Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Google-Account gelöscht

So. Aus und vorbei. Es wird mir jetzt einfach zuviel. Ich hab meinen Google-Account gelöscht. Sollen die doch schauen, wie sie ohne mich zurecht kommen.

Diese Entscheidung betrifft alle, die per Chat mit mir in Kontakt bleiben möchten. Zwar verwende ich den alten Instant Messaging Account oskar.welzl@gmail.com ohnehin schon seit Monaten nicht mehr. Der eine oder andere hat ihn aber vielleicht noch eingespeichert. Das hat sich nun erledigt. Derzeit bin ich in allen XMPP-kompatiblen Netzen unter ossi1967@gmx.at und ossi1967@jabber.ccc.de erreichbar.

Warum hatte ich das Google-Konto überhaupt angelegt? Ausschließlich wegen Google Talk. Dieser damals brandneue VoIP und Chat-Dienst wurde 2006 als erste „eingebaute“ Sprachtelefonie-Lösung aufs Nokia 770 Internet Tablet gebracht. Google Talk paßte hervorragend zur Philosopie des Gerätes: Es basierte zu 100% auf offenen Standards. Ein Chat vom Google Talk Konto aus war mit jedem anderen Gesprächspartner möglich, dessen Anbieter ebenfalls das genormte XMPP-Protokoll verwendete. Sprachtelefonie funktionierte ebenfalls genormt über XMPP/Jingle. Genau das Richtige für mich also. (Übrigens blieb die enge Verbindung zwischen Google Talk und Maemo-Geräten bis zuletzt erhalten: Auch für das N9 gab es noch eine auf Google Talk basierende Videotelefonie-Lösung.)

Im Lauf der Jahre sammelte Google immer mehr Services unter dem Account, den ich nur zum Chatten und Telefonieren verwenden wollte. Zunächst wurde YouTube von Google aufgekauft und mein dort bestehendes Konto auf den Google-Account zwangsmigriert. Dann plötzlich beschwerten sich Freunde, weil ich deren Mails an meine angeblich existierende Google-Mail-Adresse unbeantwortet ließ. Ich habe nie eine solche Adresse bekannt gegeben. Wie kommt jemand dazu, mir eine Mail dorthin zu schicken? Ganz einfach: Allen Benutzern eines Android-Handys, die meinen Chat-Account eingetragen hatten, wurde von Google automatisch eine @gmail.com Mail-Adresse für mich hinterlegt. Blöd nur, daß ich diese Adresse nie verwendet und abgefragt habe.

Der neueste Streich: Google nötigt mich immer aufdringlicher, ein öffentliches Google+ Profil zu erstellen. Egal wo ich mich einlogge, die bildschirmfüllende Aufforderung verfolgt mich überall. Als Strafe dafür, daß ich ihr nicht nachkomme, wurde bereits der Zugriff auf mein YouTube-Konto beschnitten.

Ich mag diese Entwicklung nicht. Es ist mir schon klar, daß ich mich wo anmelden muß, um einen Dienst im Internet zu nutzen. Mir ist aber nicht wohl dabei, wenn immer mehr Services unter einem einzigen Account bei einem einzigen Anbieter zusammengefaßt werden. Meine Chats haben nichts mit meinen Kommentaren zu YouTube-Videos zu tun. Meine Mails stehen in keinem Bezug zu meinen VoIP-Telefonaten. Und mit irgendwelchen komischen sozialen Netzwerken möchte ich erst recht nicht zwangsbeglückt werden, nur weil ich 2006 einen Chat-Account angelegt habe.

Die Krönung ist aber nicht das, was Google alles dazugezaubert hat. Die Krönung ist, was weggefallen ist: das Google Talk Konto nämlich. Zwar gibt es die Funktionalität in etwa noch. Allerdings heißt das Zeug seit heuer „Hangout“ und ist eine proprietäre Lösung, die nur mehr von Google-Kunden zu Google-Kunden funktioniert. Die Verbindungen zu anderen Chat-Servern wurden gekappt. Da könnt ich gleich Skype verwenden.

Also heißt es heute: Bye, bye, Google. Bei diesem Spiel mache ich nicht mehr mit, lieber verzichte ich auf die Personalisierung der Google-Dienste. Keine Abonnements mehr auf YouTube, kein Video-Chat mehr mit Android-Usern.

Gespannt bin ich darauf, wie sich das Löschen meines Accounts auf die Besucheranzahl hier am Blog auswirkt. Es gibt Gerüchte, wonach Webseiten mit Google-Werbung bei den Suchergebnissen bevorzugt werden und daher mehr Besucher abbekommen. Wir werden sehen.