Oskar Welzl: Weblog zur Homepage

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Marc Dillon zitiert mich :)

Marc Dillon ist nicht JesusJolla ist eine kleine Firma. Daher bleibt es nicht aus, daß man mit der Zeit manche der Mitarbeiter dieser Firma kennen und schätzen lernt. Da sind schon einige ganz großartige Menschen dabei. Vor allem Marc Dillon und Stefano Mosconi aus der Chefetage habens mir angetan.

Umso tiefer hängt also meine Kinnlade, wenn ausgerechnet Marc Dillon einen Text von mir via Twitter verbreitet. Wie das kam? Dazu muß ich etwas ausholen:

Im Forum talk.maemo.org treibt derzeit ein Troll sein Unwesen, der Jolla dafür kritisiert, nicht offen und transparent genug zu sein. Es sei eine Frechheit den Kunden gegenüber, keine detaillierten Verkaufszahlen zu nennen. Es sei ein Zeichen restriktiver Unternehmenskultur, daß Testhandys für Journalisten nicht einfach aus dem Pool ungeprüfter Entwicklergeräte entnommen werden dürfen, sondern die stabile Produktions-Software enthalten müssen. Vor allem aber - und darauf ist er über 20 Seiten lang herumgeritten - sei es geradezu unfaßbar, daß Geräte mit defekter Hardware einfach zur Reparatur zurückgenommen werden, statt daß man exakte Erklärungen über die betroffenen Teile, mögliche Ursachen im Produktionsprozess und vielleicht sogar noch ein Klebeset zur Heimreparatur anbietet. (Eh klar. Wer will schon, daß der Hersteller das Telefon einfach repariert …)

Irgendwann mußte ich mich einfach zu Wort melden. Ich halte es nun mal nicht aus, wenn irgendwo im Internet jemand Unrecht hat. Als Antwort auf die Geschichte mit der Reparatur wollte ich dem Typen klar machen, daß auch eine 100seitige Erklärung der Geschäftsleitung keinem Kunden etwas bringt und nur der Kundendienst helfen kann. Das Ende meines Postings von gestern war:

Marc Dillon might have grown a beard, but he's still not Jesus. His words can't heal. Only customer service can.

Gerade eben wurde ich darauf aufmerksam gemacht, daß der Absatz mittlerweile von Marc Dillon auf Twitter zitiert wurde:

Retweetet von Marc Dillon: Seen on TMO: @MarcDillonDotFi Dillon might have grown a beard, but he's still not Jesus. His words can't heal. Only customer service can.

Ich hab mich entschuldigt: Daß ich ihn nicht für Jesus halte bedeutet nicht, daß ich seine Göttlichkeit in Zweifel ziehe. *LOL*

 

Hungrig in Hongkong

Aus dem Bild „Essen mit Stäbchen“Da sitzt jemand in Hongkong und verhungert vor voller Schüssel, weil er das Essen nicht mit den Stäbchen in den Mund kriegt.

Woher ich das weiß? Serverlogs! :)

Dieser Artikel zieht immer schon viele Suchanfragen zu „mit Stäbchen essen“ an. (Ganz nebenbei: Das ist interessant und zeigt, wie Suchmaschinen arbeiten. Im Text kommt nämlich weder das Wort „Stäbchen“ noch „essen“ vor.) Die grafische Darstellung in diesem einen Kommentar dürfte vielen Leuten gefallen.

Ganz aktuell hab ich jetzt eine Suchanfrage aus Hongkong (!) in den Logfiles entdeckt. Da saß jemand an einem auf chinesisch eingestellten iPad (mit hoher Wahrscheinlichkeit also nicht sein eigenes) und suchte auf Deutsch nach einer einfachen bildhaften Darstellung, wie man mit Stäbchen ißt. Das kann verschiedenste Gründe haben. Der wahrscheinlichste ist aber wirklich, daß ers grad ganz schnell lernen mußte, weil er Hunger hatte. Und diese Vorstellung find ich zum Schreien komisch. *LOL*

 

Karma! Karma! Karma!

