deren Verbot zunächst berechtigt erscheint. Wichtig ist, das Instrument der Zensur erst gar nicht zuzulassen.


