Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

Jolla präsentiert das Sailfish OS

Marc Dillon präsentiert das Sailfish OSJetzt wars also erstmals live und in Aktion zu sehen, Jollas „Sailfish“-Betriebssystem für Smartphones. CEO Marc Dillon hat es am Vormittag kurz vorgestellt, am Nachmittag gabs dann eine zweite (leider auch nicht wirklich lange) Präsentation dazu. Durchaus ein spannender Moment. Bisher konnte man sich ja gar nicht so sicher sein, ob dieser Nachfolger von MeeGo, dieses Enkerl von Maemo wirklich existiert. Außerdem gabs ein paar Interviews und Präsentationen rundherum, die für mich recht interessant waren. Meine persönlichen Highlights:
  • Jolla hat sich endlich eine Homepage zugelegt; wurde auch Zeit!
  • Ein Jolla-Handy wird vor dem Sommer 2013 ausgeliefert. Ich hatte es früher erhofft. Naja.
  • Jolla verwendet zusätzlich zur nativen Qt/QML-API einen Kompatibilitätslayer für Android-Applikationen. Zwar ist über die genaue Technik nichts gesagt worden, aber die Schweizer Myriad Group wurde heute als Partner von Jolla genannt. Ich nehme daher an, daß deren Alien Dalvik zum Einsatz kommt.
  • Das User Interface ist mir zu simpel, zu Apple-ähnlich. Es gibt (wie schon beim N9) keine Homescreens mit Widgets mehr, wie man sie unter Symbian, Android oder Maemo kennt. Ich konnte mich schon am N9 nicht wirklich daran gewöhnen, daß die fehlen. Mehr noch: Auch den beim N9 neu eingeführten und doch recht praktischen Event-Feed hat man wieder gestrichen. Stattdessen neu hinzugekommen ist ein Konzept, das die Bedienung der laufenden Programme direkt aus der Multitasking-Übersicht heraus erlaubt. Die Multitasking-Ansicht ist de facto der Homescreen. Einen laufenden Media-Player z.B. kann man von dort aus steuern, ohne tatsächlich ins Programm hinein zu springen. Eh lieb, aber kein Ersatz für Widgets.
  • Neben den bekannten Partnerschaften in China gibt es nun auch einen ersten Deal mit einem europäischen Carrier. Der finnische Mobilfunkanbieter DNA wird Jollas Geräte in sein Portfolio aufnehmen.
  • Ebenfalls erstmals als Partner genannt wurde der Chiphersteller ST Ericsson, auf dessen NovaThor-Plattform das neue Betriebssystem bereits läuft.
  • Sailfish scheint unter der Haube ein stabiles und anpassungsfähiges Ding zu sein: Die Firmenchefs berichten davon, daß ihre Techniker das Betriebssystem innerhalb eines Tages auf neuer Hardware zum Laufen bringen. Das, so sagen sie, ist vor allem in den Verhandlungen mit Handyherstellern ein absoluter Vorteil. (In your face, Elop: Der häßliche Mann aus Amerika hat behauptet, er hätte MeeGo deshalb sterben lassen, weil es nur mit massivem Zeitaufwand auf neue Hardware zu portieren gewesen wäre. Bei Jolla beträgt der Aufwand eine Nacht.)
  • Ich nehm den Leuten ab, daß sie es mit der Offenheit ernst nehmen. Vor allem ein Seitenhieb auf Google und Android spricht mir aus der Seele: Jolla will wirklich Open Source sein im Gegensatz zu „Source Open“. Als „Source Open“ bezeichnen sie die (bei Android übliche) Vorgehensweise, im Geheimen zu entwickeln und erst den Quellcode des fertigen Endprodukts ins Netz zu stellen. Das ist eine Augenauswischerei, die mit freier und offener Entwicklung nichts zu tun hat. Schön also, daß Jolla das anders machen will. Open 24 hours, heißt es auf einer Folie in der Präsentation; der gerade entwickelte Code ist immer einzusehen.

Also: Weiter aufmerksam bleiben. Fürs Christkind wirds nix mehr, aber im Juni hab ich ja Geburtstag. *gg*


Jolla Launch

Jolla.com ist online. News zum Jolla/Sailfish-Launch-Event gibts live bei Henri Bergius. Ich bin so aufgeregt.

Update: Auf YouTube gibts erste Videos zum User Interface: Presenting Jolla, Jolla's Sailfish UI - Hands-On Preview und Sailfish OS demoed on N950. Sexy.