Ich habe heute die 1000er-Marke beim Karma auf together.jolla.com überschritten und bin derzeit auf Rang 88 von 2.035 Usern dieses erst einen Monat alten Forums.

Kann ich mir drum was kaufen? Nein. Aber ich bin halt, wie wir seit Mai 2009 wissen, eine Karma Whore. Ich bin gern meßbar gut - sogar mit Diagramm. ;)

 

Schau, schau …

Datum/Zeit Tätigkeit Standort
16/12/2013Montag 
20:30 Im Transit VANTAA FI
18:36 Hat FedEx-Herkunftseinrichtung verlassen VANTAA FI
17:38 Abgeholt VANTAA FI
14/12/2013Samstag 
02:27 Sendungsinformationen an FedEx geschickt  

Das Internet ist ein weltweites Datennetz … ;)

 

Tralalalala lala lala

Weihnachtself Wie sehr ich Weihnachten liebe … wie schnell mich die Weihnachtsstimmung packt! Es geht nichts über stimmungsvolle Dekoration, sanfte Weihnachtsmusik und Zusammensein mit den Lieben.

In diesem Sinne: Ein kurzer Blick hinter die Kulissen dieses Blogs; ein Video, das zeigt, wie die fleißigsten Kommentatoren (und die eine fleißige Kommentatorin) gemeinsam das Fest der Liebe feiern. :)

Meine Blog-Fans feiern Weihnachten

Tralalalala lala lalaaaaa! :)

 

Google-Account gelöscht

So. Aus und vorbei. Es wird mir jetzt einfach zuviel. Ich hab meinen Google-Account gelöscht. Sollen die doch schauen, wie sie ohne mich zurecht kommen.

Diese Entscheidung betrifft alle, die per Chat mit mir in Kontakt bleiben möchten. Zwar verwende ich den alten Instant Messaging Account oskar.welzl@gmail.com ohnehin schon seit Monaten nicht mehr. Der eine oder andere hat ihn aber vielleicht noch eingespeichert. Das hat sich nun erledigt. Derzeit bin ich in allen XMPP-kompatiblen Netzen unter ossi1967@gmx.at und ossi1967@jabber.ccc.de erreichbar.

Warum hatte ich das Google-Konto überhaupt angelegt? Ausschließlich wegen Google Talk. Dieser damals brandneue VoIP und Chat-Dienst wurde 2006 als erste „eingebaute“ Sprachtelefonie-Lösung aufs Nokia 770 Internet Tablet gebracht. Google Talk paßte hervorragend zur Philosopie des Gerätes: Es basierte zu 100% auf offenen Standards. Ein Chat vom Google Talk Konto aus war mit jedem anderen Gesprächspartner möglich, dessen Anbieter ebenfalls das genormte XMPP-Protokoll verwendete. Sprachtelefonie funktionierte ebenfalls genormt über XMPP/Jingle. Genau das Richtige für mich also. (Übrigens blieb die enge Verbindung zwischen Google Talk und Maemo-Geräten bis zuletzt erhalten: Auch für das N9 gab es noch eine auf Google Talk basierende Videotelefonie-Lösung.)

Im Lauf der Jahre sammelte Google immer mehr Services unter dem Account, den ich nur zum Chatten und Telefonieren verwenden wollte. Zunächst wurde YouTube von Google aufgekauft und mein dort bestehendes Konto auf den Google-Account zwangsmigriert. Dann plötzlich beschwerten sich Freunde, weil ich deren Mails an meine angeblich existierende Google-Mail-Adresse unbeantwortet ließ. Ich habe nie eine solche Adresse bekannt gegeben. Wie kommt jemand dazu, mir eine Mail dorthin zu schicken? Ganz einfach: Allen Benutzern eines Android-Handys, die meinen Chat-Account eingetragen hatten, wurde von Google automatisch eine @gmail.com Mail-Adresse für mich hinterlegt. Blöd nur, daß ich diese Adresse nie verwendet und abgefragt habe.

Der neueste Streich: Google nötigt mich immer aufdringlicher, ein öffentliches Google+ Profil zu erstellen. Egal wo ich mich einlogge, die bildschirmfüllende Aufforderung verfolgt mich überall. Als Strafe dafür, daß ich ihr nicht nachkomme, wurde bereits der Zugriff auf mein YouTube-Konto beschnitten.

