Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

PRISM-Abhörskandal: Wurde Facebook extra dafür gemacht?

Die zivilisierte Welt ärgert sich über den PRISM-Skandal. US-Geheimdienste hören weltweit die Aktivitäten von Internet-Usern auf Facebook, Google und Skype mit. (Grundsätzlich wußte man das schon vorher, das Ausmaß ist neu.)

Irgendwann muß ich mir die Zeit nehmen, noch mal ein paar grundsätzliche Gedanken zu PRISM zu formulieren. (Denn: Daß PRISM funktioniert, ist nicht die Schuld der Geheimdienste. Es ist die Schuld der Facebook- und Skype-User.) Heute treibt mich eine andere, konkretere Frage um: Haben sich die Geheimdienste auf Facebook und Google gestürzt, weil diese Services als praktische Datenquelle nun mal vor der Haustüre lagen? Oder wars umgekehrt: Wurden Facebook, Google und Co. überhaupt erst hochgezogen, damit dann anschließend die flächendeckende Überwachung der Welt vereinfacht wird?

Es spricht einiges dafür, daß zumindest einige der nun überwachten Internet-Firmen nicht ganz ohne Beteiligung der US-Geheimdienste ihren heutigen Status erreicht haben. Eine zentrale Rolle dabei spielt die Firma In-Q-Tel, die ganz offiziell im Auftrag des CIA und anderer US-Geheimdienste Risikokapital an interessante Technologiefirmen vergibt. Ob das ganz ohne Auflagen passiert, kann man sich ausmalen.

Sicher ist z.B., daß Google Earth ursprünglich mit Geld von In-Q-Tel finanziert wurde. Ebenfalls sicher ist, daß eine dicke Finanzspritze an Facebook über das Unternehmen eines In-Q-Tel Vorstandsmitglieds abgewickelt wurde. Das Unternehmen heißt Greylock und hat sein Büro zufälligerweise direkt neben In-Q-Tel. (Siehe die Artikel With friends like these … und In-Q-Tel: Wie Geheimdiensttechnologien der CIA in den Hightech-Markt einsickern)

Das sind zwei Investitionen, die ich direkt nachvollziehen kann. Daß In-Q-Tel überall so auffällig und transparent gehandelt hat, bezweifle ich. Grundsätzlich halte ich es aber für möglich und wahrscheinlich, daß die US-Politik ganz gezielt daran gearbeitet hat, Vielfalt im Netz zu reduzieren und die Massenkommunikation auf einige ganz wenige Serviceprovider zu bündeln. Ziel: Einige wenige große Player innerhalb der USA lassen sich leichter überwachen als viele kleine, die über die ganze Welt verteilt sind.

Wenns so war, ist der Plan aufgegangen …