Open Data: Ein Schritt vor, zwei zurück
Drei Jahre, von 2010 bis 2013, hat der Kampf um die Freigabe der Fahrplandaten der Wiener Linien als Open Data gedauert. Jetzt geht das gleiche Spiel von vorne los. Diesmal sind es die ÖBB und in weiterer Folge die gesamte Verkehrsauskunft Österreich, die ihre Informationen der offenbar gefährlichen Öffentlichkeit vorenthalten wollen.
Ins Rollen gekommen ist der Stein diesmal wegen der Einigung zwischen Google und den ÖBB. Der US-amerikanische Großkonzern darf seit Dezember 2013 auf die Daten der zu 100% staatlichen ÖBB zugreifen und sie für seine kommerziellen Interessen verwerten. Den grünen Bundesrat Marco Schreuder, der auch schon in Sachen Wiener Linien aktiv war, interessierte dabei, ob es sich dabei um einen Exklusivvertrag handelt. Außerdem wollte er wissen, ob die Daten der ÖBB, aber auch der gemeinsamen Verkehrsauskunft Österreich, nicht doch endlich als Open Data zur Verfügung gestellt werden - wie die Regierungsparteien es vor der Wahl eigentlich angekündigt hatten (siehe Anfragebeantwortung auf Wahlmonitor.at). Seine parlamentarische Anfrage vom Dezember an Verkehrsministerin Doris Bures wurde diese Woche beantwortet. Kurze Zusammenfassung: „Ich bin als Verkehrsministerin nicht für die ÖBB zuständig. Fahrplandaten werden nur zu Forschungszwecken zugänglich gemacht.“ (Im Volltext findet sich die Anfragebeantwortung hier.)
Daß es auch anders geht, zeigt ein Blick nach Deutschland. Dort hat sich die große Koalition im Regierungsübereinkommen auf Open Data als Ziel geeinigt:
Unser Ziel ist eine nachhaltige Mobilitätskultur und eine nutzerfreundliche Vernetzung der verschiedenen Verkehrsmittel. Dazu fördern wir verkehrsträgerübergreifende Datenplattformen auf Open-Data-Basis, die über Mobilitätsangebote, Staus, Verspätungen und Fahrplandaten informieren. Mit der Vernetzung von Verkehrsinformationen und Ticketsystemen können den Menschen innovative digitale Mobilitätsdienste zur Verfügung gestellt werden.
Den entsprechenden politischen Willen vorausgesetzt ließe sich das auch in Österreich umsetzen. Selbst Betriebe, die pro forma eigenständig oder mit privater Beteiligung geführt werden, wären schnell mit im Boot: Man müßte nur die öffentlichen Förderungen von der Zurverfügungstellung der Daten abhängig machen. Punkt. Wie das inhaltsfreie Geschwurbel der Anfragebeantwortung von Doris Bures zeigt, fehlt es sowohl am Problembewußtsein als auch am politischen Willen. Die Daten ausgerechnet an Google weiterzugeben war dabei ein bösartig-raffinierter Schachzug der Staatsbahn: 95% der Endkunden sind damit zufriedengestellt. Einen öffentlichen Druck aufzubauen, wie es im Fall der Wiener Linien gelungen ist, wird kaum noch möglich sein.
Was Open Data bewirkt und wie sehr sich der Kampf dafür gerade im Fall der Wiener Linien ausgezahlt hat, zeigt die Software Citysailor, die ich erst vor wenigen Tagen hier erwähnt habe. Citysailor nutzt genau diesen seit kurzer Zeit zugänglichen Datenbestand. Es wurde für ein Betriebssystem geschrieben, dessen weltweite Verbreitung sich im unteren fünfstelligen Bereich bewegt. Außerdem ist es nur für Benutzer in Wien interessant. Ein absolutes Minderheitenprogramm also. Hätte vor der Freigabe der Fahrplandaten irgendjemand bei den Wiener Linien Budget in die Hand genommen, um die vielleicht 50 potentiellen Nutzer mit dieser Funktion zu versorgen? Ganz sicher nicht. Jetzt aber ist es jedem Programmierer möglich, eine entsprechende Lösung ins Netz zu stellen. Keine Zusatzkosten für den Steuerzahler, großer Nutzen für die Öffentlichkeit. Warum dieser Weg nicht auch bei den ÖBB gegangen werden soll, ist mir unverständlich.
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Wir müssen alles anzünden!
OK, ich kann diesen Eintrag nicht schreiben, ohne vorher zu gestehen, was wir eigentlich geheim halten wollten: Wir schauen uns das „Herz von Österreich“ an. Seit der ersten Folge. Jeden Freitag zu den Nudeln.
Das tun wir nicht der Musik wegen, die trifft nur selten unseren Geschmack. Auch der Unterhaltungsfaktor ist im Vergleich zu anderen Casting-Shows mau: Puls 4 führt keine „leider nein“-Kandidaten am Nasenring durch die Arena. Wer uns einschalten macht ist unser Luki als Juror. Lukas Plöchl ist seit Jahren Teil unseres Lebens und hat mit seinem Schaffen Eingang in unsere Alltagssprache gefunden („Teeepf“, „Fruttn“ oder der ewige Klassiker „Guuugarutz/Zuckerguß“). So hängen wir nun auch bei „Herz von Österreich“ an seinen Lippen, wenn er jungen Künstlern Feedback gibt: Zweng is zweng und zvü is dann a wieda im Endeffekt zweng
. Ach, Luki …
Ja, so viel also wortreich zur Einleitung und irgendwie auch zur Rechtfertigung. Gestern hat uns Luki aber erstmals ein Stück Kultur beschert, das nicht aus seiner eigenen Feder stammt und dennoch sofort Teil unseres aktiven Wortschatzes geworden ist: Sepp hat gesagt wir müssen alles anzünden
ist die titelgebende Zeile aus dem genialen Song der Band PauT, die damit seit vier Jahren hausieren geht und daher fast schon so etwas wie ein One Hit Wonder ohne echten Hit geworden ist. Egal: Auf YouTube gibts das offizielle Video zu „Sepp hat gesagt wir müssen alles anzünden“, Amazon bietet den Song um 99 Cent zum Download an.
Luki war derjenige, der die fünf Niederösterreicher zu wählbaren Kandidaten in der nun eine Woche dauernden Publikumsabstimmung gemacht hat. Danke, Mr. Plöchl. (Details zum Abstimmungsmodus hier bei Puls 4.)
Sepp hat gesagt wir müssen jetzt Tee trinken.
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