Ich mag diese Entwicklung nicht. Es ist mir schon klar, daß ich mich wo anmelden muß, um einen Dienst im Internet zu nutzen. Mir ist aber nicht wohl dabei, wenn immer mehr Services unter einem einzigen Account bei einem einzigen Anbieter zusammengefaßt werden. Meine Chats haben nichts mit meinen Kommentaren zu YouTube-Videos zu tun. Meine Mails stehen in keinem Bezug zu meinen VoIP-Telefonaten. Und mit irgendwelchen komischen sozialen Netzwerken möchte ich erst recht nicht zwangsbeglückt werden, nur weil ich 2006 einen Chat-Account angelegt habe.

Die Krönung ist aber nicht das, was Google alles dazugezaubert hat. Die Krönung ist, was weggefallen ist: das Google Talk Konto nämlich. Zwar gibt es die Funktionalität in etwa noch. Allerdings heißt das Zeug seit heuer „Hangout“ und ist eine proprietäre Lösung, die nur mehr von Google-Kunden zu Google-Kunden funktioniert. Die Verbindungen zu anderen Chat-Servern wurden gekappt. Da könnt ich gleich Skype verwenden.

Also heißt es heute: Bye, bye, Google. Bei diesem Spiel mache ich nicht mehr mit, lieber verzichte ich auf die Personalisierung der Google-Dienste. Keine Abonnements mehr auf YouTube, kein Video-Chat mehr mit Android-Usern.

Gespannt bin ich darauf, wie sich das Löschen meines Accounts auf die Besucheranzahl hier am Blog auswirkt. Es gibt Gerüchte, wonach Webseiten mit Google-Werbung bei den Suchergebnissen bevorzugt werden und daher mehr Besucher abbekommen. Wir werden sehen.

 

10 Jahre Blog

Alles Gute zum Geburtstag! Am 19.10.2003 habe ich um 19:54 dieses Blog angelegt. Das war zu einer Zeit, als Blogs so richtig hip waren - und Jahre vor Facebook und Twitter. Das hier war mein erster Tag - gleich zwei Einträge. Juhu!

Technische Revolutionen …

Wenige Tage später schon kamen die ersten Beiträge mobil aufs Blog, vom Handy aus. Dieser hier vom 27.10.2003 war wahrscheinlich nicht der erste Moblog-Eintrag (so genau kann ich das heute nicht mehr nachvollziehen), ist aber ganz eindeutig spontan am Handy entstanden. Ach ja, Handy: Das war damals das Nokia 3310, ein Modell ohne Internet-Zugang. Das mobile Bloggen ging per SMS über ein Gateway von Handywelt.at, das den Text schließlich an twoday.net zustellte. (Das Gateway existiert heute noch.)

Erst 2005 trat mit dem Nokia 6230 das erste Handy mit Internet und Kamera in mein Leben und brachte diesem Blog mobile Einträge mit Bild! Die moderne Zeit war angebrochen. Aufregend, aufregend … Dieser Eintrag markiert den Beginn der neuen Epoche. :)

Die nachfolgenden Änderungen waren für mich persönlich viel spannender, obwohl sie wahrscheinlich kaum einer meiner Leser mitbekommen hat:

Mit Geotags kann ich seit 2007 den Einträgen einen Ort zuweisen. Ein Klick auf den Link „Ort anzeigen auf: Google Maps“ unterhalb eines Artikels bietet seither eine Orientierungshilfe, mit „Suche nach Fotos in der Nähe“ gibt es auch einen leichten Zugriff auf private Aufnahmen aus der Gegend, die irgendwelche anderen Web-User gemacht haben.

Ebenfalls seit 2007 gibt es die Möglichkeit, Stichworte zu den einzelnen Artikeln einzugeben. Damit fällt die Verknüpfung der Inhalte zu Flickr, YouTube, Wikipedia und anderen populären Services leichter.

