Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Projekt Jolly Jumper: PC 6x so schnell

Samsung 840 EVO SSD Tja. Die Bastelei hat ein Ende und war sehr erfolgreich. Der PC braucht beim Hochfahren nur mehr ein Sechstel der ursprünglichen Zeit, Programme starten wie nix und das Compilieren neuer Pakete geht auch spürbar flotter voran.

Was hab ich angestellt? Irgendwann bin ich beim Aufräumen über die Schrauben, Anleitungen und Kabel gestoßen, die der Computerhändler meines Vertrauens 2007 beim Zusammenbauen des PCs übrig gelassen und mir in die Hand gedrückt hat. Ich wollt die Dinger schon wegschmeißen, wie mir ein Detail in der Beschreibung der Festplatten ins Auge gesprungen ist: Das Setzen eines Jumpers zwingt die Platte auf den langsameren SATA I Modus, was nützlich sein kann, wenn das Mainboard die Platte nicht erkennt. Hätt ichs nicht gelesen! Natürlich war der Jumper bei beiden Platten gesetzt, obwohl Platte und Mainboard SATA II verstehen. Nichts wie raus damit, wieder hochgefahren … kein spürbarer Unterschied. Die Platte war so langsam, daß es völlig egal war, in welchem SATA-Modus sie angesprochen wurde. Aber meine Aufmerksamkeit war geweckt. In all den Jahren seit 2007 habe ich kein einziges Mal irgendetwas unternommen, um die Performance zu optimieren. Das heißt grundsätzlich, daß ich nicht unglücklich bin mit der Geschwindigkeit meines Computers - nicht unglücklich genug jedenfalls, um mehrere hundert Euro in eine Neuanschaffung zu stecken. Nur beim Starten könnte er schneller sein … und beim Laden größerer Programme wie LibreOffice. Was also läßt sich tun?

Hier ist, was ich getan habe. Die einzelnen Maßnahmen waren nicht alle gleich wirkungsvoll, aber in Summe kann sich der Erfolg sehen lassen:

  • Jumper ziehen und beide Festplatten von SATA I auf SATA II umstellen. (Für / und /home, das auf einer eigenen Platte liegt bei mir.) Das hat zwar für sich nichts gebracht, aber von daher kommt der Name des Unterfangens: Jolly Jumper. ;)
  • Hauptspeicher von 3GB auf 4GB aufrüsten. Den vierten Speicherriegel hatte ich seit 2007 in der Schachtel liegen: Ein Fehler im Intel-BIOS war damals verantwortlich dafür, daß der Computer mit 4GB RAM unaushaltbar langsam wurde. Inzwischen ist längst ein neues BIOS drauf, ich war nur immer zu faul, die Kiste aufzuschrauben und den Speicher einzusetzen.
  • Umstellung des Init-Prozesses auf systemd. Systemd mag umstritten sein, ist aber ohnehin Voraussetzung für Gnome 3.8 und muß im Verhältnis zu den von mir früher verwendeten Shell-Scripts bei der Initialisierung Geschwindigkeitsvorteile bringen. (Tatsächlich spürbar waren sie kaum, die Festplatte hat nach wie vor alles ausgebremst.)
  • Wie von systemd empfohlen: Umstellung des Verzeichnisses /tmp für temporäre Dateien auf ein Dateisystem im Hauptspeicher. (Kann sich noch jemand an RAM-Disks in der DOS-Zeit erinnern?) Hier kommt mir jetzt der vierte Speicherriegel sehr gelegen.
  • Temporäre Dateien während der Compilierung in /tmp ablegen statt in /var/tmp/portage (das nämlich liegt immer noch auf der langsamen Platte).
  • Umstellung auf ein 64bit System. Der Kernel kann nun auch ohne die Performancebremse PAE die vollen 4GB RAM ansprechen (früher: 3,2GB). Außerdem werden manche Operationen insgesamt schneller, wenn man diversen Benchmarks im Netz vertrauen darf.
  • Die wichtigste Maßnahme: Einbau einer vom Christkind hinterlassenen SSD-Platte, die Betriebssystem und Anwendungsprogramme aufnimmt. (Die Daten unter /home bleiben unverändert auf der alten Festplatte und werden wieder gemountet, wo sie hingehören.) Da gings zunächst ein bißchen ans Lernen. (Wie partitioniert man eine SSD optimal? Warum sollte man so etwas wie die Erase Block Size kennen und was hat es mit dem TRIM-Kommando auf sich?) Ausgezahlt hat sich der Umbau allemal: Alle zuvor genannten Maßnahmen können erst greifen, seit der große Bremsklotz - die mechanische Festplatte - aus dem Weg geräumt ist.

Hat es früher ziemlich genau eine Minute gedauert, bis die nötigen Services beim Hochfahren von der Festplatte gekratzt waren, ist der PC jetzt in weniger als 10 Sekunden bereit. Vom Programmstart und der Dauer der Compilierung gar nicht erst zu reden.

Ich freu mich! :)