Benny Andersson und Björn Ulvaeus: Hjälp sökes
Der Bogen von ABBA über Chess bis hin zu Kristina från Duvemåla ist ja schon ziemlich weit gespannt. Am 8. Februar hatte in Stockholm ein - ein - ein Ding Premiere, das der Kreativität des Duos Andersson/Ulvaeus noch einmal eine Facette hinzufügt:
„Hjälp sökes“ („Hilfe gesucht“) ist eine offenbar sehr schräge Mischung aus Theater, Musik und Zirkustieren. Zwei Brüder erben den Bauernhof ihrer Eltern. Sie sind damit genauso überfordert wie mit allem anderen in ihrem Leben und suchen per Zeitungsannonce nach einer Hilfe. Es melden sich eine Mutter, ihre Tochter Hillevi und die Ziege Kalleman. Ihre Mutter, so Hillevi, sei zwar nicht taub, hätte sich aber entschlossen, nicht zuzuhören. Und Kalleman sei der Boss.
Obwohl die Mutter nicht hören will und auch sonst recht ruhig ist: Sie kann hervorragend mit Tieren kommunizieren. Genau das aber beunruhigt die beiden Brüder. Die Tiere arbeiten nämlich nicht unter dem Kommando der Frau - sie tanzen! Und auch sonst mischen Mutter und Tochter einiges auf am Hof. Wenn sie ihn am Ende des Stücks wieder verlassen, ist alles anders als es war.
„Hjälp sökes“ ist ein großteils gesprochenes Stück mit nur 8 eingestreuten Songs. Ob es mehr Musical, Theater oder sonstwas ist, wissen auch die Beteiligten nicht so genau. Es scheint aber auch egal zu sein, die schwedischen Kritiker finden trotzdem begeisterte Formulierungen:
Aftonbladet: „Hjälp sökes“ ist die verrückteste Show, die man zur Zeit in einem schwedischen Theater sehen kann. Und es ist absolut wunderbar. […] Benny Andersson vermischt schwedische Melancholie, Pop, Cabaret-, Zigeuner- und Zirkusmusik zu wundervollen Melodien. Fast noch beeindruckender sind Björn Ulvaeus’ Texte: So reich, so frei von Klischees, so humorvoll, manchmal am höchsten Monty Python Niveau.
Expressen: „Hjälp sökes“ ist ein kleines Musical mit einem großen Geheimnis. Es legt eine fast göttliche Abgeklärtheit an den Tag. Man verläßt die Jubiläumsvorstellung des Orion-Theaters mit einem leichten und warmen Gefühl im Herzen.
Upsala Nya Tidning: „Hjälp sökes“ ist eine Hochschaubahn der Gefühle, strahlend in seinem Zauber, wunderschön und lustig.
Kulturnytt: Benny Anderssons Musik geht so ins Ohr, man kann die Melodien im Schlaf summen, nachdem man sie nur einmal gehört hat. Auf eine geniale Art einfach, aber immer mit dem gewissen Extra, einer zusätzlichen Dimension.
Nummer Theatre Magazine: Die Ziege Kalleman ist ein Schauspieltalent. Wenn Sofia Pekkari den Showstopper „Bortom sol och måne“ singt, hört sie so andachtsvoll zu wie jeder andere im Premierenpublikum.
Ich bin gespannt, ob das ungewöhnliche Stück auch einmal bei uns zu sehen sein wird. Anders als die klassischen großen Musicals benötigt es ja kein großes Orchester, keinen großen Chor, dafür nur wenige Schauspieler/Sänger für die Hauptrollen. Das spricht für eine einfache und zumindest technisch billige Produktion. (Mit der Abgeltung der Rechte schauts dann finanziell wahrscheinlich schon anders aus. *gg*) Auf der anderen Seite sind da die vielen dressierten Tiere, die nicht jedes Vorstadttheater in der Requisite stehen hat. Das könnte Folgeproduktionen außerhalb Schwedens verkomplizieren. Mal sehen. Extra nach Stockholm zu fahren macht wohl wenig Sinn wegen eines Stücks, das so textlastig ist.