Von 2007 bis 2012 habe ich dann in kleinen Schritten daran gearbeitet, das gesamte Blog im maschinenlesbaren RDF-Format zugänglich zu machen und somit ans semantische Web anzudocken. Angefangen vom umständlichen manuellen Export bis zur eleganten RDFa-Implementierung hab ich alles ausprobiert, was der Twoday-Server hergegeben hat … ohne viel praktischen Nutzen, aber mit jeder Menge Spaß. ;)

… inhaltliche Fixpunkte …

Was ist gleich geblieben in diesen 10 Jahren? Es gibt regelmäßig Berichte zum Song Contest und vor allem unser privates Voting-Ergebnis. Genauso beliebt: die immer umfangreicheren Urlaubsberichte aus Usedom, die als kurze SMS-Beiträge begonnen haben und mittlerweile fast ein Buch füllen könnten. ;)

Ebenfalls ein durchgehendes Thema: GNU/Linux bzw. freie Software insgesamt. Meine (fast) erste Berührung mit einem GNU/Linux-Desktop habe ich 2004 hier dokumentiert. Seither erlebt meine Leserschaft, wie sich freie Software bei mir auch auf Laptops, Tablets und Handys ausbreitet. (Ehrlich, während ich das tippe wird mir erst bewußt, welche Fortschritte da erzielt wurden. Das hätte ich nicht gedacht, wie ich mir vor 10 Jahren zum ersten Mal GNU/Linux einreden hab lassen vom Thomas.)

… die erfolgreichsten Artikel …

Welche Beiträge haben bisher die meisten Leser angezogen? Hier die Top 10:

  Datum Titel
1 10.12.2009 Nokia N900 - Erfahrungsbericht
2 11.05.2006 Wie finde ich Längen- und Breitengrad meines Wohnortes?
3 23.04.2009 Neues Baby
4 20.07.2008 Jede Zelle meines Körpers ist glücklich
5 18.12.2007 Fall Zogaj: „Richtige Raufertypen“
6 25.08.2008 Nationalratswahl 2008: Ergebnis in Prozent
7 31.10.2005 Robbie Williams nackt im Büro
8 23.10.2007 Semantic Web à la twoday
9 02.01.2006 CyMotion Master Linux ohne Zusatzsoftware
10 19.08.2008 Madonna: Like An Angel?

(Diese Tabelle unterscheidet sich etwas von meinen bisherigen Statistiken; ansonsten gewichte ich jüngere Beiträge stärker als ältere. Ich reihe also normalerweise nach Zugriffen pro Tag und nicht nach Zugriffen gesamt. Das hier ist, zur Feier des Tages, die Tabelle ohne Änderungen - daher sind alte Beiträge auch im Vorteil.)

… und ein Ausblick.

Was soll sich ändern in Zukunft, wie sehen die nächsten 10 Jahre aus?

Ein bißchen lästig sind die Layout-Beschränkungen, die ich mir 2003 auferlegt habe. Das Blog sollte genauso aussehen wie die Homepage, auf die mittlerweile eh keiner mehr schaut. Da ghört also mal was gemacht.

Nicht nur lästig, sondern schon peinlich sind die Fotos ganz oben auf der Seite. Wenn ich mich richtig erinnere, sind die 1998 entstanden, irgendwo in Irland. Jedesmal, wenn mich jemand fragt, wer denn der Typ auf meinem Blog ist, schwöre ich mir: Neue Fotos müssen her!

Schließlich und vor allem: Der Twoday-Server liegt in den letzten Zügen. Neuerungen gibt es seit Jahren nicht mehr, Fehler werden nur kurzfristig überbrückt, nicht aber behoben, die Ausfälle haben längst das Maß des Erträglichen überschritten. Ich brauche also eine ganz neue technische Plattform: einen verläßlichen Hoster und ein Content Management System (CMS), das auf der Höhe der Zeit ist.

