Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

USA veröffentlichen Atombomben-Bauanleitung

Manche behaupten ja, die USA seien einigen Staaten im arabischen Raum nicht wohlgesonnen. Man hört auch, sie seien an einer Verbreitung von Atomwaffen nicht interessiert. Alles bösartige Propaganda! Bis vor kurzem war die Anleitung zum Bau der Atombombe im Internet abrufbar. Von einem Server der US-Regierung. In arabischer Sprache!

Die New York Times berichtet heute das Unfaßbare: Während des Irak-Krieges haben die USA Zugriff auf Unmengen von Dokumenten erhalten, die die Behörden nicht übersetzen und auswerten konnten. Nach Genehmigung durch Präsident Bush wurden daher im März alle diese Dokumente online gestellt in der Hoffnung, brave US-Bürger würden bei der Analyse behilflich sein. Immerhin suchte man immer verzweifelter nach dem Kriegsgrund.

Die Site unter dem Titel „Operation Iraqi Freedom Document Portal“ (derzeit seltsamerweise offline) enthielt Scans der in 48.000 Kisten gesammelten Dokumente: religiöse Gedichte, handschriftliche Reparaturanleitungen für Fallschirme, patriotische Texte und so weiter. Mittendrin war das Schriftstück „Draft FFCD Version 3 (20.12.95)“: Es handelt sich hierbei um den Letztentwurf einer Sammlung von Aufzeichnungen aus dem Jahr 1995, die der Irak den UN-Waffeninspektoren übergeben hat und die den Status seines früheren Atomprogramms bzw. dessen Abbruch dokumentieren. Selbstverständlich enthalten diese Dokumente detaillierte Diagramme und Bauanleitungen, alles in arabischer Sprache.

Erst die Intervention der schockierten IAEO bei US-amerikanischen Diplomaten führte nun dazu, daß die Site gesperrt wurde. (Was blöd ist, jetzt findet man den Kriegsgrund erst recht wieder nicht.) Ich gehe davon aus, daß weltweit einige private „Sicherheitskopien“ existieren.


Wien: schwuLesbische Eltern gesucht

Pflegeeltern: Lesben bringen das zusammen!Da soll noch mal jemand sagen, daß man die großen gesellschaftlichen Themen nicht auch auf lokaler Ebene anpacken kann. Das Amt für Jugend und Familie der Stadt Wien (MA 11) sucht Pflegeeltern und spricht dafür in seiner neuen Werbekampagne gezielt auch schwule und lesbische Paare an, die sich diese Rolle zutrauen.

Damit ist der MA 11 ein genialischer Schachzug gelungen:

Erstens transportiert die Kampagne genau die unaufgeregt-selbstverständliche Alltäglichkeit, die das Thema verdient hätte. Immerhin geht es nicht um ein wildes Experiment, sondern um eine gesellschaftliche Realität: Daß Kinder in gleichgeschlechtlichen Beziehungen aufwachsen, ist nichts Ungewöhnliches, nicht einmal in Österreich. Schätzungen zufolge hat jede dritte Lesbe und jeder fünfte Schwule ein oder mehrere Kinder, heißt es im Artikel „Regenbogenfamilien“ von Birgit Bernhardt. Zumindest die Kinder von Lesben bleiben nach der Trennung der Eltern meist bei der Mutter und wachsen mit deren neuer Partnerin auf, in vielen Fällen nehmen aber auch die schwulen Väter ihre Kinder in die neue Beziehung mit. Das Rechtskomitee Lambda spricht von zehntausenden Kindern, die in Österreich in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen.

Zweitens und vor allem dreht der MA 11-Aufruf die Rollenverteilung in der öffentlichen Debatte zum Thema „Kinder in schwulen/lesbischen Partnerschaften“ um. Diese Debatte war nämlich bisher von der Frage der Adoption geprägt, in der der Kinderwunsch potentieller Adoptiveltern diese in die Rolle der Bittsteller drängte. Adoption auch für gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften zu ermöglichen hieß in der Wahrnehmung vieler, den Schwulen und Lesben einen Gefallen zu tun - und das war kaum jemandem ein Anliegen. Die MA 11 stellt nun klar: „Ihr Lesben und Schwule tut etwas für die Kinder! Ihr seid gute Eltern, wir wollen Euch für den Job, bitte meldet Euch bei uns!“ Das ist ein neuer Ansatz in der Diskussion - meiner Ansicht nach der einzig richtige. (Auch wenn es hier um Pflegeelternschaft und nicht um Adoption geht, diese Botschaft hat in beiden Fällen Gültigkeit.)

Mehr Infos zum Thema gibt es übrigens unter anderem auf Wikipedia.