Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

N900: Filme und Bilder verstecken

Am N900 läuft der Systemdienst Tracker. Er indiziert alle Dateien, die auf der Speicherkarte sowie in den Spezialordnern „Audioclips“, „Bilder“, „Dokumente“, „Videoclips“ und „Kamera“ abgelegt sind. Andere Programme (wie z.B. der Foto-Betrachter oder der Media Player) können so rasch alle vorhandenen Dateien samt eventueller Zusatzinformationen (Aufnahmedatum, Titel, …) anzeigen.

So weit, so gut. Nur will man unter Umständen nicht jedes Foto, das unter „Bilder“ abgespeichert ist, in der Übersicht des Fotobetrachters sehen. Ich bin gerade in eine solche Situation gekommen: Versuchsweise habe ich für einige gespeicherte Kontakte neue, größere Fotos verwendet. Dafür habe ich einen Unterordner „Kontakte“ im Ordner „Bilder“ angelegt. Prompt zeigt mir der Fotobetrachter beim Öffnen nun alle diese Porträtaufnahmen an. Das ist sicher nicht das, was ich wollte.

Lösung Nummer eins wäre, die Bilder in ein anderes, nicht von Tracker indiziertes Verzeichnis zu verschieben. Das ist einfach, aber langweilig. Außerdem will ich die Fotos partout im Ordner „Bilder“ haben. Dort gehören sie nun mal hin.

Lösung Nummer zwei ist in einer Konfigurationsdatei versteckt, die im Verzeichnis /home/user/.config/tracker zu finden ist. Sie heißt tracker.cfg und bestimmt das Verhalten des Indizierungs-Dienstes. Gottseidank ist es eine ganz normale Textdatei, die sich sogar ohne root-Rechte bearbeiten läßt. Die spannenden Zeilen finden sich relativ weit oben, am Anfang der Datei, in der Sektion „[Watches]“. Die Zeile „WatchDirectoryRoots= …“ legt fest, welche Verzeichnisse grundsätzlich überwacht werden sollen. Darunter gibt „NoWatchDirectory= …“ an, welche Verzeichnisse von der Indizierung ausgeschlossen sind. Genau da findet sich schon ein von Nokia selbst erstelltes Beispiel: Der Eintrag „$HOME/MyDocs/.sounds/Ringtones/“ verhindert, daß Klingeltöne aus diesem Verzeichnis (entspricht „Audioclips/Ringtones“ im Dateimanager) im Media Player als Musik angezeigt werden.

Nach diesem Muster kann man x-beliebige Unterordner von der Tracker-Indizierung ausnehmen. Bei mir beispielsweise gibt es jetzt den Zusatzeintrag „$HOME/MyDocs/.images/Kontakte/“. Er sorgt dafür, daß mein Foto-Betrachter nicht die Gesichter anzeigt, die ich ohnehin im Telefonbuch neben den einzelnen Namenseinträgen finde. Gleichzeitig bleibt der Ordner selbst aber im Dateisystem sichtbar - das ist wesentlich, sonst könnte ich die darin enthaltenen Fotos ja nicht auswählen und zuordnen. ;)

Wichtig: So richtig gut funktioniert diese Methode, wenn man zuerst die Konfigurationsänderung durchführt, dann das N900 neu startet und erst ganz zum Schluß die Dateien in den ausgeschlossenen Ordner verschiebt. Eine andere Reihenfolge führt dazu, daß Tracker die Indizierug schon durchgeführt hat, bevor ihm der Zugang zum Verzeichnis verboten wird. Auch das läßt sich korrigieren, die dafür notwendigen Klimmzüge können aber durch Einhalten der richtigen Reihenfolge leicht vermieden werden.

Zum Editieren der Datei selbst empfehle ich übrigens den Editor Leafpad aus dem Extras-Repository. Keinesfalls darf man die vorinstallierte Applikation „Notizen“ verwenden: Sie schreibt Dateien nicht in reinem Textformat zurück und würde die Konfiguration unbrauchbar machen. Weil die Konfigurationsdatei selbst sich außerhalb des Bereichs befindet, der für normale Benutzer-Dateioperationen sichtbar ist, kann sie auch von Leafpad aus nicht über „Datei|Öffnen“ gefunden werden. Lösung: Kommandozeile öffnen und als Befehl „leafpad /home/user/.config/tracker/tracker.cfg“ eingeben. Natürlich gilt: Wer vorher eine Sicherungskopie macht, hat nachher kein kaputtes Telefon.

Jetzt, wo ich weiß wie das funktioniert, kann ich auch die ganzen bösen Filme rüberkopieren, ohne daß Thumbnails davon im Media Player auftauchen. ;)