Mein Plan ist, diese Schuhdrückpunkte in folgender Reihenfolge anzugehen:

  1. die Entscheidung für ein CMS
  2. die Entscheidung für einen Provider, der dieses System gut unterstützt
  3. ein einfaches Layout aus dem Fundus des gewählten CMS
  4. neue Fotos, die zum Layout passen

Mit diesem raffinierten Plan habe ich es geschafft, jede Änderung (vorläufig) zu verhindern. Seit ich mich nämlich mit der Wahl des geeigneten CMS auseinandersetze (in der engeren Auswahl sind Drupal und Wordpress), schwirren noch ganz andere Ideen in meinem Kopf herum: Will ich die statische Homepage gleich mit hinein verpacken? Will ich zusätzlich Dinge wie Mediagoblin oder einen XMPP-Server installieren? Meine eigene Cloud vielleicht? Es wird alles immer komplizierter. Sieht also so aus, als würde ich noch ein paar Monate hier hängen bleiben, mit dem derzeitigen Layout, mit den alten Fotos und mit einer Verfügbarkeit, daß der Sau graust. :)

Danke!

Wer bis hier durchgehalten hat, verdient ein dickes Dankeschön. Danke fürs Lesen, danke fürs Kommentieren, danke fürs Verlinken. Auf die nächsten 10 Jahre! :)

 

„HTML“ 5: Mit DRM ins Web der Medienkonzerne

Kampagne gegen DRM in HTML 5 Die ganze Sache mit „HTML“ 5 war mir nie geheuer. Schon seit 2008 verfolge ich mit großer Sorge die Entwicklung, die immer weiter weg führt von dem Erfolgsmodell World Wide Web, wie wir es kannten.

Neuester Streich im Dunstkreis von „HTML“ 5 ist die in Arbeit befindliche Spezifikation Encrypted Media Extensions. Sie wird von Google, Microsoft und Co. getrieben und standardisiert einen Weg zum Einbinden von DRM („Digital Restrictions Management“ oder „digitale Rechteminderung“) direkt im Herzen des World Wide Web, in den vom World Wide Web Consortium (W3C) abgesegneten technischen Empfehlungen.

Die Auswirkungen wären beträchtlich. Natürlich gibt es zum einen die direkten Folgen, die jeder spüren wird. Derzeit ist das Web eine offene Plattform. Notwendige Zugangsbeschränkungen zum Beispiel zum eigenen GMX-Account lassen sich über Mechanismen wie Benutzername/Passwort realisieren. Das wars dann aber auch schon. Was ich einmal in meinem Browser angezeigt bekomme, kann ich

  • so oft sehen, wie ich möchte,
  • speichern,
  • verschicken,
  • von anderen Programmen als dem Browser verarbeiten lassen

und so weiter. Wenn ein sogenannter „Rechteinhaber“ das verhindern will, muß er sich auf eine andere Infrastruktur verlassen und zum Beispiel auf kommerzielle Browser-Plugins ausweichen. Das ist mit Aufwand verbunden und daher eher die Ausnahme.

Wenn ein DRM-Mechanismus im Web standardisiert wird, liegt die Latte niedriger. Es wird einfacher sein, Inhalte zu beschränken - und es wird daher häufiger vorkommen. Ein Video darf nur 1x angesehen werden, fürs zweite Mal muß man erneut zahlen. Ein Katzenfoto darf man ansehen, aber nicht an Freunde verschicken. Den wissenschaftlichen Artikel kann man online lesen, aber nicht abspeichern. Musik darf man streamen, aber nicht aufs Handy überspielen. Alles, was bisher nur aus den Walled Gardens von Apple & Co. bekannt war, wird dann Teil des heute noch freien World Wide Web.

Es gibt aber noch ein zweites, tieferliegendes Problem: Wenn DRM-Mechanismen so leicht von einer Webseite angefordert werden können, dann müssen sie auch halbwegs verläßlich in den Browsern implementiert werden. Ein Browser, der die Funktion nicht bereitstellt, würde vom einfachen Benutzer nicht als moralisch überlegen, sondern als nicht funktionstüchtig wahrgenommen. (Ähnlich wie Handy-Browser ohne Flash-Unterstützung.) Bleibt die Frage: Wie lösen quelloffene, freie Browser das Problem? Eine Implementierung im offenen Teil des Codes ist problematisch, sie könnte ausgehebelt und von den Anbietern als nicht ausreichend sicher eingestuft werden. Bleibt eine Implementierung als proprietäres Plugin, ähnlich wie Flash … mit all ihren Nachteilen: Ein proprietäres Plugin wird nicht auf allen Betriebssystemen und nicht für alle Versionen zur Verfügung stehen, darf aus rechtlichen Gründen nicht einfach so weitergegeben werden, kann bei technischen Problemen nicht schnell repariert werden usw. usw.

