Mein HTC Desire S
Am Smartphone-Markt wird es zunehmend eng: Nachdem Maemo/MeeGo weggebrochen ist und Symbian nur noch in homöopathischen Dosen zur Verfügung steht, welches Telefon soll ich mir dereinst nehmen? Mit welchem Betriebssystem soll ich mich ins Bett legen? Um diese Frage zu klären, habe ich vor einiger Zeit ein Lumia 800 ausprobiert - um ernüchtert festzustellen: Das ist kein Smartphone, das ist höchstens sowas wie ein iPhone.
Was also ist die nächste Wahl? Richtig, Android. Ich habe jetzt ein HTC Desire S. Es ist mir billig entgegengefallen. (Nein, nicht vom Lastwagen.)
Für einen Testbericht ist es zu früh, aber es gibt erste Eindrücke:
Sehr, sehr schnell (keine Spur vom angeblichen „Ruckeln“, das Apple-Fanboys Android immer unterstellen); die Oberfläche reagiert deutlich flüssiger als das genau dafür immer gelobte Windows Phone 7. Die erste Einrichtung geht sehr rasch und freundlich vonstatten. Beeindruckend: Ich hab keine SIM-Karte drin, finde aber in den Telefoneinstellungen gleich das Untermenü für SIP. Kurz mal die Daten meines A1overIP-Kontos eingetragen, schon konnte ich telefonieren! Ganz ohne SIM! Da kommen fast Maemo-Gefühle auf. Friß das, Windows Phone!
Überhaupt erinnert so ein Desire S wohltuend an ein Symbian oder Maemo-Telefon: Da gibt es verschiedene Homescreens, durch die man blättern kann. Es gibt live-Widgets und Shortcuts auf diesen Homescreens. Benachrichtigungen klappen à la Belle vom oberen Bildschirmrand herunter. Wie viel davon klassisches Android ist und was HTC-eigene Weiter(?)entwicklung (Stichwort „Sense“), kann ich nicht beurteilen - interessiert mich aber im Moment auch nicht. Es gefällt mir und ich weiß, daß es so etwas zu kaufen gibt. Das ist ja schon mal beruhigend.
Ein kleiner Schwachpunkt ist der Browser. Er ist zwar bisher (wie gesagt: erst wenige Stunden) noch nicht ernsthaft an Seiten gescheitert. Allerdings hat er oft sehr eigenartige Vorstellungen davon, was genau ich gerade anklicken will. Da wird ein ganzer Absatz in freundlichem Grün markiert, wenn ich doch eigentlich auf einen Link in diesem Absatz klicken wollte … naja. Pillepalle. Ich kann mich erinnern, daß irgendeine Maemo-Version mal ein ähnliches Problem hatte.
Alles happy also? Mitnichten. Einer der Gründe, warum Android bisher für mich nie eine ernsthafte Option war, ist die enge Bindung des Systems an Google. Es ist für mich völlig undenkbar, eine Google-ID auf einem von Google kontrollierten Smartphone-OS einzugeben. Nun: Android-Fans in diversen Internet-Foren haben mir versichert, daß es möglich ist, ein Android Handy auch ganz ohne Google-Konto zu verwenden. Es sei halt einfach nur ein bißchen mühsamer und nicht alles so gut integriert, meinten sie. Falsch: Es ist unendlich mühsam und es ist kein Licht am Ende des Tunnels in Sicht.
Beispiel gefällig? Die Synchronisation von Kontakten. Das Desire S bietet leider nicht die Möglichkeit, ein SyncML-Konto einzurichten. Es geht davon aus, daß man die Synchronisierung über das Google-Konto durchführt. Macht nichts: Für SyncML gibt es Programme, die man installieren kann. Woher bekommt man die? Von Google play, dem ehemaligen „Marketplace“. Experten wissen, was jetzt kommt: Um Programme von dort runterzuladen, braucht man - na? - ein Google-Konto! Natürlich bekommt man Programme auch außerhalb von Google play. (Auch da zeigt sich: Android ist doch ein Smartphone-Betriebssystem, anders als Windows Phone oder iOS). Das sind aber dann nicht die Programme, die ich jetzt installieren will, um mein Telefon in einen halbwegs vernünftigen Anfangszustand zu versetzen. Heißt für mich: Ja, theoretisch kann man jeden Schritt für sich ohne Google-Konto erledigen. Man kann an Google vorbei mit einem beliebigen SyncML-Server synchronisieren. Man kann an Google vorbei von einer beliebigen Quelle im Netz ein Programm installieren. Aber irgendwie sind das alles nur Einzelaufgaben, für die man kurz aus dem Google-Korsett raus kommt. Es scheint mir, daß man irgendwann in den sauren Apfel beißen und zumindest für die ersten paar Schritte diesen verfluchten Account anlegen muß. Und ich bin mir sicher, daß 99,9% der Benutzer ihn dann nie wieder löschen. „Wieso denn, funktioniert ja eh so super!“
Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis ich doch nachgebe und zumindest fürs Installieren von Software einen Account anlege. Noch habe ich die Hoffnung, daß ich irgendwo den rettenden Tip im Netz finde. Wenn nicht: Das nächste Abenteuer wird zunächst mal, dieses Telefon mit SIM-Karte zu betreiben. Wie aufregend! :)
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