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Handy-Signatur: Praxiserfahrung

Um die online-Petition „Wiener Linien & Open Data” unterschreiben zu können (Artikel dazu gibts hier), hab ich mir die Bürgerkarte in Form der Handy-Signatur besorgt. Sie gilt als qualifiziertes Zertifikat im Sinne des Signaturgesetzes und soll mir auch andere Behördenwege ersparen helfen: Pensionsantrag, Diebstahlsanzeige, Meldebestätigung, Rechtsmittel im Verwaltungsverfahren, Staatsbürgerschaftsnachweis, Wahlkarten, … Das alles und noch mehr soll ich online erledigen können, ohne Zusatz-Software, ohne Chipkarte, nur mit dem Handy und dem PC.

Wie funktionierts nun in der Praxis?

The Good

Ich wollte die Petition online unterschreiben. Ich konnte die Petition online unterschreiben. Die praktische Anwendung ist simpel: Telefonnummer und Passwort eingeben, auf TAN warten (kommt per SMS), TAN eingeben, fertig.

Der Anmeldevorgang zur Handy-Signatur führt zwar über insgesamt drei völlig unterschiedlich gehaltene Websites, was ernsthafte Zweifel an der Seriosität des Angebots aufkommen läßt. (a-trust verweist auf Handy-Signatur.at, von dort gehts weiter zu Sendstation.at.) Ist man dann aber erst mal bei Sendstation angekommen, verläuft der erste Teil der Registrierung schmerzlos. (Wer die Voraussetzungen für diese Anmeldung per Online-Banking nicht erfüllt, findet auf Handy-Signatur.at genügend Alternativen.) Leider ist das aber nur der erste Teil …

Ach ja, auch noch „good“: Die Handy-Signatur ist gratis.

The Bad

Auch bei der von mir gewählten Online-Anmeldung ist die Handy-Signatur nicht sofort startklar. Als letzter Schritt im Prozess wird nämlich eine PIN per Briefpost an die Meldeadresse geschickt. Wahrscheinlich soll damit sichergestellt werden, daß die Adresse wirklich stimmt. Das ist einerseits frustrierend (wer online registriert, will online bedient werden), funktioniert außerdem aber auch nicht. Ich habe am 25.3. den online-Teil der Registrierung abgeschlossen. Der Brief sollte „innerhalb von 2-3 Werktagen“ bei mir ankommen. Heute, am 3.4., hatte ich ihn im Postkasten: das sind sechs Werktage, mehr als eine Woche. Ausgedruckt wurde er am 28.3., Poststempel trägt er sicherheitshalber gleich keinen. Man sollte also, wenn man die Handy-Signatur beantragt, besser nichts Dringendes damit erledigen wollen.

Bei der Gelegenheit konnte ich übrigens auch gleich den Telefonsupport kennenlernen. Ich hab dort nämlich angerufen, weil ich wissen wollte, ob irgendetwas nachvollziehbar „hängt“ im System. Die Hotline „weiß grundsätzlich nichts“ (das war der erste Satz nach der Schilderung meines Problems), verläßt sich auf hilfreiche Anregungen durch den Neukunden („Könnten Sie vielleicht dies oder jenes nachsehen?“ - „Ah ja, das geht schon.“) und gibt im Brustton der Überzeugung zwei völlig widersprüchliche Informationen zum Status meiner Anmeldung. Daß es sich dabei um eine kostenpflichtige 0900er-Nummer handelt, macht die Sache nicht besser, ist aber eine lustige Zusatzinfo, wenns um meinen Lieblingssatz in diesem Gespräch geht: „Könnten Sie bitte langsamer sprechen?“

The Ugly

Nachdem ich die Petition erfolgreich unterzeichnet hatte, wollte ich noch weitere Standardanwendungen ausprobieren: Den kostenlosen „e-Tresor“ (2GB Cloud-Speicher), das Signieren von PDFs sowie das Überprüfen einer Signatur. Das Login in den e-Tresor schlug fehl, die Anwendung zur Signaturüberprüfung erklärte mir, daß das soeben erst am gleichen Server von mir selbst signierte PDF eine ungültige Signatur mit 0 Bytes aufwies. Das schafft kein Vertrauen in die Infrastruktur. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese mobile Bürgerkarte jetzt verwenden will, um mir meine Behördenschreiben (RSa und RSb) elektronisch zustellen zu lassen. Von einer eGovernment-Lösung hätte ich grundsätzlich erwartet, daß sie funktioniert.