Bürgerrechtsbewegungen wie die EFF oder Defective By Design kämpfen einen ersten Kampf, in dem es darum geht, öffentliches Bewußtsein für dieses Problem zu schaffen. In einer von mir unterzeichneten Petition forderten sie das W3C auf, die Arbeit an diesem Projekt einzustellen. Natürlich lassen sich Microsoft und Google nicht von ein paar tausend Unterstützungserklärungen abhalten. Aber darum gings aus meiner Sicht auch nicht. Es geht jetzt zunächst darum, das Thema überhaupt bekannt zu machen und es zu ermöglichen, daß Internet-User sich eine Meinung bilden.

 

Handy-Signatur: Praxiserfahrung

Um die online-Petition „Wiener Linien & Open Data” unterschreiben zu können (Artikel dazu gibts hier), hab ich mir die Bürgerkarte in Form der Handy-Signatur besorgt. Sie gilt als qualifiziertes Zertifikat im Sinne des Signaturgesetzes und soll mir auch andere Behördenwege ersparen helfen: Pensionsantrag, Diebstahlsanzeige, Meldebestätigung, Rechtsmittel im Verwaltungsverfahren, Staatsbürgerschaftsnachweis, Wahlkarten, … Das alles und noch mehr soll ich online erledigen können, ohne Zusatz-Software, ohne Chipkarte, nur mit dem Handy und dem PC.

Wie funktionierts nun in der Praxis?

The Good

Ich wollte die Petition online unterschreiben. Ich konnte die Petition online unterschreiben. Die praktische Anwendung ist simpel: Telefonnummer und Passwort eingeben, auf TAN warten (kommt per SMS), TAN eingeben, fertig.

Der Anmeldevorgang zur Handy-Signatur führt zwar über insgesamt drei völlig unterschiedlich gehaltene Websites, was ernsthafte Zweifel an der Seriosität des Angebots aufkommen läßt. (a-trust verweist auf Handy-Signatur.at, von dort gehts weiter zu Sendstation.at.) Ist man dann aber erst mal bei Sendstation angekommen, verläuft der erste Teil der Registrierung schmerzlos. (Wer die Voraussetzungen für diese Anmeldung per Online-Banking nicht erfüllt, findet auf Handy-Signatur.at genügend Alternativen.) Leider ist das aber nur der erste Teil …

Ach ja, auch noch „good“: Die Handy-Signatur ist gratis.

The Bad

Auch bei der von mir gewählten Online-Anmeldung ist die Handy-Signatur nicht sofort startklar. Als letzter Schritt im Prozess wird nämlich eine PIN per Briefpost an die Meldeadresse geschickt. Wahrscheinlich soll damit sichergestellt werden, daß die Adresse wirklich stimmt. Das ist einerseits frustrierend (wer online registriert, will online bedient werden), funktioniert außerdem aber auch nicht. Ich habe am 25.3. den online-Teil der Registrierung abgeschlossen. Der Brief sollte „innerhalb von 2-3 Werktagen“ bei mir ankommen. Heute, am 3.4., hatte ich ihn im Postkasten: das sind sechs Werktage, mehr als eine Woche. Ausgedruckt wurde er am 28.3., Poststempel trägt er sicherheitshalber gleich keinen. Man sollte also, wenn man die Handy-Signatur beantragt, besser nichts Dringendes damit erledigen wollen.

