Jolla: Mein erstes selbstgebackenes Programm
Was macht Mann, wenn man ein Smartphone besitzt?
- Mann steigt per SSH ein und erledigt alles auf der Kommandozeile
- Mann schreibt Programme für das Ding
Auf der Kommandozeile arbeite ich längst, seit gestern hab ich auch den zweiten Punkt abgehakt. Ich bin stolzer Autor eines Programms für das Sailfish-Betriebssystem von Jolla!
Daß es so lange gedauert hat, lag an mangelnden Ideen. Ich wollt nicht schon wieder das Primzahlen-Programm bemühen, das ich vor Jahren für Symbian und das N900 geschrieben habe. Andererseits sollte es auch nicht gleich etwas Komplexes sein. Der rettende Einfall kam mir dann vor einigen Wochen beim Frühstück, als ich via Webcam nachgesehen habe, wie's denn wettertechnisch in Trassenheide aussieht. Zuerst hab ich alle vier Webcams durchgeklickt. Ja, es war sonnig - aber auch warm? Um das festzustellen, mußte ich den Browser verlassen und das Wetter-Programm aufruf-… Mooooment! Wie wärs, wenn man das alles auf einen Blick sieht? Alle vier Kamerabilder und die aktuellen Wetterdaten? Die Idee für das Programm war geboren.
Ein paar Wochen hab ich gebraucht, um mit mir selbst abzuklären, wie das Ding nun wirklich aussehen soll. Vor etwa einer Woche wars dann soweit: Ich hatte am Laptop von früher her noch den Qt-Creator (also die normale Version ohne die Jolla-Erweiterungen) installiert und hab mich mit ein paar Fingerübungen eingearbeitet. Wie funktioniert QML? Wie funktioniert das Zusammenspiel mit Javascript? Wie hole ich am besten Einzelteile aus einer Webseite, ohne daß das User Interface währenddessen einfriert?
Obwohl ich den Qt Creator als Entwicklungsumgebung noch gekannt habe (eben von den Primzahlen her), war QML mir neu - und meine letzte praktische Erfahrung mit Javascript ist 10 Jahre her. Da gabs also einiges zu lernen, allerdings sind die Dinge wirklich so simpel gestrickt, daß mir keine gröberen Probleme im Weg standen.
Während der Arbeitswoche war Pause, am vergangenen Wochenende wars dann soweit. Zuerst hab ich aus den einzelnen Fingerübungen ein halbwegs funktionsfähiges Programm in QML/Javascript gebaut, das noch ohne Jolla-Spezifika auskam. Danach (und das war überraschenderweise der einfachste Teil) hab ich die Jolla-Version des Qt-Creators runtergeladen, ein paar der für die Jolla-Oberfläche typischen Elemente hinzugefügt und - voilà! - es läuft, auch auf meinem Telefon.
Zusätzlich zu den vier Webcam-Bildern holt das Programm das Regenradar für die Region und Wetterdaten über die Yahoo!-API. Da ist also wirklich alles hübsch brav übersichtlich zusammengepackt.
Noch fehlen Kleinigkeiten: Ich muß noch ein Programmpaket erstellen, das man verteilen kann. (Derzeit kopiert der Qt-Creator die einzelnen Dateien aufs Telefon.) Ich möchte noch zwei, drei Funktionen hinzufügen. Dann aber, dann wärs endgültig fertig (sofern Software das jemals ist).
Und dann landets irgendwo in einem Ordner auf meiner Festplatte und wird nicht mehr angeschaut. Nicht nur, daß die Schnittmenge zwischen „Menschen mit Jolla Phone“ und „Menschen, die sich für das Wetter in Trassenheide interessieren“ eher klein sein dürfte … Der offiziellen Verteilung über den Jolla Store stehen auch rechtliche Gründe entgegen: Man darf ja heutzutag nichts mehr aus dem Netz fischen und verwenden. Die Bilder des Regenradars sind ausdrücklich geschützt, auch bei den Webcams müßte man nachfragen, ob man sie einfach so verwurschten darf. Ob sich der Aufwand dafür lohnt? :)


