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Nokia: Wackelt Elop?

Mit Elop gehts bergab Zum ersten Mal tummeln sich im Netz leise Gerüchte, wonach Stephen Elops Sessel bei Nokia wackelt. Stephen Elop, das ist der Mann, der mit seinem „Burning Platform Memo“ und dem Strategiewechsel von Qt (MeeGo/Symbian) zu Windows Phone in etwas über einem Jahr 60% (!) des Unternehmenswertes vernichtet hat. Das ist der Mann, der es geschafft hat, daß die vor seinem Strategiewechsel profitable und wachsende Smartphone-Sparte auf ein Drittel geschrumpft ist (10 Millionen statt 30 Millionen Stück pro Quartal) und das Unternehmen herbe Verluste schreibt.

Überraschend ist, daß diese Gerüchte erst jetzt auftauchen. Elop hat bisher keinen einzigen Erfolg zu verbuchen. Die wenigen Dinge, mit denen Nokia noch positive Aufmerksamkeit erregen konnte (das N9 und PureView), sind lange vor seiner Zeit entstanden. Sein eigenes Baby, die Lumia-Reihe, bewegt sich unterhalb der Wahrnehmungsschwelle. Die finanzielle Situation des Unternehmens ist katastrophal.

Noch ist die Gerüchtesuppe sehr dünn: Da ist jemand, der seinen Namen nicht nennt und behauptet, er würde bei einem Dubliner Finanzinstitut arbeiten. Im Zuge der Beurteilung der Kreditwürdigkeit von Nokia wären diese aus dem Unternehmen selbst gestreuten Gerüchte mit eingeflossen … Ja, sehr dünn. Trotzdem: Bisher gabs gar nichts dergleichen. Mal sehen.

Wirklich übel an der Situation ist ja: Elop hat die Firma so sehr ruiniert, daß auch ein Nachfolger ein schweres Stück Arbeit vor sich haben wird. Der Microsoft-Vertrag ist nun mal da und läuft bis 2016, da kommt Nokia nicht raus. Noch kann Nokia parallel verstärkt in die ursprüngliche Qt-Infrastruktur investieren. Grundsätzlich ist alles da, trotz Outsourcing hat Elop eine Unterstützung von Symbian bis ebenfalls mindestens 2016 angekündigt. Qt und die MeeGo-Basis laufen ohnehin nicht weg. Das große Problem beim Schwenk zurück: Elop hat die Marke nachhaltig beschädigt. Kein Entwickler glaubt ein zweites Mal daran, daß sich Investitionen in Qt lohnen. Kein Verkäufer dreht seinem Kunden jetzt das „tote“ Symbian an. Würde ein neuer CEO an die alte Strategie anknüpfen wollen, es hätte etwas von einer Exhumierung an sich. Nicht sexy.

Gibt es einen Plan B? Interessant finde ich ja zum Beispiel, daß Nokia munter neue Symbian-Modelle vorstellt, nachdem Elop das Betriebssystem vor über einem Jahr zunächst totgesagt hat. Interessant finde ich auch den mittlerweile fast ein Jahr alten Artikel von Nokias Maemo-Ikone Quim Gil, in dem er sinngemäß schreibt: „Auch wenn es heißt, daß MeeGo tot ist - hängt Euch nicht an Namen auf. Nokia arbeitet weiter am Linux Kernel, am WebKit-Browser, an Qt.“ Tatsächlich: Trotz des Abschieds von MeeGo und trotz der angeblich exklusiven Bindung an Windows Phone gehörte Nokia auch 2011 zu den 20 Firmen, die am meisten zum Linux-Kernel beigetragen haben. Was ich mir also durchaus vorstellen kann ist, daß die Namen sterben, der technische Unterbau und das Know-How sowohl von Symbian (das ja ohnehin schon „Nokia Belle“ heißt) und Maemo/MeeGo in ein altes/neues System mit einfließen, mit dem man das chronisch schwache Windows Phone ergänzt.

Mal sehen. Ich würd mich nur freuen, wenn Elop wirklich geht. Er hat die Entwicklung des Smartphone-Marktes um zwei Jahre zurück geworfen.

 
 
schlosser meinte am :
Wohin soll das alles nur führen???
*hach*
Das Einzige, das ich über NOKIA bestimmt sagen kann ist: 'I gfrei mich aufs 808er'. Was noch? keine Ahnung. Vielleicht sehen wir in zwei Jahren ein MS-Handy und Nokia ist völlig verschwunden. Vielleicht aber auch steigt's aus wie Phönix aus der Asche. (Schön wärs, allein schon wegen meiner Nokia-Aktien *gg*). Who knows?
Ich finde die Welt ja schon sowas von verkehrt...eigentlich ein Riesenjammer.
Da gibt es eine Firma, die die besten Handys der Welt baut und die prostituiert sich wegen so einem deppaten *will-haben-weil-will-ned-selber-denken*-Allerweltstelefon mit den Amerikanern. *hach*, als tätatns wir in Europa ned allein schaffen. Nein! Da müssen wir mit allem Marketing-Budget wo gibt ein Handy in die Welt setzen, das dem Steve Ballmer passt. Und wo bleibt Symbian? Im Nischenländle. Aber egal... wie auch immer... ich bin fix beim '808'er dabei und das wird -glaub ich- mein letztes Smartphone bis 2014. Weil dann sollte endlich eine neue Strategie her. Und dann überleg ich mir einen Neukauf. 
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