Bei der Gelegenheit konnte ich übrigens auch gleich den Telefonsupport kennenlernen. Ich hab dort nämlich angerufen, weil ich wissen wollte, ob irgendetwas nachvollziehbar „hängt“ im System. Die Hotline „weiß grundsätzlich nichts“ (das war der erste Satz nach der Schilderung meines Problems), verläßt sich auf hilfreiche Anregungen durch den Neukunden („Könnten Sie vielleicht dies oder jenes nachsehen?“ - „Ah ja, das geht schon.“) und gibt im Brustton der Überzeugung zwei völlig widersprüchliche Informationen zum Status meiner Anmeldung. Daß es sich dabei um eine kostenpflichtige 0900er-Nummer handelt, macht die Sache nicht besser, ist aber eine lustige Zusatzinfo, wenns um meinen Lieblingssatz in diesem Gespräch geht: „Könnten Sie bitte langsamer sprechen?“

The Ugly

Nachdem ich die Petition erfolgreich unterzeichnet hatte, wollte ich noch weitere Standardanwendungen ausprobieren: Den kostenlosen „e-Tresor“ (2GB Cloud-Speicher), das Signieren von PDFs sowie das Überprüfen einer Signatur. Das Login in den e-Tresor schlug fehl, die Anwendung zur Signaturüberprüfung erklärte mir, daß das soeben erst am gleichen Server von mir selbst signierte PDF eine ungültige Signatur mit 0 Bytes aufwies. Das schafft kein Vertrauen in die Infrastruktur. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diese mobile Bürgerkarte jetzt verwenden will, um mir meine Behördenschreiben (RSa und RSb) elektronisch zustellen zu lassen. Von einer eGovernment-Lösung hätte ich grundsätzlich erwartet, daß sie funktioniert.

 

Blogstatistik: Windows verliert, GNU/Linux gewinnt

Weil wir gerade - siehe hier - in Statistiklaune sind: Mit welchen Systemen und Geräten kommen die Leser auf mein Blog? Wie haben sich die Anteile der Betriebssysteme seit 2005 verändert?
  2005 2008 2010 2012
Windows 87% 85% 78% 60%
Linux ¹) 5% 7% 14% 15%
iOS 0% 0% 1% 10%
Symbian 0% 0% 0% 7%
OSX 6% 6% 6% 6%
andere 2% 2% 1% 2%
¹) GNU/Linux und Android

OSX bleibt absolut konstant bei 6%, seit 7 Jahren. Keine Veränderung. Trotzdem entwickelt sich Apple: Die iOS-Anteile liegen 2012 bei 10%.

Mobile Betriebssysteme spielen überhaupt erst in der 2012er-Statistik eine nennenswerte Rolle. Vorher gingen sie großteils in „andere“ unter bzw. hielten sich bei „Linux“ versteckt. (Es gibt einen großen Anteil an N900/N9-Usern. Aus einer Auswertung ausschließlich der mobilen Betriebssysteme 2010 weiß ich, daß rund 70% aller mobilen Besucher mit einem solchen GNU/Linux-Gerät unterwegs waren.) Das überrascht mich doch sehr. Ist die mobile Revolution wirklich erst während der letzten zwei Jahre bei meinen Lesern angekommen? Immerhin: Geschrieben wird dieses Blog seit 2003 auf dem Mobiltelefon!

Windows verliert als einziges System, das dafür konstant und stark. Von ursprünglich fast 90% auf jetzt 60%, das ist ein herber Einbruch.

Einzige Unschärfe der Statistik: Ich kann in der Zeile „Linux“ nicht zwischen Android und einem Desktop-GNU/Linux unterscheiden. (Daher auch die unglückliche Bezeichnung der Zeile.) Die Zuwächse gehen, wenn ich mir die Browserkennungen in den Datensätzen ansehe, aber nicht so stark wie erwartet aufs Konto von Android.

Absolut keine Rolle spielen Systeme wie Blackberry und Windows Phone. Die rund 2% der Kategorie „andere“ setzen sich zum großen Teil aus nicht identifizierbaren Systemen und uralten Windows-Versionen (Windows 98!) zusammen. Außerdem findet man dort auch einen erstaunlich hohen Anteil an Zugriffen, die über den Proxyserver von Opera Mini gelaufen sind.

Zuletzt noch die Basis für die Zahlenspiele: Mein Counter liefert jeweils die Ausstattung der letzten 3000 Besucher. Es handelt sich also bei keiner der Spalten um einen Jahresdurchschnitt, sondern um die Werte der letzten 3000 Leser vor dem Abzug der Daten.