Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

A Wienerwald müssat wieder amal kommen

Wahrscheinlich sollt man sowas ja nicht erzählen in der Öffentlichkeit, weils nicht politisch korrekt ist heutzutage und mein p.t. Publikum gleich entsetzt zum Riechsalz greifen wird, aber:

Wenn ich als kleines süßes Kindchen etwas nicht essen wollte, weils mir nicht geschmeckt hat, hat meine Großmutter immer gesagt: A Krieg müssat wieder amal kommen für euch, wirklich wahr! (Womit sie rein erziehungstechnisch gesehen natürlich gar nix erreicht hat. Einem 7jährigen war in den frühen 1970ern nicht unbedingt klar, auf welche Mangelsituation sie sich da bezogen hat.) Anyway: Weil mir ziemlich oft mal was nicht geschmeckt hat, ist dieser Stehsatz tief in meine Gehirnwindungen eingegraben. Und heut hab ich ihn wieder ausgegraben.

Heute ist Sonntag, Sonntag ist Schwabltag. Wir stapfen munter und unerschrocken durch Wind und Kälte der gastlichen Stube entgegen, wie uns auf halbem Weg der dortige Kellner entgegen kommt. Ganz undienstlich gekleidet war er, telefonierend statt servierend. Er sieht uns, unterbricht sein Gespräch und erklärt fast entschuldigend: Wir haben heute aber schon zu! Semesterferien! Bis 14.2., tut mir leid.

So ein Mist aber auch. (Wobei’s schon auch nett ist, daß man gleich so auf der Straße - quasi auch privat - über die aktuellen Öffnungszeiten informiert wird …) Naja, was solls, Krieg ist grad nicht und der Mensch muß was essen. Gleich gegenüber vom Schwabl gibts einen Wienerwald, also haben wir nicht lang überlegt und sind dort eingefallen.

Was soll ich sagen? Es war nicht schlecht. Man weiß dann aber auch wieder, was man an good old Schwabl hat. Fast nimmt man ja Liwanzen, Waldviertler Mohnknödel, Kalbsbutterschnitzel mit Erdäpfelpüree oder das unverschämt saftig-weiche Brathenderl als Selbstverständlich hin. Sind sie nicht. Sind sie gar nicht. Aber da muß halt wieder einmal ein Wienerwald kommen für uns, damit es uns bewußt wird. :)


Nokias Erben II

Shuttleworth: Zu wenig Unterstützung? Vor etwa einem Monat habe ich versucht, die Betriebssysteme Sailfish (Jolla), Ubuntu for Phones (Canonical), Tizen (Samsung, Intel u.a.) und Firefox OS (Mozilla) nach meinen Kriterien zu vergleichen.

Tomi Ahonen macht jetzt das gleiche, allerdings aus einer anderen Perspektive. Er kümmert sich weniger um die inneren Werte der vier Systeme (und einiger anderer wie Windows Phone und Blackberry), sondern analysiert ihre Marktchancen. Weil sein Artikel wie üblich viel zu langatmig ist, hier eine kurze Zusammenfassung:

  • Tizen: Eine sichere Bank. Tizen hat als einziges System mehr als nur unverbindliche Unterstützungszusagen von Carriern und Hardware-Lieferanten. Industriegiganten wie NTT DoCoMo, Orange, Sprint, Vodafone, Samsung, Huawei, Intel und Panasonic haben eine aktive Führungsrolle in der Tizen Association. Diese Marktmacht ist beachtlich: 40% aller verkauften Telefone weltweit kommen von den bei Tizen vertretenen Hardware-Herstellern. Die Mobilfunker im Tizen-Board versorgen in Summe 11% aller Kunden auf diesem Planeten. Ahonen traut Tizen zu, bis Ende 2013 maximal 2%, Ende 2014 maximal 5% Marktanteil erreicht zu haben. Wem das übertrieben vorkommt, der sei daran erinnert: Samsung allein hat mit Bada das am schnellsten wachsende OS überhaupt am Markt. Bada ist in 2 Jahren schneller gewachsen als iOS in seinen ersten beiden Jahren.
  • Sailfish: Ahonen hält es für unwahrscheinlich, daß Jolla mit der Sailfish-Alliance die 1%‑Marke überspringen kann; nicht 2013 und auch nicht 2014. Andererseits zielt Jolla auf das Hochpreissegment. Wenn das Spiel aufgeht, müssen sie nicht viele Handys verkaufen, um bis 2014 zu überleben. Über Carrier- und Händlerdeals hört man noch wenig: Der finnische Carrier DNA ist fix, außerdem die chinesische Kette D.Phone. Beides wird auf Dauer nicht reichen. Aber es ist mehr, als andere haben.
  • Firefox OS: Zu wenige Informationen, zu viele Unbekannte. Tomi Ahonen traut sich nicht so recht, das System einzuschätzen, gibt ihm aber gute Außenseiterchancen. Die Carrier stehen Mozilla freundlich gegenüber und signalisieren Unterstützung. Konkrete Verträge fehlen aber bisher - was sich jederzeit ändern kann.
  • Ubuntu for Phones: Hier gibts ein vernichtendes Urteil von Tomi Ahonen, das mich doch etwas überrascht hat. Immerhin ist dieses System der Liebling der Journalisten und hat Sailfish an Medienaufmerksamkeit überholt. Zentrales Argument dabei: Die Integration von Desktop und Telefon ist das Killer-Feature für Ubuntu. Ahonen sieht das anders: Die Desktop-Integration hat Windows Phone (und seinem Vorgänger) nichts genützt und war bei Symbian nicht hilfreich. (Ja, Symbian: Es gab schon vor Elop einen Nokia-Microsoft-Vertrag, der dazu führte, daß auch mein C7 perfekt in die Microsoft-Umgebung im Büro eingebunden ist.) Was hingegen hilfreich wäre: konkrete Vereinbarungen mit Hardwareherstellern und Carriern, die aber fehlen. Aus diesem Grund vergleicht Ahonen Ubuntu mit einem Sportler, der sich noch nicht einmal für den Wettkampf qualifiziert hat.
  • Blackberry und Windows Phone: Der Vollständigkeit halber beleuchtet Tomi Ahonen auch noch Windows Phone und Blackberry. Beiden gibt er kaum noch Chancen. Blackberry, so meint er, wird in einem Nischenmarkt profitabel bleiben, aber nicht mehr weiter wachsen. Windows Phone hält er für tot, sobald Nokia aussteigt (wie es die meisten anderen Hardware-Partner bereits getan haben).

Wie relevant sind Ahonens Analysen? Er wird oft belächelt, weil er in seinem Blog sehr emotional und nicht unbedingt professionell formuliert. Andererseits: Die meisten seiner Vorhersagen in Sachen Marktentwicklung treffen zu. So war er derjenige, der schon 2011 die Entwicklung der Nokia-Verkaufszahlen bis Anfang 2012 am korrektesten vorhersagte. Firmen wie Gartner, IDC oder Morgan Stanley lagen um ein Vielfaches daneben. Ich hoffe nur, daß er sich bezüglich Sailfish nicht verschätzt und daß dieses Mer-Derivat neben Tizen nicht unter die Räder kommt. Mein Sympathien liegen definitiv nicht bei Samsung und Intel. ;)