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Wieder einmal: Vermögensverteilung

Hach! Hab ich wieder was verpaßt! Während meines Urlaubs ist in Österreich offenbar ganz kurz das Thema Vermögensverteilung hochgekocht (siehe Profil-Artikel - unbedingt lesen!). Das Thema ist zu wichtig, als daß man es im Sommerloch versinken lassen dürfte. Drum wärm ichs hier nochmal ein bißchen auf:

Knapp 40% des Vermögens in Österreich konzentrieren sich auf das reichste Hundertstel der Bevölkerung. Diese oberste Speckschicht besitzt sage und schreibe 12,5 Millionen Euro pro Haushalt. Der Schuldenberg des österreichischen Staates ist im Vergleich dazu ein Schotterhügel, der allein mit der Besteuerung des Vermögens dieses reichsten Prozents der Gesamtbevölkerung abgetragen werden könnte.

Selbst wenn man nicht das reichste Hundertstel, sondern das reichste Zehntel betrachtet, sieht die Sache geradezu unpackbar aus: € 2,3 Millionen pro Haushalt sind es da immer noch. Dafür gehts dann rasch bergab: Alle anderen Österreicher besitzen im Schnitt nur rund € 115.000,- pro Haushalt. (Und wer sich jetzt wundert, daß er das Geld bei sich zuhause nicht findet: Da sind natürlich Auto, Versicherungsansprüche, Schmuck und die neueste Kamera mit eingerechnet.)

Warum ist diese Information so wichtig? Warum muß unbedingt darüber geredet werden, gerade in Vorwahlzeiten?

Unser Wirtschaftssystem ist ein System der Umverteilung. Solange die Politik nicht eingreift, verteilt es ständig um: von unten nach oben nämlich. Die Reichen werden immer reicher, der Mittelstand rutscht in die Armut ab, der Reichtum konzentriert sich auf immer weniger Personen.

Das ist ein ganz allgemeines Phänomen und nicht auf Österreich beschränkt. Was in Österreich dazukommt: Wir haben im internationalen Vergleich eine ausgesprochen hohe Belastung des unselbständigen Erwerbseinkommens und praktisch keine ernsthafte Vermögensbesteuerung. Das dramatisiert den beschriebenen Effekt noch. Der großen Masse der Arbeitnehmer wird noch schneller das Geld aus der Tasche gezogen und den bereits wohlhabenden Milliardären aufs Konto geschaufelt.

(Nachtrag zur Situation in Österreich: Wir sind Spitzenreiter unter den Euro-Staaten, was die Ungleichverteilung des Vermögens betrifft. Nur Deutschland ist hier noch extremer als wir.)

Beispiel: Ein durchschnittlicher Arbeitnehmer verdient etwa € 25.000,- pro Jahr - brutto! Davon werden gleich einmal ca. € 6.500,- an Steuern und Abgaben abgezogen, was zumindest zum Teil eine Umverteilung nach oben ist: Von der aus dem öffentlichen Haushalt geschaffenen Infrastruktur profitieren ja durchaus auch die Superreichen, die ihr Geld sicherheitshalber steuerschonend anderswo geparkt haben. Vom Rest fallen nochmal durchschnittliche € 1.000,- an Lebenshaltungskosten pro Monat an. Auch das ist Umverteilung nach oben, das Geld geht an den (typischerweise vermögenderen) Vermieter und an Handelsunternehmer bzw. Aktionäre. Die restlichen paar hundert Euro (wenn ich richtig gerechnet habe, sind es ziemlich genau € 500) kann sich der sparsame Durchschnittsverdiener dann auf ein Sparbuch legen und vom Haus im Grünen träumen … oder er geht um das Geld ins Kino, fährt auf Urlaub oder kauft sich einen neuen Fernseher. Dann ist auch dieser Betrag in der Umverteilungsmaschine.

Heißt unterm Strich: Der Durchschnittsverdiener finanziert das System. Er zahlt die Wasserleitungen, das Bildungssystem, die öffentliche Sicherheit, die Sozialversicherungen, die Straßen, das Gesundheitswesen … und er liefert sein Geld nach oben ab, in dem er von Vermögenderen Waren und Dienstleistungen zukauft. Am Monatsende bleibt mit viel Glück nichts. (Mit etwas Pech gibts ein Minus am Konto, das dann erst recht mit Zinsen erkauft werden muß.)

Auch die Vermögenden zahlen Steuern. Auch sie bezahlen für Waren und Dienstleistungen. Aber sie tun dies nicht im gleichen Ausmaß wie der Arbeitnehmer, der praktisch 100% seines Einkommens sofort wieder ausgeben muß.

Die Zahlen zeigen: Die Vermögen werden nicht kleiner, sie wachsen seit Jahrzehnten. Die wenigen Superreichen beteiligen sich in keiner Weise am Gemeinwohl, sondern lassen andere für sich arbeiten. Wenn diese Superreichen, diese 1% der Gesellschaft, über fast 40% des Reichtums in diesem Land verfügen - dann sollten sie zu 40% in die Pflicht genommen werden, wenns ums Bezahlen der Rechnungen für die Infrastruktur geht, die ihnen den Aufbau ihres Vermögens erst ermöglicht hat. Die Tendenz geht in die andere Richtung.

Ich habs schon einmal geschrieben: Daß das Thema erstmals seit Jahrzehnten hin und wieder in den Schlagzeilen zu finden ist, geht auf eine Initiative der EU zurück. Österreich mußte mit diesen statistischen Erhebungen beginnen und sie veröffentlichen. Politisches Interesse dazu gab es nie und wird es auch so schnell nicht geben. Erst wenn die 90% der Menschen hier, die nicht auf Milliardenvermögen sitzen, die Situation begreifen und verstehen, daß sie nicht zum sogenannten „Mittelstand“ gehören (weil der längst ausgetrocknet ist), kann sich etwas ändern. Das wird ein langer und steiniger Weg und ein Wettlauf gegen die Revolution, die dann eben wieder ein paar Milliardäre an die Wand stellt. Man kann sich aber schon jetzt auf diesen Weg vorbereiten und sich z.B. über die Steuervorstellungen der Parteien informieren, bevor man zur Wahl geht.


Jolla T-Shirt: Where is the „Other Half”?

Jolla T-Shirt: I Am The First One Post aus Finnland, Post aus Finnland! Früher war ich ja der Nerd und Hardware-Guy und hab gut eingepackte Testgeräte von Nokia bekommen. Jetzt sind Design und Fashion mein Ding: Jolla schickt mir ein schickes T-Shirt, das ich natürlich sofort anprobieren muß! „I Am The First One“ steht vorn drauf, hinten am Gnack ein dezenter Jolla-Schriftzug. (Ein professionelles Foto gibts hier zu sehen.)

Nachdem ich also die Foto-Session beendet hab, kommt das gute Stück wieder in den Schrank und wird nie mehr getragen. Offiziell könnt ich ja sagen, daß es ich es so in Ehren halte und vor Abnützung bewahre. Die Wahrheit ist banaler: Größer als XL gabs das Ding nicht bei der Vorbestellung, und es war schon verdammt anstrengend, beim Fotografieren den Bauch so stark einzuziehen und trotzdem noch freundlich zu schauen. Jolla! Wo ist die „other half“ von dem T-Shirt?! Machtsas größer! :)

Macht ja nix. ich habs, ich hab ein Foto von mir mit dem Ding … und ich finds nett, daß mir wieder mal jemand aus Finnland ein Brieferl schickt. *gg*