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Vivaldi-Tablet mit eigener Hardware
I've been sitting on that news for two months now - just painful …grinst Aaron Seigo aus dem YouTube-Video, in dem er unter anderem über die Fortschritte beim Vivaldi-Tablet spricht.
Schon seit letztem Jahr ist ja bekannt, daß der ursprüngliche Plan nicht aufgegangen ist. Man wollte sich bei einem chinesischen OEM-Hersteller von Android-Tablets quasi „anhängen“ und ein (theoretisch) GNU/Linux-taugliches Gerät unter eigener Marke und mit Mer/"Plasma Active als Betriebssystem auf den Markt bringen. (Mein erster Bericht dazu ist hier zu finden; damals sollte das Gerät noch Spark heißen.) Der Teufel lag im Detail: Weder die chinesischen Hersteller noch Google als Android-Mutter scheren sich einen Dreck um die Lizenzbedingungen der GPL, denen der Linux-Kern des Systems eigentlich unterliegt. Egal welche Hardware das Vivaldi-Team ins Auge gefaß hat: Überall waren, trotz gegenteiliger Zusagen, proprietäre Komponenten notwendig.
Schlimmer noch: Aaron erzählt, daß die Unternehmen keinen erkennbaren Plan bei ihrer Produktentwicklung hatten. Es wurde offenbar so lange mit Chip A produziert, solange der auf Lager lag … und in die nächste Version ein inkompatibler Chip B eingebaut, ohne daß das irgendwann angekündigt worden wäre. Unter diesen Bedingungen stand das Projekt Vivaldi kurz vor dem Scheitern. Selbst wenn man irgendwann ein Tablet mit funktionierender Hardware ausliefern hätte können, wäre es unmöglich gewesen zu garantieren, ob die in der darauffolgenden Woche produzierten Geräte überhaupt noch booten würden.
Die überraschende Lösung: Eine eigene, speziell für Vivaldi gestrickte Hardware. Das Vivaldi-Team kauft nicht mehr Tablets, die ohnehin für andere auch produziert worden wären, sondern gibt eigenes Hardwaredesign in Auftrag. Ganz so schwer ist das gar nicht, erklärt Aaron, obwohl er offenbar selbst noch nicht ganz glauben kann, was er da tut: Im Grunde sind auch Tablet-Komponenten mittlerweile fast schon so standardisiert wie PC-Bestandteile. So wie ich meinen PC im online-Shop aus Standardkomponenten zusammenklicke, machen Aaron und seine Kumpels das jetzt mit dem Tablet. (OK, ein bißchen mehr externes Fachwissen haben sie wohl doch gebraucht … aber es war machbar.) Alles ist unter Kontrolle. Es gibt nur mehr Chips, für die auch Treiber verfügbar sind. Man weiß heute schon, wie das nächste Modell aussieht. Keine Überraschungen. Klingt gut. In ca. drei Monaten solls (wieder einmal *gg*) so weit sein, daß die ersten Geräte vom Band rollen.
Interessant finde ich das deswegen, weil es eine neue Qualität in diesem Markt bedeutet. Es gibt seit Jahren Bemühungen, vorhandene freie Betriebssysteme ohne Tricks und proprietäre Treiber auf Tablets zum Laufen zu bringen und somit das Tablet zum normalen PC zu machen. Bisher hatte niemand damit Erfolg, weil die Tablet-Hardware nicht offen genug war. (Zuletzt grandios gescheitert mit dieser Idee ist das Cordia Tab, das den von Nokia fürs N900 entwickelten Hildon Desktop auf einen 7"-Bildschirm bringen wollte.) Wenn es jetzt gelingt, ein Tablet aus Standardbausteinen zusammenzusetzen wie ein Ikea-Regalsystem, dann bedeutet das einen Durchbruch nicht nur für das Vivaldi-Projekt.
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