Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Das Jolla-Phone

Jolla TelefonWährend ich in Bad Ischl freiwillig ins Dampfbad gestiegen bin, ist Marc Dillon in Helsinki aus ganz anderen Gründen der Schweiß aus allen Poren geronnen:

Er hat am 20.5. im dafür denkbar ungeeigneten Klaus K. das lange erwartete Jolla Phone vorgestellt und die Bedeutung des Slogans „The Other Half“ erklärt. Was der „greatest moment of his life“ werden hätte sollen, endete in einer Serie technischer Pannen mit der Video- und Tonanlage des Hotels. Völlig fertig und glänzend vor Schweiß hat Marc die Sache aber dann doch locker und humorig überstanden. Er lud die anwesenden Blogger und Journalisten am Ende sogar ein, mit ihm einzeln aufs Zimmer im ersten Stock zu gehen: Share the love with Marc! [Lautes Kreischen im Publikum] Yeah … It’s gonna be a long line … Irgendwie find ich ihn nett. :)

Das Video der Präsentation gibts hier zu sehen. Ein schöneres Video mit der Demonstration des fertigen Geräts ist hier.

Was wissen wir nun wirklich vom Gerät? Immer noch nicht alles. Zunächst: Eine Vorausbestellung aus Österreich ist nicht möglich. Dabei wäre der Preis von € 400,- durchaus attraktiv.

Zweitens: Die Hardwareausstattung umschifft viele der lästigen Zeitgeist-Krankheiten, die andere Hersteller als Zugeständnis ans iPhone- und Emporia-Publikum eingeschleppt haben. Es gibt einen wechselbaren Akku, einen SD-Slot und einen USB-Stecker! Vom Rest weiß man:

  • 4,5" Bildschirm
  • LTE (Frequenzen unbekannt)
  • Dual Core Prozessor (Modell offen)
  • 8MP Kamera mit Autofokus
  • 3,5mm Kopfhöreranschluß
  • The Other Half

Bleibt das große Geheimnis der „Other Half“. Das war dann doch nicht ganz so trivial, wie ich befürchtet hatte (Software und Hardware als zwei sich ergänzende Hälften). Jolla erfindet das Nokia-Wechselcover neu und stattet es mit eigenständiger Elektronik aus, sodaß es mit dem Hauptgerät kommunizieren kann. Im allereinfachsten Fall veranlaßt das Aufstecken eines blauen Covers das Gerät dazu, die Hintergrundfarbe und das Design auf passende Blautöne umzustellen. Komplexer und interessanter wäre die Möglichkeit, zur Party am Abend ein Wechselcover mit extra starkem Blitz mitznehmen. Ziemlich sicher erwartet die Fachpresse mittlerweile auch ein Wechselcover mit aufschiebbarer Tastatur.

Wie Gerät und Cover wirklich miteinander kommunizieren, was sich dann also technisch realisieren läßt, ist noch nicht bekannt. Trotzdem - oder gerade deswegen - kursieren in den einschlägigen Foren gerade die wildesten Ideen:

  • extra Lautsprecher für satten Sound
  • Fotodrucker (für die Handy-Kamera als Polaroid-Ersatz)
  • optisches Linsensystem für die Kamera
  • das Auto als „other half“ - also eine Halterung, in die nur das Hauptgerät eingelassen wird
  • Solar-Ladefläche
  • ein Hub mit Steckern für Maus, Tastatur, Monitor, LAN-Kabel, Beamer, …
  • UKW-Sender
  • programmierbare Infrarot-Fernbedienung
  • Mini-Projektor
  • Fingerabruck-Scanner

Wenn Jolla die Idee gut ausspielt, haben sie damit drei Fliegen auf einen Schlag erledigt: Erstens kompensieren sie zu einem gewissen Grad den Nachteil, der ihnen durch die bei der herrschenden Marktsituation wahrscheinlich vergleichsweise niedrigen Absatzzahlen erwächst. Für interessante Zusatz-Cover würde ich schon extre Kohle springen lassen und somit mehrfach für ein Handy zahlen. Zweitens haben sie mit diesem Hardware-Gimmick den entscheidenden Unterschied zu anderen Herstellern, die ja ohne viele Einschränkungen auf das freie Sailfish-Betriebssystem Zugreifen könnten. Drittens können sie verschiedenste Sonderwünsche erfüllen, ohne wirklich mehrere Modelle produzieren zu müssen. (Allein die Sache mit der Hardware-Tastatur ist mittlerweile ja zur Glaubensfrage geworden. Mit dem Stecksystem geht beides in einem Gerät.)

Ich bin sehr gespannt auf die Details, die noch kommen müssen. Bisher war nichts dabei, was mich enttäuscht hat. Und die Sache mit der „Other Half“ kann nur spannend werden.